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Ein Tischler bei der Arbeit.
Zu guter Arbeit gehören faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen, eine zuverlässige soziale Absicherung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Foto: © iStock/mavoimages

Wir kämpfen für gute Arbeit

Auf dem Arbeitsmarkt hat sich einiges verbessert, aber es ist lange nicht alles gut. Viel zu viele Menschen haben unsichere oder schlecht entlohnte Jobs. Die meisten davon sind Frauen. Außerdem sind mehr als 2,6 Millionen Menschen arbeitslos, nahezu eine Million sogar länger als ein Jahr. Gleichzeitig erleben wir einen fundamentalen Wandel der Arbeit. Sie wird immer digitaler, mobiler und vernetzter. Wir Grünen wollen diese Entwicklungen fair für alle gestalten. Jede und jeder braucht eine berufliche Perspektive und soll unter guten Bedingungen arbeiten können.

Erwerbsarbeit ist für die meisten Menschen ein ganz zentraler Teil ihres Lebens. Sie stecken Energie, Lebenszeit, Können und Kreativität in ihre Aufgaben. Bei guter Arbeit wissen sie sich gebraucht und finden Anerkennung. Fast jede und jeder wünscht sich eine Arbeit, die finanziell absichert, die gut ins Leben passt, die erfüllt und Freude macht. Darin liegt die große Bedeutung der Erwerbsarbeit für unsere Gesellschaft. Deshalb sind Arbeitslosigkeit und ungerechte Löhne gefährlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Heute sind mehr Menschen erwerbstätig als je zuvor. Doch trotz guter Konjunktur haben weiterhin mehr als 2,6 Millionen Menschen keine Arbeit. Knapp eine Million von ihnen sind langzeitarbeitslos. Unter den Beschäftigten gibt es viele kleine Teilzeitjobs, Leiharbeit, Minijobs und Befristungen. Viele davon sind so unsicher, dass sie eine Lebens- und Familienplanung kaum möglich machen oder sie sind schlecht bezahlt und führen auf Dauer zu Armut im Alter. Prekäre und schlecht entlohnte Jobs werden sehr häufig von Frauen ausgeübt. Selbst, wenn sie gleichwertige Arbeit verrichten, werden Frauen im Durchschnitt schlechter bezahlt als Männer.

Wir Grüne wollen den Arbeitsmarkt so gestalten, dass alle profitieren. Unser Maßstab ist gute Arbeit für alle. Wir setzen uns für faire Löhne ein und wollen Leiharbeit, befristete Jobs und Minijobs eindämmen. Frauen und Männer müssen endlich gleich bezahlt werden, wir wollen gute und regelmäßige Weiterbildung und familienfreundliche Arbeitszeiten. Mit der ökologischen Modernisierung der Wirtschaft fördern wir nachhaltige und gesunde Arbeitsplätze von morgen. Mit unseren grünen Konzepten werden wir dafür sorgen, dass alle Menschen an einer gerechten und nachhaltigen Arbeitswelt der Zukunft teilhaben können.

Schon gewusst?

Das haben wir vor: So wollen wir die Arbeitswelt gerechter machen

  1. Um sicherzustellen, dass der Arbeitsmarkt für alle offen ist und um Arbeitslose optimal zu unterstützen, müssen Jobcenter und Arbeitsagenturen finanziell besser ausgestattet werden. Für Menschen, die langzeitarbeitslos sind und absehbar keine Chance in der freien Wirtschaft haben, brauchen wir einen öffentlichen geförderten sozialen Arbeitsmarkt, der ihnen eine verlässliche Perspektive eröffnet. So finanzieren wir sozialversicherungspflichtige Arbeit und Teilhabe an der Gesellschaft statt Ausgrenzung in der Arbeitslosigkeit.
  2. Wir wollen für faire Löhne sorgen. Betriebe werden wir verpflichten, gleiche und gleichwertige Arbeit gleich zu entlohnen. Deshalb setzen wir auf ein wirkungsvolles Gesetz für Entgeltgleichheit statt dem zahnlosen „Entgelttransparenzgesetz“ der großen Koalition. Damit stellen wir sicher, dass ungerechte Bezahlung zwischen Frauen und Männern im Betrieb aufgedeckt und abgestellt wird. Branchen-Mindestlöhne sollen einfacher und schneller für alle Betriebe verbindlich erklärt werden können. Leiharbeitskräfte bekommen ab dem ersten Tag die gleiche Bezahlung wie die Stammbelegschaft – plus Flexibilitätsprämie. Damit kann Leiharbeit nicht mehr zum Lohndumping missbraucht werden und wird auf ihren sinnvollen Zweck begrenzt: Auftragsspitzen abzufedern.
  3. Für eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Privatleben wollen wir sorgen, indem wir eine flexible Vollzeit möglich machen. Die Wochenarbeitszeit kann dann zwischen 30 und 40 Stunden je nach Lebenssituation individuell angepasst werden. Außerdem wollen wir Beschäftigten mehr Mitsprache darüber geben, wann und wo sie arbeiten. Dazu gehört ein Recht auf Homeoffice, sofern das betrieblich umsetzbar ist. Teilzeit-Beschäftigte müssen ein Rückkehrrecht auf ihre vorherige Stundenzahl bekommen, damit sie beruflich wieder voll durchstarten können.
  4. Wir finden, die berufliche Aus- und Weiterbildung muss ins Zentrum moderner Arbeitsmarktpolitik rücken. Deshalb fordern wir eine Ausbildungsgarantie für alle. Wir wollen, dass Jobcenter und Arbeitsagenturen berufliche Weiterbildung zu einem ihrer Schwerpunkte machen. Dafür entwickeln wir die Arbeitslosenversicherung zu einer grünen Arbeitsversicherung weiter. Diese ist für alle Beschäftigten und Selbständige da und sie unterstützt sowohl Arbeitslose als auch Erwerbstätige durch Weiterbildungsangebote. Berufliche Qualifizierung darf nicht mehr an fehlenden finanziellen Mitteln scheitern.
  5. Für mehr sichere und gesunde Beschäftigung sorgen wir mit fairen Regeln. Befristungen wollen wir nur noch erlauben, wenn es einen konkreten sachlichen Grund gibt. Minijobs wollen wir in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze umwandeln. Dabei darf die Belastung mit Steuern und Abgaben nicht länger sprunghaft steigen, wenn der Lohn über 450 Euro ansteigt. Wir brauchen zudem faire Regeln für Arbeit auf Abruf und bessere Werkzeuge, um psychische Gefährdungen am Arbeitsplatz zu reduzieren.
  6. Die betriebliche Mitbestimmung der Beschäftigten wollen wir ausbauen und die Gründung von Betriebsräten erleichtern. Unternehmen sollen auch die Mitbestimmung im Aufsichtsrat nicht mehr umgehen können.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Was sagt Ihr zu dem SPD-Vorschlag, ein zusätzliches Arbeitslosengeld für Qualifizierung einzuführen?

Es ist richtig, mehr in die Qualifizierung von Arbeitslosen zu investieren. Es ist allerdings vollkommen falsch, das auf die Bezieherinnen und Bezieher von Arbeitslosengeld 1 zu beschränken. Damit werden alle Arbeitslosengeld 2-Empfängerinnen und -Empfängern und damit fast zwei Drittel der Arbeitslosen ausgeschlossen.

Knapp 60 Prozent der Menschen in der Grundsicherung haben keine Berufsausbildung, jeder Fünfte verfügt noch nicht einmal über einen Schulabschluss. Hier wäre eine Weiterbildungsoffensive besonders nötig.

Warum braucht es Fachkräftezuwanderung, obwohl es immer noch so viele Arbeitslose gibt?

Die Zahl der erwerbsfähigen Menschen in diesem Land wird nach allen Prognosen stark zurückgehen, da viel mehr Menschen in Rente gehen als neu auf den Arbeitsmarkt kommen. Die Bundesagentur für Arbeit schätzt, dass sich das Potential der Erberbstätigen bis 2030 um 3,6 Millionen Personen verringern wird. Diese Prognose beinhaltet bereits, dass jährlich 200.000 Menschen neu nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten und dass insgesamt immer mehr Frauen und ältere Menschen erwerbstätig werden.

Das hat gravierende Folgen für unsere Wirtschaft und die Stabilität unserer Sozialsysteme, vor allem für die Renten-, Gesundheits- und Pflegeversicherung. Deswegen muss Deutschland als Einwanderungsland attraktiver werden. Denn auch wenn wir einheimische Fachkräftepotenziale z.B. von Frauen, Älteren und Arbeitslosen besser ausschöpfen, wird der Fachkräftebedarf nicht gedeckt. Das bedroht unseren Wohlstand.

Wir müssen in Deutschland lebende Arbeitslose in den Arbeitsmarkt integrieren, das ist selbstverständlich. Doch genauso notwendig ist die Zuwanderung neuer Fachkräfte. Wenn also hier lebende Arbeitslose die geforderten beruflichen Qualifikationen besitzen – dann werden sie auch in Zukunft immer drei Vorteile gegenüber den meisten zuziehenden Arbeitskräften haben: Deutschkenntnisse, einen deutschen Schul- oder Berufsabschluss und profunde Kenntnisse über das gesellschaftliche Leben in Deutschland.

Nach unserer Auffassung soll ein Einwanderungsgesetz auch regeln, dass Beschäftigungsverhältnisse von eingewanderten Fachkräften bestehende tarifliche Standards nicht unterlaufen, dass also durch den Zuzug kein Lohndumping erfolgt.

Wird durch Eindämmung von prekären Jobs nicht der Einstieg in Arbeit für viele Menschen erschwert?

Nein. Unsichere und schlecht bezahlte Jobs sind nur selten Sprungbretter zu guter Arbeit. Neun von zehn Leiharbeitskräften werden nicht übernommen. Viele Menschen wollen gern mehr als im Minijob oder in kleiner Teilzeit arbeiten, bekommen dazu aber keine Möglichkeit. Von Arbeit auf Abruf kann nur loskommen, wer im Beruf auch andere Perspektiven angeboten bekommt. Auch für die vielen tausend Werkvertragsnehmerinnen und Werkvertragsnehmer in der Fleischindustrie ist keine Festanstellung in Sicht.

Natürlich ist es aber sinnvoll, Menschen einfache Zugänge zum Arbeitsmarkt zu eröffnen. Aber Lohndumping und weniger Rechte sind dafür keine geeigneten Mittel. Wir Grüne sind für gezielte Einstiegshilfen – sei es mit zeitlich begrenzten Zuschüssen zu den Lohnkosten oder zur Gründung in Selbständigkeit. Auch sollen Probezeiten bei Arbeitsverhältnissen selbstverständlich möglich bleiben. Leiharbeit und Werkverträge kann es geben, sofern sie fair sind. Es ist dagegen nicht akzeptabel, die schwächere Position von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zum Lohndumping oder zum Abwälzen unternehmerischer Risiken auszunutzen. Darum wollen wir die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt erhalten, den Missbrauch aber eindämmen.

Wieso wollt Ihr Minijobs nicht so lassen wie sie sind?

Minijobs sind eine gute Gelegenheit, etwas dazuzuverdienen. Aber sie stellen nachweislich keine Brücken in reguläre Beschäftigung dar. Stattdessen sind sie oft berufliche Sackgassen und ein Armutsrisiko im Alter, insbesondere für viele Frauen. Minijobbern werden zudem oft grundlegende Arbeitnehmerrechte vorenthalten: sie erhalten keinen bezahlten Urlaub und keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, obwohl ihnen beides zusteht.  Es wird höchste Zeit, gleiche Rechte für Minijobber durchzusetzen. Und wir wollen Minijobs in sozialversicherungspflichtige Jobs umwandeln. Steuern, Abgaben und soziale Leistungen wollen wir so aufeinander abstimmen, dass sich Erwerbsarbeit immer rechnet. Die Belastung mit Steuern und Abgaben darf also nicht sprunghaft steigen, wenn der Lohn über 450€ ansteigt. So wird es attraktiver, mehr als geringfügig zu arbeiten.

Jetzt gibt es ein Entgeltgleichheitsgesetz – reicht das nicht endlich mal?

Das ist leider Stückwerk geblieben: 60 Prozent der beschäftigten Frauen sind von dem neuen Aus-kunftsanspruch ausgeschlossen. Denn die neuen Auskunftsrechte zur fairen Entlohnung gelten erst für Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten. In großen Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeiterinnen  und Mitarbeitern sind betriebliche Prüfverfahren, die Entgeltgleichheit herstellen sollen, weiter frei-willig und nicht verpflichtend. Zudem sollten nicht nur Betroffene, sondern auch Verbände, Betriebs-räten oder Gewerkschaften bei einem Verstoß gegen das Entgeltgleichheitsgebot klagen können.

Auf hellblauem Hintergrund der Text "Unsere Themen" zwischen zwei Balken, darunter "Von A bis Z - alles auf einen Blick!". Wahlprogramm Grüne. Bundestagswahl.