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Ein Mann geht durch ein Feld.
Wir wollen eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie. Foto: Getty Images/kali9

Besser ohne Glyphosat!

Nein zu sagen ist einfach. Ein Verbot von Glyphosat zu fordern auch. Doch was machen eigentlich Landwirte ohne Glyphosat? Wir erklären, wie es gehen kann.

Wie stellen wir unsere Lebensmittel her? Welches Essen möchten wir auf unseren Tellern finden? Wir wollen eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie. Deshalb treten wir für ein Verbot des Pestizids Glyphosat ein. So weit, so einfach. Doch was kommt dann:

Ist Glyphosat für eine funktionierende Landwirtschaft unverzichtbar?

Glyphosat ist vor allem ein Mittel zur Einsparung von Arbeitskraft und Treibstoff bei der Bodenbewirtschaftung. Vor allem große Betriebe können durch das flächendeckende „Totspritzen“ des Ackers mit Glyphosat billiger produzieren. Das Gift befeuert so die Rationalisierung und das Höfesterben.

Die einzigen, die nicht ohne Glyphosat auskommen, sind hoch-rationalisierte landwirtschaftliche Großbetriebe mit großen Monokulturflächen und der Anbau von Gentech-Pflanzen in Übersee, die gegen den Wirkstoff immun gemacht worden sind.

Schon heute verzichten nicht nur Ökolandwirte, sondern auch konventionelle Landwirte auf Glyphosat. Beispiele sind die Schweizer Produzenten mit Gütesiegel IP Suisse und in Bayern die Lieferanten der Berchtesgadener Molkerei. Auch die Eiscreme-Marke Ben & Jerry‘s will in Europa ihre Lieferanten auf Glyphosatverzicht verpflichten. Unsere Landwirte sind also durchaus in der Lage, ihre Bewirtschaftungssysteme so umzustellen, dass Glyphosat nicht eingesetzt werden muss.

Was für Alternativen gibt es?

Glyphosat erlaubt es, den Boden ohne Pflug von Pflanzenresten und Beikräutern zu befreien. Eine bodenschonende Bewirtschaftung lässt sich allerdings auch mit Zwischenfrüchten oder Untersaaten erreichen – und zwar deutlich effektiver und giftfrei. Dabei dienen Erntereste und abgetötete Pflanzen als Bodenabdeckung und beugen Erosionen vor.

Auch ohne den Einsatz von Glyphosat muss nicht immer gepflügt werden, um Beikräuter mechanisch zu entfernen. So reicht im Getreideanbau oft bereits das Striegeln oder Grubbern aus und in Gemüsekulturen hat sich die thermische Unkrautbekämpfung etabliert. Perspektivisch können in der Zukunft auch einfache Roboter die Entfernung von Unkraut übernehmen.

Aber günstiger ist Glyphosat doch, oder?

Wenn man mittel- bis langfristig denkt, nicht. Das Weglassen des Pflugs erhöht in Monokulturen den Beikraut- und Schädlingsdruck enorm, was wiederum zu einem höheren Einsatz von Pestiziden führt. Die Kosten dafür relativieren Einsparungen beim Treibstoff durch den Verzicht aufs Pflügen. Außerdem wirkt sich Glyphosat negativ auf das Bodenleben aus, was langfristig die Erträge sinken lässt. Und gesamtgesellschaftlich gesehen kommt uns Glyphosat mit seinen negativen Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und Biologische Vielfalt sowieso viel zu teuer zu stehen.

Überzeugt. Aber wieso habt ihr dann in den Sondierungsgesprächen eure Forderungen aufgegeben?

Ganz im Gegenteil: In den Sondierungen haben wir jederzeit klargemacht, dass wir eine Verlängerung des Glyphosat-Einsatzes ablehnen. Es gab in dieser strittigen Frage keine Einigung, weil die anderen Verhandlungspartner mit Glyphosat weitermachen wollten.