Raus aus der Armutsfalle!

Die grüne Grundsicherung: ein Leben in Würde und Chancen auf Arbeit für alle.

Über einer Tür steht das Wort Armut, Foto: leralle/flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)
Armut, Foto: leralle/flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0) Foto: leralle/flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Höhe der Hartz-IV-Regelsätze ist eine Debatte über die Zukunft der sozialen Sicherung entbrannt: Wie hoch ist ein menschenwürdiges Existenzminimum? Was brauchen Menschen, die sich in sozialer Notlage befinden, vom Staat? Wie können wir ihnen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt eröffnen? Und was ist die richtige Balance von Fördern und Fordern?

 

 

Acht Schritte zur Grünen Grundsicherung

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben in der Regierung die sogenannte Hartz-IV-Reform mit getragen – ein schmerzhafter Kompromiss. Wir haben daraufhin Vorschläge entwickelt, wie die Fehlentwicklungen von Hartz IV beseitigt werden können. Mit der Grünen Grundsicherung liegt ein Konzept auf dem Tisch, durch das die ursprünglichen Ziele der Reform erreicht werden können: eine armutsfeste Existenzsicherung und eine Politik des Förderns, der Motivation und der Anerkennung, die ohne Sanktionen auskommt. Wir fordern konkret:

  1. Die Regelsätze des Arbeitslosengeldes II müssen für einen alleinstehenden Erwachsenen auf mindestens 420 Euro angehoben und in regelmäßigen Abständen an die Preisentwicklung angepasst werden.

  2. Kinder und Jugendliche brauchen eigenständige Regelsätze. Diese müssen ihren tatsächlichen altersgerechten Bedarf berücksichtigen.

  3. Bedarfsgemeinschaften müssen abgeschafft werden. Sie benachteiligen vor allem Frauen und zementieren ihre finanzielle Abhängigkeit. Dies wollen wir über eine erhebliche Abschmelzung des Ehegattensplittings finanzieren.

  4. Wer ALG II bezieht, muss gleichzeitig bessere Möglichkeiten haben, sich Geld dazu zu verdienen.

  5. Die Jobcenter müssen erhalten bleiben, denn wir wollen Arbeitssuchenden Unterstützung aus einer Hand anbieten. Damit die Zuständigkeit der Kommunen für soziale Hilfe mit der Zuständigkeit der Bundesarbeitsagentur für Förderung und Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt verbunden werden kann, muss das Grundgesetz geändert werden.

  6. Statt alle Arbeitssuchenden schematisch über einen Kamm zu scheren, wollen wir eine echte individuelle Betreuung und Vermittlung. Die Hilfebedürftigen müssen zukünftig das Recht haben, zwischen verschiedenen Maßnahmen zu wählen. Ihre eigenen Vorschläge und die jeweilige Qualifikation haben dabei Priorität.

  7. Wir wollen weg von der Unkultur des Misstrauens und des Bestrafens. Solange die von uns geforderten Änderungen bei der Förderung in der Praxis der Arbeitsagenturen nicht umgesetzt sind, fordern wir die Aussetzung sämtlicher Sanktionen (Sanktionsmoratorium).

  8. Die 400.000 dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossenen Arbeitslosen brauchen endlich eine Perspektive. Sie wollen wir durch langfristig geförderte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wieder integrieren: in der kommunalen Kulturarbeit, bei der ergänzenden Unterstützung älterer Menschen im Haushalt, als Unterstützung in Kitas oder Schulen, aber auch im Naturschutz. Den Lohn zahlen wir aus den Mitteln, mit denen wir bisher Arbeitslosigkeit finanzieren: ALG II, Wohngeld, Fortbildungstöpfe.

Warum Hartz IV nicht funktioniert

Als die rot-grüne Regierung im Jahr 2002 plante, die Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammen zu legen, sollte das ein erster Schritt zu einer sozialen Grundsicherung für alle sein. Sozialhilfe-EmpfängerInnen waren bis dato von den Angeboten des Arbeitsamtes ausgeschlossen – und oft gefangen in einer Spirale von Alimentierung, Untätigkeit und weiterem sozialen Abstieg. Das sollte die Reform ändern und dafür vor allem in mehr Förderung und Arbeitsvermittlung investieren.

Diese Ziele wurden nicht erreicht. CDU/CSU und FDP nutzten 2003 ihre Mehrheit im Bundesrat, um das Hartz-IV-Gesetz erheblich zu verschärfen. Nach 2005 beschloss die Große Koalition weitere Verschärfungen. Die bei den Arbeitsmarktreformen versprochene Balance zwischen Fördern und Fordern kam nie zustande. Verschärfte Zumutbarkeits- und Sanktionsregelungen führten dazu, dass auf Arbeitssuchende großer Druck ausgeübt wird, jedwede Beschäftigung anzunehmen. Die Würde der Arbeitslosen wurde dadurch höchst antastbar.

Westerwelle hetzt die Armen gegen die Ärmsten

Wochenlang hat Guido Westerwelle eine beispiellose Kampagne gegen Langzeitarbeitlose geführt. Während die Karlsruher Richter die Berechnung der ALG-II-Sätze für verfassungswidrig erklären, unterstellt der FDP-Chefpopulist den Hartz-IV-Empfängern ein Leben in „spätrömischer Dekadenz“ und stellt sie unter generellen Missbrauchsverdacht. Und derselbe Westerwelle, der fordert, dass sich Leistung endlich lohnen müsse, verhindert gemeinsam mit der CDU/CSU faire Löhne, indem er sich gegen Mindestlöhne stemmt. Gerade die Geringverdiener, die Westerwelle gegen Arbeitslose aufhetzt, leiden am meisten unter der Lohndumping-Politik von Schwarz-Gelb.

Muss sich Arbeit lohnen?

Es ist falsch, wenn Westerwelle behauptet, mit Arbeit hätte man weniger Geld als mit Hartz IV, denn Kindergeld, -zuschlag und Wohngeld stärken Arbeitende. Selbst wer trotz Arbeit mit Arbeitslosengeld II "aufstocken" muss, hat mehr Geld als nicht arbeitende ALG II-Bezieher. Fakt ist aber auch, dass der Niedriglohnsektor wächst und immer mehr Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können. Diese Ungerechtigkeit löst jedoch kein niedrigerer Regelsatz, sondern nur ein anständiger Lohn!

Deshalb fordern wir einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro in der Stunde. Damit Lohndumping nicht mit Hilfe von Leiharbeit in die Betriebe getragen wird, fordern wir für Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter einen Risikozuschlag in Höhe von zehn Prozent des Bruttolohns vergleichbarer Beschäftigter. Außerdem wollen wir Geringverdiener durch ein Progressivmodell bei den Sozialabgaben entlasten: Je geringer das Einkommen, desto geringer soll auch der Prozentsatz an Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenbeiträgen sein. Wer weniger als 2000 Euro brutto verdient, wird dadurch spürbar entlastet. Mehr Infos: gruene-bundestag.de/progressivmodell

Wie viele Sanktionen sind notwendig?

Unser Ziel ist eine Grundsicherung die ohne Sanktionen auskommt. Die Realität ist: Langzeitarbeitslose nutzen Hartz IV keineswegs als soziale Hängematte, sondern bemühen sich aktiv um Arbeit. Die Missbrauchsquote liegt unter zwei Prozent. Natürlich, wer eine Grundsicherung erhält, muss bereit sein, der Gesellschaft etwas zurück zu geben. Viele tun das bereits heute. Solange aber die Jobcenter den Fähigkeiten und Wünschen von Arbeitssuchenden keine Rechnung tragen, solange viel gefordert, aber wenig gefördert wird, solange dürfen keine Sanktionen verhängt werden.

Wie schaffen wir neue Arbeitsplätze?

Neue Arbeitsplätze sind die wirksamste Waffe im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Deshalb haben wir ein Konzept vorgelegt, wie wir durch gezielte Investitionen in die Zukunftsfelder Umwelt- und Klimaschutz, Bildung, Betreuung, Gesundheit und Pflege in den nächsten Jahren neue, zukunftsfeste Arbeitsplätze schaffen können.

 

Hintergrundinformationen und Kommentierung des Bundesverfassungsgerichtsurteil von Markus Kurth, MdB und Sprecher der GRÜNEN für Sozial- und Behindertenpolitik

Regelsatzurteil ist Ohrfeige für die Bundesregierung

Antrag der Grünen Bundestagsfraktionen zu den Regelsätzen von heute

Kurzzusammenfassung: Entscheidung und Entscheidungsgsgründe
Bundesverfassungsgerichtsurteil


Hintergrundinformation zu Hartz-IV-Regelsätzen und zum heutigen Urteil

 

Weitere Hintergrundinformationen (als PDF):

Gemeinsame Erklärung des Bundesvorstands und Landesvorstände
von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
(11. Januar 2010)

Hartz-IV-Satz rauf, Förderungsmöglichkeiten stärken: Ergebnisse der Evaluierungs-AG „Hartz IV"

Aufbruch zu neuer Gerechtigkeit: Reform des ALG II - Parteitagsbeschluss 2007

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30 grüne Jahre (27): Eine Chronik der Sozialreformen

Von Schröders Agenda 2010 über die Hartz-Reformen bis zum grünen Konzept einer Grundsicherung. Teil 27 der "Grünen Geschichte(n)": Chronik der Sozialreformen.

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Soziale Sicherung

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen die sozialen Sicherungssysteme zukunftstauglich machen, denn unser bestehendes Sozialsystem ist an seine Grenzen gestoßen.

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Grün regiert besser

Auf dem Länderrat wollen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Weichen stellen, um Schwarz-Gelb spätestens im Jahr 2013 abzulösen.

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Zeit nehmen

Für mehr Lebensqualität den bewussten Umgang mit Zeit neu lernen.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/mutter-kinder_225_01.JPG

Ganztagsschulen statt Chipkarten

Cem Özdemir zur Debatte um Bildungsgutscheine und Rente mit 67. Der Grünen-Vorsitzende warnt vor falschen Prioritäten und Scheindebatten.

Kommentare

Martin
05-09-09 06:24
Hallo,

Ich verstehe das Hartz4 System nicht und ich will es auch nicht verstehen, die Grünen hätten damals unter Schröder sagen können, dass wir das NICHT mittragen, sie haben es aber trotzdem getan.
Es ist völlig uninteressant, ob sie en Leuten nun 300, 400 oder 600 Euro geben, es bleibt immer noch ein skandalöses geringes Einkommen.

Anstatt Hartz 4 zu erhöhen, sollte man lieber mal zusehen, dass man das ganze System wieder zurück auf Kohl Niveau bringt, immerhin hat sich ein Herr Kohl nicht das getraut, was Rot Grün machte.

Jeder, der in Deutschland arbeitet, tut dies meistens gerne, es ist erwiesen, dass zuviel Existenzängste, die Arbeitskraft senken.
Der Spruch Fordern und Fördern ist von Anfang an barer Unsinn gewesen, denn erklären si emal einen Facharbeiter oder einen Professor, dass er für nen 1 Euro Job malochen soll, da er sonst seine Stütze gestrichen bekommt…
Der Grundgedanke, dass man Leuten, was wegnimmt, die sie weigern, produktiv in der Gesellschaft mitzumachen, halte ich ja für gut, aber man darf nicht sagen, dass jede Arbeit zumutbar ist und schon gar nicht irgendwelche Leiharbeit.
Wieso sagen die Grünen nicht klar, was sie wollen, dieses soziale Gerechtigkeitsgefasel geht mir auf die Nerven.
Im übrigen.: Soweit ich weiss, ist doch Peter Hartz vorbestraft oder ?
Muss man eigentlich immer Hartz4 sagen, kann man dies nicht ALGII nennen, wie es eigentlich heisst, ich finde diesen Spruch unmöglich !
Das ich nicht mit ideologischen Scheuklappen rumlaufe, zeigt folgendes Beispiel.:

Die ALGII Gesetze und der fehlenden gesetzliche flächendeckende Mindestlohn ist fatal, noch fataler ist allerdings die Tatsache, dass gepaart mit 1 Euro Jobs, der Schuldenbremse und der Rentengarantie, sowie der EU bewiesene Zusammenhang zwischen negativer Geburtenrate in Deutschland und fallenden Löhnen, hier der Staat Verluste machtund keine Gewinne !
Ihr System bring auch meiner Sicht garnichts, es nützt nur den Global Playern und den Reichen was und den modernen Sklavenhaltern !
Ich gehe jedenfalls nicht nach Polen und lass mir dort die Haare schneiden, nur weil aufgrund eines Mindestlohns die Frisöse nun nicht mehr 100 Euro im Monat kriegt sondern 101 Euro :-) ( Kleiner Scherz)
Aber ernsthaft.: Der Mindestlohn schadet unserer Wirtschaft nicht, da ja, wie sie richtig sagten, in 20 (!) EU Staaten es diesen Mindestlohn schon gibt !

Was erreichen sie also mit Hartz4 und fehlenden Mindestlohn.:
Ich denke, die Deutschen sterben aus, da mangels Sicherheit es kaum mehr neuen Nachwuchs gibt
Zweitens wird es immer mehr Jobs geben, die nicht sozialversichert sind, gepaart mit der geringen Geburtenrate wird es immer weniger Renteneinzahler geben, gepaart dann mit der Rentengarantie und der Schuldenbremse wird der Staat keinerlei Möglichkeiten mehr haben, dies auszugleichen, da er ja a.) von den Unternehmern dank der liberalen Steuerpolitik kaum mehr Einnahmen hat, er b keine Schulden mehr machen darf und er nun c,; auch die Renten wegen ihrer Rentengarantie nicht reduzieren kann.

Wenn es keine Renteneinzahler mehr gibt, die Löhne weiter fallen, der Staat keine Schulden mehr machen kann, wird er durch ihr System, was sie ja mitgefördert haben, wohl bald Handlungsunfähig sein, es wird keinen Nachwuchs mehr geben und vielleicht wird dieses Land dann aussterben…
Sorg aber so sehe ich das und das ist auch nicht ganz abwegig, schaue man sich die ganzen Gesetze mal an.

Also, wieso halten sie an dem Hartz4 fest und wieso haben sie unter Schröder nicht schon den Mindestlohn durchgesetzt ?

Fragen über Fragen...
Markus Kurth MdB
01-09-09 14:00
@ Thilo,

vieles an Deiner Analyse teile ich, glaube aber nicht, dass die Herstellung der alten Rechtslage in Form der erneuten Inkraftsetzung des BSHG vor 2005 die Antwort auf die in der Analyse aufgeworfenen Probleme sind.

Ich will das nicht in epischer Breite zu begründen und deshalb nur die wichtigsten Gründe benennen.

1.Der entstandene Lohndruck beruht auch, aber nicht allein auf Hartz IV. Die teilweise fehlende Verhandlungsmacht der Gewerkschaften, das Klima der Lohnzurückhaltung und die Leiharbeit haben auch ihren Teil dazu beitragen. Hier kann der Staat nur teilweise eingreifen. Vier Dinge sollte er aber tun: Einen Mindestlohn beschließen, Ein-Euro-Jobs abschaffen, Leiharbeit stark beschränken und die Sanktionen im SGB II aussetzen, außerdem die ungehinderte Arbeit der Gewerkschaften sicherstellen

2. Das BSHG war nicht unbedingt ein modernes Gesetz für Selbstbestimmung und Teilhabe. Außerdem hat es den Menschen, die Sozialhilfe bezogen, den Weg in aktive Arbeitsmarktmaßnahmen (ABM etc) versperrt. Wir brauchen aber Selbstbestimmung und Teilhabe für alle. Dazu gehört auch Teilhabe am Arbeitsmarkt, denn viele Menschen definieren sich auch über Arbeit.

3. Veränderte Erwerbsbiographien sind nicht nur eine Folge von Arbeitsmarktregulierung bzw. –deregulierung. Auch viele andere Faktoren spielen eine Rolle. Frauen und Männer nehmen heute Erziehungszeiten, steigen später in den Beruf ein, wechseln häufiger die Tätigkeit und nicht zuletzt ist der demographische Faktor durchaus nicht zu unterschätzen. Es stimmt zwar, dass er nicht entscheidend ist, aber Wachstum kann ihn nur kompensieren, wenn es tatsächlich qualitativ hochwertig und quantitativ nicht rückläufig ist. Schon deshalb müssen wir den Weg zur grünen Garantierente beschreiten.

Viele Grüße

Markus Kurth MdB
Thilo
01-09-09 10:50
@ Markus Kurth MdB

Ich finde es gut, dass einige Vertreter der Grünen erkannt haben, dass das Hartz IV- Gesetz in seiner ganzen Bandbreite ein absoluter Fehlschlag war, jedoch nur die Forderung zu stellen, dass die Hartz IV-Sätze angehoben werden, halte ich für einen unglaublichen Fehler, denn das Hartz IV- Gesetz muss beseitigt werden, um das alte Sozialhilfegesetz wieder zuzulassen, und dieses hat mehrere Gründe. Ich stimme ich mit vielen politischen Einstellungen der Grünen überein,wenn es um umweltpolitische Themen, und die daraus resultierende Nachhaltigkeit für regenerative Energien geht, jedoch kann ich hierbei nicht ganz nachvollziehen, wie denn diese Partei ihre sozial-, als auch wirtschaftspolitischen Ambitionen stärken will, denn zu Zeiten der rot-grünen Regierungskoalition, waren die Grünen mitverantwortlich für den sozialen Kahlschlag in der BRD, sprich Einführung des Hartz IV-Gesetzes, dass zur Folge hat, dass die gesamte Arbeitnehmerschaft in der BRD einen Reallohnverlust zu verzeichnen hat, und auch dazu geführt hat, dass eben die Lohn- und Gehaltsstrukturen zerstört wurden, dadurch, dass die Zumutbarkeitsregeln verschärft wurden.Eigentlich sollte sich die Grüne Partei mal darüber Gedanken machen, welche Auswirkungen die Agenda 2010 für die Gesamtentwicklung der Gesellschaft hat, wenn man bedenkt, dass in den nächsten 20 Jahren, aufgrund der veränderten Erwerbsbiografien, fast nur noch jeder 2. die volle ihm zustehende Rente erhält, und inwieweit sich daraus wieder eine Polarisierung der Parteienlandschaft, als auch der Gesellschaft ergeben könnte. Nur mal so als kleine Anregung...

Viele Grüße
Thilo
Björn
28-08-09 14:14
Leider wurden die Grünen von den Institutionen gefressen, durch die Sie eigentlich marschieren wollten.
Die HARTZ IV Gesetze waren ein sozialer Supergau für SPD und Grüne.
Habt Euch damals schön von dem Heer an externen Beratern bequatschen lassen, die an das Mantra der unsichtbaren Hand der Märkte glauben, dazu kann ich nur sagen: Selbst schuld! Übrigens selbst denken ist billiger und macht schlau, die Typen in den schicken Anzügen sind echt teuer und meistens ziemliche Psychopathen. Sehr amüsant finde ich, wie versucht wird die Entscheidung für die Hartz 4 Gesetze in dem obigen Artikel als notwendigen Kompromiss zu verkaufen, für mich haben die Grünen jegliche Glaubwürdigkeit verloren, vor allem bei dem Thema soziale Gerechtigkeit. Ich denke Euch ich dies auch bewusst, deswegen auch der platte Kindergarten-Populismus in dem Artikel (Sarrazin Blabla), mit möglichst wenig Fakten und dem einfallslosen Versprechen den Satz zu erhöhen, einfach nur peinlich.

Ich muss feststellen, dass die Grünen von dem gleiche platte Populismus infiziert sind, wie bei der CDU, SPD und FPD. Bitte guckt Euch doch mal die Plakate an, Angstmacherei, Atomfässer, etc... und dass alles in einer kindlichen Ästhetik verpakt. Wie bei Lidl alles schön bunt.

Schade, schade, ich habe Euch mehrmals gewählt vor einiger Zeit, doch in den letzten Jahren, ist mir einfach klargeworden, dass die Partei vor allem von Egobedürfnissen regiert wird. Zum Glück gibt es noch genug Alternativen.

Liebe Grüße,
Björn
wimul
28-08-09 09:05
In den Zeiten der Rot/Grünen Koalition wurde mit Hilfe der Grünen Sozialabbau in unverschämten Ausmaß betrieben. Jetz mit Sozialkosmetik die Folgen abzumildern zu wollen, kozt einem nur an. An der Gründung der Grünen in meinem Heimatort war ich maßgeblich beteiligt, heute kann ich nur vor dieser Partei warnen. Der Grund: in einer möglichen Koalition mit der CDU geht dieser Sozialabbau dan weiter.
Markus Kurth MdB
26-08-09 12:05
Als sozialpolitscher Sprecher der Grünen im Bundestag weiß ich: Hartz IV ist in der jetzigen Form nicht tragfähig. An wesentlichen Punkten muss sich in kürzester Zeit etwas ändern. Erstens muss der Regelsatz für Erwachsene sofort auf 420 Euro steigen. Zweitens müssen die Regelsätze für Kinder auf ein angemessenes Niveau gehoben werden. Drittens müssen die Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger ausgesetzt werden. Nicht Faulheit ist unser unser Problem, es sind mangelde Arbeitsplätze. Unterstützen Sie mich und die von mir mitinitiierte Initiative www.sanktionsmoratorium.de , die auch von Prominenten wie Günter Graß und Sebastian Krumbiegel von den Prinzen unterstützt wird. Sie soll den gesellschaftlichen Druck erhöhen, die Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger jetzt auszusetzen. Eine kleine Presseschau finden Sie hier zum Sanktionsmoratorium: http://bit.ly/fDADw Der inoffizielle Titterkanal: http://twitter.com/h4sanktionsstop Hashtag: #hartzIV

Die niedrigen Regelsätze drücken die Löhne in eine Negativspirale. Deshalb brauchen wir jetzt den Mindestlohn und und eine Regelsatzerhöhung. Deutschland muss eine starke Wirtschaftsnation sein. Die bleibt sie aber nicht dadurch, dass sie um die niedrigsten Löhne mit Ländern wie China konkurriert. Wir brauchen neben guten Exportdaten auch eine hohe Binnennachfrage und hervorragende Bildung.

Manche sagen hier, die Grünen hätten Hartz IV mit beschlossen. Das bestreite ich nicht, auch wenn ich selbst im Bundestag dagegen gestimmt habe. Fakt ist aber, dass SPD und CDU und FPD Hartz IV im Bundesrat noch verschlimmert habe. Aber: Es ist die eine Sache Fehler zu machen. Die andere, noch viel schlimmere ist, Fehler nicht zuzugeben und sie nicht zu korrigieren. Wir Grüne wollen sie korrigieren!

Unterstützen Sie uns dabei am 27. September.

Ihr Markus Kurth MdB
Robert Heinrich
16-08-09 16:00
@Werner. Wir stehen zu unserer Verantwortung, in der rot-grünen Regierung gemeinsam mit der CDU/CSU-geführten Bundesratsmehrheit die Hartz-Reformen mit beschlossen zu haben. In dem von Dir kommentierten Artikel steht "BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben den damaligen Kompromiss zwischen der rot-grünen Bundesregierung und der schwarz-gelben Bundesratsmehrheit mitgetragen – trotz erheblicher Kritik." Wir begründen in dem Artikel außerdem, warum wir für erhebliche Korrekturen an Hartz IV eintreten (u.a. Erhöhung Regelsatz, Schonvermögen, Anrechnung Partnereinkommen), gleichzeitig aber ein bedingungsloses Grundeinkommen ablehnen. Ich empfehle hierfür vor allem als Lektüre den Parteitagsbeschluss von Nürnberg 2007: http://www.gruene.de/cms/partei/dokbin/207/207470.aufbruch_zu_neuer_gerechtigkeit.pdf
14-08-09 19:30
Nino
Genau Bildung nur für Reiche.Deren Kinder können noch so "doof" sein,die schaffen ihr Abi und Studium mit Geld.Den ärmeren Kindern versucht man mit allen Mitteln Bildung vorzuenthalten.(Studiumsgebür,Schulkosten unter HartzIV wird ab 15 Jahre der Bildungsweg vorgeschrieben)Die Möchtegern-elite möchte unter sich bleiben.Wir brauchen keine denkenden Armen.
Es ist schon erstaunlich,wie 20% der selbsternanten Elite 80% Bevölkerung vera....Dies ist aber möglich weil die 80% gegeneinander aufgehetzt werden.Rentner gegen Jugend,Familien gegen Alleinerziehende,Kranke gegen Gesunde Geringverdiener gegen Arbeitssuchende Die 80% Ausgebeuteten zerfleischen sich untereinander und das ist gesteuert. Deshalb mein Satz "Immer schön nach unten treten."Ist unser Bildungsniveau schon so tief gesunken?
Gruß Ram
Nino
14-08-09 18:18
@Kiwi

wenn putzkräfte gerecht entlohnt werden, über dem hartz4 niveau, dann hätten sie das problem nicht. sind sie so naiv oder tun sie nur so? die politiker haben sich nie für mindestlöhne eingesetzt, im gegenteil, grenzenlos und unverschämt niedrige löhne wurden gefördert und kündigungsschutz gelockert. die politiker haben leiharbeit gefördert. dank unserer tollen kapitalistenvertreter in berlin gibt es nun mal menschen die für vollzeitarbeit weniger wie 800 euro verdienen. die politiker haben die löhne nach unten gedrückt und jetzt kommen sie mit dem argument dass die grundsicherung von hartz4 empfängern unbedingt unter diesen existenzmininalen löhnen liegen müssen damit sich noch genügend dumme menschen finden die SKLAVENARBEIT für sie machen? selbst die sklaven im alten ägypten haben mehr verdient als eine friseuse oder eine putzkraft.

@Ram

ein hartz4 kind im alter von 19 jahren soll arbeiten gehen für einen sklavenlohn statt sich nach bildung umzusehen? super konzept... super ungerecht. nur weil man nicht die gleichen chancen hatte die merkel und friends soll man nun mit 19 jahren den rest seines lebens mit sklavenarbeit verbringen? das können sie gerne machen. mfg
Werner
14-08-09 16:24
Interessant wie hier die GRÜNEN (in der Opposition) versuchen, sich aus der Mitverantwortung für das von ihnen miteingeführte schikanöse und entrechtende Gesetz zu stehlen. Positive Motivation lässt sich durch Druck und Zwang nicht erzeugen. Aktueller Höhepunkt die Erklärung von H4-Empfängern zu "geistig Behinderten", um sie aus der Statistik herauszubekommen (Quelle: Monitor/ARD vom 13.8). Ich befürworte ein kleines(!) bedingungsloses Grundeinkommen und werde nie mehr eine Partei wählen, die H4 beschlossen oder befürwortet hat, solange es nicht revidiert wird.

Eisige Grüsse, Werner (kein H4-Empfänger)
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