Header bestehend aus Logo und aktuellem Thema

Hauptinhalte

Große Solarpanels werden von der Sonne angestrahlt.
Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien - dafür brauchen wir die Solarwirtschaft. Foto: © iStock/Noctiluxx

Grüne Solar-Offensive

Solarenergie ist sauber und preisgünstig. Trotzdem hat die Große Koalition der Solarwirtschaft den Stecker gezogen. Wir sehen für die Solarenergie neue Marktchancen, mit denen ein neuer Ausbauboom für saubere Energie erreicht werden kann. Mit unserem Sofortprogramm wollen wir die Solarwirtschaft retten.

>> Grüne Solar-Offensive (PDF)

Die verschiedenen Regierungen unter Führung von Angela Merkel haben den einst starken deutschen Solarmarkt in die Nische gedrängt. Das rächt sich nun. Mit einem rigorosen Ausbau-Deckel und der Belastung von Solarenergie für den Eigenverbrauch mit der EEG-Umlage („Sonnensteuer“) hat die schwarz-rote Koalition der Solarwirtschaft den Stecker gezogen.

Heute arbeiten in Deutschland bestenfalls noch rund 30.000 Menschen in dieser Zukunftsbranche. Noch vor wenigen Jahren waren es über 100.000. Das ist ein Alarmzeichen sowohl für die Energie- und Klimapolitik als auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Gerade in Ostdeutschland, wo die Solarbranche neues Wachstum und wirtschaftliche Perspektiven brachte, ist dieser Verlust schmerzhaft und ein Rückschlag für die Menschen.

Das wollen wir ändern. Denn die inzwischen preisgünstige Solarenergie hat auch außerhalb der EEG-Förderung neue Marktchancen, mit denen ein neuer Ausbauboom erreicht werden kann.

Was wir brauchen ist ein Sofortprogramm zur Rettung der Solarwirtschaft. Die Beschäftigten in dieser jungen und innovativen Branche brauchen eine Perspektive. Die Solarenergie ist ein Stützpfeiler für die nachhaltige Energieversorgung und die ökologische Modernisierung der Industriegesellschaft. Deshalb müssen wir sie erhalten und stärken.

1. Raus in die Sonne!

Deutschland lässt das fossil-nukleare Energiezeitalter hinter sich. Strom aus Solaranlagen ist inzwischen preisgünstiger als solcher aus neuen Kohle- oder Gaskraftwerken und wird in unserer nachhaltigen Energiezukunft eine bedeutende Rolle spielen. Wir müssen jetzt die Weichen für die Solarwirtschaft neu stellen, damit die Solarenergie ihre Vorteile zum Nutzen aller tatsächlich ausspielen kann.

Klimaziele ohne Solar-Offensive nicht erreichbar

Die Solarenergie ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende und CO2-Reduktion. Ohne kräftigen Solarzubau wird Deutschland die Klimaziele nie und nimmer erreichen. Denn Fakt ist: Um den heutigen Strombedarf auf 100 Prozent Ökostrom umzustellen werden Solaranlagen mit einer Leistung von mindestens 140.000 MW benötigt. Heute liegen wir erst bei rund 40.000 MW. Der größte Teil der Strecke liegt also auch nach 17 Jahren EEG noch vor uns. Letztes Jahr wurden gerade einmal gut 1.500 MW neu gebaut. Machen wir so weiter, brauchen wir 67 Jahre um das Solarziel zu erreichen. So viel Zeit haben wir bei weitem nicht.

Umweltschonend und beliebt

Solaranlagen stehen in besonderem Maße für die Bürgerenergiewende. 40 Prozent der heutigen Solaranlagen gehören Privathaushalten, je 20 Prozent Landwirten und Gewerbetreibenden. Das macht sie beliebt: 85 Prozent der Menschen wünschen sich, dass in 20-30 Jahren vor allem die Solarenergie die Energieversorgung sichern soll. Und sie ist umweltverträglich, da vor allem Dachflächen bestückt werden können – und sollen.

Endlich preiswert

Die Vergütung für kleine Dachanlagen ist seit 2004 um rund 80 Prozent auf heute gut 12 ct/kWh gefallen. Noch etwas größer war der Preisverfall bei Großanlagen. Sie lieferten 2004 Strom für 46 ct/kWh, inzwischen für rund 6,6 ct/kWh.

Inzwischen decken immer mehr Bürgerinnen und Bürger ihren Strombedarf direkt mit dem günstigen Sonnenstrom. Nahezu die Hälfte der privaten Investoren kombiniert die neue Solaranlage inzwischen mit einem Batteriespeicher, um auch in den Abend- und Nachtstunden Solarstrom zu nutzen. Aufgrund attraktiver Renditeerwartungen und Finanzierungskonditionen für Gewerbe- und Immobilienbesitzer rechnet die Solarbranche damit, dass dieser Markt wachsen wird. Das tut er aber nicht von alleine, dazu braucht es einen Paradigmenwechsel.

Weltweit im Trend

Die Bundesregierung blendet die enorme Preissenkung aus und trägt mit der rigiden Beschränkung der Solarenergie dazu bei, dass der Solar-Zug an Deutschland vorbeifährt. Das ist schädlich für den deutschen Wirtschaftsstandort und seine Wettbewerbsposition beim globalen Wettrennen der Erneuerbaren Energien-Produzenten. Die Einschränkungen für Zubau, Einspeisung und Eigenverbrauch haben seit 2012 zu einem Einbruch von über 80 Prozent im jährlichen Zubau in Deutschland geführt. Im gleichen Zeitraum hat sich der jährliche weltweite Zubau der Solarenergie mehr als verdoppelt. Es ist absurd, dass die deutsche Wirtschaft, die diese Technologie vorangetrieben hat, nun von der Bundesregierung ausgebremst wird.

2. Solarenergie neu denken

Wir bewegen uns auf eine Energiewelt zu, in der immer mehr Erneuerbare Energien nicht mehr auf Förderung aus dem EEG angewiesen sind. Bei der Windkraft auf See wurden inzwischen die ersten Projekte bezuschlagt, die sich allein über den Börsenstrompreis am Markt finanzieren. Die Solarenergie befindet sich ebenfalls auf dem Weg in den Markt.

Die Zukunft der Solarenergie liegt vor allem für kleinere Anlagen außerhalb des EEG. Heute schon ist für viele Solarstromerzeuger nicht mehr die Einspeisung und Vergütung aus dem EEG der Antreiber, sondern die kostengünstige Selbstversorgung mit Solarenergie. Dieser Trend wird sich verstärken, so dass Photovoltaik-Anlagen künftig immer stärker auf den Eigenverbrauch ausgerichtet sein werden. Das heoßt, sie werden mit Speichern ausgerüstet. Damit lassen sich im Mittel etwa 60 Prozent der erzeugten Solarenergie selbst nutzen. Die Preise für kleine Stromspeicher („Sonnenbatterien“) sind seit 2011 um 75 Prozent gesunken. Ein Grund dafür, dass heute über 40.000 Sonnenbatterien in deutschen Häusern stehen. Dieser Trend wird weitergehen – und er wird die Energiewirtschaft verändern.

Aktuell begegnet die Bundesregierung diesem Trend mit Ausbaudeckeln und überhäuft Solarinvestoren mit Bürokratie und technischen Vorschriften. Das muss aufhören. Solarenergie ist der Schlüssel für mehr Klimaschutz, preisgünstige Energie sowie Teilhabe und Akzeptanz der Energiewende. Wir Grüne wollen die Nutzungsbedingungen für Solarenergie an die neuen Möglichkeiten anpassen, damit Solarenergie ihre Vorteile ausspielen kann. Dazu braucht es:

3. Solar-Offensive starten

Um die Vorteile der Solarenergie zu nutzen, werden wir die Überregulierung im EEG überwinden. Zusätzlich wollen wir Räume schaffen, in denen die Solarenergie sich am Markt finanzieren kann. Für uns heißt das: Wir wollen ein Marktsegment außerhalb des und parallel zum EEG aufbauen, denn wo Solarenergie ohne EEG eine Chance am Markt hat, wollen wir das nutzen.

Diese scheinbar kleine Änderung zieht einen Paradigmenwechsel nach sich. Denn während der von allen Stromkunden bezahlte EEG-Strom der Allgemeinheit gehört und folglich zum Gemeinwohl beitragen muss, gehört Solarenergie, die nicht über das EEG finanziert wird, zunächst einmal den Erzeugerinnen und Erzeugern. Sie sollen künftig entscheiden, was sie mit „ihrem Produkt“ machen und wählen, ob sie die Solarenergie

  • selbst nutzen,
  • als „Mieterstrom“ in die Nachbarschaft leiten,
  • als „Grünstrom“ an einen regionale Vermarkter verkaufen oder
  • als „Graustrom“ zum Marktpreis ins Netz einspeisen.

Auf diese Situation müssen und wollen wir das Stromversorgungssystem einstellen und dabei die Vorteile der Solarenergie zum Tragen bringen.

1. EEG-Rahmen neu setzen

• Solar-Deckel streichen
Wir wollen den Solardeckel von 52 GW maximaler Photovoltaik-Leistung in Deutschland aus dem EEG entfernen. Ebenso den jährlichen Neubaukorridor von 2,5 GW (brutto). Beide habe in einer Welt, in der die Solarenergie dem EEG entwächst keinen Sinn mehr. Allein die Ausschreibungsmenge für Großanlagen sollten weiter jährlich vorgegeben werden.

• „Sonnensteuer“ abschaffen
Selbst verbrauchten Strom aus der eigenen Solaranlage mit einer EEG-Umlage zu belasten ist, als ob man den Apfel zum eigenen Verzehr aus dem eigenen Garten versteuern müsste. Wir wollen das beenden und den Eigenstrom aus erneuerbaren Quellen von der EEG-Umlage befreien. Das macht Solarenergie aktuell um ca. 3 ct/kWh preiswerter.

• Netzentgelte reformieren
Solidarität muss aber sein. Deshalb gilt es, schnellstmöglich die Netzentgelte zu novellieren. Bislang richten die sich nach der aus dem Netz entnommenen Strommenge. Das funktioniert bei „Prosumern“ nicht mehr. Wir müssen diese neuen Akteure aber angemessen an den Infrastrukturkosten beteiligen, etwa über die Berücksichtigung der Anschlussleistung.

2. Mieterstrom ausweiten

• Kleinanlagen bis 10 kWp von Bürokratie („Lieferantenpflicht“) entlasten
Allein das würde die Zahl der für Mieterstrom in Frage kommenden Gebäude versechsfachen!

• Mieterstrom auf Wohnquartiere ausweiten
Grundsatz: Solange Solarenergie ohne Nutzung des öffentlichen Netzes sein Ziel erreicht, ist sie als Mieterstrom anzusehen.

• Mieterstrom auf Gewerbe und kommunale Einrichtungen ausweiten

Gerade die hier häufigen großen Dachflächen bieten enormes Potenzial und helfen Handwerksbetrieben, Supermärkten und anderen Mittelständlern, Energiekosten zu senken und sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen.

3. Dienstleistungsmarkt entwickeln

Die Solarindustrie der Zukunft wird weniger durch die industrielle Produktion von Komponenten und Anlagen geprägt. Diese wird voraussichtlich in hohem Maße im Ausland stattfinden. Die Arbeitsplatzpotenziale liegen im Dienstleistungsbereich und in der Entwicklung, Vertrieb und Installation von Gesamtlösungen, die Photovoltaik und Batteriespeicher zusammen anbieten.

• Speicher sind zentral für die weitere Entwicklung der Solarenergie. Wir wollen den regulatorischen Rahmen für die Nutzung von Stromspeichern verbessern, etwa durch die Befreiung von der EEG-Umlage, und die Förderung zielgenau ausbauen.

4. EU-Zölle aufheben

Die von der EU seit dem Jahr 2013 erhobenen Strafzölle für Solaranlagen haben die gewünschte Wirkung verfehlt. Die Produktion von Solarmodulen und –anlagen in Europa wurde nicht vor der billigeren Konkurrenz vor allem aus China geschützt. Die Strafzölle führen aber zu einer unnötigen Erhöhung der Solarpreise auf dem EU-Markt.

Wir Grüne haben uns, gemeinsam mit dem größten Teil der Solarwirtschaft, bereits im Mai 2015 für die Abschaffung der Zölle ausgesprochen. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich im Herbst 2018. Wir wollen diese nutzen, um die Preise für Photovoltaik-Anlagen zu senken.

5. Bundesliegenschaften mit PV ausstatten

Die öffentliche Hand sollte als Vorreiter der Solar-Offensive geeignete Dachflächen mit Solaranlagen ausstatten. Wir wollen dazu einen Solarplan Bundesliegenschaften auflegen. Bestandsgebäude sollen systematisch nach geeigneten Dachflächen untersucht und diese nach und nach mit Solaranlagen ausgestattet werden. Für den Neubau sollte die Nutzung der Sonnenenergie der Standard werden.

Über die Eigenversorgung mit Strom hinaus sollte dabei auch geprüft werden, ob diese Flächen anderen Akteuren für die Installation von Solaranlagen bereitgestellt werden können.

>> Grüne Solar-Offensive (PDF)

Autorenpapier von:
• Cem Özdemir, Parteivorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Spitzenkandidat zur Bundestagswahl
• Anja Siegesmund, Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz des Landes Thüringen
• Franz Untersteller, Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg