Header bestehend aus Logo und aktuellem Thema

Großer Text: "Für mehr Grün". Darunter: "Landtagswahlen in Bayern am 14.10. und Hessen am 28.10.".

Hauptinhalte

Annalena Baerbock steht in Lederjacke hinter der Parteitagsbühne.
Annalena Baerbock ist Parteivorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Foto: © Dominik Butzmann

Die Rote Zora, Bandenbildung und die Frauen Union

Ob High Heels oder Fußballschuhe, Kanzlerin oder Tischlerin, Managerin und Mutter oder eben eins oder vieles davon – Frauen können heute alles sein. Aber nicht ohne Seitenhiebe und Hindernisse. Oft genug stoßen wir gegen Zäune oder gläserne Decken. Ein Geburtstagsgruß von Annalena Baerbock an die Frauen Union.

Vor einigen Jahren kursierte öffentlich eine Liste mit den Fehlzeiten der Bundestagabgeordneten. Weit oben: Kristina Schröder, frühere Familienministerin der CDU. So sehr ich bis dato mit Teilen ihrer sehr konservativen Frauenpolitik auf Kriegsfuß stand, so sehr wusste ich: Das darf so nicht stehenbleiben. Jede, die eins und eins zusammen zählen konnte, wusste, dass Kristina Schröder nicht einfach so fehlte, sondern im gesetzlich vorgegebenen Mutterschutz gewesen war. Nur kam das nicht vor im Fehlzeiten-Ranking; das wurde ja vor Jahrzehnten von Männern geschrieben. Ich hatte damals selbst eine kleine Tochter, war noch recht neu im Parlament und spürte an allen Ecken und Enden: Es war gar nicht vorgesehen, dass Abgeordnete Mütter werden.

Wahrscheinlich dachte Kristina Schröder damals nicht wie einige von uns GRÜNEN an die Rote Zora und ihr: Bildet Banden. Dennoch taten wir jüngeren Mütter im Parlament über die Fraktionen hinweg genau das. Wir gründeten eine Initiative für Mütter in der Politik, um zum Beispiel das Fehlzeiten-Problem zu lösen (hat geklappt) oder um für Politik-freie Sonntage zu sorgen (klappt so mittel). Das war eine Gemeinsamkeit, die Mut macht. Und den brauchen wir.

Millionen von Frauen haben die gleichen Probleme. Die strukturelle Diskriminierung sorgt weiterhin dafür, dass Sexismus und sexualisierte Gewalt zum Alltag gehören, dass Frauen ökonomisch viel zu oft das Nachsehen haben, weil sie mit niedrigeren Löhnen und Renten leben müssen oder weil sie ihre Kinder allein erziehen. Die gesellschaftliche Ansage, wie eine Frau gefälligst zu sein und auszusehen hat, prägt auch heute das Leben von Frauen und Mädchen. Der Anteil von Frauen in Parlamenten sinkt, offene Frauenverächter werden inzwischen sogar in Demokratien in höchste Regierungsämter gewählt.

Also, liebe Frauen Union, es gibt zwar genug Dinge, die wir anders sehen und anders machen als ihr, aber was uns eint, ist die große Linie: Dass wir gleiche Rechte für Frauen wollen und dafür kämpfen. Deshalb: Zum Geburtstag wünsche ich der Frauen Union Mut, Esprit und Biss. Damit Fotos aus Ministerien mit lauter grauen Herren in grauen Anzügen endlich der grauen Vergangenheit angehören. Damit wir gemeinsam als Politikerinnen die Leitplanken dafür setzen, dass unsere Töchter endlich gleich viel verdienen wie Männer und selbst über ihre Körper bestimmen können. In diesem Sinne: Viel Erfolg und feiert euch ordentlich, liebe Frauen in der CDU.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen in der Passauer Neuen Presse am 5. Mai 2018.