Header bestehend aus Logo und aktuellem Thema

Text: Neue Zeiten. Neue Antworten. Grundsatz wird Programm.

Hauptinhalte

Das grüne Mitglied - ein unbekanntes Wesen?

Die Grünen sind eine Partei, in der es selbstverständlich ist, sich einzubringen. 2200 Anträge zum Bundestagswahlprogramm 2017 zeigen eindrucksvoll, dass wir eine lebendige Diskussionskultur in unseren Kreisverbänden und Bundesarbeitsgemeinschaften aber zwischen unseren Mitgliedern haben.

Porträtfoto von Thomas Künstler
Thomas Künstler ist Referent für Beteiligung und Digitales Foto: © Thomas Künstler

Die Grünen sind über ihre bald 40 Jahre eine sehr erfolgreiche Partei. Wir haben in den vier Jahrzehnten einige Wahlen verloren, aber noch viel mehr Wahlen gewonnen. Wir sind als eigenständige, häufig drittstärkste Partei in vielen Bundesländern und in noch viel mehr Kommunen in der politischen Verantwortung. Und wir sind mit über 62.000 Mitgliedern auch so viele Grüne wie noch nie zuvor.

Als Partei haben wir uns auch strukturell immer professioneller aufgestellt. Die Arbeit vieler Landesvorsitzender erfolgt mittlerweile hauptamtlich, viele Kreisverbände haben teilzeit- und einige sogar vollzeitbeschäftigte Geschäftsführer*innen. Auf Landes- und Bundesebene sind manche der Geschäftsstellen schon kleinen Unternehmen vergleichbar. Zugleich steigt der Anspruch an die Servicefunktionen weiter an, die die Geschäftsstellen anbieten.

Das spiegelt sich auch in der Auseinandersetzung mit unseren Sympathisant*innen und unseren Wähler*innen wieder. Der Einsatz von wissenschaftlicher Begleitung, Sozialforschung und Umfragen ist das A und O erfolgreicher Vermittlung politischer Positionen und Kerngeschäft für die Entwicklung politischer Kampagnen. Wir wissen im Grundsatz sehr genau über die Typen von Menschen und deren soziale Milieus Bescheid, die sich vorstellen können, uns zu wählen. (Ob wir dieses Wissen dann auch zielgenau auf die Straße bekommen, ist eine ganz andere Frage, die hier und heute offen stehen bleiben soll.)

Beim Thema Beteiligung in der Partei zeigt sich auch, dass in den Kreisverbänden etwa zehn Prozent der Mitglieder aktiv sind. Bei der letzten Bundesdelegiertenkonferenz haben sich knapp sechs Prozent der Mitglieder in irgendeiner Art und Weise am Antragsverfahren beteiligt. Das sind sicherlich hohe Beteiligungszahlen im Vergleich mit anderen Parteien und Vereinen. Das bedeutet aber auch, dass sich 90% unserer Mitglieder nicht aktiv in die Partei einbringen.

Bei der Frage nach den Ursachen dafür finden sich in der Partei viele versierte Meinungen, aber es wird schnell deutlich, dass wir über unsere Wählerpotentiale mehr wissen als über unsere Mitglieder. Das wollen wir ändern und als Partei besser verstehen, wie unsere Mitglieder so ticken. Das ist eine zentrale Grundvoraussetzung, um Beteiligung so zu gestalten, dass sie Menschen zum Mitmachen aktiviert und dass Beteiligung nicht als Mühe verstanden, sondern als Bereicherung angenommen wird.

Ein Instrument auf diesem Weg ist der Grüne Monitor, unser neues Umfrageformat. Neben der Abfrage eurer Meinungen zu einem zentralen politischen Themenfeld fragen wir unter anderem auch soziodemografische Daten ab, die uns helfen, die Umfrage zu bewerten, beispielsweise in der Aufschlüsselung von Ergebnissen zwischen den Gender. Auch werdet ihr in diesen Umfragen auch Fragen finden, die sich zum Beispiel auf die Hürden beziehen, um in unserer Partei aktiv zu werden. Und keine Sorge: Der Schutz eurer persönlichen Daten ist uns ein äußerst wichtiges Anliegen!

Auch haben mehrere Landesverbände begonnen, Umfragen einzusetzen, um die Meinung ihrer Mitglieder zu landespolitischen Fragestellungen besser kennenzulernen und Programmdebatten zu befeuern. Als Bundesverband wollen wir diese Entwicklung unterstützen und werden im kommenden Jahr unser Umfragetool fortentwickeln, so dass die Bedarfe der Landes- wie auch interessierter Kreisverbände und Bundesarbeitsgemeinschaften abgedeckt werden.

Im letzten Quartal dieses Jahres werden wir ein neues Beteiligungstool für ein Mitgliederbegehren vorstellen, welches zusätzliche Beteiligungsmöglichkeiten eröffnet. Es soll Bestandteil unseres neuen Grundsatzprogammprozesses werden. Natürlich bauen wir das Tool so, dass es von Landes- und Kreisverbänden mit eigenen Quoren entsprechend eingesetzt werden kann.

Nicht zuletzt freuen wir uns auch über die Zusammenarbeit mit einer Doktorandin der Universität Southampton, die unseren Beteiligungsprozess wissenschaftlich begleitet. Sie wird eine eigene Umfrage in diesem Sommer und im kommenden Jahr machen, wie auch zwei Kreisverbände besuchen und viele Interviews mit Menschen aus der Partei führen. Wir haben schon jetzt spannende Erkenntnisse gewinnen können, was aber einen eigenen Blogbeitrag in den kommenden Wochen verdient.

Zu den einzelnen Tools, unseren weiteren Vorstellungen und Planungen werden wir an dieser Stelle regelmäßig und detaillierter berichten. Wenn es von euch Themenwünsche gibt, schreibt diese einfach unten in einen Kommentar.

Auch beim Beteiligungsprozess gilt, dass wir Grünen eine Mitmach-Partei sind. Wir laden euch herzlich ein, euch einzubringen und werden dazu auch die Gelegenheiten schaffen. Packen wir es an!