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Vergessen tötet

Zum 80. Jahrestag der NS-Bücherverbrennung erklären Claudia Roth und Cem Özdemir, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Vor 80 Jahren, am 10. Mai 1933 brannten auf dem Berliner Opernplatz und in vielen anderen deutschen Städten die Werke von Autoren wie Heinrich Mann, Erich Kästner und Siegmund Freud, von Remarque, Tucholsky, Ossietzky und vielen anderen. Der Versuch von Propagandaminister Goebbels, die Bücherverbrennung als Teil einer ‚von unten hervorgebrochenen Revolution‘ darzustellen, war eine dreiste Geschichtslüge. Die Verbrennungen waren keine spontanen Aktionen, sondern Höhepunkt einer monatelagen NS-Kampagne „wider den undeutschen Geist“. Mit ihrem systematischen Vorgehen nehmen die Nazi-Machthaber auch in der traurigen Geschichte der Bücherverbrennungen eine einzigartige Stellung ein. Die NS-Bücherverbrennung mahnt uns, auch in der Welt von heute für die Freiheit von Wort und Schrift zu kämpfen. Noch immer werden Autorinnen und Autoren, Journalistinnen und Journalisten brutal verfolgt, nicht nur in Ländern wie Ägypten oder Syrien, sondern auch in Europa, auch in der EU. Es ist eine Schande für den freiheitlichen Geist und die Werte Europas, wenn die Regierung eines EU-Mitgliedslandes wie Ungarn freie Medien massiv bedrängt und es zulässt, dass Antisemiten offen Hetze betreiben.

Aber wir haben auch die historische Aufgabe, an die von den NS-Machthabern verfolgten Autorinnen und Autoren zu erinnern, denen meist nur die Flucht ins Exil blieb, wo sie von ihrem Sprach- und Wirkungsraum über lange Jahre isoliert waren. Oft gelang es ihnen nicht mehr, nach dem Krieg wieder Anschluss an das literarische und publizistische Leben in Deutschland zu finden. Die Verfolgung durch die Nazis hat so ihre literarische Wirksamkeit tatsächlich behindert oder sogar ausgelöscht. Eine demokratische Erinnerungskultur muss gerade diesen Autorinnen und Autoren und ihren Werken wieder den ihnen gebührenden Platz einräumen – viel engagierter, als sie es bisher tut.“