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Text: Neue Zeiten. Neue Antworten. Grundsatz wird Programm.

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Eine Frau und ein Mann auf einer Bühne. Die Frau spricht und breitet dabei die Arme aus.
Im Mittelpunkt unserer Politik steht der Mensch in seiner Würde und Freiheit. Foto: © Rasmus Tanck

"Im Mittelpunkt unserer Politik steht der Mensch"

Ob Klimakrise, Artensterben, Digitalisierung oder sich ausbreitender Nationalismus – viele Menschen fragen sich, wie Politik die großen Herausforderungen unserer Zeit gestalten will. Mit neuer Spitze stellen sich die GRÜNEN diesen Fragen und erarbeiten bis 2020 ein neues Grundsatzprogramm. Auf ihrem Startkonvent in Berlin eröffneten sie die Debatte.

Der Andrang zum grünen Startkonvent war riesig. Bereits nach wenigen Tagen musste die Anmeldung wieder geschlossen werden. Über 600 Interessierte fanden sich schließlich in Berlin-Moabit ein, um unter dem Motto "Neue Zeiten. Neue Antworten." gemeinsam über die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu diskutieren. Zuvor hatte der grüne Bundesvorstand mit einem Impulspapier die Debatte eröffnet.

Video: Das war der grüne Startkonvent!

"Wir müssen radikale Antworten geben"

"Wir führen den Programmprozess in einer krass politischen Zeit. Leute diskutieren Politik zu Hause und unser Eindruck ist, dass die öffentlichen politischen Diskussionen nicht auf der Höhe der Zeit sind." eröffnete Robert Habeck die Debatte. Die Welt, Europa, Deutschland und die GRÜNEN stünden vor neuen Fragen und Herausforderungen. Es gehe jetzt darum, um die Lösungen für die Zukunft zu streiten. Dabei gelte der erste Satz des grünen Grundsatzprogramms damals wie heute: "Im Mittelpunkt unserer Politik steht der Mensch mit seiner Würde und Freiheit."

Ob der Bauer in Bangladesch, der die Folgen der Klimaerhitzung ausbaden muss; das Kind im Jemen, das unter Krieg leidet; die Rentnerin in der Uckermark, die sich kein Bahnticket leisten kann oder die kranke Oma, die wegen fehlender Pflegekräfte keine angemessene Betreuung bekommt: Die Herausforderungen sind vielfältig. Für Annalena Baerbock ist klar: "Zuschauen ist da keine Haltung. Wir müssen radikale Antworten geben. Radikal bedeutet dort hinzugehen, wo es weh tut. Wo wir uns die Hände schmutzig machen müssen."

Am Anfang stehen Fragen, keine Antworten

2020 soll das neue grüne Grundsatzprogramm beschlossen werden. Der grüne Bundesvorstand möchte sich dabei auf eine offene Debatte einlassen: "Widerspruch ist willkommen!", so Baerbock. Am Anfang des Prozesses stehen existenzielle Fragen: Demokratischer Rechtsstaat oder illiberale Moderne? Öko-Katastrophe oder Erde für Generationen? Krieg oder Frieden? Mensch oder Maschine? Kapital gleich Macht oder Politik als Gestalter? Europäische Einigung oder Rückzug in den Nationalismus? Diese Fragen sollen über die Partei hinaus diskutiert werden. Die gesamte Gesellschaft ist eingeladen, sich an der Debatte zu beteiligen.

Eine Frau redet und gestikuliert.
Die Autorin Jagoda Marinic Foto: © Rasmus Tanck

So bereicherten am Freitag externe Experten die Debatten und warfen wichtige Fragen auf. Die Schriftstellerin und Journalistin Jagoda Marinic benannte die soziale Frage als die wichtigste Frage, um die Spaltung in diesem Land zu vermeiden. Es gehe darum, die liberale Demokratie zu verteidigen. Demokratie sei eines der größten Güter, die wir haben und sei zwar mühevoll, könne aber auch Herzklopfen machen. Es gehe darum, Bürgerrechte und Minderheitenrechte zu wahren und dabei Zusammenhalt zu schaffen. Davon, über den Begriff "Heimat" zu debattieren, hält sie wenig: "Für mich ist es wichtig, dass wir es schaffen, dass aus Demokratie Heimat wird."

Eine Frau redet und gestikuliert.
Susanna Krüger von Save the Children Foto: © Rasmus Tanck



Die
Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende von Save the Children Susanna Krüger berichtete davon, dass das humanitäre Völkerrecht zusehends missachtet werde. "Wir erleben weltweit einen Zusammenbruch von internationalen Regeln." Es gehe jetzt darum, neue Regeln zu schaffen.

Eine Frau redet an einem Stehpult.
Professor Dr. Christine Lang von Organo Balance. Foto: © Rasmus Tanck

Prof. Dr. Christine Lang, Geschäftsführerin des Forschungsunternehmens Organobalance, beschäftigte sich in ihrem Beitrag mit Fragen der Bioethik. Es sei ein enormer Wandel im Gange im Verhältnis des Menschen zur Natur. Es gehe dabei im Kern um die Frage: "Sollen wir alles das tun, was wir tun können?" Während sie Fehler in der Vergangenheit beim biobasierten Wirtschaften zum Beispiel beim Biodiesel einräumte, mahnte sie die GRÜNEN ihre Positionen zum Beispiel im Bereich der Gentechnik zu hinterfragen.

"In welcher Gesellschaft wollen wir leben?"

Fünf Menschen auf einer Bühne. Dahinter steht das Wort 'Mensch'.
Wir fragen uns: "In welcher Gesellschaft wollen wir leben?" Foto: © Rasmus Tanck

Ehe diese und viele weitere Themen in Workshops vertieft wurden, ging es am Samstag in einer Podiumsdiskussion um die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Der Politische Bundesgeschäftsführer der GRÜNEN Michael Kellner definierte als Ziel "eine Gesellschaft, in der wir es schaffen, Ressentiments gegenüber anderen aus den Köpfen raus zu bekommen". Ihn treibe die Herausforderung an, wie wir Ungleichheit und Polarisierung in unserer Gesellschaft reduzieren können.

Naika Foroutan, Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität Berlin, pflichtete Kellner bei und betonte den Auftrag, Gleichheit herzustellen. So lange an Schlüsselpositionen in der Gesellschaft bestimmte Gruppen wie Frauen, Migranten und Ostdeutsche nicht gleichermaßen vertreten seien, sei noch viel zu tun. Felix Kolb, Geschäftsführender Vorstand von Campact, forderte die GRÜNEN auf, noch mehr radikale Fragen zu stellen, zum Beispiel, ob die Globalisierung so hingenommen werden müsste und ob die Freiheit des Kapitals eingeschränkt werden sollte. Als Geschäftsführerin eines Unternehmens für nachhaltige Chemie warb Sonja Jost für das Konzept der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft: "Es geht darum, Systeme zu schaffen, die sich regenerieren. Das brauchen wir für unser gesamtes Wirtschaftssystem."

Der Weg zum neuen Grundsatzprogramm

Zudem fasste der Länderrat den Beschluss "Neue Zeiten. Neue Antworten. Der Weg zum neuen Grundsatzprogramm". Im weiteren Programmprozess sollen alle Mitglieder nach ihren Prioritäten für die Debatte befragt, Online-Beteiligungsformate genutzt und Regionalforen in Landes- und Kreisverbänden durchgeführt werden. Am Ende soll ein Programm herauskommen, das dabei hilft, diese Welt besser zu machen – denn, so Baerbock: "Warten und zusehen ist nicht unser Ding. Wir haben Bock auf besser!"

Text: Neue Zeiten. Neue Antworten. Grundsatz wird Programm.