AKW-Ausbau in Temelin stoppen
Bis zum 5. Juni können auch deutsche Bürgerinnen und Bürger noch Einspruch gegen den Neubau zweier Atomreaktoren im tschechischen Grenzgebiet einlegen. MEHR
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Ein neuer Report des Club of Rome zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft unseres Planeten. Dennoch lohnt es sich, für ein Umdenken zu kämpfen. MEHR
Bundesrat beschließt mit einer Zweidrittelmehrheit eine grundlegende Überarbeitung der schwarz-gelben Solarkürzung. Eine Schlappe für Röttgen. MEHR
Der Bund hätte nie komplett aus der Verantwortung bei der Bildung entlassen werden dürfen, sagen Sylvia Löhrmann und Cem Özdemir. MEHR
Wie viel Basisdemokratie steckt im grünen Delegiertenprinzip? Ein Gastbeitrag von Till Westermayer. MEHR
Der Entzug der Eishockey-WM 2014 wäre ein Zeichen gegen das Lukaschenko-Regime. MEHR
20 Jahre nach dem ersten Erdgipfel trifft sich die Weltgemeinschaft erneut in Brasilien. Ein Dossier der Böll-Stiftung. MEHR
Bei der Energiewende agiert die Bundesregierung planlos und bremst die Entwicklung mit falschen Entscheidungen aus. MEHR
Das Betreuungsgeld hilft niemandem wirklich weiter. MEHR
Als die Wikipedia vor zehn Jahren als Alternativprojekt zu herkömmlichen Online-Lexika startete, hielt kaum einer für möglich, dass daraus einmal die mächtigste und größte Wissensdatenbank der Welt werden würde. Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, schildert in einem Gastbeitrag für handelsblatt.de, was die Wikipedia so einzigartig macht und welche Gefahren in der Zukunft lauern.
2003 war mein erstes Mal: Anstatt Encarta von Microsoft habe ich die Wikipedia benutzt. Statt archiviert auf CD und damit nie tagesaktuell, gab es Informationen von nun an nur noch aus dem Internet. Der Brockhaus im elterlichen Bücherschrank konnte da schon lange nicht mehr mithalten. So geht es mittlerweile vielen Menschen, gerade Jüngeren. Die Wikipedia ist für sie zum wichtigsten und meist genutzen Lexikon geworden. Ein Siegeszug, der für mich das Paradebeispiel dafür ist, dass „Big Money“ nicht alles ist. Aus Spenden finanziert, mit einem vergleichsweise winzigen Etat wird die Wikimedia Foundation getragen und ihr größtes Kind die Wikipedia genährt. Auf der weltweiten Spitzenliste der erfolgreichsten Internetseiten ist Wikipedia das einzige Online-Angebot, das nicht kommerziell ist. Damit stellt sich Wikipedia gegen den Wahn, das Internet zunehmend zu kommerzialisieren. Geld regiert vielleicht manchmal die Welt, im Internet stellen sich aber Wikipedia und zahlreiche andere Projekte dieser Formel entgegen. Sie beweisen, dass sich Erfolg nicht in Euro und Cent bemessen lässt, und setzen statt auf Kommerz auf die Allgemeinheit.
Zehn Jahre Wikipedia sind daher nicht nur zehn Jahre Erfolg für ein unglaublich vielseitiges und erfolgreiches Projekt, sondern auch zehn Jahre politisches Statement. Auf politische Unabhängigkeit von den Betreibern der Plattform bedacht, sind trotz alledem die Diskussionen der Autorinnen und Autoren über einzelne Beiträge politische Meinungsschlachten. Die Möglichkeit der Mitarbeit und das Ziel, Wissen der Gemeinschaft bereitzustellen, liefern so einen wichtiger Beitrag für unsere politische Debatte.
Wenn man zum zehnjährigen Bestehen gratuliert, müssen aus politischer Perspektive auch politische Themen angesprochen werden. Diese Dimension der Wikipedia gehört stärker in den öffentlichen Raum, genauso wie die Stimme der Gemeinschaft der Wikipedianer in die Öffentlichkeit.
Es gilt für freies Wissen zu streiten – gegen Meinungszensur, gegen Abschottung und gegen die Gängelung im Internet. Das fängt national bei einem Leistungsschutzrecht für Presseverlage in Deutschland an und geht über die globale Debatte um Netzneutralität weiter, beides stellt eine Bedrohung für die Wikipedia dar. Das Leistungsschutzrecht kann Quellen und Verweise versiegen lassen; fehlende Netzneutralität kann die Wikipedia an den Rand der Wahrnehmbarkeit drängen.
Als Bürger und Nutzer eines noch weitestgehend freien Internets dürfen wir die guten Aspekte des Internets, wie die Arbeit von Wikipedia nicht als gegeben anerkennen. Projekte wie die Wikipedia leben von einem freien Internet. Ein restriktives Urheberrecht oder das Ende der Netzneutralität würden den Zugang zur Wikipedia und vielen anderen Projekten möglicherweise beschneiden und ihre Arbeit erschweren. Stattdessen gilt es, eine Politik voranzubringen, die freies Wissen stärkt, allen voran durch ein modernes Urheberrecht für das digitale Zeitalter. Zudem ist ein Umdenken in öffentlichen Institutionen notwendig, um Wissen von staatlichen Stellen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen – seien es Medienarchive, Satellitenaufnahmen oder Forschungsdaten. Wikipedia sollte auch solche Daten archivieren und sie entsprechend aufbereiten und damit zugänglich und frei halten. Das Kooperationsprojekt mit dem Bundesarchiv, historische Bilder digital der Allgemeinheit bereitzustellen, war auf diesem Weg ein erster Erfolg.
Wikipedia ist ein Statement für freies Wissen. Ein Statement für eine moderne Lizenzpolitik. Ein Statement für Gemeinnützigkeit und kollaboratives Arbeiten. Daher freue ich mich immer wieder über das Angebot und gratuliere ganz herzlich zum Geburtstag.