"Eine Allianz"

Der DGB und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betonten in einem Papier ihre gemeinsamen Ziele. Cem Özdemir erklärt, was Grüne und Gewerkschaften verbindet

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, auf einer Demo vom DGB am 16. Mai 2009 in Berlin

Herr Özdemir, den DGB verbindet man in erster Linie mit SPD und Linkspartei. Wie kommt es zu einem gemeinsamen Positionspapier von DGB und Grünen?

Es gibt viele Grüne, die in Gewerkschaften aktiv sind, etwa Annelie Buntenbach oder Frank Bsirske. Wir haben einige Gemeinsamkeiten, die wir unterstreichen wollen.

Welche inhaltlichen Überschneidungen gibt es denn?

Wir wollen ein soziales Europa. Wir wollen den Lissabon-Vertrag umsetzen. Wir wollen ein Europa, in dem es gemeinsame soziale Mindeststandards gibt, und zwar nicht auf dem niedrigsten Niveau. Wir kämpfen gemeinsam für Mindestlöhne, Lohngerechtigkeit zwischen Mann und Frau und eine gesetzliche Höchstarbeitszeit. Diese Punkte finden sich übrigens nicht in der gemeinsamen Erklärung von DGB und SPD. Daraus sollte jeder seine Schlüsse ziehen.

Die EU ist in erster Linie ein Wirtschaftsraum. Wie passt da die soziale Komponente hinein?

Die EU entstand als Wirtschaftsbündnis. Mittlerweile wissen wir, dass das allein nicht reicht. Die EU ist auch eine Wertegemeinschaft. Eine Gemeinschaft mit gemeinsamen Spielregeln, wie europaweiten Umweltstandards, Arbeitnehmerrechten und einem gemeinsamen Verbraucherschutz. Wer die Märkte europäisiert, kann soziale Rechte nicht weiterhin nationalstaatlich regeln. Darum dieses gemeinsame Papier.

Welche gemeinsamen Positionen verbinden die Grünen und der DGB im Europäischen Parlament?

Wir wollen einen Kommissionspräsidenten wählen, der sich für ein ökologisches und soziales Europa einsetzt. Das tut der aktuelle Präsident Manuel Barroso eindeutig nicht. Wir haben Grundsätze, die sich mit denen der Gewerkschaften decken. Etwa, dass es kein Lohndumping geben darf, kein Aufweichen von Arbeitnehmerrechten und von Standards, für die Gewerkschaften jahrzehntelang gekämpft haben.

Warum hinkt Deutschland beim Thema Mindestlöhne hinterher?

Das ist eine berechtigte Frage, die auch viele ausländische Beobachter stellen. Man hat es da mit Denkverboten zu tun. Wenn man mit Unternehmensführern spricht, sind die meist deutlich aufgeschlossener als die Parteien, die angeblich die Interessen der Wirtschaft vertreten. Der Mindestlohn muss kommen. Das gehört zu einem sozialen und humanen Deutschland dazu. Wir haben eine Lohnuntergrenze von 7,50 Euro als Basis vorgeschlagen. Anschließend muss regional und branchenspezifisch ausgehandelt werden, wie der Mindestlohn im einzelnen aussehen soll.

Sie fordern also keinen einheitlichen Mindestlohn in ganz Europa?

Das ist vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Lebensverhältnisse kaum machbar. Er wäre hier zu hoch und dort zu niedrig.

Warum sind Gewerkschaften heute ein so wichtiger Partner?

Sie sind es schon lange. Heute ist unsere Allianz bedeutender denn je. Auch die Gewerkschaften verstehen, dass die Zukunft unserer Wirtschaft im grünen Bereich liegt. In Deutschland gibt es bereits 1,8 Millionen grüne Arbeitsplätze. Und diese Zahl wächst, jeden Tag.


Wie sieht denn die weitere Zusammenarbeit mit dem DGB aus?

Wir wollen unsere Gemeinsamkeiten vertiefen. Und wo wir Diskussionsbedarf haben, werden wir diskutieren.

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Juergen-katrin-225x130.jpg

Die BDK 2012 in Bildern

Wir zeigen euch den Parteitag in Bild und Text.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/abuntenbach-1_01.jpg

Teilzeit? Nur freiwillig und abgesichert!

Annelie Buntenbach (DGB) über die Probleme von Teilzeitbeschäftigung und die längst überfällige Aufwertung von Care-Arbeit.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Cem_Özdemir_PK_0509_225_130.jpg

Schwarz-Gelb muss höllisch aufpassen

In der Grünen Woche hat Cem Özdemir Steuersenkungen kritisiert, Irlands Referendum begrüßt und dem DGB gratuliert.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Bundesfrauenkonferenz_Teaser2_225.JPG

Bundesfrauenkonferenz in Bildern

Über 150 Teilnehmerinnen diskutierten an zwei Tagen darüber, wie der Green New Deal zu einem guten Deal auch für Frauen wird.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Stimmkarte-225x130.jpg

Wir kämpfen für mehr Gerechtigkeit

Die BDK beschloss am zweiten Tag den sozialpolitischen Leitantrag.

Kommentare

Paddy Ament
15-06-09 15:09
richtig geil
S. Deister
14-06-09 14:35
Bei Interviews interessiert eigendlich
auch immer, wer die Fragen stellt.
Ich nehm mal an, dass das ein
"internes" Interview war.
(Und nicht z.B. von Seiten des DGB)
moinsager
12-06-09 13:13
moin!
Aurinkokukka
09-06-09 17:14
Ich finde es auch SEHR gut, dass es wieder mehr zu lesen gibt! Wir können doch alle lesen, und es stört andere nicht, so wie Video gucken
@Maximilian: Mitglied sein an sich frisst natürlich keine Zeit, das Mitmachen und Gestalten ganz nach persönlichem Geschmack ggf. schon - aber es fühlt sich gut an!! (seit drei Jahren dabei)
Und ja! Eintreten für die Interessen der ArbeitnehmerInnen zusammen mit Gewerkschaften steht uns gut zu Gesicht, solange es nicht zu gnadenloser Klientelpolitik auf Kosten anderer Gruppen wie Jugendlichen oder Menschen in prekären Lohnverhältnissen wird.
CK
08-06-09 23:22
Ich denke auch, dass die Grünen mit einer guten Zusammenarbeit mit der DGB gemeinsame Ziele erreichen kann.
Maximilian Spohr
08-06-09 15:00
Hallo, ich wuerde gerne Gruenen Mitglied werden,
wieviel Zeitaufwand ist damit verbunden?
Kann mir einer helfen?

Ueber eine Antwort wurde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Gruessen,
Maximilian Spohr
Hamburg
0178/6820914
Matthias
04-06-09 07:50
Sehr schön, vor allem, dass man hier mal wieder was zu lesen hat. Nicht nur diese Videos
Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.