Header bestehend aus Logo und aktuellem Thema

Text: Neue Zeiten. Neue Antworten. Grundsatz wird Programm.

Hauptinhalte

Mehr Essen auf die Teller, weniger in Trog, Tank und Tonne

Zum Welternährungstag erklären Claudia Roth, Bundesvorsitzende, und Thilo Hoppe, Sprecher für Welternährung der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Eine Wahrheit am Welternährungstag lautet: Kein Mensch müsste Hunger leiden. Die Erde bietet genug für alle. Eine andere Wahrheit ist: Derzeit hungern rund 870 Millionen Menschen weltweit. Viele Menschen – vor allem in den Entwicklungsländern – können sich ausreichende Nahrung nicht mehr leisten. Und zu viele Nahrungsmittel landen im Trog, im Tank und in der Tonne.

Damit mehr Essen auf den Tellern und in den Schüsseln der Hungernden landet, müssen vor allem Kleinbäuerinnen und -bauern in den Entwicklungsländern unterstützt werden. Direkt vor Ort muss auf nachhaltige Weise für die eigene Bevölkerung und für lokale und regionale Märkte Nahrung angebaut werden. Agrarimporte, gerade aus Ländern, in denen noch Hunger herrscht, müssen außerdem an die Einhaltung umfassender Menschenrechts- und Nachhaltigkeitskriterien gebunden werden. Es ist gerade für die reichen Staaten ein Skandal, dass sie die Äcker der Armen zum Futtermittelanbau für die eigenen Massentierställe oder für Energiepflanzen für den eigenen Verbrauch missbrauchen und damit eine neue Form der Kolonialisierung etablieren.

Entwicklungsminister Niebel hat nicht verstanden, dass die industrielle Landwirtschaft nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems ist. Sie führt zu unfruchtbaren Böden, zu Gewässerbelastung, zum Verlust der biologischen Vielfalt und sie heizt das Klima an. Nur mit einer ökologischen und kleinbäuerlichen Landwirtschaft können der Hunger bekämpft und die natürlichen Ressourcen bewahrt werden. Niebel hingegen setzt auf Partnerschaften mit Großkonzerne der Agroindustrie, die einem nachhaltigen Modell wie dem des Weltagrarberichts fundamental entgegenstehen.

Auch bei der Agrarhandelspolitik verhält sich die Bundesregierung zynisch. Unsere hoch subventionierten Lebensmittel, vor allem Fleisch und Milchprodukte, retten nicht die Welt vor dem Hunger, sondern zerstören lokale Märkte in den Importländern und verstärken Armut und Unterernährung. Doch das Landwirtschaftsministerium fördert diese Politik weiter mit Steuergeldern. Wir unterstützen daher den Aufruf von VENRO an Ministerin Aigner, sich auf europäischer Ebene für eine effektive Umsetzung des Rechts auf Nahrung einzusetzen und eine Beschwerdestelle für Betroffene einzurichten.

Zu einer umfassenden Hungerbekämpfungsstrategie gehört auch die Eindämmung der ausufernden Spekulationen mit Nahrungsmitteln. Doch auch hier Fehlanzeige bei der Bundesregierung, die bisher lediglich Transparenz fordert, aber nichts für ein Verbot von Lebensmittelspekulationen tut. Eine derzeit auf EU-Ebene verhandelte Richtlinie bietet die Möglichkeit, den Spekulationsspielraum zumindest einzuschränken. Die Bundesregierung muss wenigstens diese Initiative rasch und nachdrücklich unterstützen. Wetten auf steigende Nahrungsmittelpreise, die einen Anstieg der Zahl der Hungernden billigend in Kauf nehmen, sind einer der schlimmsten Auswüchse eines ungezügelten Finanzmarktkapitalismus.“

Informationen zur Aktion von VENRO finden Sie unter:

www.deine-stimme-gegen-armut.de/nc/aktiv-werden/recht-auf-nahrung.html