Offenheit, Freiheit, Teilhabe

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen den Bürgerinnen und Bürgern mehr Möglichkeiten geben, die Chancen des Internets zu nutzen. "Die Netzpolitik ist das größte Querschnittsthema unserer Zeit." Der BDK-Antrag des Bundesvorstands legt einen besonderen Fokus bei der grünen Netzpolitik auf demokratische Mitbestimmung, Sicherung der Freiheits- und Bürgerrechte und Teilhabe.

Maennchen in Raum aus grünen Matritzen auf schwarzem Grund., Foto: Pixel Placebo/flickr.com (CC BY-NC 2.0)
Matrix, Foto: PixelPlacebo/flickr.com (CC BY-NC 2.0) Foto: Pixel Placebo/flickr.com (CC BY-NC 2.0)

Die netzpolitische Debatte wird bereits seit einigen Monaten vorbereitet. Mit dem Antrag stellen die Grünen eine umfangreiche und bis jetzt größte Diskussionsgrundlage zum Thema Netzpolitik vor. Das Interesse an diesem Thema wächst in der Bevölkerung immer stärker.

Die Grünen wollen das Thema Internet und Demokratie verbinden. Das Internet schafft verstärkt die Möglichkeit für Transparenz, auch um Menschenrechtsverletzungen und gesellschaftliche Missstände anzuprangern. Der digitale Wandel könne mit dazu beitragen, demokratische Prozesse weltweit zu etablieren und zu fördern, heißt es in dem Antrag. Gerade die Veränderungen in der arabischen Welt sind dafür ein signifikantes Beispiel.

"Das Internet ist das Mittel der Wahl, wenn es um aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger geht." Demokratische Mitbestimmung und Transparenz von Verwaltungsabläufen können mit diesem Medium extrem gefördert werden. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern in diesem Zusammenhang ein einheitliches BürgerInneninformationsgesetz: In Zukunft muss begründet werden, warum Verwaltungsdokumente als geheim eingestuft werden und in der Regel müssen alle Informationen veröffentlicht werden.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lehnen den Einsatz von Schnüffelsoftware und das Ausspionieren von Computern ab, und fordern ein Exportverbot für Überwachungstechnik weltweit. Dazu heißt es in dem Antrag: "Das Internet ist nicht grundrechtsfrei! Um dies abzusichern treten wir für einen globalen Kodex zur Sicherung unserer Freiheits- und Bürgerrechte im Internet ein."

Um die Meinungsfreiheit auch in Deutschland zukünftig zu wahren, plädieren die Grünen für die Beibehaltung und rechtliche Absicherung der Netzneutralität und wollen die Förderung des Netzausbaus an eine Verpflichtung der Betreiber zur gleichberechtigten Durchleitung aller Daten durch das Netz binden. "Das Prinzip der Netzneutralität war nicht nur der Garant der bisherigen demokratischen Entwicklung des Internets, sondern ist auch elementar für die Zukunft des Internets", so die Verfasserinnen und Verfasser des Antrags.

Damit das Internet auch in Zukunft für Offenheit, Teilhabe und Mitbestimmung steht, wird die umfassende Modernisierung des Datenschutzes, der Ausbau kostenloser WLAN-Netze und die Beibehaltung der Verwendung von Pseudonymen im Internet gefordert. Dabei darf der ländliche Raum nicht vergessen werden: "In Gebieten, wo der Breitbandausbau noch stockt oder bisher gar nicht vorangekommen ist, müssen die weißen Flecken endlich geschlossen werden. Für den Glasfaserausbau ist eine Förderung wichtig und sinnvoll – nur so können wir die digitale Spaltung unserer Gesellschaft überwinden." Denn: "Unsere Netzpolitik ist sozial inklusiv und auf die Teilhabe aller ausgerichtet."

Dies ist auch Leitbild bei der Debatte um den Zugang zu Wissen und kulturellen Gütern zu stärken und einen Interessensausgleich mit den UrheberInnen und den NutzerInnen zu erzeugen. Es sollen freie Lizenzen wie Creative Commons stärker genutzt und eine Fair Use Regelung etabliert werden, um die Remix Kultur zu fördern.

Auch ökonomisch spielt das Internet mit seinen Möglichkeiten mittlerweile eine zentrale Rolle, die wir mit der Unterstützung einer neuen Gründerkultur aber auch mit einer Debatte über Nachhaltigkeit im IT-Bereich stärker in den Fokus stellen wollen.

Wir freuen uns über Kommentare und Anregungen zu dem Antrag (siehe unten).


BDK-Antrag
: Offenheit, Freiheit, Teilhabe - die Chancen des Internets nutzen - den digitalen Wandel grün gestalten! (PDF)

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Gekommen um zu bleiben

Wie das Internet mehr und mehr unseren Alltag bestimmt. Ein Gastbeitrag von Adrian Rosenthal für den schrägstrich.

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Schluss mit Frösche retten und ran an die Computer!

Das Internet hat die politische Sphäre verändert. Julia Seeliger schreibt, warum Politiker trotzdem nicht gezwungen sind, sich digital auszuziehen.

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Warum wir ACTA ablehnen

Das Anti-Piraterie-Abkommen erschwert den Zugang zu günstigen Medikamenten und macht Internetzugangsanbieter zu Hilfssheriffs.

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Lebenswert und grün

Wie muss ein Leitbild für nachhaltige und handlungsfähige grüne Kommunen aussehen?

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Internetfreiheit weltweit sicherstellen

GRÜNE fordern ein Ende von Kontrolle und Zensur des Internets.

Kommentare

Sebastian
24-11-11 14:07
Ich kann mich nur der Stellungnahme des Verbands der Drehbuchautoren anschliessen: Der Grüne Leitantrag gibt leichtfertig und unverantwortlich Grundrechte auf: Damit die GRÜNEN ihre Wunschwähler bedienen können, müssen die Eigentumsrechte aller Autoren, Designer, Regisseure, Architekten, Komponisten, Grafiker usw. drastisch beschnitten werden. Dass diese Kreativen von ihren Urheberrechten leben müssen, interessiert die GRÜNEN nicht besonders: Bis auf die uralte Idee einer Flatrate enthält der Leitantrag keinen einzigen konkreten Vorschlag zur Existenzsicherung von Kreativen. Damit droht die Verarmung des kulturellen Standorts Deutschland.
Christine
23-11-11 16:00
1. Was haben die GRÜNEN mit KUNST zu tun?
Wir können die anstehenden Probleme nur lösen, wenn wir künstlerisch denken und handeln. Wir haben die Antiatombewegung nicht (nur) mit pragmatisch-politischem Handeln zum Erfolg geführt, sondern mit Unkonventionellem, Witz, Zorn, Sonnenblumen und mit den vielen Liedern, Theatern, Bildern, Plakaten und Kampagnen der Künstlerinnen und Künstlern, die unsere Partei gegründet haben, die sie ausmachen und die auch heute eine tragende Säule der Grünen sind. Ohne die künstlerisch Kreativen wären die Grünen nicht viel mehr als die ÖDP. Die Künstler machen die Grünen „sexy“ und das hat im Berlinwahlkampf ganz deutlich gefehlt. Die Piraten einfach die bessere Kampagne gemacht. Die sind ja nicht wegen ihrer Inhalte gewählt worden, sondern weil sie frech, ehrlich und originell waren.

Die Grünen werden getragen von Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten, von Designern, Graphikern, Architekten, von Lehrerinnen und Lehrern, von Bildungsleuten und Sozialarbeitern. Die Grünen Wähler verbindet eine Hochachtung vor kulturellen Werten – weil sie selbst an diesen kulturellen Werten arbeiten. Kurz und gut: Die GRÜNEN sind die Partei der Kunst, der Kultur, der Künstlerinnen und Künstler. Dieses Profil sollten wir viel stärker herausstellen.



2. Was heißt das in der Urheberrechtsdebatte?
Grüne treten für die Wahrung und Stärkung!!!!!! der Künstlerrechte ein – selbstverständlich ohne einer Kriminalisierung und Beschränkung der Netzuser Vorschub zu leisten. (Präambeltexte hierzu gibt es schon genug, auch im besagten Antrag). Was heißt das? Wir fordern dass neue Kunstströmungen, auch solche, die durch neue technische Entwicklungen befördert werden, privilegiert geschützt werden. Künstlerischen und kreativen Usern von Netzinhalten können Dinge erlaubt werden, die den rein wirtschaftlichen Usern nicht so ohne weiteres erlaubt sind. Darf man ein Wort wie „Privileg“ bei Grüns verwenden? Ich meine Ja! Denn:

1. wir wollen eine Kulturgesellschaft, keine Nutzergesellschaft, wir wollen eine Gesellschaft, die Kreativität befördert – und keine die Konsum befördert.

2. Es macht eben einen Unterschied, ob sich jemand Musik herunter lädt und daraus etwas Neues und Eigenes schafft - was dann seinerseits wieder dem künstlerisch wissenschaftlichen Diskurs zugute kommt – oder ob er sich nur etwas unbezahlt aneignen will.

Die meisten Streitfragen erübrigen sich, wenn wir die „Fair Use-Regelung“ für die künstlerische Nutzung haben. Das bedeutet auch, dass wir die Netzlobbyisten als solche behandeln und deutlich machen, wo und von wem rein wirtschaftliche Interessen vertreten werden. Mit Kultur-, Meinungs- oder Wissensfreiheit haben die Forderungen vieler Netzpolitiker überhauptnix zu tun!


3. Grundeinkommen
Wir sollten das Thema „Grundeinkommen“ wieder aufnehmen und im Grünen Sinn weiter entwickeln. Wichtig: Ein bedingungsloses Grundeinkommen berührt die Urheberrechtsfragen überhaupt nicht. Auch wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt, wird der Bäcker für seine Brötchen noch Geld verlangen und sie nicht verschenken. Das gleiche gilt für den Künstler und die Künstlerin.
Manfred
15-11-11 19:36
Warum stellt ihr die bestehenden Alternativanträge nicht gleichberechtigt neben diesen Vorstandsantrag? Gibt es da eine Abstufung in der Bedeutung der Antragsteller/innen für die politische Arbeit bei den Grünen?
Werner
18-10-11 13:12
Ich fände es vorbildlich, wenn es bei den Grünen eine Art "Mitgliederparlament" gäbe - aber besser strukturiert als das Wurzelwerk oder andere frühere Versuche; eher so wie das iparlament.de - also wo es möglich ist, durch sein Votum Rangfolgen von Themen zu beeinflussen oder auch Vorwahlen durchzuführen. So etwas wäre für recht wenig Geld zu haben - wenn es denn gewollt ist.
Malte Spitz
18-10-11 08:56
@ Markus Danke für deine Frage zur Überwachungstechnik. Wir schreiben ja selber das wir hier noch nicht am Ende sind, da die Dual Use Problematik natürlich existiert und eine Trennung nicht einfach möglich ist.
Reinhard
17-10-11 23:11
Liebe Leute,

findet Ihr Eure Haltung nicht etwas inkonsequent?
Einerseits erkennt Ihr sehr richtig, dass das Internet eine Chance für mehr Transparenz bei und Beteiligung an der politischen Willensbildung ist. Und dann koppelt Ihr Euch aus der öffentlichen Diskussion ab und schließt das Offene Forum der Grünen?!
Ihr warnt vor dem Missbrauch durch "Datenkraken" a la Facebook, schlagt aber den Nutzern des Offenen Forums vor, für weitere "Diskussionen" die grüne Facebookseite zu nutzen?!

Die aktuell 9% der Piraten ist Eurem Versagen insbesondere zum Thema Internet, Transparenz und Einbindung von Sympathisanten zu verdanken.

Wacht endlich auf!
Markus
17-10-11 16:11
Ich würde gerne wissen, wie die Grünen "Überwachungstechnik" definieren. Es ist ja vom Prinzip her wünschenswert, Firmen wie Cisco, T-Systems oder Bluecoat zu verbieten, Regimen zu helfen ihre Bevölkerung zu unterdrücken, aber in Diskussionen zu dem Thema konnte Überwachungstechnik nicht eindeutig eingegrenzt werden, da diese Techniken immer dual use sind. Entweder man regelt das dann wie in dem Gummiparagraphen §202c StGB, der imho den Bestimmtheitgrundsatz verletzt oder kann es einfach nicht umsetzen.
Arno
17-10-11 10:33
Hallo liebe Mitgrüne,

ich würde den Teil über das Urheberrecht weiter nach vorne verlagern, da er mir aus Sicht vieler Bürger als vorrangig erscheint.

Zudem wäre ich für deutlich schärfere Formulierungen gegen den unerträglichen Missbrauch unseres Rechtstaates zur massiven Verfolgung, Schädigung (bis zur finanziellen Vernichtung einzelner) und damit einhergehnder Einschüchterung der Bevölkerung durch die Abmahner. Da müsste etwas mehr kommen als zahme Hinweise, man müsse ein im Prinzip richtiges System etwas sanfter umsetzen. Das aktuelle Urheberrecht und seine Umsetzungspraxis sind ein unhaltbarer Zustand, der auch klar so benannt werden muss. Wieso zahle ich GEMA-Gebühren auf DVD-Brenner und Rohlinge, wenn ich faktisch keinen einzigen kommerziellen Film kopieren darf: diese Praxis müsste illegal sein, nicht das private Kopieren für Freunde und Bekannte!
Ein Beleg für die völlig verzerrte Stellung, die die Interessen der Verwertungsindustrie (im Antrag steht immer nur was von Künstlern...) mittlerweile einnehmen, ist §14Abs.2 des Telemediengesetzes (TMG):

"... darf der Diensteanbieter im Einzelfall Auskunft über Bestandsdaten erteilen, soweit dies für Zwecke der Strafverfolgung, zur Gefahrenabwehr durch die Polizeibehörden der Länder, zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, des Bundesnachrichtendienstes oder des Militärischen Abschirmdienstes oder des Bundeskriminalamtes im Rahmen seiner Aufgabe zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus oder zur Durchsetzung der Rechte am geistigen Eigentum erforderlich ist.“

Extra aufgezählt sind echte Gefährdungen und dann die Rechte am geistigen Eigentum, als ob das auf einer Stufe stände - das ist doch Irrsinn! Und dass dies Irrsinn ist, müsste auch in unserer programmatischen Äußerung auftauchen finde ich.

Also etwas mehr "klare Kante" in diesem Bereich und dann passt's.

Viele Grüße,
Arno
fango
14-10-11 17:06
In Sachen Mitbestimmung und Meinungsäußerung könnten die Grünen ja erst mal damit anfangen, ein ordentliches offenes Diskussionsforum mit Abstimmungsmöglichkeiten auf die Beine zu stelle ;-)
Sich nur auf Facebook, Twitter udn Co. zu kaprizieren, ist doch völlig unzureichend.
Max
14-10-11 16:40
Das plötzliche Engagement wird doch wohl nicht an den Piraten liegen oder? ;) Nooooooooin wer kommt denn auf die Idee?
Kommentar

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