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Gesamtdeutsches Win-Win

„Wir waren nicht immer einfach für Euch“, sagt Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt am 20. Jahrestag der Vereinigung von BÜNDNIS 90 und DIE GRÜNEN. „Heute sind wir eine gesamtdeutsche Selbstverständlichkeit.“

Früher stand hier eine Mauer, heute ist es laut und grün. Am Gleimtunnel, der heute die Berliner Bezirke Mitte und Pankow verbindet und von 1961 bis 1989 unpassierbar war, haben wir am Dienstag den 20. Geburtstag des Zusammenschlusses von BÜNDNIS 90 und DIE GRÜNEN gefeiert. Neben Musik und Tanz, Bio-Wurst und Spreewald-Gurken wurde auch inhaltlich Bilanz gezogen.

Katrin Göring-Eckardt, Nahaufnahme
Heute sind wir eine gesamtdeutsche Selbstverständlichkeit, sagt Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt zum 20. Jahrestag der Vereinigung von BÜNDNIS 90 und DIE GRÜNEN. Foto: © Ingo Kuzia

„Wir waren nicht immer einfach für Euch“, sagt Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, die Anfang der 1990er über Demokratie Jetzt und BÜNDNIS 90 zu den Grünen kam. „Hier wächst zusammen, was vielleicht nicht so ganz zusammengehört“, hätten viele damals gedacht. Auch wenn beim Fusions-Prozess nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen war: Am Ende sei die Vereinigung eine Win-Win-Situation gewesen.

Grünen-Mitbegründer Lukas Beckmann fand zum Jubiläum selbstkritische Worte. So sei es bei einer von den Grünen veranstalteten Tagung, die im November 1989 in Saarbrücken stattfand, um allerhand gegangen, aber nicht um die innerdeutschen Entwicklungen. „Für mich ist dieser Aspekt wichtig, weil wir auch heute möglicherweise wichtige Dinge nicht wahrnehmen“, sagte er. „Auch wer sich programmatisch der Zukunft verbunden wähnt, hat keine Garantie dafür, auch mit beiden Beinen in der Zukunft zu stehen.“

Beckmann: „Beide Seiten haben voneinander profitiert“

Ihre eigene erste Begegnung mit den Grünen sei eher holprig gewesen, erzählt Göring-Eckardt und erzählt von einem Besuch bei den Grünen im Jahr 1990. „Da habe ich einen Kinderwagen vier Stockwerke hoch getragen, machte die Tür auf und begegnete drei bärtigen Männern hinter Rauchschwaden, die sich über die Frage unterhielten, ob man Plakate mit Nägeln an Bäume machen darf“, erinnert sich die Thüringerin.

Lukas Beckmann auf einer Bühne, vor einer grünen Wand.
"Beide Seiten haben enorm voneinander profitiert", sagt Grünen-Mitbegründer Lukas Beckmann. Foto: © Ingo Kuzia

Drei Jahre später, inzwischen selbst Grüne, habe sie auf dem Vereinigungsparteitag im Mai 1993 zum ersten und einzigen Mal öffentlich in eine Kamera geweint - „aus lauter Entlastung, dass es nach einem Jahr Verhandlungen am Ende doch geklappt hat.“

Auch wenn die Fusion von West-Grünen und ehemaligen DDR-Oppositionellen anfangs nicht leicht war, sehen viele in der Partei den Zusammenschluss mit Bündnis 90 bis heute als wichtigen Beschleuniger für die wachsende bürgerliche Anerkennung der Grünen. „Inhaltlich bin ich davon überzeugt, dass beide Seiten enorm voneinander profitiert und gelernt haben, betont Beckmann.

Göring-Eckardt: Früher „Migrantin“, heute Spitzenkandidatin

Sie sei damals quasi Migrantin gewesen, sagt Göring-Eckardt. „Mit allem was Migranten so erleben.“ Erst sei man belächelt worden, dann bedauert, dann ein bisschen pädagogisiert und schließlich endlich inkludiert. „Am Ende fühlt man sich sauwohl in der gemeinsamen Partei, so die Spitzenkandidatin. „So geht es mir jedenfalls.“

Auch rechnerisch hat die gemeinsame Sache beiden Seiten genutzt: Nachdem die West-Grünen 1990 aus dem Bundestag geflogen waren, hätte der Zusammenschluss den Wiedereinzug ins Parlament gesichert, so Beckmann. „Ohne die Vereinigung von Bündnis 90 und den Grünen wären wir in eine existenzbedrohende Situation gekommen“, sagt er. Den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde hätte man ohne den Partner in Ostdeutschland nicht geschafft. Inzwischen sei die Zusammengehörigkeit von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN glücklicherweise selbstverständlich, so Göring-Eckardt. „Und im Herbst werden wir zeigen, dass eine echte gesamtdeutsche Partei ein Land gestalten und verändern kann.“

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