Auf gelbem Hintergrund steht zwischen zwei Balken: "Urwahl: Basis ist Boss" und darunter "Bis zum 1.11. Mitglied werden und mitbestimmen!". Daneben vier hoch gehaltene Arme.
Ein grünes Kongressplakat an einer Glastür.
Auf dem grünen Zeitpolitikkongress haben wir diskutiert, wie uns neben der Erwerbszeit genügend Zeit bleibt, um für uns und andere zu sorgen. Foto: © Rainer Kurzeder/gruene.de (CC BY 3.0)

Raus aus dem Hamsterrad

Zeit, um Zeit neu zu denken: Am 25. und 26. September haben wir in Berlin auf unserem Zeitpolitikkongress „Raus aus dem Hamsterrad“ neue arbeitszeit- und familienpolitische Konzepte unter die Lupe genommen. Bettina Jarasch, Mitglied im Bundesvorstand und Landesvorsitzende Berlin, und Gesine Agena, Mitglied im Bundesvorstand und Frauenpolitische Sprecherin luden ein, um die neue grüne Arbeitszeitpolitik mit Leben zu füllen.

Grüne Arbeitszeitpolitik ist einer der aktuellen Programmprozesse von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Sie bündelt Modelle und Maßnahmen, die darauf zielen, Zeit besser und fairer aufzuteilen und es allen zu ermöglichen, neben der Erwerbsarbeit noch genug Zeit zu haben, für sich und andere zu sorgen. Viele Menschen kennen das Gefühl, dass das alles nur schwer unter einen Hut zu kriegen ist und ständig hin- und herzuhetzen.

„Mit unserer grünen Zeitpolitik setzen wir genau da an, wo viele Menschen heute Bedürfnisse haben. Es geht um Selbstbestimmung und gerechte Verteilung. Es geht um Gleichberechtigung, um Nachhaltigkeit und um Solidarität.“ so Simone Peter, Bundesvorsitzende, bei der Eröffnungsrede der Zeitpolitischen Soirée am Freitagabend, dem Auftakt des Kongresses. „Genauso wie wir für Schranken gegen den Raubbau an der Umwelt kämpfen, wollen wir auch dem Raubbau am Menschen wirkungsvolle Schranken setzen.

Grüne Arbeitszeitpolitik ist in vielerlei Hinsicht Gleichstellungspolitik. Die Diskrepanz in der Zeitverteilung zwischen den Geschlechtern, gerade was bezahlte und unbezahlte Arbeit angeht, ist erschreckend hoch - dabei entspricht es nicht mehr den heutigen Wünschen: „80 Prozent der Frauen und Männer sagen, sie seien nicht zufrieden mit der Aufteilung. So wünschen sich viele Frauen mehr zu arbeiten, viele Männer wünschen sich mehr Zeit für die Familie. Aber nicht einmal die Hälfte der Paare können das real in ihrem Leben ändern“, betonte Gesine Agena. Beispielsweise habe erst eine verbindliche Frauenquote die Unternehmen umdenken lassen. So ähnlich werde es auch mit der Arbeitszeitpolitik sein: „Da haben wir einiges vor!“

Wir müssen zeigen, dass wir in einer solidarischen Gesellschaft leben wollen, in der Menschen füreinander Verantwortung übernehmen – und dafür brauchen sie auch Zeit.“, so Bettina Jarasch. Diese solidarische Gesellschaft stehe gerade auch in Zeiten, in denen viele Geflüchtete nach Deutschland kommen, vor einer Bewährungsprobe. Für eine gelungene Willkommenskultur und eine integrative Gesellschaft sind die ehrenamtlichen Helfer*innen ein wichtiges Standbein. „Daher wollen wir auch zivilgesellschaftliches Engagement besser anerkennen und unterstützen.“

Überfällig ist das Umdenken – in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft. Das wurde bei der Zeitpolitischen Soirée deutlich. Während die Journalistin Susanne Lang in ihrer Key-Note einen ironisch-humorvollen Blick auf die gehetzten Menschen unserer Rund-um-die Uhr-Gesellschaft warf, zeigte das Autorenduo Stefanie Lohaus und Tobias Scholz, wie mühsam und aufwendig der Alltag einer gerecht verteilten Familien- und Erwerbsarbeit für Paare sein kann – und wie beglückend. Sie lasen aus ihrem Buch „Papa kann auch stillen“. Kontrovers diskutierten der Gewerkschafter Frank Meissner und die Koordinatorin des Projekts „Erfolgsfaktor Familie“: Wie viel Flexibilität brauchen Beschäftigte für ihr Arbeitsleben und ist dies für Unternehmen auch umsetzbar?

Beim Fachkongress am Samstag standen Instrumente zur Umsetzung grüner Arbeitszeitpolitik zur Debatte. In den acht Workshops rund um die Themen Arbeitsrecht, Gerechtigkeit, Familie, Engagement und Bildung besprachen grüne FachpolitikerInnen der Bundesfraktion, der Länder und des Bundesvorstands ihre Vorschläge mit den TeilnehmerInnen. Die Ergebnisse aus den Workshops und der darauf aufbauenden Abschlussdiskussion flossen insbesondere in den Leitantrag des Bundesvorstands für die Bundesdelegiertenkonferenz im November in Halle/Saale ein. Arbeitszeitpolitik steht dort als eines der zentralen Themen auf der Agenda.

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