Auf gelbem Hintergrund steht zwischen zwei Balken: "Urwahl: Basis ist Boss" und darunter "Bis zum 1.11. Mitglied werden und mitbestimmen!". Daneben vier hoch gehaltene Arme.
Vier breitbeinig stehende Kinder mit Superheldenumhängen sind von hinten zu sehen - sie blicken auf eine sonnenbestrahlte Steinlandschaft.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen es jungen Menschen erleichtern, sich ehrenamtlich einzubringen. Foto: © Andrew Rich/iStock

Eben kurz die Welt retten?

Das politische Ehrenamt wird – besonders von den Jüngeren – zunehmend als Belastung empfunden. Das ist traurig. Ein ehrenamtliches Selbstgespräch mit und von Erik Marquardt aus der GRÜNEN JUGEND.

Porträtfoto eines Mannes.
Erik Marquardt ist Bundessprecher der GRÜNEN JUGEND. Foto: © gruene.de (CC BY 3.0)

Herr Marquardt: Hallo! Gibt es heutzutage zu wenig Zeit für freiwillige Arbeit?

Erik: Guten Tag! Es wäre zu einfach, das nur auf einen Mangel an Zeit zu schieben. Für politisches Engagement braucht es ja nicht nur Zeit, sondern auch die Entscheidung, Zeit dafür zu verwenden. Viele haben weniger planbare Zeit, zum Beispiel durch die Flexibilisierung von Beschäftigungsverhältnissen oder das Bachelor-Master-System. Aber es mangelt auch an Wertschätzung des politischen Ehrenamts.

Herr Marquardt: Eigentlich engagieren sich doch aber immer mehr Menschen. Wo ist das Problem?

Erik: Das stimmt grundsätzlich. Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist ehrenamtlich aktiv und diese Zahl ist in den letzten 15 Jahren leicht gestiegen. Besorgniserregend ist aber, dass durch die Flexibilisierung der Arbeitswelt ein Ehrenamt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer schwieriger wird. Nur noch 57 Prozent der Erwerbstätigen können ihre Zeit verlässlich planen. Außerdem gibt es bei Studierenden und gerade den Schülerinnen und Schülern dramatische Einbrüche des Engagements. Die Schulpflichtigen haben zwischen 1999 und 2009 ihr Engagement um fast ein Viertel eingeschränkt. Das ist besonders problematisch, weil Menschen, die sich in jungen Jahren nicht engagieren, es später oft auch nicht mehr tun. Von allen Engagierten ist zudem nur ein Bruchteil politisch aktiv und dieser Anteil geht zurück.

Herr Marquardt: Weil Politik zu langweilig ist?

Erik: Nein, aber politisches Engagement basiert auf der Überzeugung, etwas verändern zu können. Es mangelt aber vielen am Glauben oder Wissen, dass sie Politik verändern können. Dadurch, dass sich oft zu viele Aufgaben auf zu wenige Leute verteilen, tritt die Mitglieder- oder Nachwuchswerbung häufig mangels Kapazitäten in den Hintergrund. Das ist ein Teufelskreis, der viele NGOs, aber auch Parteien und Vereine betrifft.

Herr Marquardt: Also braucht es mehr Mitgliederwerbung bei politischen Organisationen?

Erik: Mit Mitgliederwerbung allein ist es nicht getan. Als Organisation muss man die Leute auch ansprechen, Beteiligungsmöglichkeiten schaffen und ein gutes Image haben. Besonders Parteien haben ein Imageproblem. Zudem brauchen die meisten Parteien eine Verjüngungskur, um am Zahn der Zeit zu bleiben. Das Durchschnittsalter der anderen Parteien im Bundestag liegt 17 Jahre über dem Bevölkerungsschnitt, bei den GRÜNEN sind es sieben. Dazu kommt, dass parteiinterne Diskussionen oft an Neumitgliedern vorbeigehen, sie sogar eher verschrecken. Die allermeisten wollen ja nicht zu den GRÜNEN, um die Partei zu verändern – sondern die Welt. Dem sollte die Partei noch stärker Rechnung tragen. Aber es muss auch politisch gehandelt werden.

Herr Marquardt: Und wie?

Erik: Die Freistellungsmöglichkeiten für Beschäftigte und Auszubildende sollten ausgeweitet werden. Die Mitbestimmungsmöglichkeiten in Betrieben und der Bildungseinrichtungen könnten stärker wertgeschätzt und verbessert werden. Insgesamt wird das Ehrenamt sozial exklusiver. Da sollte sich etwas ändern. Studierende werden sich nur engagieren, wenn sie sich ein Überschreiten der Regelstudienzeit leisten können und ihnen nicht das BAföG gestrichen wird. In vielen Studiengängen gibt es zudem Maximalstudiendauern, die nicht überschritten werden dürfen. Wenn wir wollen, dass Jüngere sich ehrenamtlich engagieren, müssen wir aufhören mit der Beschleunigung im Bildungsbereich und beim Berufseinstieg.

Mehr Informationen

Positionspapier der grünen Bundestagsfraktion:
"Damit bürgerschaftliches Engagement grünt und sprießt"

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