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Grüne Gretchenfrage

Am 17. März haben Simone Peter und Bettina Jarasch den Abschlussbericht der grünen Kommission Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat vorgestellt. Im Interview mit gruene.de erklärt Bettina, warum Religion nicht nur Privatsache sein sollte, was die Kirchen als Arbeitgeber besser machen können und was Flüchtlinge aus islamisch geprägten Ländern in Deutschland aushalten müssen.

Porträtfoto von Bettina Jarasch
Bettina Jarasch ist Vorsitzende des Landesverbands Berlin und Beisitzerin im grünen Bundesvorstand. Foto: gruene.de (CC BY 3.0)

Die Kirchen verlieren Mitglieder, andere Religionsgemeinschaften werden in Deutschland heimisch und viele Menschen verstehen sich als nicht-religiös. Sollte Religion nicht nur noch Privatsache sein?

Bettina: Nein, im Gegenteil. Wir sehen die Vielfältigkeit der religiösen und weltanschaulichen Landschaft als einen Schatz, den man nutzen sollte. Wir wollen, dass diese vielen alten und neuen Gemeinschaften gleichberechtigt auch im öffentlichen Leben eine Rolle spielen können. Davon lebt unter anderem auch eine starke Zivilgesellschaft und Demokratie, wie wir Grüne sie wollen.

Vor allem nicht-religiöse Menschen beklagen sich über die dominante Rolle der Kirchen in unserer Gesellschaft und hinterfragen, wie die Kirchen jenseits der Kirchensteuer finanziert werden...

Bettina: Unter anderem deshalb wollen wir mehr Licht und Transparenz in die Finanzierung von Kirchen bringen und Reformen bei der Kirchensteuer erreichen, die darauf zielen, Ungleichbehandlungen abzuschaffen. Beispielsweise sollen Nicht-Kirchenmitglieder in derselben Höhe Spenden von der Einkommenssteuer abziehen dürfen wie Kirchenmitglieder, die Kirchensteuer absetzen können. Darüber hinaus wollen wir vor allem eine ganze Reihe gesellschaftlicher Veränderungen, die dafür sorgen, dass die mehr gesehen werden, die gar keiner Religion angehören. Ein Beispiel hierfür wäre eine Stimme in den Rundfunkräten. Bei Anhörungen im Bundestag zu ethischen Fragen sollten bewusst auch konfessionsfreie Menschen angehört werden. Und der Staat sollte mehr Fantasie entwickeln, um bei staatlichen Trauer- oder Gedenkfeiern auch diese gesellschaftlichen Gruppen einzubeziehen.

Was muss sich noch ändern?

Bettina: Wir sehen dringenden Handlungsbedarf beim kirchlichen Arbeitsrecht. Wir wollen erreichen, dass Menschen nicht wegen ihres Privatlebens sanktioniert werden können. Also zum Beispiel wegen der Tatsache, wen sie lieben, ob sie ihre Kinder taufen lassen oder sich scheiden lassen und noch einmal heiraten. Außerdem finden wir, dass das Streikrecht ein soziales Grundrecht ist, das auch für Beschäftigte von kirchlichen Trägern gelten sollte.

Die Vielfalt birgt auch Herausforderungen: Die meisten Flüchtlinge, die zu uns kommen, kommen aus islamisch geprägten Ländern. Wie viel Anpassung an unsere Kultur und Werte können oder müssen wir verlangen?

Bettina: Das Grundgesetz gilt für alle, die hier schon leben und für alle, die hier leben wollen. Im Grundgesetz ist unter anderem Religionsfreiheit festgeschrieben. Für viele der Menschen, die hierher flüchten, ist das eine tolle Sache. Denn sie konnten ihren Glauben in ihren Heimatländern oft nicht leben. Aber zu Religionsfreiheit gehört in Deutschland, dass Religionskritik erlaubt ist. Auch Kritik am Islam. Damit umzugehen, müssen viele erstmal lernen. Genauso gehört es dazu, dass jeder Mensch die Freiheit haben muss, ohne Religion zu leben oder aus seiner eigenen Religionsgemeinschaft auszutreten.

Wie geht es nach dem Abschlussbericht jetzt weiter?

Bettina: Der Bericht ist ein Gesprächsangebot an die Gesellschaft. In den nächsten Wochen und Monaten findet eine ganze Reihe von Veranstaltungen in verschiedenen grünen Landesverbänden statt. Ich hoffe, dass auch viele Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften und andere gesellschaftliche Akteure mit uns ins Gespräch treten wollen. Im November auf unserem Parteitag in Münster wollen wir dann auf der Grundlage unseres Berichts einen gemeinsamen Beschluss fassen. Damit sind wir die einzige Partei in Deutschland, die sich in einer so umfassenden Weise mit der Frage befasst hat, wie eigentlich Menschen mit unterschiedlichen Bekenntnissen zukünftig in Deutschland zusammen leben sollen.

Abschlussbericht der Kommission

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