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Text: Neue Zeiten. Neue Antworten. Grundsatz wird Programm.

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Zwei Menschen umarmen sich.
Die Grünen haben sich am Freitag bei Simone Peter und Cem Özdemir für ihre Arbeit als Parteivorsitzende bedankt. Foto: © Rasmus Tanck

Danke, Simone und Cem!

Simone Peter und Cem Özdemir treten nicht erneut zur Wahl für den Bundesvorstand an. Am Freitag haben sich die GRÜNEN bei ihren langjährigen Parteivorsitzenden bedankt.

Sie waren überall. Vor der Tagesschau-Kamera, in Talkshows und bei grünen Veranstaltungen im ganzen Land. Auf Demos für eine grüne Landwirtschaft, in Gesprächsrunden mit Verbandsvertretern genauso wie auf der großen Parteitagsbühne und in kleinen Fachkommissionen: Simone Peter und Cem Özdemir haben als Parteivorsitzende die GRÜNEN in den letzten Jahren geprägt. Nach vier beziehungsweise neun Jahren haben sie sich jetzt entschlossen, nicht erneut zur Wahl für den Bundesvorstand anzutreten.

So standen Peter und Özdemir am ersten Tag der grünen Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) in Hannover im Mittelpunkt. Nach Reden vom ehemaligen CDU-Bundesumweltminister und Umweltdirektor der Vereinten Nationen Klaus Töpfer und dem grünen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann gab es als Dankeschön zwei Elektrofahrräder – und lang anhaltenden Applaus der über 800 Delegierten.

„Bleib dabei, Wege zu gehen, die andere nicht gegangen sind“

Klaus Töpfer hält eine Rede auf der Parteitagsbühne.
Klaus Töpfer war CDU-Bundesumweltminister und Umweltdirektor der Vereinten Nationen. Foto: © Rasmus Tanck

Töpfer hob in seiner Rede besonders Peters Engagement für die Umwelt hervor, das heute wichtiger sei denn je. Die Technik dürfe nicht darüber bestimmen, was die Politik macht, sondern die Politik müsse darüber bestimmen, was gemacht werde. Aufgabe der Politik sei es, „da wo Sachzwänge waren, wieder Möglichkeiten zu schaffen“. Das zeige sich hervorragend in der Energiepolitik: „Wir haben gewonnen. In der ganzen Welt gibt es Erneuerbare Energien. Das ist unser Beitrag für die Welt. Es geht darum, die Armut in einer Weise zu überwinden, dass das Klima nicht geschädigt wird.“

Töpfer, der seine politische Laufbahn ebenso wie Peter im Saarland begann, würdigte ihren großen Einsatz. Obwohl sie sich in unterschiedlichen Parteien engagierten, habe er großen Respekt davor, dass Peter sich mutig für ihre Herzensthemen einsetze, auch wenn sie auf Widerstände stoße: „Bleib dabei, dass du die Offenheit hast, Wege zu gehen, die andere vielleicht nicht gegangen sind und die möglicherweise keine Mehrheit haben.“

Simone Peter hält eine Rede auf der Parteitagsbühne.
Simone Peter war vier Jahre Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Foto: © Rasmus Tanck

Simone Peter griff Töpfers Wünsche auf: „Wir werden diese Worte ernst nehmen, dass es wichtig ist, dafür zu sorgen, dass wir den Menschen, die heute leben, genauso wie denen, die noch geboren werden, eine Zukunft geben.“ Zum Abschied dankte Peter allen Grünen, wie auch Vertretern von Verbänden und Initiativen, die sich Tag für Tag für eine gerechte, ökologische und weltoffene Gesellschaft einsetzten: „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Es hat auch Kraft gekostet. Es war ein unglaublicher Zugewinn. Ich bin mir sicher, wir werden uns weiter sehen.“

„Cem will draußen wirken, die ganze Gesellschaft erreichen“

Winfried Kretschmann hält eine Rede auf der Parteitagsbühne.
Winfried Kretschmann ist Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Foto: © Rasmus Tanck

„Den Cem und mich verbindet erstmal der Migrationshintergrund. Unsere Eltern sind zugezogen ins Ländle. Meine aus Ostpreußen, Cems Eltern aus Anatolien.“ begann Winfried Kretschmann seine Laudatio auf Cem Özdemir. Es sei nicht selbstverständlich, dass ein Arbeiter- und Migrantensohn wie Özdemir es an die Spitze einer großen deutschen Partei geschafft habe. Damit sei er eines der wichtigsten Rollenvorbilder und wisse aus eigener Erfahrung, dass der faire Zugang zu Bildung die beste Gerechtigkeitspolitik sei. Cem habe sich durchgekämpft und zwei Lehrer hätten ihm dabei geholfen: „So gelingt Integration: Sich selbst fordern und gefördert werden.“

Dabei mache Özdemir noch viel mehr aus: „Cem will draußen wirken, die ganze Gesellschaft erreichen mit grüner Politik. Cem ist der Mann, der Grün an Mann und Frau bringt.“ hob Kretschmann hervor. Über das Ökothema zu den GRÜNEN gekommen, sei er inzwischen „die grüne Stimme im Dialog mit der Wirtschaft, die überzeugend erklärt, dass die Zukunft der Wirtschaft in der Entkopplung vom Naturverbrauch liegt“.

Stellvertretend für die Partei bedankte sich Kretschmann für Özdemirs Einsatz und machte deutlich, dass die GRÜNEN ihn noch lange brauchen würden: Lieber Cem, mit 52 Jahren bist Du natürlich noch nicht reif für das beschauliche Leben. Wir danken Dir von Herzen für fast zehn Jahre Vorsitz in unserer Partei und für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Mach weiter, mach's gut - danke, Cem!“

„Es ist höchste Eisenbahn, dass grüne Ideen endlich umgesetzt werden.“

Cem Özdemir hält auf der Parteitagsbühne eine Rede.
Cem Özdemir war neun Jahre Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Foto: © Rasmus Tanck

Das ist kein Abschied, ich bleibe ja überzeugter Grüner!“ blickte Özdemir sogleich nach vorne. Fehler, die heute begangen werden, könnten in der Zukunft nicht sicher behoben werden. Das gelte insbesondere für den Klimaschutz: „Es ist höchste Eisenbahn, dass grüne Ideen endlich umgesetzt werden.“ Dafür hätten sie auch in den Sondierungen gekämpft und deutlich gemacht: „Die Grünen sind nicht die, die weglaufen. Die nehmen ihre Verantwortung ernst, auch dann wenn es schwierig ist.“ Diesen Moment müsse die Partei nun nutzen. „Lasst uns das Gespräch auch außerhalb unseres grünen Milieus suchen.“

Abschließend richtete er seinen Dank an die Delegierten und grünen Mitglieder: „Für mich war es eine große Ehre, Euch so lange als Vorsitzender in politischen und gesellschaftlichen Debatten vertreten zu dürfen.“ Es fühle sich gut an, in einer Partei zu sein, deren wichtigstes Anliegen es sei, unsere Lebensgrundlagen zu bewahren. Özdemir: „Und vergesst nicht: Alles, wofür wir hier streiten und kämpfen, ist größer als wir selbst.“