Auf gelbem Hintergrund steht zwischen zwei Balken: "Urwahl: Basis ist Boss" und darunter "Bis zum 1.11. Mitglied werden und mitbestimmen!". Daneben vier hoch gehaltene Arme.
Viele Menschen mit schwarzen Schildern in der Hand.
Foto: © Grüne Bundestagsfraktion

"Wir lassen uns nicht einschüchtern"

Nach dem Anschlag auf die Redaktion der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ scheint die Welt erstarrt in Trauer um die Opfer und Wut auf die Täter. Wir haben Cem Özdemir um eine Einschätzung der Situation gebeten.

gruene.de: Du bist gerade auf der Neujahrsklausur der grünen Bundestagsfraktion in Weimar. Wie ist die Stimmung nach den Anschlägen in Paris?

Cem Özdemir: Wir sind schockiert und voller Mitgefühl. Der Anschlag auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo» ist abscheulich. Das ist ein Anschlag auf unsere Presse- und Meinungsfreiheit, auf unsere Demokratie. Unser Mitgefühl gilt den getöteten Journalisten, Karikaturisten und den Polizisten und ihren Angehörigen. Aber auch allen, die gestern Kollegen und Freunde verloren haben. Wir stehen an ihrer Seite. Dies gilt auch für die mutigen Journalisten, die weltweit viel riskieren, oft ihre Freiheit oder gar ihr Leben. Das haben wir hier heute durch eine gemeinsame Schweigeminute versucht zum Ausdruck zu bringen.

Müssten wir den PEGIDA-Demonstranten, die vor dem Islam warnten, nicht jetzt recht geben?

Sicher nicht! Auch PEGIDA richtet sich gegen Toleranz, gegen Weltoffenheit und gegen demokratische Werte in Deutschland und Europa. Eines ist wichtig zu verstehen: Die Trennlinie zwischen uns und den Attentätern ist nicht Religion, wie uns Pegida und AfD weis machen wollen. Die Trennlinie ist Intoleranz. Es sind aber Werte, wie Meinungsfreiheit, Bürgerrechte und Demokratie, die das europäische Abendland groß gemacht haben. Unabhängig davon, woher ich komme und welcher Religionsgemeinschaft ich angehöre, oder ob ich überhaupt religiös bin: ich muss eine Karikatur oder einen Artikel nicht mögen, aber ich muss es aushalten und vor allem gegen Drohungen und Angriffe verteidigen. Dies gilt für alle, die Teil unserer offenen Gesellschaften in Europa sein wollen. Diese Werte werden wir gegen jeglichen Fundamentalismus verteidigen. Wir trauern jetzt alle gemeinsam, gleich welcher Glaubensrichtung. Aber vergessen wir nicht, viele Muslime, die bei uns leben oder zu uns kommen, fliehen häufig genug genau vor diesen islamistischen Fundamentalisten in ihren Heimatländern.

Wie können wir weitere Anschläge verhindern?

Die Aggression von potentiellen Attentätern dürfen wir nicht unterschätzen. Deswegen muss jetzt überprüft werden, ob unsere Sicherheitsvorkehrungen dieser Aggression Rechnung tragen. Wir werden das überprüfen müssen, ohne dabei in Panik zu verfallen. Aber das wichtigste ist: Wir werden uns nicht einschüchtern lassen.

Wir sind Charlie - am 12.01.2015 und 13.01.2015 aufstehen für Meinungsfreiheit und Toleranz!

Zu der geplanten Kundgebung nach den Anschlägen von Paris erklären
Simone Peter und Cem Özdemir, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

"Angesichts des mörderischen Anschlags auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris gilt es jetzt, ein Zeichen der Solidarität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu setzen. Aus diesem Grund rufen wir zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung auf, die ein Bündnis von Religionsgemeinschaften und Verbänden, unter anderem der Zentralrat der Muslime, am Dienstag, den 13.01., um 18 Uhr auf dem Pariser Platz in Berlin veranstaltet. Unsere offene Gesellschaft darf sich nicht spalten lassen. Wir haken uns unter - für Meinungs- und Pressefreiheit, für Demokratie und Toleranz, gegen Hass und Gewalt."

Neben der Gedenkveranstaltung in Berlin wird es von Samstag, 10. Januar bis Montag, 12. Januar in zahlreichen Städten Deutschlands Kundgebungen gegen Hass und Fanatismus, für Meinungsfreiheit und Toleranz geben.

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