Header bestehend aus Logo und aktuellem Thema

Text: Neue Zeiten. Neue Antworten. Grundsatz wird Programm.

Hauptinhalte

Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar erklären Claudia Roth und Cem Özdemir, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert an das unendliche Leid, das ein mörderisches NS-Regime über Millionen von Opfern brachte. Die fast vollständige Vernichtung der europäischen Juden, hunderttausendfacher Mord an Sinti und Roma, an Menschen mit Behinderungen, der Terror gegen Homosexuelle, gegen politische Gegner, gegen die Männer und Frauen des Widerstands und viele andere Verbrechen sind nicht vergessen. Die Überlebenden des Terrors und die Familien der Opfer leiden bis heute an den Folgen der Verbrechen. Ihnen gehört unsere Solidarität.

Es ist ein Tag gegen das Vergessen, denn Vergessen liefert die Opfer ein zweites Mal den Tätern aus. Gleiches gilt für ein Erinnern als bloße Pflichtübung ohne Folgen für die Gegenwart und Zukunft. Nötig ist ein Erinnern ‚nach vorne‘, das lebendig wird im Kampf gegen Nazismus, Rassismus, Antisemitismus, Islamo- und Homophobie sowie alle anderen Formen der Menschenfeindlichkeit.

Dieser Kampf muss zum einen gegen erklärte Neonazis geführt werden, die Angst und Terror verbreiten. Dass eine Nazi-Terrorgruppe jahrelang eine Blutspur durch Deutschland legen konnte, ohne von Sicherheitsbehörden auch nur erkannt zu werden, zeigt, wie unzureichend das Bewusstsein für die Gewaltbereitschaft von Neonazis selbst in den zuständigen Behörden ist.

Große Sorgen muss uns aber auch bereiten, dass menschenfeindliche Haltungen immer mehr die Mitte der Gesellschaft erreichen. Wer hier nicht widerspricht, duldet, dass der Geist des Ressentiments und der Ausgrenzung und Spaltung immer weiter um sich greift.

Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus meint auch den selbstkritischen Umgang mit den Hinterlassenschaften des Nazi-Regimes. Die NS-Vergangenheit von staatlichen Institutionen, von Ministerien und Behörden ist immer noch unzureichend erforscht. Dass Eichmann, der Organisator des Holocausts mit Wissen des Bundesnachrichtendienstes jahrelang in Argentinien untertauchen konnte, ist unfassbar und muss dringend aufgeklärt werden, ebenso wie die Karrieren von NS-Verbrechern in demokratischen Institutionen der Nachkriegszeit. Die Bundesregierung muss diese Aufklärung konsequent vorantreiben und koordinieren, statt weiter einen Flickenteppich des Halbwissens und Verdrängens der eigenen Geschichte zu tolerieren."