Zum Seiteninhalt springen
Artikel

Sassnitzer Erklärung – Faire Chancen für alle Kinder

Gute Bildung und verlässliche Betreuung dürfen nicht vom Wohnort abhängen. Gerade in ländlichen Regionen stehen Familien jedoch häufig vor besonderen Herausforderungen – von langen Wegen zur Kita bis hin zu gefährdeten Schulstandorten. Mit der Sassnitzer Erklärung zeigen wir konkrete Wege auf, wie Bund, Länder und Kommunen gemeinsam dafür sorgen können, dass jedes Kind unabhängig von Herkunft oder Wohnort faire Bildungs- und Entwicklungschancen erhält.

Die Sassnitzer Erklärung gibt es hier zum Download.

Das Leben auf dem Land ist für viele Menschen Heimat, für andere Sehnsucht. Dort gibt es mehr Ruhe und Natur, ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl, für viele bessere Wohnqualität und Familienfreundlichkeit.

In vielen ländlichen Regionen gibt es aber auch Schattenseiten. Marode Schulgebäude, chronischer Lehrkräftemangel und Kita-Plätze, die erst nach einer halben Stunde Fahrt erreichbar sind: Das sind keine Einzelfälle, sondern Alltag in vielen Ortschaften.

Bildung ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht der Chancengleichheit aller Menschen in der Bundesrepublik. Für uns ist klar: Es darf keine Kinder zweiter Klasse geben. Wir fordern das Recht auf Bildung vor Ort. Bund und Länder sollen gemeinsam verbindlich zusagen: Für jedes Kind gibt es in der Nähe seines Elternhauses eine Kinderbetreuung und eine Grundschule. Gerechtigkeit bei der Bildung – von Anfang an. Chancengerechtigkeit – unabhängig vom Einkommen der Eltern, von der Lage des Dorfes oder von der Struktur des Bundeslandes.

Wir haben Lösungen: clever, konkret und umsetzbar. Für Bildung, die wirklich vor Ort funktioniert.

Was es dafür braucht?

1. Mehr Zusammenarbeit wagen

Gemeinsam stark

Nur wenn Bund, Länder und Kommunen Hand in Hand investieren, können wir die vielfach maroden Einrichtungen in den ländlichen Regionen endlich sanieren. Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam für die nötige finanzielle Basis sorgen, die unsere Kinder verdienen.

Das Startchancen-Programm aus den Zeiten der letzten grünen Regierungsbeteiligung zeigt bereits erste Erfolge. Durch die gezielte Förderung von Schulen in herausfordernden Lagen wurde die Situation vor Ort verbessert. Wir wollen daran anknüpfen und künftig in einer zweiten Fördersäule mit zusätzlichen Fördermitteln gezielt Schulen in strukturschwachen Regionen unterstützen und erhalten.

Bund, Länder und Kommunen sollen künftig noch stärker bei Bauvorhaben, Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie Personal für multiprofessionelle Teams in ländlichen Grundschulen zusammenarbeiten. Dafür braucht es gezielte Investitionen in den ländlichen Raum.

Die Milliarden aus dem Sondervermögen für Infrastruktur müssen zu einem erheblichen Teil in die Sanierung und Modernisierung von maroden Bildungseinrichtungen fließen. Die Bundesregierung muss endlich sicherstellen, dass die Mittel aus dem Sondervermögen effizient und nur für zusätzliche Investitionen eingesetzt werden und nicht in teure Wahlversprechen fließen.

2. Ländliche Kitas

Gute Betreuung in jedem Ort

Kita soll Grundrecht sein – nicht Glückssache. Eine Kita in der Nachbarschaft bedeutet mehr als Betreuung: Sie ist der erste Lernort, an dem Kinder spielerisch gefördert werden. Wir folgen dem Grundsatz „Kurze Beine, kurze Wege“. Das bedeutet, dass kein Kind mehr einen weiten Weg zurücklegen muss, um gut und sicher betreut zu werden.

Auch in strukturschwachen Regionen sollte die nächste Kinderbetreuung nicht weiter als 15 Minuten entfernt sein. Wir wollen dafür sorgen, dass sich darauf alle Familien verlassen können.

In der Krippe und der Kita senken wir die Betreuungsschlüssel und setzen uns für eine bundesweite Vereinheitlichung ein – damit Kinder nicht nur „beaufsichtigt“, sondern gezielt gefördert werden.

Wir stärken Tageseltern, um flexible, ortsnahe Betreuungsmodelle zu schaffen und die Lücken vor Ort zu schließen.

Der Bund sollte den Ländern stärkere Unterstützung zukommen lassen und dafür das geplante Qualitätsentwicklungsgesetz aufstocken und zu einem Pakt ausbauen – für eine bessere Sprachförderung, gesundes Essen und moderne Gebäude.

3. Ländliche Grundschulen

Mehr als ein Zahlenwert

Kleine Schulen sind die Zukunft ihrer Dörfer. Wenn sie erhalten bleiben, bleibt auch das soziale Gefüge stark. Wir setzen auf innovative Schulmodelle, die Qualität und Regionalität verbinden.

Örtliche Grundschulen, die als sozialer Anker im Dorf dienen, sollten erhalten bleiben. Dafür braucht es Ausnahmen in den Vorschriften für Mindestgrößen von Schulen.

Mit der gezielten Unterstützung von Bund und Ländern wollen wir es Kommunen ermöglichen, kleine Schulen zu betreiben, ohne das allgemeine Budget der Schulen anzutasten.

Wir fördern Kooperationen, bei denen mehrere Grundschulen sich Fachkräfte, Sozialarbeit und Verwaltung teilen – dabei aber als eigene Standorte erhalten bleiben.

Wir unterstützen jahrgangsübergreifende Lerngruppen, multiprofessionelle Teams und moderne didaktische Konzepte, die Kleinschulen zu Lern- und Innovationszentren machen.

Über Stipendienprogramme und zulassungsfreie Studienplätze wollen wir gezielt Lehramtsstudierende in die ostdeutschen Länder und Hochschulen bringen und das Interesse wecken, nach ihrer Ausbildung an einer ostdeutschen Hochschule und dem Referendariat in der Region zu bleiben.

4. Bildung & Begegnung

Gemeinsam leben, lernen, wachsen

Wenn Kitas und Schulen zu Treffpunkten für alle Generationen werden, stärkt das das soziale Netz im Dorf. Wir schaffen Orte, in denen Bildung, Kultur und Zusammenhalt Hand in Hand gehen.

Jugendtreffs, Seniorentagesstätten, Bibliotheken, Vereine und Initiativen sollen die Räume von Kitas und Schulen im Dorf leichter nutzen können. So können vor Ort vielfältige Familien- und Gemeinschaftszentren entstehen oder belebt werden.

Kommunen sollen auch über ihre Gemeindegrenzen hinweg bei Bildung, Kultur und sozialen Angeboten stärker zusammenarbeiten – so gibt es mehr Austausch, mehr Angebot und mehr Miteinander vor Ort.

Warum das jetzt wichtig ist

Kinder in ländlichen Räumen verlieren heute häufig den Anschluss, weil die nächste Kita zu weit entfernt ist oder eine kleine Grundschule schließen muss. Das kostet nicht nur Eltern Zeit, Geld und Nerven, sondern schwächt das soziale Gefüge unserer Dörfer. Mit gezielten Investitionen von Bund und Ländern sichern wir die Zukunft unserer ländlichen Regionen, stärken die Familien und schaffen Bildungsstandorte, die das ganze Land voranbringen.

Für ein modernes, inklusives und lernfreundliches Land – gemeinsam für Bildung vor Ort!

Teilen: