Zum Seiteninhalt springen
Artikel

Wie wir diese Hitze gut überstehen

Hitze tötet – und das im wachsenden Ausmaß. Rund 2.500 Menschen sind in Deutschland im vergangenen Jahr an den Folgen extremer Hitze gestorben. Während die schwarz-rote Bundesregierung den Schutz vulnerabler Menschen als Randthema abhandelt, braucht es jetzt wirksamen Hitzeschutz als Priorität in der Politik, von der Kommune über die Bundesländer bis zur Bundespolitik.

Die Zahlen sind alarmierend: Laut Robert-Koch-Institut starben in Deutschland im vergangenen Jahr rund 2.500 Menschen an hitzebedingten Ursachen. Europaweit sind seit dem Jahr 2000 nahezu alle (99 %) der extremwetterbedingten Todesfälle auf Hitze zurückzuführen. Besonders beunruhigend ist dabei der Ausblick in die Zukunft: Der Sommer 2026 gehört sehr wahrscheinlich noch zu den kühleren, die wir als Menschheit erleben werden. Vergleicht man die Dekade von 1991 bis 2000 mit den Jahren 2015 bis 2024, ist die Zahl der Tage mit gefährlichen Hitzewarnungen in Europa bereits um 318 Prozent gestiegen.

Deutschland hinkt beim Hitzeschutz hinterher

Trotz dieser eindeutigen Datenlage ist Deutschland beim Hitzeschutz noch immer eher schlecht aufgestellt. Kommunale Hitzeaktionspläne existieren bundesweit nicht flächendeckend. Wo sie vorhanden sind, können sie noch konsequenter umgesetzt werden. Statt gegenzusteuern, geht die schwarz-rote Bundesregierung in die völlig falsche Richtung: Sie hat ein Förderprogramm gestrichen, das den hitzeresilienten Umbau von Altenheimen, Kindergärten und Schulen unterstützt hat. Ausgerechnet jene Einrichtungen, in denen die besonders vulnerablen Menschen – kleine Kinder, alte und pflegebedürftige Menschen – betreut werden, bleiben damit beim Schutz vor Hitzewellen ohne Unterstützung. Stattdessen empfehlen drei neue Hitzeschutzpläne der Bundesregierung vor allem Verhaltensänderungen für Einzelpersonen: keine Sportereignisse bei hohen Temperaturen, keinen Alkohol kosumieren, kein Grillen. Diese Hinweise sind zwar sinnvoll, aber sie verlagern ein gesellschaftliches Problem lediglich in das Privatleben der Menschen.

Hitze verschärft soziale Ungerechtigkeit

Hitzeschutz ist aber keine rein private Verantwortung, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die strukturelle Investitionen auch des Staates erfordert. Denn Hitzewellen gefährden sowohl die physische als auch die psychische Gesundheit. Extrem hohe Temperaturen, zudem in den Abend- und Nachtstunden ohne spürbare Abkühlung, verstärken nachweislich Stress sowie Schlafstörungen und erhöhen die Suizidalität. Aber die Folgen dieser extremen Temperaturen treffen die Bevölkerung nicht gleich. So leben ärmere Menschen sehr viel häufiger in schlecht isolierten Wohnungen und Stadtvierteln mit wenig Bäumen oder Grünflächen, viel versiegelter Fläche und meist an stark befahrenen Straßen. Gleichzeitig verfügen sie über weit geringere Möglichkeiten, sich durch Klimatisierung, Verschattung oder das schnelle Aufsuchen kühlerer Orte zu schützen. Hitzeschutz ist also auch eine Frage von Fairness und sozialer Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft.

Grüne Vorschläge, was es jetzt braucht

Um uns als Menschen viel wirksamer vor solchen langen Hitzewellen zu schützen, braucht es ein Bündel an Projekten und konkret umsetzbaren Schritten auf allen Ebenen, sowohl in der Stadt und im Dorf, im Bundesland als auch in der Bundespolitik.  

  • Weiterentwicklung des Hitzeschutzplans für die Gesundheit
  • kommunale Hitzeaktionspläne flächendeckeckend verankern
  • Kommunen bei der Erstellung der Hitzeaktionspläne unterstützen
  • kommunale Klimaanpassung zielgerichtet unterstützen
  • Schulen, Kindergärten und Spielplätze durch natürliche und bauliche Maßnahmen wie Bäume, Grünanlagen und Sonnensegel abkühlen
  • konkrete Hilfsangebote für wohnungslose Menschen während der Hitzeperioden
  • „Cool Zones” als klimatisierte, öffentliche Räume mit kostenfreiem Trinkwasser, Toiletten und zur Erstversorgung
  • Schaffung von mehr „Grünen Oasen“ mit zusätzlichen Bäumen, größeren Parks und Bächen oder Flussläufen
  • 5 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für blau-grüne Infrastruktur mit mehr Renaturierungsprojekten für unsere Bäche, Flüsse und Gewässer.

Die Bundesregierung muss jetzt handeln, denn Hitzeschutz ist eine politische Aufgabe, kein Privatvergnügen. Wer jetzt Gelder streicht und auf private Eigenverantwortung verweist, nimmt billigend in Kauf, dass Kinder, vorerkrankte Menschen, Schwangere, alte und pflegebedürftige Menschen in Zukunft noch häufiger solchen Hitzewellen schutzlos ausgeliefert sind. Effektiver Hitzeschutz rettet dagegen Menschenleben. 

Teilen: