Text: "Der September wird Grün. Unterstütze die grünen Wahlkämpfe", daneben ein schwarzer Kreis mit einem grünen Kreuz drüber.
Ein Kind geht zwischen Tischreihen. Im Hintergrund eine Sonnenblume und der Text "Mehr Zeit".
Ob Geringverdiener, Allerinerziehende oder Selbstständige - wir wollen, dass sich alle Menschen Zeit für Erholung und Familie leisten können. Foto: © Harry Weber/gruene.de (CC BY 3.0)

Familien brauchen Zeit

Die GRÜNEN wollen Deutschland zu einem Land machen, in dem Frauen und Männer freier über ihre Zeit entscheiden können und Frauen dabei unterstützt werden, sich selbst zu verwirklichen und abzusichern. Das wurde auf der BDK in Halle in einer spannenden Debatte um die besten Instrumente für eine grüne Familien- und Arbeitszeitpolitik deutlich.

Dafür steht GRÜN:

  • Wir wollen Freiräume für Familie, Fürsorge und Freizeit schaffen – durch flexiblere Arbeitszeitgestaltung.
  • Wir wollen es Frauen und Männern ermöglichen, sich beruflich und privat selbst zu verwirklichen – und so zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beitragen.
  • Ob Geringverdiener, Alleinerziehende oder Selbständige – wir wollen, dass sich alle Menschen Zeit für Erholung und Familie leisten können.

Zahl der Debatte: 24 (8+8+8) Monate FamilienZeitPlus wollen wir als neue Elternzeit: Jedes Elternteil hat bis zum 14. Geburtstag des Kindes Anspruch auf acht Monate FamilienZeit, weitere acht Monate können sich die Eltern flexibel untereinander aufteilen. Auch Alleinerziehende haben einen Anspruch auf 24 Monate FamilienZeitPlus.

Menschen brauchen Zeit, um für sich und andere Verantwortung übernehmen zu können

"Was Familien brauchen, das ist Dreierlei: Geld, Infrastruktur und Zeit – und zwar im richtigen Verhältnis zueinander." eröffnete Bundesvorstandsmitglied Bettina Jarasch die Debatte zur Familien- und Arbeitszeitpolitik. Wer viel Geld verdiene, aber keine Zeit habe um seine Kinder zu erziehen, dem fehle ebenso etwas wie demjenigen, der viel Zeit habe, aber wenig Geld. Es gehe darum, Leben und Arbeiten zusammen zu denken und Frauen wie Männern das Recht zu geben, ihre Zeit fair, selbstbestimmt und partnerschaftlich aufzuteilen.

Eine Frau und ein Mann lachen.
Wir wollen Leben und Arbeiten zusammen denken. Foto: Harry Weber/gruene.de (CC BY 3.0)

Besonders wichtig sei hierbei, dass wir die Grundentscheidung treffen, dass es uns als Gesellschaft etwas wert ist, wenn sich Menschen umeinander kümmern und sich alle Fürsorge leisten können, um zum Beispiel den kranken Vater oder die kranke Freundin zu pflegen, so Jarasch. Dem schloss sich Katja Dörner, stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, an, die lobte dass nicht nur Familienmitglieder von der Förderung durch die "PflegeZeit" profitieren würden. Diese bis zu dreimonatige Freistellung mit einer steuerfinanzierten Lohnersatzleistung unterstütze alle Menschen, die die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger organisieren müssen.

Gegen den Raubbau am Menschen

Mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingssituation gab Gesine Agena, frauenpolitische Sprecherin im Bundesvorstand, zu bedenken, dass ohne die tausenden Helferinnen und Helfer, die tagtäglich anpacken würden, um Flüchtlinge zu unterstützen, der Staat große Probleme hätte. Für dieses Engagement bräuchten die Menschen aber Zeit. Ob für Pflege oder Freizeit, Kindererziehung oder ehrenamtliches Engagement: „Das Private ist politisch und deshalb krempeln wir GRÜNE mit einer neuen Zeitpolitik die Verhältnisse um!“, so Agena.

Im Kern gehe es darum, Schranken gegen den Raubbau am Menschen zu setzen. Denn nicht die Menschen sollten sich an die Arbeit anpassen, sondern die Arbeit an die Menschen, forderte Agena. Einige Unternehmen hätten bereits erkannt, dass eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben nicht nur gut für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sei, sondern auch für die Unternehmen selbst. So stellte Agena fest: "Diese Unternehmen sind unsere Partner für eine neue Arbeitszeitpolitik." Dabei müsse es auch darum gehen, dass Frauen im Vergleich zu Männern endlich den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekämen.

Eine Frau umarmt einen Mann. Drum herum stehen weitere fröhliche Menschen.
"Nicht die Menschen sollten sich an die Arbeit anpassen, sondern die Arbeit an die Menschen." Foto: Harry Weber/gruene.de (CC BY 3.0)

Berufliche Selbstverwirklichung ermöglichen – für alle Geschlechter

Um die Perspektive der Wissenschaft bereicherte Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, die Debatte. Anhand vieler Statistiken machte sie deutlich, dass die institutionellen Rahmenbedingungen in der aktuelle Arbeitsmarktpolitik Frauen davon abhalten würden, sich beruflich selbst zu verwirklichen. Dazu gehöre auch der europaweit größte Unterschied beim Stundenlohn in Höhe von 22 Prozent zwischen Frauen und Männern. Die gute Nachricht sei aber: Das lasse sich ändern.

Brigitte Pothmer, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion unterstützte sie und hatte für beide Geschlechter Ratschläge parat: An die Frauen gerichtet, forderte sie, dass sie mehr Karriere wagen sollten und wandte sich sodann an die Männer: "Liebe Jungs, ran die Windeln, ran die Töpfe, ran an den Abwasch – das ist, was das Leben wirklich lebenswert macht, ihr wisst es nur noch nicht!"

Streit um die besten Instrumente

Im Zentrum der Diskussion über die grüne Familien- und Arbeitzeitpolitik standen mit der "FamilienZeitPlus" und der "PflegeZeit" die konkreten Instrumente, die in unterschiedlichen Lebensphasen Freiräume schaffen sollen. Insbesondere beim Modell der "FamilienZeitPlus" gingen die Meinungen auseinander. Es sieht vor, dass Eltern 24 Monate Zeit bekommen, von denen jedes Elternteil bis zum 14. Geburtstag des Kindes Anspruch auf acht Monate "FamilienZeit" hat, während acht weitere Monate flexibel untereinander aufgeteilt werden können.

Die Befürworter wie Franziska Brantner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik in der grünen Bundestagsfraktion, lobten dass Familien so mehr Zeit für ihre Kinder und für sich bekämen. Dabei sei es ein freiheitliches und partnerschaftliches Modell, das den Familien die Gestaltungsmacht gebe. Anders sah das Dieter Janecek, wirtschaftspolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, der die seiner Ansicht nach zu hohen Kosten der FamilienZeitPlus kritisierte und mahnte, von ihr würden insbesondere gut verdienende Paare finanziell profitieren. Sein Änderungsantrag fand jedoch keine Mehrheit.

In weiteren Abstimmungen wurde ein Änderungsantrag abgelehnt, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit geringem Einkommen eine Lohnersatzleistung garantieren sollte, wenn sie ihren Arbeitsumfang reduzieren. Brigitte Pothmer begründete das mit den bereits weitreichenden Verbesserungen in den Bereichen Kindererziehung, Pflege und Finanzierung von Fortbildungen, die der Leitantrag vorsehe. Zudem würden so zu große Anreize geschaffen, dass Geringverdiener nur noch 30 Stunden arbeiten.

Außerdem kritisierte Dieter Janecek die Idee des ZeitHabens, die perspektivisch die Bausteine für Kindererziehung, Pflege, Weiterbildung und Zeit für sich selbst unter einem gemeinsamen Dach vereinen sollte. Seiner Auffassung nach würden die anderen Instrumente ausreichen. In der Erwiderung erklärte Bettina Jarasch, dass im Leitantrag zunächst die Instrumente zur "FamilienZeit", "PflegeZeit" und "WeiterbildungsZeit" Priorität hätten, sodass am "ZeitHaben" zwar festgehalten werden sollte, die Umsetzung aber erst nach den anderen Modellen erfolgen solle. Hier setzte sich der Leitantrag letztlich auch gegen einen weiteren Antrag durch, der die schnellere Umsetzung forderte.

Beschluss

Beruf und Leben besser vereinbaren – mit der grünen Arbeitszeitpolitik

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