Erhöhung trifft Arme

In der Union wird darüber nachgedacht, Lebensmittel teurer zu machen um die Konjunkturpakete der großen Koalition zu finanzieren. Das trifft vor allem diejenigen, die keine Schuld an der Krise tragen - und am meisten unter ihr leiden

Brot und Käse werden teuer: Die CDU will die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel erhöhen.

Ein Kommentar der Redaktion von gruene.de

Die Forderung des CDU-Ministerpräsidenten Oettinger klingt zunächst  plausibel. Warum nicht die Mehrwertsteuersätze vereinheitlichen und den ermäßigten Steuersatz für Lebensmittel abschaffen?

Mit einer einfachen Anpassung, suggeriert Oettinger, könne man Milliarden einnehmen und so den Schuldenberg verkleinern, den die Regierung durch ihre Rettungspakte ins Unermessliche hat wachsen lassen. Gerecht sei das auch, denn essen müssten wir alle. Doch der Schein trügt.

Mit dieser Handytarif-Logik versuchen die Neoliberalen in Union und FDP schon länger, die soziale Staffelung unserer Steuern zu erodieren. Erinnert sich noch jemand an die Flat-Tax? Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel? Sie versprach Übersichtlichkeit, doch dahinter steckt letztlich die Aufgabe des Solidarprinzips.

Eine Abschaffung des ermäßigten Lebensmittelsteuersatzes träfe besonders Geringverdiener, Arbeitslose und Rentner, die einen hohen Teil ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel aufwenden müssen.

Warum sollen die Armen für die Krise zahlen?

Gleichzeitig verspricht die Union zur nächsten Legislaturperiode eine Senkung der Einkommenssteuer um etwa 15 Milliarden Euro, die vor allem mittleren und hohen Einkommen zugute käme. Doch die Union behandelt die Wunde mit Salz, wenn sie nun wieder versucht, den Wohlhabenderen  zu geben, auf dass sie die Wirtschaft ankurbeln.

Es zeugt von besonderer Chuzpe, dass die Union diese Steuererhöhung mit der drückenden Schuldenlast durch die Konjunkturpakete erklärt. Denn diese Krise und ihre Kosten entstanden aus neoliberaler Politik, aus dem Glauben an den unregulierten Markt als Allheilmittel – frei nach dem Motto „Gier ist gut“.

Die Kritik der SPD ist unglaubwürdig

Doch die Mehrwertsteuer kann Wahlen entscheiden. Das lehrt die für die Union verpatzte Bundestagswahl 2005. Deshalb - und nur deshalb - versuchen Merkel, Pofalla und Dobrindt jetzt, zu vertuschen was vermutlich längst in den Schubladen des Kanzleramts liegt.

Nicht ernst nehmen muss man übrigens den Versuch der SPD, ihren Koalitionspartner mit der Mehrwertsteuerdebatte in die Ecke zu drängen. Es gilt das Wort Franz Münteferings, es  sei unfair, eine Partei daran zu messen, was sie vor der Wahl versprochen habe. Wer 2005 SPD wählte, um die von Merkel angekündigte zweiprozentige Mehrwertssteuererhöhung zu verhindern, beging einen schweren Fehler. Denn die SPD packte zusammen mit der CDU glatte drei Prozent drauf.

Besser: Teure Steuersubventionen abschaffen!

Sollten wir nicht die Lasten die Krise stärker auf die Schultern der Vermögenden legen? Durch eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder eine zeitlich begrenzte Vermögensabgabe lassen sich Schuldenlöcher stopfen, ohne damit noch mehr Menschen noch tiefer in die Armut zu treiben.

Und da Union und SPD beteuern, sie kämpften auch für einen ökologischen Wandel der Gesellschaft - warum schaffen sie dann nicht kostspielige, umweltschädliche Subventionen ab, die vor allem Gutverdienenden nutzen? Warum gibt es noch immer eine Steuerbefreiuung für Flugbenzin, warum sind Topmanager-Gehälter steuerlich absetzbar, warum gibt es das Dienstwagenprivileg?

Wir müssen die richtigen Schlüsse aus dieser Krise ziehen. Einer lautet: Unkontrollierte Marktwirtschaft nutzt Wenigen und schadet Vielen. Wir sollten die selben Fehler nicht noch einmal machen.

 

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Kommentare

Tobias Herrmann
03-07-09 15:38
@Sebastian "Wie denkt ihr denn über die Idee "grundeinkommen"?"

Hallo Sebastian,

Wir haben das Thema Grundeinkommen lange in unserer Partei diskutiert. Die Idee eines bedingungslosen Bürgergelds, oder bedingungslosen Grundeinkommens, wie das auch genannt wird, wurde ja bereits seit den 80er Jahren in akademischen Kreisen und gerade auch im Umfeld der Grünen diskutiert. Die deutsche Einheit unterbrach die Diskussion.

Es fehlen bisher immer noch fundierte Erkenntnisse, ob sich bestimmte Probleme durch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens lösen ließen. Die meisten sozialstaatlichen Institutionen lassen sich auch auf lange Sicht nur unter großen Schwierigkeiten ersetzen. Die Rentenversicherung kann nicht über Nacht abgeschafft werden, über viele Jahrzehnte wären erworbene Ansprüche zu bedienen. Auf die Krankenversicherung, Pflegeversicherung oder auch die Eingliederungshilfe für Behinderte kann gar nicht verzichtet werden. Auch sind die unterschiedlichen, in den Debatten immer wieder angeführten Finanzquellen, von ihren Erträgen her sehr unterschiedlich, und sie sind auch in ihrer Wirkungen auf die Wirtschaft und die Verteilung sehr verschieden.

Wir haben auf unserem Parteitag am ersten Dezemberwochenende 2006 in Köln beschlossen, die Diskussion aufzugreifen und verschiedene Konzepte zur Grundsicherung und zum bedingungslosen Grundeinkommen grundlegend zu prüfen und durchzurechnen. Im November 2007 haben wir dann einen Beschluss gefasst, der Sie vielleicht interessiert, weil er erklärt warum wir uns gegen das Grundeinkommen entschieden haben: http://www.gruene-partei.de/cms/partei/dokbin/207/207470.aufbruch_zu_neuer_gerechtigkeit.pdf.

Allerdings werden Sie in unserem aktuellen Bundestagswahlprogramm viele Elemente wiederfinden, die der Idee eines Grundeinkommens sehr nahe stehen. So haben wir z.B. beschlossen ein Kindergrundeinkommen zu fordern. Falls Sie Interesse an unseren Alternativen haben, finden Sie unser Bundestagswahlprogramm unter http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Wahlprogramm/BTW_Wahlprogramm_2009_290609.pdf - besonder Kapitel 3 ist im Bezug auf unsere Forderung bezüglich einer Grundsicherung relevant.


beste Grüße Tobias
Karl-heinz Kr?
01-07-09 14:13
die Mehrwertsteuer abschaffen
Karl-heinz Krönes
29-06-09 14:32
ich Zahle 298 AN Enbw
Karl-heinz Krönes
29-06-09 14:30
die Mehrwertsteuer gehört abgeschafft ales was SPD ist
Gerhart Schröder sozialabbau SPD
St.Deister
28-06-09 14:53
Wird dazu führen, dass die Discounter noch mehr Druck auf die Erzeuger (Bauern) machen, um die Preise zu halten. Wenn das gelingt, ist wenig gewonnen, da die Folge ein höherer Subventionsbedarf in der Landwirtschaft ist. Eine Weitere Folge wird sein, dass die Verbraucher auf billigere Produkte und damit solche von geringerer Qualität ausweichen mit mögliche Rückwirkungen auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Insgesamt scheint mir die Erhöhung der Mehrwertsteuern auf Lebensmittel eine "Schnapsidee" zu sein.
Maria
28-06-09 10:08
Lebensmitteln gehoeren zum Leben.
Ich denke nicht,dass das Leben in BRD noch teuerer fuer die es nicht koennen sein muss. Es ist eine unnatuerlichen Reaktion den Steursatz auf Lebensmittel zu haben.Laendern sowie USA/England/Frankreich und anderen haben lange keinen Steuersatz mehr auf Lebensmittel erlaubt.Das Leben muss von unseren Politiker/inen beachtet werden.Dass das Volk fuer Konsumsteuer zahlen muss,dass ist natuerlich eine ganz andere Ebene,die kontrolliert werden sollte.
Ich denke,dass was die Gruenen verteidigen eine sehr menschlichen Reaktion ist,noch besonders in einer Krisenzeit sowie wie wir zur Zeit auf der Welt erleben und werden weiter haben.Es muss respektiert werden.Respektiert
das Recht aufs Essen.Es muss nicht verhindert werden.
kurit
27-06-09 18:20
Der MWST-Satz sollte besser auf 5% gesenkt werden und dafür die Luxussteuer eingeführt werden!
Pichler
27-06-09 11:14
Den Steuersatz an auf Lebensmittel zu senken ist neoliberaler Schwachsinn. Allerdings stimmt die Logik, die Konsumsteuer zu erhöhen. Da es der Steuerwettbewerb nicht zulässt, die Gesellschaftssteuer zu erhöhen und Einkommenssteuer-Erhöhungen durch die vielen Tricks und die hohe Mobilität auf den Kapitalmäkrten auch wieder nur die Armen belastet, macht die MwSt-Erhöhung Sinn, wenn man viel Geld braucht.

Allerdings müsste man dann gleichzeitig eine beständigere Grundsicherung, etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen und gleichzeitig die Steuersätze vor allem auf nicht erneuerbare Rohstoffe erhöhen.
sebastian
27-06-09 01:07
richtig gesprochen. wie denkt ihr denn über die idee "grundeinkommen"? dies würde solche themen direkt miterledigen. natürlich gibt es (noch) kein zu 100% ausgereiftes konzept, aber das, was uns z.z. verkauft wird ist nicht mehr als flickschusterei im großen stile.
eine antwort würde mich sehr interessieren. danke!
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