Raus aus der Armutsfalle!

Die grüne Grundsicherung: ein Leben in Würde und Chancen auf Arbeit für alle.

Über einer Tür steht das Wort Armut, Foto: leralle/flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)
Armut, Foto: leralle/flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0) Foto: leralle/flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Höhe der Hartz-IV-Regelsätze ist eine Debatte über die Zukunft der sozialen Sicherung entbrannt: Wie hoch ist ein menschenwürdiges Existenzminimum? Was brauchen Menschen, die sich in sozialer Notlage befinden, vom Staat? Wie können wir ihnen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt eröffnen? Und was ist die richtige Balance von Fördern und Fordern?

 

 

Acht Schritte zur Grünen Grundsicherung

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben in der Regierung die sogenannte Hartz-IV-Reform mit getragen – ein schmerzhafter Kompromiss. Wir haben daraufhin Vorschläge entwickelt, wie die Fehlentwicklungen von Hartz IV beseitigt werden können. Mit der Grünen Grundsicherung liegt ein Konzept auf dem Tisch, durch das die ursprünglichen Ziele der Reform erreicht werden können: eine armutsfeste Existenzsicherung und eine Politik des Förderns, der Motivation und der Anerkennung, die ohne Sanktionen auskommt. Wir fordern konkret:

  1. Die Regelsätze des Arbeitslosengeldes II müssen für einen alleinstehenden Erwachsenen auf mindestens 420 Euro angehoben und in regelmäßigen Abständen an die Preisentwicklung angepasst werden.

  2. Kinder und Jugendliche brauchen eigenständige Regelsätze. Diese müssen ihren tatsächlichen altersgerechten Bedarf berücksichtigen.

  3. Bedarfsgemeinschaften müssen abgeschafft werden. Sie benachteiligen vor allem Frauen und zementieren ihre finanzielle Abhängigkeit. Dies wollen wir über eine erhebliche Abschmelzung des Ehegattensplittings finanzieren.

  4. Wer ALG II bezieht, muss gleichzeitig bessere Möglichkeiten haben, sich Geld dazu zu verdienen.

  5. Die Jobcenter müssen erhalten bleiben, denn wir wollen Arbeitssuchenden Unterstützung aus einer Hand anbieten. Damit die Zuständigkeit der Kommunen für soziale Hilfe mit der Zuständigkeit der Bundesarbeitsagentur für Förderung und Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt verbunden werden kann, muss das Grundgesetz geändert werden.

  6. Statt alle Arbeitssuchenden schematisch über einen Kamm zu scheren, wollen wir eine echte individuelle Betreuung und Vermittlung. Die Hilfebedürftigen müssen zukünftig das Recht haben, zwischen verschiedenen Maßnahmen zu wählen. Ihre eigenen Vorschläge und die jeweilige Qualifikation haben dabei Priorität.

  7. Wir wollen weg von der Unkultur des Misstrauens und des Bestrafens. Solange die von uns geforderten Änderungen bei der Förderung in der Praxis der Arbeitsagenturen nicht umgesetzt sind, fordern wir die Aussetzung sämtlicher Sanktionen (Sanktionsmoratorium).

  8. Die 400.000 dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossenen Arbeitslosen brauchen endlich eine Perspektive. Sie wollen wir durch langfristig geförderte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wieder integrieren: in der kommunalen Kulturarbeit, bei der ergänzenden Unterstützung älterer Menschen im Haushalt, als Unterstützung in Kitas oder Schulen, aber auch im Naturschutz. Den Lohn zahlen wir aus den Mitteln, mit denen wir bisher Arbeitslosigkeit finanzieren: ALG II, Wohngeld, Fortbildungstöpfe.

Warum Hartz IV nicht funktioniert

Als die rot-grüne Regierung im Jahr 2002 plante, die Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammen zu legen, sollte das ein erster Schritt zu einer sozialen Grundsicherung für alle sein. Sozialhilfe-EmpfängerInnen waren bis dato von den Angeboten des Arbeitsamtes ausgeschlossen – und oft gefangen in einer Spirale von Alimentierung, Untätigkeit und weiterem sozialen Abstieg. Das sollte die Reform ändern und dafür vor allem in mehr Förderung und Arbeitsvermittlung investieren.

Diese Ziele wurden nicht erreicht. CDU/CSU und FDP nutzten 2003 ihre Mehrheit im Bundesrat, um das Hartz-IV-Gesetz erheblich zu verschärfen. Nach 2005 beschloss die Große Koalition weitere Verschärfungen. Die bei den Arbeitsmarktreformen versprochene Balance zwischen Fördern und Fordern kam nie zustande. Verschärfte Zumutbarkeits- und Sanktionsregelungen führten dazu, dass auf Arbeitssuchende großer Druck ausgeübt wird, jedwede Beschäftigung anzunehmen. Die Würde der Arbeitslosen wurde dadurch höchst antastbar.

Westerwelle hetzt die Armen gegen die Ärmsten

Wochenlang hat Guido Westerwelle eine beispiellose Kampagne gegen Langzeitarbeitlose geführt. Während die Karlsruher Richter die Berechnung der ALG-II-Sätze für verfassungswidrig erklären, unterstellt der FDP-Chefpopulist den Hartz-IV-Empfängern ein Leben in „spätrömischer Dekadenz“ und stellt sie unter generellen Missbrauchsverdacht. Und derselbe Westerwelle, der fordert, dass sich Leistung endlich lohnen müsse, verhindert gemeinsam mit der CDU/CSU faire Löhne, indem er sich gegen Mindestlöhne stemmt. Gerade die Geringverdiener, die Westerwelle gegen Arbeitslose aufhetzt, leiden am meisten unter der Lohndumping-Politik von Schwarz-Gelb.

Muss sich Arbeit lohnen?

Es ist falsch, wenn Westerwelle behauptet, mit Arbeit hätte man weniger Geld als mit Hartz IV, denn Kindergeld, -zuschlag und Wohngeld stärken Arbeitende. Selbst wer trotz Arbeit mit Arbeitslosengeld II "aufstocken" muss, hat mehr Geld als nicht arbeitende ALG II-Bezieher. Fakt ist aber auch, dass der Niedriglohnsektor wächst und immer mehr Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können. Diese Ungerechtigkeit löst jedoch kein niedrigerer Regelsatz, sondern nur ein anständiger Lohn!

Deshalb fordern wir einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro in der Stunde. Damit Lohndumping nicht mit Hilfe von Leiharbeit in die Betriebe getragen wird, fordern wir für Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter einen Risikozuschlag in Höhe von zehn Prozent des Bruttolohns vergleichbarer Beschäftigter. Außerdem wollen wir Geringverdiener durch ein Progressivmodell bei den Sozialabgaben entlasten: Je geringer das Einkommen, desto geringer soll auch der Prozentsatz an Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenbeiträgen sein. Wer weniger als 2000 Euro brutto verdient, wird dadurch spürbar entlastet. Mehr Infos: gruene-bundestag.de/progressivmodell

Wie viele Sanktionen sind notwendig?

Unser Ziel ist eine Grundsicherung die ohne Sanktionen auskommt. Die Realität ist: Langzeitarbeitslose nutzen Hartz IV keineswegs als soziale Hängematte, sondern bemühen sich aktiv um Arbeit. Die Missbrauchsquote liegt unter zwei Prozent. Natürlich, wer eine Grundsicherung erhält, muss bereit sein, der Gesellschaft etwas zurück zu geben. Viele tun das bereits heute. Solange aber die Jobcenter den Fähigkeiten und Wünschen von Arbeitssuchenden keine Rechnung tragen, solange viel gefordert, aber wenig gefördert wird, solange dürfen keine Sanktionen verhängt werden.

Wie schaffen wir neue Arbeitsplätze?

Neue Arbeitsplätze sind die wirksamste Waffe im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Deshalb haben wir ein Konzept vorgelegt, wie wir durch gezielte Investitionen in die Zukunftsfelder Umwelt- und Klimaschutz, Bildung, Betreuung, Gesundheit und Pflege in den nächsten Jahren neue, zukunftsfeste Arbeitsplätze schaffen können.

 

Hintergrundinformationen und Kommentierung des Bundesverfassungsgerichtsurteil von Markus Kurth, MdB und Sprecher der GRÜNEN für Sozial- und Behindertenpolitik

Regelsatzurteil ist Ohrfeige für die Bundesregierung

Antrag der Grünen Bundestagsfraktionen zu den Regelsätzen von heute

Kurzzusammenfassung: Entscheidung und Entscheidungsgsgründe
Bundesverfassungsgerichtsurteil


Hintergrundinformation zu Hartz-IV-Regelsätzen und zum heutigen Urteil

 

Weitere Hintergrundinformationen (als PDF):

Gemeinsame Erklärung des Bundesvorstands und Landesvorstände
von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
(11. Januar 2010)

Hartz-IV-Satz rauf, Förderungsmöglichkeiten stärken: Ergebnisse der Evaluierungs-AG „Hartz IV"

Aufbruch zu neuer Gerechtigkeit: Reform des ALG II - Parteitagsbeschluss 2007

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30 grüne Jahre (27): Eine Chronik der Sozialreformen

Von Schröders Agenda 2010 über die Hartz-Reformen bis zum grünen Konzept einer Grundsicherung. Teil 27 der "Grünen Geschichte(n)": Chronik der Sozialreformen.

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Soziale Sicherung

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen die sozialen Sicherungssysteme zukunftstauglich machen, denn unser bestehendes Sozialsystem ist an seine Grenzen gestoßen.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/SteffiLemke_225_05.JPG

Grün regiert besser

Auf dem Länderrat wollen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Weichen stellen, um Schwarz-Gelb spätestens im Jahr 2013 abzulösen.

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Zeit nehmen

Für mehr Lebensqualität den bewussten Umgang mit Zeit neu lernen.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/mutter-kinder_225_01.JPG

Ganztagsschulen statt Chipkarten

Cem Özdemir zur Debatte um Bildungsgutscheine und Rente mit 67. Der Grünen-Vorsitzende warnt vor falschen Prioritäten und Scheindebatten.

Kommentare

Bedingungsloses Grundeinkommen
13-02-10 11:22
„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (A. Einstein)

Deshalb sollten auch die GRÜNEN einen öffentlichen Dialog zum BGE unterstützen und über Parteigrenzen hinweg diskutieren.

Für alle, die den Film "Grundeinkommen" noch nicht gesehen haben:
http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen
Gerhard Himmel
12-02-10 16:18
Es ist sehr erfreulich, dass unsere Verfassungshüter die Politiker so deutlich daran erinnert haben, dass es in unserer Verfassung um den Schutz fundamentaler Menschenrechte geht. Öffentliche Diskussionen in den Medien zeigten nur zu deutlich das die Aufrechterhaltung eines längst nicht mehr tauglichen sozial und Wirtschaftssystems wichtiger zu sein scheint als die Würde des Menschen, denn Niemand ging vom Gedanken aus, wie können wir Bedingungen für ein Leben in Würde gestalten, sondern erschöpften sich in emotionalen Schuldzuweisungen und Diffamierungen wer denn nun Schuld an den leeren Kassen sei. Die einen versuchen Stimmung gegen Arbeitslose zu machen, denen man mit härteren Maßnahmen die Faulheit austreiben muß, die Anderen lenken den Volkszorn gegen die Bösen Wohlhabenden und Steuerhinterzieher. Sachlichere Politiker sehen zwar ein, dass das Problem im bestehenden System mitbegründet ist,
kommen aber über Vorstellungen aus der Mottenkiste von Kapitalismus oder Kommunismus nicht hinaus, wagen es nicht ihre heiligen Kühe Wirtschaftswachstum und Besteuerung von Arbeitskraft in Frage zu stellen.
Nach der Veröffentlichung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts ist jetzt die größte Sorge, dass damit enorme Mehrkosten für den Staat entstehen könnten und wie dies zu finanzieren sei. Dabei schwingt immer auch mit, da gibt es jene, die nicht Arbeiten und keine Steuern zahlen und nur Kosten verursachen, und jene die es bezahlen müssen und die
bange Frage wie man genügend Steuergelder und von wem bekommt.
Werfen wir doch einmal einen Blick darauf, wie es zur Zeit mit den Kosten für einen Harz4 Empfänger steht. Als Beispiel wähle ich jetzt bewusst einmal die so oft breitgetretene Ausnahme des Arbeitsunwilligen, der sich geschickt in Harz4 einrichtet. Der Staat zahlt an den Empfänger ca 800,00 € im Höchstfall, zusammengestzt aus Grundsicherung, Mietkosten
und Krankenversicherung. Hinzu kommen noch die Ausgaben für die Arbeit der Staatsangestellten und Verwaltungskosten, denn ein Harz4 Empfänger muß ja überwacht und betreut werden, Anträge bearbeitet werden usw. Nun weiß ich nicht genau wieviel das ausmacht, kann mir aber durchaus vorstellen, dass es im Enddefekt nicht viel weniger ist, als die Summe die der Empfänger bekommt. Nun geht man davon aus, dass der Empfänger Senerseits überhaupt nichts einbringt. Aber stimmt das? Von der Grundsicherung geht der harz4 Empfänger einkaufen, dabei zahlt er offensichtlich Mehrwertsteuern. Außerdem sind in seinen Einkäufen noch versteckte Steuern die er zahlt, denn der Preis der Ware enthält ja auch alle Steuern die für die Bereitstellung des Produkts anfallen ( Die besteuerte Arbeit für Herstellung und Verkauf usw.). Auch von der an den Empfänger gezahlten Miete fließt ja über den Vermieter wieder ein Teil als Steuern
zurück in die Staatskasse. Auch könnte man noch argumentieren, dass ja der Arbeitslose auch daran beteiligt ist, den Arbeitsplatz des ARGE Mitarbeiters zu sichern, denn so wie es zur Zeit funktioniert, schafft er ja Arbeit für den ARGE Mitarbeiter. Ich will damit einfach ausdrücken, das die Dinge in unserem bestehenden Steuersystem nicht so einfach sind
wie sie scheinen und dass das vorhandene Geld fließt und die Ausgaben für Sozialempfänger zum Teil durchaus wieder zurück zum Staat fließt, selbst wenn der Empfänger nicht arbeitet.

Wie wäre es aber wenn man der Staat die Anregung des Verfassungsgerichts von der im Grungesetz verankerten Würde des Menschen konsequent umsetzen würde und jedem Bürger in Anerkennung seines Rechts auf ein menschenwürdiges Leben ein Bedingungsloses Grundeinkommen zahlen würde, berechnet auf den wirklichen Bedarf eines menschnwürdigen Lebens mit Ernährung, Wohnen, Bildung und Teilhabe an der Gesellschaft ?
Es gibt bereits Berechnungen, die Belegen, dass die Kosten für die Sozialausgaben und Transferleistungen des Staates bei Einführung enes Bedingungslosen Grundeinkommens nicht wesesntlich höher sind als zur Zeit, da zum Beispiel:
1. enorme Verwaltungskosten wegfallen, denn es braucht keine Bedürftigkeit geprüft werden oder Anträge gestellt und verarbeitet werden.
2. es würden alle Transferleistungen wegfallen, die unter der Höhe des Grundeinkommens liegen, denn außer dem Grundeinkommen bräuchten nur noch das an Leistungen bezahlt werden, was über den Betrag des Grundeinkommens liegt, wie z.B.: erworbene Rentenansprüche die höher sind, oder Mehraufwendungen für Kranke, die nicht von einer Kranken oder Pflegeversicherung abgedekt sind.
für mehr Deteils sei auf die Webseiten:
Viele Finanz und Wirtschaftsexperten haben bereits festgestellt, dass die Finanzierbarkeit des Grundeinkommens kein Problem ist.
Allerdings wird die Staatsfinanzierung mit Sicherheit ein immer größeres Problem, gleich ob die Idee des Grundeinkommens aufgegriffen wird oder nicht, wenn unser Steuersystem weiterhin in der Abhängikeit zu bezahlter Arbeit bleibt und so kompliziert bleibt, dass allein der Bürokratieaufwand einen großteil der Steuern wieder verschlingt.
Eine vernünftige Idee, passend zu unserer Zeit, wäre die Abschaffung der Besteuerung der Arbeitsleistung und Einführung einer einheitlichen Konsumsteuer.
Besteurt würde nicht mehr eine Leistung die ich erbringe, sondern Steuern werden dann fällig, wenn ich eine Leistung in Anspruch nehme.
Angenommen ich kaufe ein Brot und der Bäcker bräuchte weder Einkommenssteurn, noch Lohnsteuern für seine Mitarbeiter bezahlen, auch Seine Existenz nicht durch Gewinne absichern, könnte er den Preis für das Brot viel freier gestallten, denn er bräuchte nur noch die Ausgaben in den Preis einberechnen, die er durch die Rohstoffe, Löhne ohne sozialabgaben und für seine Gebäude und Maschinen hat, zuzüglich dessen, was er für Seine Arbeitsleistung haben möchte als Zugewinn zu seiner Grundsicherung, denn die brauch er nicht mehr durch seine Arbeit gewährleisten. Auch seine Verwaltungskosten und Arbeitsaufwand für Verwaltung wären geringer, da wesentlich einfacher ohne komplizierte Steuer Formulare und Erklärungen. Das Brot würde zunächst wohl wesentlich billiger, aber dafür muß ich als Einkäufer einen entsprechenden Prozentsatz vom Brotpreis als Konsumsteuer an den Staat abführen. Der Staat müsste also den Prozentsatz der Konsumsteuer so berechnen, das es für seine Ausgaben reicht. Das Brot muß für den Endverbraucher dadurch letztendlich nicht teurer werden als bisher, denn es werden dadurch im Prinzip nur die versteckten Steuern, die ich bisher unerkannt im Preis versteckt mitbezahlt habe ( die Lohnnebenkosten des Bäckers) jetzt öffentlich deklariert als Konsumsteuer fällig. Bei diesem System wäre auch denkbar, die Konsumsteuersätze zum Beispiel differenziert nach Grundnahrungsmitteln und Luxusgütern unterschiedlich zu gestalten. Ein Vorteil der Konsumsteuer wäre auch die größere Steuergerechtigkeit, denn ich zahle nicht Steuern wenn ich arbeite oder gebe, sondern wenn ich kosumiere bzw. nehme. Dann müßten zum Beispiel auch Wohlhabende Steuern zahlen, für Güter und Energie, die sie in Anspruch nehmen. Für den Erwerb einer Villa oder Segelyacht z.B. fielen hohe Konsumsteuern an, viele Anschaffungen ließen sich nicht mehr als Betriebskosten von Steuern absetzen. Konsumsteuern hieße auch, etwas das von Maschinen oder Komputern geleistet wird, wird am Ende versteuert. Wenn der Unternehmer eine Maschine anschafft, muß er dafür Konsumsteuer bezahlen, wenn er einen Menschen einstellt, zahlt er Lohn, aber keine Steuern. In letzter Konsequenz heißt das auch, das menschliche Arbeit konkurenzfähiger zur Maschinenarbeit wird. Auch Schwarzarbeit gibt es nicht mehr und auch nicht ihre Folgekosten die durch Kontrollen und Ahndung derselben entstehen.

Aber noch ein weiterer Punkt zum Finanzsystem, der mir ungerecht und überholt erscheint, fällt mir ein. Viel Geld, das nicht in reale Dienstleistung oder Warenproduktion investiert wird, sondern in Tresoren lagert, wirft Gewinne ab, wird nicht versteuert, gewinnt also an Wert, im Gegensatz dazu verlieren Waren mit der Zeit Ihren Wert. Auch meine Arbeitskraft erschöpft sich mit der Zeit. Ja eigenartigerweise nutzt dieses Geld im Tresor niemandem, wird sogar mehr im Laufe der Zeit. Es wird sogar behauptet es arbeitet. Ich habe aber noch nie einen Geldschein etwas tun sehen. Auch bei Enführung der Konsumsteuer fließt von diesem gebunkerten Geld nie etwas in die Gemeinschaftskasse. Trotzdem wird es allenthalben durch unser Finazsystem gesponsert. Deshalb würde ich es als dringend erachten, auch einmal unter diesem Gesichtspunkt unser Finanzsystem zu hinterfragen und neue Ideen zu entwickeln, wie auch das Zins- und Kreditwesen günstiger gestaltet werden kann.
Pejo Boeck
11-02-10 23:46
Ich kann den Ärger, die Wut und die Beschimpfungen der Grünen als Wendehälse gut verstehen, und ich finde dies beängstigend. So sehr ich viele offizielle Grüne Vorstellungen "zur Weiterentwicklung" von ALG II verstehe - es bleibt, dass es nicht darauf ankommt, gute Absichten zu haben, sondern zu erkennen, was dabei herausgekommen ist und herauskommen musste. Wie kommt es, dass viele Kritiker von Hartz IV/ ALG II frühzeitig erkannt haben, dass diese Gesetzesmaßnahmen die Armut im Land verschärfen würden? Wie kommt es, dass die Grünen offiziell bis heute so wenig selbstkritisch mit den schweren Fehlern umgehen, die sie bei Hartz IV/ALG II zuließen? Es ist zu einfach, wenn auch richtig, darauf hinuzuweisen, dass CDU/CSU/FDP die Hartz IV/ALGII-Gesetze über den Bundesrat noch verschärft haben. Die Grüne Partei- und Fraktionsführung hat die Zustimmung innerparteilich und innerfraktionell auch gegen Widerstände durchgesetzt, auch nach den Veränderungen durch den Bundesrat! Ist dies nicht Ausdruck davon, dass die Grünen bis heute mehrheitlich kein ausreichendes Verständnis für die Lage der Schwächsten und Ärmsten in der Gesellschaft haben? Was nützen Bekenntnisse und richtige Überlegungen zur Armutsbekämpfung, wenn die mitverantwortete Politik vergangener Jahre das Gegenteil bewirkt hat!? Ich kann mich gut erinnern, wie heftig ein Michael Vesper(damals Minister und stellvertr. MP in NRW)auf einer öffentlichen Veranstaltung in Bielefeld im Wahlkampf zur LT-Wahl NRW 2005 - oder war es bereits der BT-Wahlkampf 2005? - von vielen ALG-II-Betroffenen und linken Kritikern aller Schattierungen(das ist positiv gemeint) wegen der HartzIV/ALGII-Politik angegriffen wurde.

Kritik an der jetzigen Regierungspolitik muss einhergehen mit ehrlicher, offener Selbstkritik und der Antwort, warum die Bündnisgrünen damals mitgemacht haben.

Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen ist niucht möglich ohne entschiedene Selbstkritik. Und "nebenbei" gesagt: 7,50 Euro sind als Mindestlohn weit entfernt von dem, was notwendig ist. Bedenkt, erst ab einem Mindestlohn von 9,50 Euro besteht die Chance und Hoffnung,im Rentenalter eine Rente wenigstens gerade über dem Sozialhilfeniveau zu erhalten. Ist das zuviel verlangt?

Pejo Boeck, seit 30 Jahren Grüner (Mitbegründer des KV Dortmund,Delegierter auf der Gründungs-DK Karlsruhe, heute KV Bielefeld)
wer hats erfunden?
11-02-10 08:03
also lieber mal die fresse halten liebe grünen - so verkalkt sind die bürgerinnen und bürger nun auch wieder nicht!
ziegenpeter
10-02-10 19:05
Plötzlich tun alle Parteien, insbesondere auch die Grünen und die SPD, dass nun endlich was für die Kinder getan wird, die in Hartz VI hängen. Wer das Urteil des BVerG liest, wird schnell feststellen, dass die Berechungen der damaligen Regierung (Rot/Grün) schlampig und teilweise willkürlich erfolgten, obwohl es hinsichtlich der Höhe der Regelsätze und der Regelung unabweisbarer einmaliger Bedarfe durchaus auch anders hätte aussehen können (siehe Regelungen im SGB XII).
Feige, jetzt zu versuchen, auf die Vergesslichkeit der Bürger zu setzen!!! Einfach nur zum Kotzen, zu welch einer Partei sich die Grünen (leider) entwickelt haben. Eine wirkliche Alternative stellt ihr nicht mehr da. "Freue" mich schon auf die nächste schwarz-grüne Landesregierung in NRW.
Ute Plass
10-02-10 10:07
Das jetzige Hartz-Urteil sollte genutzt werden zur Fodererung und Umsetzung eines Bedingungslosen Grundeinkommens für alle Kinder!
Kelian
09-02-10 16:19
Scheinheilige Wendehälse.
IHR habt das Armutssystem Hartz IV, und damit die Berechnung der Sätze, doch zusammen mit der SPD eingeführt.
Und jetzt tut ihr so als sei es nur eine Ohrfeige für die Bundesregierung. Das ist so unglaublich verlogen. Pfui...
Claus
22-01-10 20:15
Hartz IV und "ALG-II" wird uns erst einmal weiter begleiten. Ich würde mir wünschen, dass wir Grünen aber zukünftig nicht auch immer von "ALG-II-Empfängern" sprechen. Meiner Meinung nach klingt das herablassend, die Zahl 2 drückt eine Rangfolge aus und diese Sprachwahl symbolisiert eine gewisse Geringschätzung.
Aber was könnte man anstatt wertschätzender sagen, für Mitbürger die Arbeitslosengeld 2 beziehen? Früher waren es Empfänger staatlicher Fürsorge. Dann Sozialhilfeempfänger.
Vielleicht könnten wir einen Wettbewerb ausrufen, dass wir uns hier Gedanken um die "Macht des Wortes" machen?
Ich selbst bin auch hilflos.
Thilo
27-12-09 18:26
Das Problem bei der Agenda 2010 ist ganz einfach, dass dieses als Lohnzusatzsystem entwickelt wurde, so dass die Reallohneinkommen immer weiter sinken werden, da der Arbeitgeber beispielsweise bei Neueinstellungen, unter dem Tariflohn diesen Arbeitnehmer dann beschäftigt, so dass er dann die Differenz, die der betroffene Arbeitnehmer dann benötigt, sich von der Arbeitagentur bezuschussen lässt, diese gelten dann als sogenannte Aufstocker. Auch haben durch die Agenda 2010 eingeführten Mini- und Midijobs dazu geführt, dass sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen weggefallen sind, die eigentlich, die im Grundgesetz nach Artikel 20 verankerte soziale Marktwirtschaft schützen soll, wonach es lautet, dass die BRD ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist. Durch dieses System der Agenda 2010 wurde das Umverteilungsprinzip einer sozialen Volkswirtschaft nicht mehr Folge geleistet, so dass hierbei die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinderdriftet, so hat man ohne volkswirtschaftliche Not, ein Gesetz geschaffen, dass zu einer erhöhten sozialen Differenzierung beigetragen, so dass die Bolte Zwiebel, die durch die breite Mittelschicht eine demokratische Gesellschaft kennzeichnet gar keine Gültigkeit mehr besitzt. Statt dessen hat man seit über 20 Jahren immer weiter eine angebotsprientierte Poltik betrieben, in der Hoffnung man würde dadurch Arbeitsplätze schaffen, jedoch wissen wir doch aus der Geschichte, dass in den sogeannten goldenen 20-er Jahren auch diese Poltik schon mal angewendet wurde, die der NSDAP und Hitler den Weg zur MAcht bereitet hatte, da man auch beispielsweise Sozialleistungen gesenkt hatte, um die ARbeitskosten nach unten zu treiben, jedoch hat dieses Verfahren nicht mehr gewirkt, da die finanzielle Sicherheit der Arbeitnehmerschaft durch soziale Sicherungsverhältnisse nicht mehr gegeben war...

DArüber sollten sich doch mal bitte die SPD, als auch die Grünen Gedanken machen, wie man denn die soziale MArktwirtschaft wieder beleben kann, denn es ist ja faktisch so, dass die BRD nach wie vor 2000 Mrd. Euro im Jahr umsetzt, dass Kapital ist ja vorhanden, um einen Sozialstaat gegenzufinanzieren, jeodch wird das KApital durch die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik durch Steuerreformen der Mittelschicht entnommen, und den Vermögenden zugesteckt, dieses stellt mit Sicherheit kein ausgelichenes System mehr da, und man sollte auch im Hinblick auf die europäische Integration den Menschen im Mittelpunkt allen politischen Handelns stellen, wie es sich für ein soziales Europa auch gehört, denn es ist ein rein wirtschafsliberales Europa geworden...darüber sollte die Poltik mal in Zukunft nachdenken; Harmonisierung der Steuersysteme usw., wenn Europa wirklich noch als eine Friedensinitiative gelten soll?!
AnjaBee
17-11-09 00:31
... sinnvoller und gerechter wäre die Umsetzung eines bedinungslosen Grundeinkommens. Es geht um Menschenrechte und Menschenwürde. Mit einem Grundeinkommen würde die Kaufkraft deutlich erhöht und das Individuum könnte seine kreativen Ressourcen für das Gemeinwohl einsetzen ohne durch Zwangsmaßnahmen erniedrigt zu werden. Dieses wäre auf jeden Fall sinnvoller, als mit Neuverschuldungen Multikonzerne zu unterstützen und dieses als Wirtschaftsförderungsprogramm zu verkaufen. Wer denkt dabei schon an Arbeitsplätze?
Kommentar

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