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Ein Schwein.
A close up photo of a cute little pig Foto: © taxzi/iStock

Ernährung in Grün: Global denken, politisch umsteuern, gut leben

Wie wir Lebensmittel produzieren und konsumieren, ist eine der zentralen ökologischen Fragen unserer Zeit.

Autorin: Simone Peter

Porträtbild von Simone Peter
Simone Peter, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Foto: © gruene.de

Die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft geht mit massiven Umweltschäden einher: Monokulturen zerstören die Artenvielfalt. Der verstärkte Einsatz von Agrochemie belastet Böden und Gewässer. Und rund ein Drittel der klimaschädlichen Emissionen weltweit kommt aus Tierhaltung und Landwirtschaft.

Immer mehr Menschen haben diese Entwicklung satt. Sie wenden sich gegen neue Megamastställe, die auf Kosten des Tier- und Umweltschutzes sowie unserer Gesundheit gehen. Gegen den wachsenden Einfluss von Agrarkonzernen wie Monsanto auf unser aller Lebensmittelversorgung. Und gegen ein falsches, auf Überflussproduktion und Agrarexporte ausgerichtetes Wachstumsmodell, das jeden neunten Menschen hungrig zurücklässt. Das zeigt: Ernährung ist immer auch eine Frage globaler Gerechtigkeit.

Bewegung für eine andere Landwirtschaft

So ist in der Gesellschaft eine bunte Bewegung entstanden, deren Teil wir Grüne sind. Gemeinsam streiten wir für sichere Lebensmittel ohne Gentechnik und Giftstoffe, eine vielfältige bäuerliche Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, fairen Handel und mehr Gerechtigkeit für die Ärmsten in der Welt. Diese Bewegung bringt Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Landwirte und Landwirtinnen zusammen, Gewerkschaften, die gegen Ausbeutung in der Fleischindustrie kämpfen, und Eine-Welt-Gruppen, die sich gegen Dumping-Exporte auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern des Südens wenden. Zugleich entstehen landauf, landab von unten innovative Initiativen, die Alternativen aufzeigen, vom Urban Gardening bis hin zu Projekten solidarischer Landwirtschaft. Doch bei der Großen Koalition ist all das noch nicht angekommen. Sie fördert unverdrossen die Massentierhaltung, öffnet der Gentechnik-Hinter-)Türen und weicht die bescheidenen Umweltstandards der europäischen Agrarpolitik noch weiter auf. Die Agrarmilliarden der EU, die vor allem Größe belohnen und nicht Qualität und Ressourcenschonung, werden von Union und SPD starrsinnig verteidigt. Hier ist es höchste Zeit für einen grundlegenden Politikwechsel!

Besser Bio fördern

Der wichtigste Hebel zum Umsteuern ist die Reform der europäischen Agrarfinanzierung. Denn das Richtige kann nicht wachsen, solange jedes Jahr 55 Milliarden Euro großenteils in falsche Strukturen fließen. Hier muss der Grundsatz gelten: Öffentliches Geld nur für öffentliche Leistungen! Es macht keinen Sinn, die Agrarzahlungen wie bisher vor allem an der Betriebsgröße zu orientieren und so am Ende die größten Verursacher von Umweltproblemen am meisten zu fördern. Stattdessen sollte fair belohnt werden, was Kulturlandschaften erhält und Klima-, Umwelt- und Tierschutz voranbringt. Davon würde besonders die Ökolandwirtschaft profitieren. Und das ist dringend nötig: Denn obwohl die Verbraucherinnen und Verbraucher immer mehr Bio-Lebensmittel nachfragen, wächst die heimische Produktion nur langsam. Der Anteil der Ökolandwirtschaft liegt bei nur knapp sieben Prozent, immer mehr Bio-Lebensmittel müssen importiert werden. Das ist ökonomisch und ökologisch Unsinn.

Keine Gentechnik auf unseren Tellern

80 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher wollen keine Gentechnik auf ihren Tellern. Trotzdem beugt sich die Bundesregierung der Gentechniklobby. In Brüssel hat sie die Zulassung neuer gentechnisch veränderter Maissorten einfach durchgewunken. Und durch den Rückzug auf nationale Anbauregelungen hat sie den Kampf für ein gentechnikfreies Europa praktisch aufgegeben. Das ist fatal, denn Genpollen machen nicht an Landesgrenzen halt. Wir Grüne halten dagegen, zusammen mit Umwelt- und Verbraucherverbänden: keine neuen Zulassungen von genveränderten Pflanzen in Europa, sondern ein europaweites Verbot des Anbaus und der Verfütterung von gentechnisch veränderten Pflanzen.

Schluss mit der Massentierhaltung

Massentierhaltung und übermäßiger Fleischkonsum sind ein Problem – fürs Klima, fürs Wohl der Tiere und auch für unsere Gesundheit. Immer mehr Menschen ziehen daraus persönliche Konsequenzen und essen weniger Fleisch oder achten besonders auf Qualität und Herkunft. Die Politik muss endlich die falschen Strukturen aufbrechen: Das Baurecht kann tierquälerische Megaställe verhindern. Chemiekeulen und Antibiotika-Doping gehört ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben. Und wir brauchen endlich eine einfache, verständliche Fleischkennzeichnung, anhand derer die Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen können, wo und unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden.

Für sichere Lebensmittel: TTIP stoppen

Gerade im Ernährungs- und Agrarsektor sind durch die geplanten transatlantischen Handelsabkommen CETA und TTIP tief greifende Auswirkungen zu befürchten. CETA erlaubt es kanadischen Unternehmen, verunreinigte Lebensmittel auch dann nach Europa zu verkaufen, wenn sie Spuren von Gentechnik enthalten. Dadurch wird das geltende Prinzip von „null Toleranz“ gegenüber gentechnischen Verunreinigungen aufgegeben. Durch TTIP drohen weitere europäische Standards zu fallen, zum Beispiel das Verbot von Hormonfleisch. Außerdem enthalten beide Abkommen Klageprivilegien, die es großen Konzernen ermöglichen könnten, geltende Standards im Verbraucher- und Umweltschutz auszuhebeln. Auch deshalb engagieren wir Grüne uns gegen CETA und TTIP.

Gutes Essen, gutes Leben

Gutes Essen ist eine Frage von Genuss und Lebensqualität. Aber nirgends wird zugleich der Irrsinn unserer Begriffe von Wohlstand und Wachstum so greifbar wie im Bereich Ernährung. Zum einen werden bei uns unter Inkaufnahme ökologischer Schäden Lebensmittel im Überfluss produziert, die zum großen Teil im Müll landen. Zum anderen sind wir zunehmend mit massiven gesundheitlichen Problemen aufgrund maßloser Ernährung sowie Chemie- und Antibiotika-Einsatz konfrontiert. Das Bruttoinlandsprodukt verbucht das als Zugewinn an Wohlstand! Das zeigt, wie dringend wir eine kritische Debatte über Wachstum und neue Indikatoren für gutes Leben brauchen.

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