Fleischeslust
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Die deutsche Automobilindustrie rühmt sich gerne, besonders innovativ und energieeffizient zu sein. Dabei ist ihre Klimabilanz kläglich. Die Bundesregierung hilft den Autobauern dabei, dies zu kaschieren. Ein Artikel von Holger Böthling für den schrägstrich. Teil 2 der Serie "Green New Deal konkret."

"Fahren für den Klimaschutz", lautet die Schlagzeile auf der Startseite von www.unsere-autos.de. Die Initiative verschiedener Hersteller unter dem Dach des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA) möchte zeigen, dass deutsche Autobauer "Effizienzweltmeister" – und strenge gesetzliche Grenzwerte für CO2-Emissionen deshalb unnötig sind. Die nackten Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache: Beim CO2-Ausstoß lagen Neuwagen aus Deutschland 2008 in der EU abgeschlagen auf Platz 20, unter 14 Autoherstellern kam BMW auf Platz 9, Volkswagen auf 12 und Daimler auf den letzten Platz.
"Der VDA mit Matthias Wissmann an der Spitze redet grün, aber handelt nicht so", kritisiert Winfried Hermann, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Statt Druck auf die Automobilindustrie auszuüben, unterstützt die Bundesregierung die Branche sogar beim Grünfärben.
Verwirrende Begrifflichkeiten
Gerade in der Werbung sind "grüne" Argumente in. Kein Wunder: Fragen des Klimaschutzes spielen laut Verbrauchermonitoring des Verbraucherzentrale Bundesverbands für die Kaufentscheidung der Verbraucherinnen und Verbraucher nach Preis und Verbrauch die drittwichtigste Rolle. Immer öfter müssen die Verbraucherzentralen jedoch gegen irreführende Aussagen in der Autowerbung vorgehen. "Es kommt häufig vor, dass die Kennzeichnungspflichten nicht eingehalten werden", sagt Holger Schneidewindt von der Verbraucherzentrale NRW. Wird ein bestimmtes Modell beworben, müssen Hersteller und Händler per Gesetz Angaben zum Kraftstoffverbrauch und den CO2-Emissionen des Neuwagens machen. Oft bleibt das aus oder geschieht nur unleserlich.
Beliebt ist zudem, mit trügerischen Schlagworten wie "klimaschonend", "umweltfreundlich" oder "klimaneutral" zu werben, für die es keine offiziellen Kriterien gibt. "Für die Verbraucher sind solche Begrifflichkeiten verwirrend und wenig hilfreich. Schlimmer noch: Sie denken, dass die Produkte dann auf jeden Fall gut fürs Klima sind", sagt Schneidewindt. Tatsächlich gaben 2009 in einer TNSInfratest-Umfrage elf Prozent der Befragten an, mit dem Begriff "klimafreundlich" neue Autos zu verbinden – die zweithäufigste Antwort nach Lebensmitteln.
In Schweden ist es grundsätzlich verboten, ein klimaschädliches Produkt wie das Auto als "umweltfreundlich" zu bewerben. In Deutschland nicht. "Wir unterstützen die Forderung des Verbraucherzentrale Bundesverbands, das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb zu ändern, um Greenwashing zu verbieten", sagt darum Winfried Hermann.
Das Märchen "null Emissionen"
Es gibt viele Möglichkeiten zur Grünfärberei. Jüngstes Beispiel: Elektroautos. Auf dem "Elektromobilitätsgipfel" von Bundeskanzlerin Angela Merkel ging es zwar lediglich darum, bereits vorhandene Forschungsgelder zu verteilen. Doch die Teilnehmer taten so, als wollten sie ein ganz neues Verkehrskonzept auf den Weg bringen. Und das CO2-freie Elektroauto wurde dabei als Allheilmittel gegen den Klimawandel verkauft. Dabei wäre Elektromobilität erst dann annähernd emissionsfrei, wenn der Strom der Fahrzeuge zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammte.
"Derzeit würden vor allem die Betreiber von Kohle- und Atomkraftwerken von Elektromobilität profitieren", erklärt Holger Schneidewindt, "darum sind Werbeaussagen wie ‚null Emissionen‘ irreführend." Von der EU werden einem Hersteller, der ein Elektroauto im Angebot hat, so genannte "Super Credits" verliehen. Bei der Ermittlung der CO2-Werte seiner Fahrzeugflotte werden dann nicht nur die Emissionen des Elektroautos auf Null gesetzt, sondern auch auf die schadstoffreicher Autos angerechnet. So können auch Hersteller großer Spritschleudern die EU-Grenzwerte locker einhalten.
"Die deutschen Autobauer benutzen das Elektroauto leider dazu, die Notwendigkeit zu verleugnen, die Energieeffizienz bei anderen Fahrzeugen zu steigern", sagt Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor könnten in den nächsten zehn bis 15 Jahren 50 Prozent energieeffizienter werden: "Der Gesetzgeber – allen voran die EU – muss alles dafür tun, dass diese Potenziale umgehend genutzt werden."
Das wichtigste politische Instrument dazu wären "ambitionierte CO2-Grenzwerte für Neufahrzeuge", sagt Winfried Hermann. Doch statt verbindlicher Regeln hat die Bundesregierung am Rande des "Elektromobilitätsgipfels" lediglich ein neues CO2-Label präsentiert. Zukünftig sollen auch Autos, ähnlich wie etwa Kühlschränke, mit farbigen Klassifizierungen von A bis G ausgestattet werden, die ihre Energieeffizienz anzeigen. Die Umsetzung ist laut VCD jedoch "katastrophal". Denn bei der Einordnung der Fahrzeuge in die Skala wird deren Gewicht in Relation zum CO2-Ausstoß gesetzt – zugunsten der deutschen Luxusklasse.
"Da wird extrem schnellen und schweren Nobelkarossen, die im Betrieb trotz Hybridisierung sehr viel CO2 ausstoßen, ein grünes Mäntelchen umgehängt", beklagt Gerd Lottsiepen. So würde ein Porsche Cayenne Hybrid mit 380 PS und einem CO2-Ausstoß von 193 Gramm pro Kilometer ein grünes "B" erreichen, während ein Kleinwagen wie der Toyota Aygo mit einem CO2-Ausstoß von 106 Gramm pro Kilometer nur ein "D" bekäme. Das Urteil von Winfried Hermann über das geplante Label ist deshalb eindeutig: "Das ist Greenwashing pur!"
Holger Böthling, schrägstrich (Ausgabe Juni 2010 - PDF)
Alteingesessener Vorreiter:
Der "Otto-Versand" ist zwar alteingesessen, aber was nachhaltiges Management angeht, ein Vorreiter. Bereits 1986 wurde Umweltschutz als ausdrückliches Unternehmensziel definiert und bald darauf Artikel wie FCKW-haltige Spraydosen, Echtpelzbekleidung und Tropenhölzer aus dem Sortiment genommen. Das Unternehmen hat ein umfassendes Umweltmanagement und will die CO2-Emissionen bis 2020 um 50 Prozent reduzieren. Der damalige Vorstandsvorsitzende Michael Otto war auch Initiator der 2007 gegründeten Initiative "2 Grad – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz". Die Otto-Group gehört zu den Erstunterzeichnern des Utopia-"Changemaker Manifest", eine Selbstverpflichtung "über den üblichen Rahmen hinaus ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig zu handeln" und kein Greenwashing zu betreiben.
Regionale Bio-Produktion:
Kaum ein Produkt steht so beispielhaft für den Erfolg der Ökobranche wie Bionade. Die Bio-Limo wird nicht nur biologisch, sondern auch mit Ökostrom hergestellt. Das Unternehmen hat ebenfalls das "Changemaker Manifest" unterzeichnet und unterstützt zahlreiche Umweltprojekte, allen voran das Projekt "Bio-Landbau Rhön". Selbst in Ostheim im bayerischen Biosphärenreservat Rhön ansässig, garantiert die Bionade GmbH den Landwirtinnen und Landwirten, die auf Bio-Landbau umstellen, eine 100-prozentige Abnahme ihrer Holunderbeeren, um regionale ökologische Produktion zu fördern. Als Partner von "Trinkwasserwald e.V." setzt sich
die Firma für die Umwandlung von Nadelwald-Monokulturen in Mischwälder ein, um den Grundwasserspiegel anzuheben. Zudem fördert Bionade zahlreiche Projekte für Kinder und Jugendliche.
Familiäres Umfeld:
Auf ökologisches Denken und eine familiäre Firmenkultur setzt der mittelständische Familienbetrieb Knauer GmbH mit Sitz in Berlin, der wissenschaftliche Messgeräte herstellt. Gebäude und Abläufe wurden modernisiert, um den CO2-Ausstoß zu senken. Die Belegschaft wird am Gewinn der Firma beteiligt, für Neugeborene zahlt die Firma ein "Begrüßungsgeld" von 350 Euro, Alleinerziehende können Telearbeitsplätze in Anspruch nehmen,
die Arbeitszeiten sind flexibel und bei Bedarf hilft das Unternehmen auch bei der Suche nach einem Kitaplatz. Zur Entspannung und um die Belegschaft mit Bio-Obst zu versorgen, gibt es einen über 2.000 Quadratmeter großen Garten auf dem Firmengelände und zweimal wöchentlich kommen Fitnesstrainerinnen
und -trainer in den Betrieb.
Nachhaltigkeit produzieren und leben:
"Natürliche Ressourcen sparen, umweltschädliche Emissionen vermeiden und eine umweltfreundliche Produktion, Logistik und Verwaltung gewährleisten", zu diesem Ziel hat sich das Photovoltaik-Unternehmen Solon AG in seinen Umweltleitlinien verpflichtet. Die Firma hat ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem, die Produktionsstätte am Berliner Hauptsitz verbraucht nach eigenen Angaben 75 Prozent weniger Energie als vergleichbare Gebäude und alte Solarmodule werden recycelt.
Marion Blitz, schrägstrich (Ausgabe Juni 2010 - PDF)