Header bestehend aus Logo und aktuellem Thema

Text: Neue Zeiten. Neue Antworten. Grundsatz wird Programm.

Hauptinhalte

Fünf Frauen sitzen auf einem Podium und diskutieren vor zahlreichen Zuhörerinnen. Auf dem Bühnenhintergrund steht "Das ist unsere Zeit".
Die Bundesfrauenkonferenz fand am 7. und 8. September 2018 in Leipzig statt. Foto: © gruene.de

Das ist unsere Zeit: Feminismus wird Programm!

In Leipzig diskutierten am Wochenende auf der Bundesfrauenkonferenz über 250 engagierte grüne Frauen gemeinsam mit Vertreterinnen aus Politik, Verbänden und Zivilgesellschaft über aktuelle feministische Positionen. Die Ergebnisse dienen als Impulse für das neue grüne Grundsatzprogramm. Erstmals verliehen wurde außerdem der grün-feministische Preis „Green Pussyhat“.

Der Andrang zur grün-feministischen Konferenz war riesig. Über 250 interessierte Frauen, grüne und nicht-grüne, fanden sich schließlich in Leipzig zusammen, um unter dem Motto "Das ist unsere Zeit: Feminismus wird Programm!" gemeinsam über die feministischen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu diskutieren. Ziel der Konferenz war es, feministische Positionen mit grünen und externen Frauen zu diskutieren und feministische Ansätze für das neue Grundsatzprogramm zusammen zu tragen.

Und zu diskutieren gab es genug. „Gerade in Zeiten, in denen rassistische Übergriffe wieder zunehmen und in denen Frauen das Selbstbestimmungsrecht abgesprochen wird, braucht es einen solidarischen und inklusiven Feminismus, der klare Positionen bezieht.“, betonte Gesine Agena, frauenpolitische Sprecherin, in ihrer Begrüßungsrede. Christin Melcher, Landesvorstandssprecherin der GRÜNEN Sachsen ergänzte, dass es gerade angesichts der rassistischen Übergriffe in Chemnitz die Aufgabe der GRÜNEN sei, klare Kante gegen Rechts zu zeigen.

Welchen Feminismus wollen wir?

Diese Thematik griffen auch Claudia Roth und die Rapperin Sookee in ihrem Gespräch auf. Beide berichteten über Hassmails und Übergriffe, die sich explosionsartig erhöhten, als sie sich als Personen des öffentlichen Lebens gegen Sexismus und Rassismus äußerten. Aber aufgeben oder das Engagement zurückzudrehen kommt für beide nicht in Frage. Sie forderten die Teilnehmer*innen auf, sexistischen und rassistischen Aussagen laut und mutig zu widersprechen und sich dabei gegenseitig zu unterstützen.

Weiter ging es mit einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Barbara Unmüßig mit dem Titel „Welcher Feminismus? Streit. Bewegung. Zukunft“. Charlotte Wiedemann (Journalistin), Kübra Gümüşay (Autorin), Ilse Lenz (Wissenschaftlerin) und Gesine Agena diskutierten die Ausrichtung des Grünen Feminismus in der Gegenwart und auch in Bezug auf das neue Grundsatzprogramm. Viel drehte sich dabei um den Begriff der Intersektionalität, also der Verschränkung und wechselseitigen Beeinflussung mehrerer Diskriminierungformen in Bezug auf Geschlecht, sexuelle Orientierung, Herkunft oder Religion. Die Grüne Frauenpolitik nimmt dabei alle Diskriminierungsformen in den Blick und streitet für die Rechte von allen Frauen, unabhängig von Herkunft, sozialer Lage, sexueller Orientierung, ihren Fähigkeiten oder ihrer Religion.

Preisverleihung: Green Pussyhat

Als Höhepunkt des Abends verlieh unsere Bundesvorsitzende Annalena Baerbock den ersten grün-feministischen Preis – die green Pussyhat. 100 Jahre nachdem die Frauen das Wahlrecht erkämpft haben, gehe der Kampf immer noch weiter, betonte Baerbock in ihrer Rede. Sie forderte die grünen Frauen auf, laut, feministisch und solidarisch zu sein und für Demokratie einzutreten. Stellvertretend für die lokale Ebene wurde die Leipziger Initiative Lebenszeiten e.V., die sich um Frauen und Mädchen in Krisensituationen kümmern, ausgezeichnet. Das bundesweit agierende Netzwerk um die Kampagne „Wer braucht Feminismus“ erhielt den Preis für ihren Einsatz die Vielfalt des Feminismus bekannt und sichtbar zu machen. Der Blick über die Landesgrenzen fiel auf die mutigen Frauen in Polen, die sich der immer noch sehr restriktiven Politik gegen die Selbstbestimmung der Frauen entgegensetzen. Stellvertretend für die vielen Akteur*innen der Carny-Proteste wurde der Preis an die Berliner Gruppe Dziewuchy Berlin übergeben. Mit einem großartigen Auftritt von Sookee ging es dann in den weiteren Abend.

Der Samstag startete mit einer europapolitischen Rede von Terry Reintke, MdEP und einem Grußwort von Katja Meier, MdL und gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion im sächsischen Landtag. Danach folgten vier kurze feministische Inputs zu unterschiedlichen Themen: Dr. Mithu Sanyal sprach über sexualisierte Gewalt, Armaghan Naghipour über Frauen, Flucht und Seenotrettung, Luise Meier forderte mehr feministische Kapitalismuskritik und Stefanie Lohaus ging nochmal auf das Thema Intersektionalität ein.

All diese Themen flossen dann auch in die Infostationen zum Grundsatzprogramm ein und wurden in den über 20 Workshops vertieft. Grüne Frauen kamen dabei ins Gespräch mit grünen Abgeordneten aus dem Bundestag und den Landtagen und externen Expert*innen. Die Bundesfrauenkonferenz wurde durch diese Debatten zum Ort an dem grüne und nicht-grüne Feminist*innen ihre Sichtweisen, Themenschwerpunkte und Forderungen an das neue Grüne Grundsatzprogramm einbringen konnten.

Zweiter ordentlicher Bundesfrauenrat und Sitzung BAG Frauenpolitik

Am Sonntag tagten anschließend der Bundesfrauenrat und die BAG Frauenpolitik gemeinsam, um über den Europawahlprogrammentwurf zu sprechen und über (Online)Beteiligung bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu diskutieren. Dabei gab Gefion Thuermer einen kleinen Einblick zum Thema (Online-)Beteiligung in Bezug auf Geschlecht, soziale Lage und Bildung.

Außerdem wurde auf dem Bundesfrauenrat ein Beschluss zum Thema Schwangerschaftsabbrüche gefasst und Anna Krenz von Dziewuchy Berlin hielt einen Input zu der politischen Lage in Polen und in Bezug auf das Abtreibungsgesetz.