Revolution für freies Wissen

Als die Wikipedia vor zehn Jahren als Alternativprojekt zu herkömmlichen Online-Lexika startete, hielt kaum einer für möglich, dass daraus einmal die mächtigste und größte Wissensdatenbank der Welt werden würde. Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, schildert in einem Gastbeitrag für handelsblatt.de, was die Wikipedia so einzigartig macht und welche Gefahren in der Zukunft lauern.

Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

2003 war mein erstes Mal: Anstatt Encarta von Microsoft habe ich die Wikipedia benutzt. Statt archiviert auf CD und damit nie tagesaktuell, gab es Informationen von nun an nur noch aus dem Internet. Der Brockhaus im elterlichen Bücherschrank konnte da schon lange nicht mehr mithalten. So geht es mittlerweile vielen Menschen, gerade Jüngeren. Die Wikipedia ist für sie zum wichtigsten und meist genutzen Lexikon geworden. Ein Siegeszug, der für mich das Paradebeispiel dafür ist, dass „Big Money“ nicht alles ist. Aus Spenden finanziert, mit einem vergleichsweise winzigen Etat wird die Wikimedia Foundation getragen und ihr größtes Kind die Wikipedia genährt. Auf der weltweiten Spitzenliste der erfolgreichsten Internetseiten ist Wikipedia das einzige Online-Angebot, das nicht kommerziell ist. Damit stellt sich Wikipedia gegen den Wahn, das Internet zunehmend zu kommerzialisieren. Geld regiert vielleicht manchmal die Welt, im Internet stellen sich aber Wikipedia und zahlreiche andere Projekte dieser Formel entgegen. Sie beweisen, dass sich Erfolg nicht in Euro und Cent bemessen lässt, und setzen statt auf Kommerz auf die Allgemeinheit.

Zehn Jahre Wikipedia sind daher nicht nur zehn Jahre Erfolg für ein unglaublich vielseitiges und erfolgreiches Projekt, sondern auch zehn Jahre politisches Statement.   Auf politische Unabhängigkeit von den Betreibern der Plattform bedacht, sind trotz alledem  die Diskussionen der Autorinnen und Autoren über einzelne Beiträge politische Meinungsschlachten. Die Möglichkeit der Mitarbeit und das Ziel, Wissen der Gemeinschaft bereitzustellen, liefern so einen wichtiger Beitrag für unsere politische Debatte.

Wenn man zum zehnjährigen Bestehen gratuliert, müssen aus politischer Perspektive  auch politische Themen angesprochen werden. Diese Dimension der Wikipedia gehört stärker in den öffentlichen Raum, genauso wie die Stimme der Gemeinschaft der Wikipedianer in die Öffentlichkeit.

Es gilt für freies Wissen zu streiten  –  gegen Meinungszensur, gegen Abschottung und gegen die Gängelung im Internet. Das fängt national bei einem Leistungsschutzrecht für Presseverlage in Deutschland an und geht über die globale Debatte um Netzneutralität weiter, beides stellt eine Bedrohung für die Wikipedia dar. Das Leistungsschutzrecht kann Quellen und Verweise versiegen lassen; fehlende Netzneutralität kann die Wikipedia an den Rand der Wahrnehmbarkeit drängen.

Als Bürger und Nutzer eines noch weitestgehend freien Internets dürfen wir die guten Aspekte des Internets, wie die Arbeit von Wikipedia nicht als gegeben anerkennen. Projekte wie die Wikipedia leben von einem freien Internet. Ein restriktives Urheberrecht oder das Ende der Netzneutralität würden den Zugang zur Wikipedia und vielen anderen Projekten möglicherweise beschneiden und ihre Arbeit erschweren. Stattdessen gilt es, eine Politik voranzubringen, die freies Wissen stärkt, allen voran durch ein modernes Urheberrecht für das digitale Zeitalter. Zudem ist ein Umdenken in öffentlichen Institutionen notwendig, um Wissen von staatlichen Stellen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen – seien es Medienarchive, Satellitenaufnahmen oder Forschungsdaten. Wikipedia sollte auch solche Daten archivieren und sie entsprechend aufbereiten und damit zugänglich und frei halten. Das Kooperationsprojekt mit dem Bundesarchiv, historische Bilder digital der Allgemeinheit bereitzustellen, war auf diesem Weg ein erster Erfolg.

Wikipedia ist ein Statement für freies Wissen. Ein Statement für eine moderne Lizenzpolitik. Ein Statement für Gemeinnützigkeit und kollaboratives Arbeiten. Daher freue ich mich immer wieder über das Angebot und gratuliere ganz herzlich zum Geburtstag.

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Anti_Nazi_Symbol_MarkHeard_flickr_CC_BY_20_225x130_02.jpg

Auf dem rechten Auge immer noch blind

Unfassbar: Die Junge Union verharmlos weiter rechte Gewalt und hält an ihrer kruden Extremismus-Theorie fest.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/rss_feeds_abonnieren_bh.png

RSS-Feeds

Auf dieser Seite findest Du alle RSS-Feeds von gruene.de. Du kannst Sie mit einem Feedreader abonnieren oder als Newsticker auf Deiner Webseite einbinden. Die Feeds sind nach Themengebieten sortiert - so musst Du nur lesen, was Dich auch interessiert.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Closed_Schild_Nick_Papakyriazis_flickr_CC_BY_NC_SA_20_225x130.jpg

Ende der klassischen Geschäftsmodelle?

Claudia Pelzer erklärt, wie das Internet die Wirtschaft verändert und wo sich neue Chancen für Unternehmen bieten.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/freiheit-statt-angst-225.jpg

Alles wissen, alles verbieten?

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN rufen auf zur Demo für mehr Bürgerrechte und Datenschutz am Samstag in Berlin

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/HuhnHinterZaun_Foto_von_Marius__Zierold_225_03.jpg

Ei, wo kommst du her?

Auch wenn wir darauf achten, frische Eier aus artgerechter Haltung zu kaufen, vergessen wir dabei oft, woher die Eier in Nudeln und Fertigkuchen kommen.

Kommentare

Manuel
18-04-11 17:55
Wikipedia ist ein gutes Lexikon. Allerdings ist es nicht die Zukunft. Sucht man in Wolfram Alpha nach Deutschland vs. Frankreich, sieht man das Wikipedia nicht semantisch arbeitet.

Als Politiker sollte man sich Gedanken machen, wie man das "Soziale Netz" besser nutzen kann, um Konzepte zu entwickeln, vergleichen, und zu diskutieren.

Bisher bleiben die meisten Diskussionen im Netz offen, oder beschränken sich auf Protest ohne Alternative. Im Prinzip hat das Internet auf die Politik-Gestaltung SEHR wenig Einfluss. Das meiste ist One-Way.(Ausnahme Wahlomat)

Die Verbindung Internet-Information - Entscheidung fehlt komplett. In der Praxis entscheiden Fachgremien die keine Ahnung haben. (z.B. Internetsperren). Wie kann es sein das sowas in einer Informationsgesellschaft sein kann?
Wie kann es sein, das Politiker (+Atomlobby), jahrzehnte das Volk verarschen. Es ist nicht viel besser als ohne Internet.

Meine Vision einer besseren Welt, ist ein Sociales Politik Netzwerk wo jeder in seinem Interessengebiet die Welt mitgestaltet. Wo Informationen und Statistiken so lange ausdiskutiert werden, bis eine Basis für Entscheidungen existiert. Wo ein Institut das fehlerhafte Daten liefert weltweit ausgelacht wird.
Wo Politische Konzepte ständig überarbeitet werden, und nicht aus einer öffentlichen Notwendigkeit schnell zusammengeschustert werden.

Allein die Wahrheit, der Volkswille, und die Qualität der Konzepte könnte Politiker "zu den richtigen Entscheidungen" führen.

Möglicherweise hilft das auch gegen Politikverdrossenheit.

Ein gutes Beispiel ist genau dieses Thema: Ich hab schon seit Jahren Ideen für solch ein Konzept. Aber was soll ich damit? Ich weiß das es die Welt verbessern könnte, aber interessiert sich dafür jemand?
Es gibt ja nicht einmal ein Portal für neue politische Ideen, daweil sollte jede Partei eigentlich dankbar für neue Ideen sein. Vor lauter Alltagsstress haben die Politiker eh keine Zeit dafür.

Naja, ich komme mir schon wieder vor als würde ich mit mir selbst reden, hat aber einer Interesse bin ich bereit alles weiterzugeben was ich ausgedacht und ausgearbeitet habe. Ich würde gerne gemeinsam mit fähigen Leute das Konzept weiterentwickeln. Dafür müsste ich aber selbst ein Tool programmieren, weil es soetwas nicht gibt.

Leider gibt es kein Forum das auf Lösungen und nicht auf sinnlose Diskussionen spezialisiert ist.

Grüße Manuel Lautenschlager

ps.: die Grünen versuchen auf dem Internet Weg mitzugehen, besser als andere Parteien. Trotzdem nur Mitläufer und keine Macher, oder Unterstützer von Machern. Keine neuen Ideen.
Ich trau mich nicht meinen Namen zu nennen
20-02-11 01:45
Ja schön das es Wikipedia gibt.
Dann fliegt euer Klimaschwindel wenigstens auf

Laut Wikipedia ist die Zusammensetzung der Luft (Volumenanteile):

Stickstoff 78,084 %
Sauerstoff 20,942 %
Argon 0,934 %
-------------------
Summe 99,960 %

Spurengase (die den Treibhauseffekt erzeugen sollen)
CO2 0,038 %
Methan 0,0000176 %

Ein bisschen wenig für einen Treibhauseffekt oder?
Aber dieser Kommentar kommt sowieso nicht durch die demokratische Zensur.
Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.