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Liebe Frauen, liebe Männer,

Briefe zur Wahl: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an Frauen und Männer

sechzig Jahre ist die Verfassung alt, die die Gleichberechtigung zum Grundrecht erhebt. Seitdem ist viel passiert. Heute haben Frauen vor dem Gesetz die gleichen Rechte wie jeder Mann, sie leben allein oder heiraten, entscheiden sich für oder gegen eigene Kinder, machen Karriere oder nicht.

Und nicht nur das – eine Frau steht an der Spitze des Landes. Männer dürfen heute Väter sein und nicht nur Ernährer, schieben ihre Kinder stolz durch den Supermarkt und müssen nicht mehr heimlich weinen. Die meisten wissen, wie eine Geschirrspülmaschine funktioniert. Ist die Gleichstellung in Deutschland erreicht? Müssen Frauen die Früchte der Frauenbewegung nur noch ernten?

Sie, liebe Frauen, wissen es besser. Die gut bezahlten Jobs und Führungspositionen bekommen noch immer die Männer. Sexismus begegnet Ihnen im Alltag wie schon Ihren Müttern. Eine Frau an der Spitze der Republik bedeutet eben noch keine progressive Frauenpolitik; eine Frau im Familien- und Frauenministerium noch keine moderne Gleichstellungspolitik. Was hat die große Koalition in den vergangenen vier Jahren für die Gleichberechtigung getan? Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen ist mit 23 Prozent so krass wie in kaum einem anderen europäischen Land. Maßnahmen der Regierung Merkel/Steinmeier? Fehlanzeige. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist verschwindend gering. Initiativen der Bundesregierung? Keine.

Was ist mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dem politischen Flaggschiff der Ministerin von der Leyen? Das Elterngeld sollte dafür sorgen, dass auch Männer nach der Geburt zu Hause bleiben und die Frau leichter den Wiedereinstieg in den Beruf findet. Hat es aber nicht. Es begünstigt Gutverdiener und ändert nichts daran, dass die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten eine Berufstätigkeit zu einem Drahtseilakt machen.

Die große Koalition hat in der Frauenpolitik nicht einmal versagt, denn dafür hätte sie überhaupt erst etwas tun müssen.

Chancengleichheit in Familie und Beruf

Nicht auszudenken, was Frauen unter Schwarz-Gelb blühen würde. Die FDP lehnt sämtliche Maßnahmen ab, die Frauen in der Wirtschaft mit Männern gleichstellen würden. Und die CSU hält stur an ihrem Idealbild traditioneller Geschlechterrollen fest und ignoriert dabei, dass jedes dritte Kind nicht in einer traditionellen Ehe aufwächst. Sie will das Betreuungsgeld einführen, damit Frauen doch lieber zu Hause bleiben und das Geldverdienen den Männern überlassen.

Wir wollen einen neuen Gesellschaftsvertrag, der auf Solidarität zwischen den Geschlechtern gründet. Wir wollen, dass die Chancen eines Menschen nicht durch seine Geschlechtszugehörigkeit eingeschränkt werden, sondern dass Frauen und Männern alle Wege gleichermaßen offen stehen. Das wäre echte Gleichberechtigung.

Für Lohngleichheit und Frauenquoten in Aufsichtsräten

Um das zu verwirklichen, brauchen wir Lohngleichheit und Quoten für Frauen in den Aufsichtsräten sowie ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft – damit die gut bezahlten Stellen nicht von Männerhand zu Männerhand gereicht werden. Flächendeckende Mindestlöhne werden dafür sorgen, dass viele Frauen finanziell besser dastehen als bisher, denn sie stellen im Niedriglohnbereich zwei Drittel der Beschäftigten.

Für ein Ende des Ehegattensplittings

Ebenso wichtig ist die Abschaffung des Ehegattensplittings. Denn es bringt viele Frauen dazu, die schlechter bezahlten Jobs in Teilzeit anzunehmen, was wiederum dazu führt, dass ihre finanzielle Absicherung besonders im Alter nicht gewährleistet ist. Wir wollen zudem verhindern, dass erwerbslose Frauen vom Geldbeutel ihres Mannes abhängig sind. Deshalb werden wir die Anrechnung des Partnereinkommens beim Arbeitslosengeld II abschaffen.

Wenn Sie ebenso wie wir der Überzeugung sind, dass echte Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht ist, machen Sie Ihr Kreuz bei Grün – denn wir sind die einzige Partei, die sich wirklich für Sie einsetzt.

Und Ihnen, liebe Männer sagen wir: Entlasten Sie sich von der Verantwortung, alles allein bestimmen zu wollen. Wir wollen, dass Sie mehr von Ihrer Familie haben, statt als Alleinernährer bis zur Rente zu schuften. Wir wollen, dass Sie Zeit fürs Fußballspielen mit Ihren Kindern haben. Wir wissen, Sie haben es auch nicht leicht. Lassen Sie einfach mal los, so schwer ist das nicht.

Ihre Grünen

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