Drei junge Personen sitzen draußen an einem Tisch und lesen oder schreiben in ein Buch. Aus der Vogelperspektive fotografiert.
© unsplash / Alexis Brown

Wir investieren in Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten

Bildung ist der Schlüssel zu einem guten Leben. Viel zu oft bestimmt heute noch die Herkunft eines Kindes über Chancen und den späteren Erfolg im Leben. Wirtschaft und Gesellschaft brauchen die Ideen und die Kraft aller jungen Menschen. Darum müssen unsere Kitas, Schulen, Berufsschulen und Hochschulen besser werden. Sie sollen allen gleiche Chancen auf ein gutes Leben ermöglichen. Dafür steht die grüne Bildungspolitik.

Es ist leider immer noch so: Reinhard aus Zwickau, Melis aus Aachen und Anna aus Offenbach – sie haben nicht die gleichen Chancen auf ein gutes, selbstbestimmtes Leben in unserer Gesellschaft. Kinder bringen vieles aus ihren Elternhäusern mit, die einen eher Ballast, die anderen gute Beziehungen. Manche haben tolle Kitas und Schulen in ihrem Stadtteil, bei anderen bröckelt der Putz von der Decke und es gibt zu wenig Erzieherinnen und Erzieher. Das Ergebnis sehen wir bei den Bildungserfolgen. Die Zukunft von Kindern und Jugendlichen hängt sehr stark von sozialer Herkunft ab, weniger von den tatsächlichen Potenzialen.

Wir Grüne nehmen das nicht hin. Denn eine gerechte und offene Gesellschaft braucht gute Bildung für alle. Jede und jeder soll sich wahrgenommen und dazugehörig, gefordert und unterstützt fühlen. Dafür brauchen wir Kitas, die jedes einzelne Kind unterstützen. Alle Kinder sollen gerechte Startchancen bekommen. Das ist die Voraussetzung, um Bildungsarmut zu verhindern. Kinder brauchen in allen Schulen gute Bedingungen: gut ausgebildete Lehrerinnen und erreichbare Sozialarbeiter, funktionierende Toiletten und Turnhallen, gute Betreuung bis in den Nachmittag, genauso wie WLAN und Whiteboards. Dafür wollen wir Schulen im ganzen Land mehr Geld und mehr Unterstützung geben.

Von der Schule aus sollen alle einen Weg in eine gute Zukunft sehen und gehen. Deswegen wollen wir die grüne Ausbildungsgarantie: Jede und jeder Jugendliche soll direkt nach der Schule eine anerkannte Berufsausbildung beginnen können. Sie sollen auch dann nicht gebremst werden, wenn die Konjunktur mal lahmt.

Wer an die Hochschule geht, braucht gute Studienbedingungen und ein auskömmliches BAföG. Nicht Geld und „Familientradition“, sondern Lust aufs Lernen sollen das Studieren ermöglichen. Nur wenn die Lehre an unseren Hochschulen gut und der Lebensunterhalt sicher ist, können alle erfolgreich studieren und das aus sich rausholen, was in ihnen steckt.

Und mit 25 ist für uns noch lange nicht Schluss: Weil lebensbegleitendes Lernen immer wichtiger wird, wollen wir mit einem Rechtsanspruch auf Weiterbildung dafür sorgen, dass alle Menschen die Chance auf berufliche und persönliche Entwicklung erhalten. Menschen, die sich auch später im Leben weiterbilden wollen, unterstützen wir mit einem Weiterbildungs-BAföG beim Lebensunterhalt und den Fortbildungskosten. So können auch die weiterlernen, denen das bisher niemand bezahlt oder zutraut.

In all diesen Fragen sollen Bund, Länder und Kommunen zusammenarbeiten. Wir sind überzeugt, dass ein gerechtes Bildungssystem nicht mit dem Geist der Konkurrenz, sondern nur mit dem Willen zur Zusammenarbeit erreicht werden kann. Die letzte Änderung des Grundgesetzes im Bildungsbereich ist ein wichtiger Schritt zu einem modernen Bildungsföderalismus. Diesen Weg wollen wir weitergehen und das Kooperationsverbot in der Bildung vollständig abschaffen, damit Bund, Länder und Kommunen die großen Herausforderungen von der Kita bis zur Hochschule endlich gemeinsam bewältigen können.

Das haben wir vor: So machen wir das Bildungssystem gut und gerecht


  1. Jedes Kind ab eins soll einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in einer guten Kita haben. Deutschlandweit gibt es große Unterschiede, wie viele Kinder eine Erzieherin oder ein Erzieher betreut. Dabei ist die Zeit, die Fachkräfte für die Kinder haben, entscheidend dafür, dass sich Kinder wohlfühlen und individuell gefördert werden können. Wir wollen deshalb Mindeststandards für die Qualität gesetzlich festlegen. Ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis bedeutet, dass auf drei Krippenkinder eine Erzieherin oder Erzieher kommt und bei Kindern über drei Jahren eine Fachkraft höchstens acht Kinder betreut. So hat sie sowohl ausreichend Zeit für die Kinder als auch für Vor- und Nachbereitung und Elterngespräche. Wir investieren in die Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher. Der Bund soll sich jährlich mit drei Milliarden Euro an den zusätzlichen Kosten beteiligen. Die Sprachförderung wollen wir stärken. Grundsätzlich wollen wir beitragsfreie Bildung von Anfang an, auch in den Kitas. Doch an erster Stelle stehen für uns jetzt der Ausbau der Kitas und eine bessere Qualität.
  2. Wir wollen eine Bildungsoffensive starten und in den nächsten fünf Jahren zehn Milliarden Euro in Schulen investieren, damit sie fit für die Herausforderungen der Zukunft werden. Wir bauen damit gute und inklusive Ganztagsangebote im ganzen Land aus, unterstützen die beruflichen Schulen bei den besonderen Aufgaben der Integration und sorgen dafür, dass die Unterstützung dort ankommt, wo sie besonders gebraucht wird. Für mehr Qualität ist eine gute personelle Ausstattung besonders wichtig. Mit einem Bundesprogramm wollen wir Schulen in benachteiligten Stadtquartieren und Regionen mit mehr pädagogischem Personal und mehr Mitteln ausstatten, damit individuelle Förderung gelingt und mehr Bildungsgerechtigkeit entsteht.
  3. Wir wollen das Kooperationsverbot komplett aufheben. Bund, Länder und Kommunen sollen gemeinsam ihre Verantwortung für eine offene Gesellschaft mit gut ausgebildeten Menschen übernehmen können. Die vorsichtige Öffnung des Grundgesetzes im Bildungsbereich ist ein wichtiger erster Schritt. Diesen Weg wollen wir weitergehen, damit die Digitalisierung im Klassenzimmer und inklusiver Unterricht überall gelingt und Aufstieg durch Bildung nicht mehr von der sozialen Herkunft oder dem Wohnort abhängt. Das alte rot-grüne Ganztags-Programm hat viel in Bewegung gesetzt und gezeigt, wie wichtig es ist, dass Bund und Länder gemeinsam anpacken. Hier wollen wir anknüpfen.
  4. Mit unserer Ausbildungsgarantie wollen wir allen Schulabgängern den Weg in die Ausbildung erleichtern. Jede und jeder Jugendliche erhält bis zum 30. September eines Jahres verbindliche Angebote für einen Ausbildungsplatz. Gelingt der Wechsel in einen Betrieb nicht, soll es eine betriebsnahe Ausbildung in überbetrieblichen Ausbildungsstätten geben, die zu einem anerkannten Berufsabschluss mit Kammerprüfung führt. Kleine und hochspezialisierte Unternehmen können sich stärker an der Ausbildung beteiligen. Sie steuern einzelne Ausbildungsteile bei. Um Ausbildung attraktiv zu machen, schaffen wir das Schulgeld ab und setzen uns für ein kostengünstiges Auszubildendenticket ein. Wir befürworten branchen- und regionsspezifische Umlagen zur solidarischen Finanzierung der Berufsausbildung. Wir wollen allen Auszubildenden ein eigenständiges Leben ermöglichen. Deshalb fordern wir eine Stärkung der Tarifautonomie und ergänzend zu den einzelnen Tarifverträgen eine Mindestausbildungsvergütung. Gleichzeitig setzten wir uns dafür ein, dass die Berufsausbildungsbeihilfe einfacher in Anspruch genommen werden kann und sich die Höhe realistisch an den Lebenshaltungskosten orientiert.
  5. Das BAföG wollen wir sofort verbessern: Mit höheren Elternfreibeträgen, damit mehr Familien profitieren. Und mit höheren Fördersätzen, damit weniger Studierende nebenbei arbeiten müssen. Das BAföG soll automatisch erhöht werden, wenn die Lebenshaltungskosten steigen. Es muss auch für Teilzeitstudiengänge und für Studierende geöffnet werden, die nahe Angehörige pflegen. Die bisherige Mietkostenpauschale wollen wir an den regionalen Durchschnitt anpassen, damit nicht nur die Kinder wohlhabender Eltern in teuren Hochschulstädten studieren können. Mittelfristig wollen wir den Umbau zu einem Zwei-Säulen-Modell. Dazu gehören eine Basisförderung, die allen Studierenden als Zuschuss zusteht und eine zweite Säule, die den Studierenden aus ärmeren Elternhäusern als Vollzuschuss zukommt. Am Ende des Studiums sind Studierende dann schuldenfrei. Denn zurückgezahlt werden muss beides nicht. Studiengebühren lehnen wir ab.
  6. Und auch im späteren Leben muss es möglich sein, sich weiterzubilden oder beruflich zu verändern. Das Aufstiegs-BAföG bauen wir zu einem umfassenden Weiterbildungs-BAföG um, damit alle Menschen die Zeit und die Kosten für eine Weiterbildung aufbringen können. Mit einem individuellen Mix aus Zuschuss und Darlehen sorgen wir dafür, dass auch die Menschen beruflich und persönlich vorankommen, denen das nötige Geld oder die Unterstützung von der Arbeitgeberin oder dem Arbeitgeber fehlt. Dabei gilt der Grundsatz: Wer weniger hat, bekommt mehr und umgekehrt.

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