Auf gelbem Hintergrund steht zwischen zwei Balken: "Urwahl: Basis ist Boss" und darunter "Bis zum 1.11. Mitglied werden und mitbestimmen!". Daneben vier hoch gehaltene Arme.

Ideen für die Barcamp Session

Am 19. September wollen wir auf dem Digitalisierungskongress in sechs parallelen Barcamp Sessions diskutieren. Eine Session wird maximal 90 Minuten dauern und gemeinsam von den Ideengeberinnen und Ideengebern mit unserer Unterstützung vorbereitet werden. Hier findet ihr die eingereichten Ideen.

1. Von den Piraten lernen? – Wie nutzen wir Digitalisierung für unsere Partei?

Ideengeber: Michael Kellner

Die Form der politischen Beteiligung verändert sich, stärker ad-hoc und weniger langfristig und verbindlich. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten des Engagements: Jenseits von der klassischen Mitgliederversammlung im Kreisverband von zu Hause aus mitentscheiden, parteipolitische Anbindung trotz häufigen Wohnortwechsels.

Ich würde die Grüne Partei gern weiter verändern und zu einer Beteiligungspartei neuen Typs entwickeln, die Offline und Online zusammendenkt.

Was wollen unsere Mitglieder und wie können wir sie noch besser einbinden? Worüber und wie oft wollen wir eigentlich abstimmen oder diskutieren? Und mit welchen digitalen Lösungen können wir auf die Anforderungen reagieren?

Dahinter steht für mich die Frage, ob wir durch parteiinterne Mitgliederbegehren, regelmäßige Befragungen oder gar durch verbindliche Entscheide unsere politische Kultur auf Kommunaler, Landes- und Bundesebene weiter voranbringen können.

Das und noch viel mehr, würde ich gern gemeinsam mit Euch und der Landesgeschäftsführerin NRW, Marianne Weiß diskutieren.

2. Digitalisierung in Land und Kommune - was sollen unsere Landesregierungen und BürgermeisterInnen tun?

Ideengeber: Gregor Hopf

Als Grüne regieren wir in neun Ländern mit und stellen in über fünfzig Städten und Gemeinden den/die (Ober-)Bürgermeisterin oder AmtsvorsteherIn. Wie können wir die Digitalisierung in Gesellschaft und Wirtschaft in den Ländern und Kommunen mitgestalten? Was machen wir bereits? Was sollen wir tun?

3. Brauchen wir gänzlich neue Übereinkünfte über die Arbeit von Geheimdiensten im Digitalen?

Ideengeber: Konstantin von Notz

Konstantin von Notz ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Obmann der Grünen im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Überwachungs- und Geheimdienstaffäre. Er wird über die alltägliche Arbeit im „NSA-Untersuchungsausschuss“ berichten. Bisherige Aufklärungserfolge des Ausschusses sollen skizziert und die anhaltende Verweigerungshaltung der Bundesregierung, endlich auch ihren Teil zur Aufklärung beizutragen, hinterfragt werden. Diskutiert werden soll zudem darüber, welche Defizite sich bezüglich der Gesetzgebung und parlamentarischen Kontrolle im Zuge der bisherigen Aufklärung offenbart haben und ob es nicht sogar gänzlich neuer Übereinkünfte für geheimdienstliche Tätigkeit im Digitalen bedarf?

4. Hate Speech keinen Raum geben - das Netz als Freiraum für alle

Ideengeber: Sophie Karow, Ulle Schauws, LAG Frauen NRW u.a.

Das Internet ist für (junge) Menschen unumstritten zum wichtigsten RAUM für Kommunikation und Information geworden. Wie, von wem, mit welchen Interessen dieser virtuelle Raum genutzt wird, ist zu hinterfragen, wenn es um Grenzüberschreitungen und Gewalt im Netz geht. Bei „Hate Speech“ geht es um Gewalt, vor allem gegen Frauen. Gerade User*innen, die sich für
feministische, queere und antirassistische Themen einsetzen, sind betroffen. Dass Frauen selbstverständlich nirgendwo eingeschränkt werden und alle Möglichkeiten haben sollten, steht außer Frage. Dass das Netz aus Angst gemieden und zu einer No-go Area für Menschen, insbesondere Frauen werden könnte, ist inakzeptabel! Was können wir tun? Wie motivieren und empowern wir, virtuelle Räume uneingeschränkt zu nutzen? Zusammen mit einer*m Experten*in zu „Hate Speech“ aus Netz oder Wissenschaft sowie mit Ulle Schauws (MdB; zugesagt) wollen wir über demokratische Beteiligungsmöglichkeiten, Freiheit und Formen des Schutzes diskutieren.

5. Roboterjournalismus: Brauchen wir Robotergesetze für den Journalismus?

Ideengeberin: Tabea Rößner

Roboterjournalismus zapft Datenbanken an und erstellt durch eine raffinierte Datenverarbeitungs-Software lesbaren Text. Der Finanzdienst DPA AFX oder die Berliner Morgenpost haben eine solche Software schon getestet.

Roboterjournalismus fasziniert, weil er gleichzeitig Hoffnung streut und Ängste erzeugt. Durch Roboterjournalismus lässt sich noch mehr Input schneller verarbeiten und Journalisten können mehr Zeit für die richtige Recherche gewinnen. Aber: Wie verändern Roboter den journalistischen Alltag: Wer stellt dann die richtigen Fragen, wer hat den richtigen Riecher, wie können Maschinen Informationen nicht nur aus- sondern auch bewerten und mit der Sprache spielen? Diese Fragen wollen wir in diesem Barcamp diskutieren und gemeinsam darüber nachdenken, ob so etwas ähnliches wie die Robotergesetze von Issac Asimov in den Pressekodex aufgenommen werden könnten oder andere Regelungen notwendig und sinnvoll sind.

6. Digitalisierung als soziale Herausforderung

Ideengeber: Jürgen Blümer

Die bewusste und selbst verantwortete Teilhabe an der Digitalisierung ist immer noch ein Eliten-Thema. Die Bruchzone des 'digital gap' zieht sich dabei entlang der tradierten sozialen Bruchlinien. Wenn angesichts der aktuellen Vertiefung der Bruchlinien, insbesondere durch das dysfunktionale Bildungssystem, die Probleme beständig wachsen, muss auch die digitale Teilhabe auf die politische Agenda.
Ich formuliere die Frage, die hier diskutiert werden soll, einmal ganz plakativ:
Wie kann ein Staat, der nicht einmal für hygienisch einwandfreie Toiletten in den Schulen sorgen kann, sicherstellen, dass allen Menschen die gesellschaftlich notwendige Mindestteilhabe an der Digitalisierung ermöglicht wird?
Oder - in kürze: Wie kann ein digitales Prekariat verhindert werden?

7. Softwareentwicklung als ethische Herausforderung

Ideengeber: Jürgen Blümer

Selbstfahrende KFZ von Software gesteuert; Sicherheitssoftware, die in totalitären Regimen zur Unterdrückung genutzt werden; Data-Mining-Anwendungen, die von Lebensversicherern zur Policen-Optimierung genutzt werden; Schnittstellen zu DNA-Datenbanken, die ein Rassen-Profiling von Internet-Nutzern ermöglichen - je mehr Software auch unbemerkt in unseren Lebensalltag eindringt, umso deutlicher werden die ethischen Herausforderungen, die damit einher gehen.
Welche Leitplanken muss eine Gesellschaft hier setzen? In wie weit ist es Aufgabe der Politik, hier Richtlinien zu formulieren? Kann die Art und Weise, welchen ethisch-moralischen Prinzipien die Zukunftprogrammierung unterliegt, allein den Gesetzen des Marktes überlassen werden?

8. Grenzen der digitalen Expansion?

Ideengeber: Jürgen Blümer

Angesichts der Grundtatsachen, dass
- es keine fehlerfreie Software gibt,
- jedes IT-System nur so lange sicher ist, bis es gehackt wurde,
- immer sensiblere Daten in immer komplexeren IT-Systemen aggregiert werden (z.B. eHealth) und
- selbst Geheimdienste und Sicherheitsfirmen nicht in der Lage sind, personenbezogene Daten zu schützen
muss man sich über eine 'programmierte' Zukunft ernsthafte Sorgen machen.
Hinter diesen Sorgen stehen berechtigte Fragen:
- Welcher Grad an 'Digitalisierung' ist in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft überhaupt zumutbar?
- Gibt es 'Tabu'-Daten, die auf keine Fall der Digitalisierung unterworfen werden dürfen?
- Wie nachhaltig ist eine Digitalisierung tatsächlich, wenn man auch langfristige Folgekosten durch Datenraub und Datenmissbrauch berücksichtigt?
- Ist die Politik tatsächlich bereit, die Folgen der Digitalisierung - insbesondere bei der IT-Sicherheit - offen zu kommunizieren und zu diskutieren?
- Welche Kosten für sichere IT-Systeme ist die Gesellschaft bereit, mitzutragen?
- Welche Folgen von Sicherheitslücken und Softwarefehler ist die Gesellschaft bereit, mitzutragen?

9. Wie gestalten wir die digitale Arbeitswelt?

Ideengeber: Rüdiger Metzdorf, Andreas Kröhling, Edgar Muschketat

Mähdrescher die ohne Fahrer eigenständig Felder abernten, öffentliche Verkehrsmittel ohne Fahrer (z. B. Skytrain), Supermärkte wo Kunden Waren selbst einscannen, das sind nur ein paar Beispiele, wie sich die Welt mit Technologien, die heute weitgehend schon vorhanden sind, verändert. Wir stehen am Beginn einer zweiten industriellen Revolution auf der Basis des Internets und moderner TK-Technologien, die unsere Arbeitswelt gravierend verändert.
Feste Arbeitsplätze bei einem Arbeitgeber werden immer mehr zur Ausnahme. Sich immer schneller verändernde Aufgaben machen lebenslanges Lernen erforderlich.
• Arbeitsplätze in standardisierbaren Tätigkeiten, bis in den akademischen Bereich, werden massiv wegfallen
• Grenzen zwischen Privaten und Arbeit verschwinden, mit Folgen für die Gesundheit von Arbeitnehmer (Burn Out)
• Neue Arbeitsformen führen für Beschäftigte zu (Schein)selbständigkeit ohne soziale Absicherung
Wie gestalten wir als Gesellschaft diesen Wandel? Was bedeutet fairer Wettbewerb in dieser neuen Welt? Wie machen wir die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfähig?

10. Kriegsschauplatz Internet und zivile Konfliktbearbeitung

Ideengeber: Erich Pawlik

Die neuen Kriege werden zunehmend mit und über das Internet geführt. Die Überwachungsmaschine der NSA dient nicht zuletzt dem Militär - ohne diese Maschinerie wären gezielte Tötungen in der heutigen Form nicht möglich. Dies ist allerdings nur die Spitze des Eisberges - der Cyberspace wird für die großen Militärmächte wie USA, China und Russland, aber auch viele kleinere Staaten zur fünften Waffengattung. Militärisches Denken macht sich in immer mehr Bereichen breit. Was bisher fehlt, sind Vorstellungen, welche Beiträge die digitale Welt zur zivilen Konflkitbearbeitung leisten kann.

11. Digitale Wissenswelten, digitalisierte Wissenschaft

Ideengeber: Martin Scheuch/Carsten v. Wissel (BAG Wissenschafts-, Hochschul- und Technologiepolitik)

Wissen ist kontextualisierte Information, die es denen, die es besitzen ermöglicht, Handlungsvermögen aufzubauen. In immer mehr Handlungsfeldern spielt dabei Wissenschaft eine wichtige Rolle. Durch die Digitalisierung wird die Art, wie Wissen gespeichert und aufbereitet wird, komplett verändert. Damit wird sich auch verändern, wie wir uns Wissen aneignen. Doch was ändert sich? Und was bleibt, wie es ist? Bspw. findet eine räumliche Entkopplung zwischen Wissensaufbewahrung und Zugriff darauf statt, dennoch bleibt rein virtuelle Vermittlung wissenschaftlichen Wissens bis auf weiteres ein Randphänomen. Die Verfügbarhaltung von Wissen bleibt ein Problem. War es früher versäuerndes Papier, ist es heute das Unlesbarwerden digitaler Speichermedien. Was passiert, wenn Wissen immer mehr multimedial vermittelt wird oder der Forschungsaufenthalt durch die Videokonferenz ersetzt wird? Ändert sich unser Verstehen und die Art, wie wir Wissenschaft betreiben durch die Methode des Wissenserwerbs?

12. Unser Dorf soll digitaler werden – kommunale Strategien für E- und Open Government

Ideengeber: Matthi Bolte

Wir GRÜNE wollen die Vorzüge der Digitalisierung für alle Bürgerinnen und Bürger nutzbar machen. Das gilt ganz besonders vor Ort, wo durch bessere Angebote für E-Government und Open Government ein neues Verhältnis von Gemeindeverwaltung und Bürger*innen entsteht und die Demokratie somit vorangebracht werden kann.

In dieser Barcamp-Session soll es darum gehen, diesen Wandel kommunal zu begleiten. Dafür werden wir uns auf Basis der Erkenntnisse aus dem GRÜNEN Online-Check der Landtagsfraktion NRW (http://gruene-fraktion-nrw.de/online-check) einige gute Beispiele anschauen und dann gemeinsam überlegen, wie wir weiter vorankommen können. Wer sind unsere Verbündeten vor Ort? Wie lassen sich Lösungen politisch durchsetzen und bei der Verwaltung implementieren? Und: Wie können GRÜNE auf Landes- und Bundesebene den Wandel vor Ort unterstützen?

13. Grünfunk – Das grüne Freifunkprojekt

Ideengeber: Sebastian Steinbach (Netzbegrünung)

Wenn über Neutralität und Unabhängigkeit des Internets gesprochen wird und die Frage aufkommt, wie man unzensierte und offene Netze schaffen kann, fällt unweigerlich der Begriff „Freifunk“.

Mittlerweile wesentlich mehr als nur ein Hacker-Projekt, ist Freifunk in der  Gesellschaft angekommen und immer mehr Menschen beteiligen sich an der Schaffung eines freien Netzzugangs für alle.

Auch wenn die Hürden durch eine immer größer werdende Community überwindbar erscheinen, ist die technische Umsetzung für viele noch ein Buch mit sieben Siegeln und die rechtlichen Aspekte kaum abzuschätzen.

Auf dem jährlichen Camp der Netzbegrünung e.V. wurde ein Workshop zur Begrünung des Freifunks durchgeführt und ein Konzept erstellt, wie man den grünen Gliederungen den Einstieg in das offene Netz so barrierefrei wie möglich zur Verfügung stellen kann. Das Digitalkongress Pannel soll die Idee „Grünfunk – Das grüne Freifunkprojekt“ vorstellen und mit den Anwesenden über Machbarkeit und Potentiale Diskutieren.

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