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10 Fakten über die Kohle

Die Kohlekraft ist nicht nur klimaschädlich und gesundheitsschädigend, sie ist auch keineswegs so günstig, wie es scheinen mag. Wir haben zehn Fakten über den Drecksstrom gesammelt – zum Staunen, Weitersagen und Weiterverbreiten.

1. Deutsche CO2-Emissionen steigen wieder

Seit 1990, dem Bezugsdatum des Kyoto-Protokolls, schien Deutschland sich zum Vorbild in der Klimapolitik zu entwickeln. Diese positive Entwicklung wurde wesentlich durch die weitgehende Deindustrialisierung der ehemaligen DDR nach der deutschen Wiedervereinigung verursacht. Dieser Trend hat sich leider umgekehrt. 2013 ist der CO2-Ausstoss im zweiten Jahr in Folge rasant angestiegen. Lagen die CO2-Emissionen 2012 um 1,6 Prozent höher als 2011, sind sie nach ersten Schätzungen 2013 noch einmal um 2 Prozent angestiegen. Die Hauptursache dafür ist der hohe Kohleverbrauch. Auch der globale CO2-Ausstoss steigt weiter an. Ende des Jahrzehnts könnte die Kohle das Öl ablösen und weltweit der am meisten verbrauchte Energieträger werden.

2. Die Stromproduktion aus Braunkohle kletterte 2013 auf den höchsten Wert seit über zwanzig Jahren

Die Stromproduktion aus Braunkohle hat eine neuen Rekordwert erreicht – der bislang nur zu DDR-Zeiten überschritten wurde. Die Differenz zwischen dem neuen Höchstwert (162 Milliarden Kilowattstunden) und dem alten Rekord (171 Mrd. Kilowattstunden) ist allerdings nicht mehr groß. Gleichzeitig legt auch die Steinkohle zu. Die unverhoffte Konjunktur der Kohle hat drei Ursachen: Erstens ist der Preis von CO2-Verschmutzungsrechten auf unter 5 Euro die Tonne gerutscht. Zweitens hat der Fracking-Boom in den USA zu sehr niedrigen Weltmarktpreisen für Steinkohle geführt. Drittens sind im Jahr 2012 neue Kraftwerke mit einer Leistung von 2743 Megawatt hinzugebaut worden. Zwar sind auch einige Kraftwerke vom Netz gegangen, deren Leistung war aber deutlich geringer.

3. Export von Kohlestrom verstopft ausländische Netze

Die sofortige Abschaltung von Atommeilern hat die Versorgungssicherheit nicht gefährdet. Im Gegenteil: In Deutschland wird genug Strom erzeugt, um Nachbarländer mit Exporten zu beliefern. Der Boom der Kohlekraft ist also keineswegs ein notwendige Folge des Atmoausstiegs. 2012 exportierte Deutschland ungefähr 23 Terrawattstunden Strom in seine Nachbarländer – im Jahr 2013 waren es schon 26 Terrawattstunden. Der billige Kohlestrom verdrängt dort genauso wie in Deutschland das Angebot flexibler Gaskraftwerke, die durch die Kohle unrentabel werden. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, die Erneuerbaren Energien wären für die Exportrekorde verantwortlich. Ein genauer Blick in die deutsche Energiebilanz widerlegt diese Vermutung: Der eigentliche Grund für die Exportüberschüsse liegt darin, dass die Kohle- und Atomkraftwerke auch dann weiterlaufen, wenn viel Strom aus Erneuerbaren Energien produziert wird. Es sind die großen unflexiblen Kraftwerke die für die größten exportierten Überschüsse aller Zeiten verantwortlich.

4. Tagebaue verschlingen Dörfer und Landschaften

Durch Tagebaue werden riesige Narben in die Landschaft gerissen, denen oft auch alte und traditionsreiche Dörfer weichen müssen. Wer sich gegen seine Umsiedlung weigert, dem droht nach deutschen Bergbaurecht die Enteignung. Es besteht nicht einmal ein gesetzlicher Anspruch auf Entschädigung, wodurch die BewohnerInnen dem Wohlwollen der Energiekonzerne ausliefert werden. Auch die umliegenden Landschaften und Siedlungen können durch Tagebaue stark beeinträchtigt werden. Bevor die Kohle aus dem Boden geholt wird, muss das Grundwasser abgesenkt werden. Der Pegel sinkt dabei kilometerweit, wodurch Feuchtgebiete vernichtet und Risse an Gebäuden entstehen können. Sobald der Bergbau abgeschlossen wurde, droht ein neues Problem. Das zurückströmende Grundwasser mischt sich mit den Rückständen des Abbaus und versauert. Ganze Landstriche sind unwiederbringlich zerstört.

 

5. Neue Kohlekraftwerke können verhindert werden

Der Anstieg der Kohleverstromung ist kein unaufhaltsames Schicksal. Im Gegenteil: Durch den engagierten Widerstand von NGOs, GRÜNEN vor Ort und lokalen Bürgerinitiativen konnten viele bereits geplante Steinkohlekraftwerke verhindert werden. Der Bau wurde so lange verzögert, bis die Kraftwerke durch veränderte Marktpreise unrentabel geworden waren. 106 Millionen Tonnen CO2 wurden dadurch nicht in die Atmossphäre geblasen. An insgesamt 19 Standorten wurde erfolgreich Widerstand geleistet: Berlin, Brunsbüttel, Ensdorf, Herne, Lubmin, Stade, Bremen, Dörpen, Emden, Kiel, Köln, Quierschied, Brunsbüttel, Düsseldorf, Germersheim, Krefeld, Mainz, Wilhelmshaven.

6. Die Kohleförderung lebt von milliardenschweren Subventionen

Die Kohle gilt als relativ billig. In den Marktpreisen für Drecksstrom sind aber weder die staatlichen Subventionen noch die ökologischen und sozialen Folgekosten enthalten. Wer sich über die Förderung der Erneuerbaren Energien beschwert, sollte deshalb fairerweise auch die Kohlesubventionen kritisieren. Im Zeitraum von 1950 bis 2008 haben sich die staatlichen Subventionen für Braun- und Steinkohle auf 432 Milliarden summiert. Um das Gesamtvolumen der Kohleförderung zu bemessen, müssen neben den direkten Subventionen auch die Indirekten berücksichtigt werden. Dazu gehören unter anderem die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten, Steuervergünstigungen oder die Befreiung von Wasserentnahmeentgelten. Vor kurzem sorgte EU-Kommissar Oettinger für Empörung, als er die indirekten Kosten für die Kohle aus einem Bericht streichen ließ. Die krasse Schieflage zwischen den erneuerbaren und den fossilen Energien wird deutlich, wenn man sie im globalen Maßstab betrachtet. Öl, Gas und Kohle wurden im Jahr 2013 weltweit mit 523 Milliarden Euro gefördert. Auf die Erneuerbaren entfiel mit 88 Milliarden gerade einmal ein Sechstel dieses Betrages.

7. Deutsche Bank finanziert den Kohlebergbau mit über 5 Milliarden Euro

Die Kohleindustrie könnte ohne die massive Unterstützung durch den Bankensektor nicht existieren. Zwischen 2005 und 2013 steckten Privatbanken 118 Milliarden Euro in die Kohleproduktion. Die führenden Investoren sind dabei amerikanische Banken: Citi (7,3 Mrd. Euro), Morgan Stanley (7,2 Mrd. Euro) und die Bank of Amerika (6,5 Mrd. Euro). Auf Platz fünf folgt ein deutscher Vertreter: Die Deutsche Bank mit 5,2 Milliarden Euro. Dabei haben die Kohleinvestitionen in den letzten Jahren einen rasanten Anstieg erlebt. Bereits in der Finanzkrise hat sich gezeigt, wie gefährlich falsche und fadenscheinige Anlagen sein können. Nicht nur die öffentlichen Haushalte und Volkswirtschaften sind davon betroffen, auch das Klima wird von den globalen Finanzströmen durcheinandergewirbelt.

8. Feinstaub aus Kohlekraftwerken schädigt die Gesundheit

Kohlekraftwerke sind nicht nur mitverantwortlich für die Klimakatastrophe, sie bedrohen auch die menschliche Gesundheit. Sie erzeugen Umweltgifte wie Schwefeldioxid, Stickoxide, Ruß und Staubemissionen. Als Feinstaub sind sie in der Luft enthalten. Einmal vom Körper aufgenommen, werden diese Schadstoffe zur Ursache von Herzinfarkten, Lungenkrebs und Atemwegskomplikationen wie Asthma. Auch toxische Metalle wie Quecksilber, Blei, Arsen und Cadmium werden bei der Kohleverbrennung freigesetzt – sie erhöhen das Krebsrisiko und können zu Entwicklungsstörungen bei Kindern führen. Die USA etwa hat mittlerweile strengere Quecksilber-Grenzwerte, als Deutschland. Dennoch will die Bundesregierung nicht handeln. Greenpeace hat die schädlichen Auswirkungen der Kohle statistisch quantifiziert und aufaddiert. Wenn man die gesundheitliche Beeinträchtigung durch Feinstaub in Lebenszeiten übersetzt, dann kosten allein die deutschen Kohlekraftwerke insgesamt 33.000 Lebensjahre.

9. Vattenfall zahlt für seine Tagebaue keine EEG-Umlage

Der Braunkohle-Tagebau steht nicht im internationalen Wettbewerb. Dennoch ist allein die Bergbausparte von Vattenfall, die Europe Mining AG, von der EEG-Umlage befreit. Die größten Klimakiller liefern somit nicht einmal einen minimalen Beitrag zum Aufbau einer emissionsarmen Energieversorgung. Die Entlastungen sind groß: 2012 betrugen sie 43,5 Millionen Euro, im Jahr 2013 waren es sogar 67,7 Millionen Euro. Dabei hat der Braunkohletagebau strukturell nicht mit internationaler Konkurrenz zu kämpfen: Anders als bei der Steinkohle ist ihr Wassergehalt zu hoch und ihr Energieanteil zu niedrig, als dass sich der Handel lohnen würde. Die frisch geförderte Braunkohle der Vattenfall Mining AG wird direkt zu den nahegelegenen Kraftwerken geliefert und dort verbrannt. Die Zeche dafür zahlen Mittelstand, Handwerk und Privathaushalte, die nicht privilegiert sind.

10. Der Kohlebergbau gefährdet Mensch und Umwelt in anderen Staaten

Die Kohlenutzung ist ein Raubbau an Zukunft, Heimat und Natur. Die ökologischen Schäden machen dabei nicht an den deutschen Grenzen halt. So ist beispielsweise Indien der drittgrößte Kohleproduzent und -importeur der Welt. 80 Prozent der der Kohleförderung sind dabei in einem Unternehmen konzentriert 'Coal India Limited', dem zweitgrößten Unternehmen dieser Art gleich hinter 'China Shenhua Energy'. Schätzungsweise zwei Drittel seiner Bergbauminen betreibt Coal India ohne die vorgesehenen umweltrechtlichen Genehmigungen. Auch in Kolumbien werden Menschenrechte für den Kohleabbau verletzt und ganze Landstriche durch den Kohleabbau unwiederbringlich zerstört. Im Ergebnis müssen nicht nur indigene Gemeinschaften den Abbaugebieten weichen, auch seltene Tierarten, wie der bengalische Tiger in Indien sind bedroht. Risikoanalysen indischer Umweltschutzgruppen gehen davon aus, dass allen in Zentralindien über eine Million Hektar Wald von Abholzung bedroht sind. Dazu zählen schätzungsweise 350.000 Hektar, die von Tigern bewohnt werden. Bereits jetzt hat die Population mit 1.700 Exemplaren wild lebender Tiger ein kritisches Maß erreicht. Wenn ihr Schicksal weiter den Zwängen und Versprechen einer sogenannten 'nachholenden Entwicklung' untergeordnet wird, dürfte dieses nationale Symbol bald ausgestorben sein.