Die unvollendete Einheit

Am 3. Oktober jährt sich die Wiedervereinigung zum 20. Mal. Claudia Roth und Cem Özdemir würdigen die mutigen Bürgerinnen und Bürger in Ostdeutschland, die sie möglich gemacht haben. Zwanzig Jahre danach stehen wir vor der Herausforderung einer "dritten Einigung" - zwischen "denen die schon immer hier waren und denen, die erst später hierher gekommen sind". Die Erklärung im Wortlaut:

Berliner Mauer, Foto: El Ray del Mambo/flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

Wir Deutsche können selbstbewusst auf 20 Jahre deutsche Einheit zurückblicken, weil mutige Menschen in der DDR in einer historisch günstigen Stunde ihr Recht auf freie Meinung und friedlichen Protest geltend gemacht und das SED-Regime zu Fall gebracht haben. Die Montagsdemonstrationen, der Fall der Mauer am 9. November 1989 und schließlich auch die ersten freien Wahlen im März 1990 haben den Weg zur Wiedervereinigung geebnet, auch wenn die Ereignisse das ursprüngliche Aufbegehren der Bürgerinnen und Bürger überrollt haben. Es bleibt der historische Verdienst der Protestbewegung, eine gelungene, friedliche Revolution in der deutschen Geschichte hervorgebracht zu haben und in unserer Erinnerungskultur als Vorbild für gelebte Demokratie zu stehen, zu der friedlicher Protest auf der Straße gehört. Dass ausgerechnet die Union die zahlreichen und friedlichen Demonstrationen zu Atom, Stuttgart 21 oder für Bürgerrechte diskreditiert, zeigt auch, dass sie das Erbe der Wiedervereinigung gerne vereinnahmt, aber die eigentliche Lehre daraus nicht ziehen will.

Das Geschenk der Deutschen Einheit steht aber auch untrennbar in Verbindung zum Projekt der europäischen Integration. Die Wiedervereinigung unseres Landes hätte es ohne eine vertiefte Integration Europas nicht gegeben und die Erweiterung der europäischen Integration wäre ohne die Ereignisse von 1989 und 1990 ebensowenig denkbar.

Gesellschaftlich stehen wir heute vor der großen Herausforderung einer dritten Einigung. Nicht nur Ost- und Westdeutschland wachsen zusammen, nicht nur die ehemals verfeindeten Nationen Europas; zusammen gehören auch die, die schon immer hier waren und die, die erst später hierher gekommen sind oder noch kommen werden. Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und bleibende Herausforderung für die kommenden Jahrzehnte. Das Zusammenwachsen der beiden ehemals getrennten Deutschlands zeigt, wie lange es dauert und wie viele Fehler gemacht werden können, es zeigt aber auch, dass zusammenwachsen kann was zusammen gehört.

Claudia Roth und Cem Özdemir sind Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

 

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Lukas Beckmann war von Anfang an dabei und hat die Grünen 30 Jahre lang aktiv begleitet. Teil 30 der "Grünen Geschichte(n)": Ein Interview mit dem grünen Urgestein.

Kommentare

h.g.
12-08-11 17:59
lese ich richtig: die zahlreichen friedlichen Demonstrationen zu Atom, Stuttgart 21 oder für die Bürgerrechte.
Überwiegend waren die meisten dieser ach so friedlichen Veranstaltungen Aufmärsche von Autonomen, Linksextremisten und ähnlichen Krawallgrupierungen. Soll die Lehre aus den
friedlichen Demonstrationen in der DDR etwa sein, nunmehr Krawallveranstaltungen zu tolerieren bei denen seitens der
Randalierer Personenschäden, Nötigungen und Sachbeschädigungen begangen werden um die Meinung einer Minderheit, wie im Fall Stuttgart 21 mit Gewalt durchzubringen. Dass hier sogar Montagsdemonstrationen angesetzt wurden, um die Union mit dem DDR-Regime auf eine Stufe zu stellen ist der Gipfel der Frechheit.
Falls es in Vergessenheit geraten sein sollte : Die Linkspartei mit der die Grünen und die SPD, falls man anders nicht an die Macht kommen kann, bereit sind zu koalieren, ist nichts anderes als die mehrfach umbenannte SED. So gesehen stehen die Grünen der SED logischerweise näher als es manche wahrhaben wollen, zumal in den Reihen der Grünen reichlich Personen mit kommunistischer Vergangenheit Politik mitgestalten.
Vor diesem Hintergrund scheinen mir die Aussagen der beiden Vorsitzenden ein wenig eigenartig.
Da hier auch noch die Interation mal wieder herhalten muss:
Italiener, Spanier, Griechen; Russlanddeutsche sind im Durchschnitt wesentlich besser integriert als Personen aus der Türkei und anderen muslimisch geprägten Ländern.
Zahlreich gute Bekannte aus dem letzgenannten Personenkreis, die ich sehr schätze, teilen übrigens diese Meinung. Das sollte doch mal zu denken geben.
Über den Artikel der beiden Grünen Vorsitzenden kann man nur sagen: Thema verfehlt, Mauerbau und DDR-Unrechtrregime für andere Dinge instrumentalisiert und viel Polemik mit den bekannten Rundumschlägen von sich gegeben.

Übrigens Werner Elsbeck die Grünen befinden sich lt. Umfragen bereits wieder im Abwärtstrend.
Werner Elsbeck
06-10-10 10:09
hallo,

Ihre dtellungnahme gefällt mir und drückt genau das aus, was ich auch darüber denke.

Weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Politik und Gratulation für das hervorragende Umfrageergebnis.
Kommentar

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