Facebook, was weißt du über mich?

Jede Bürgerin und jeder Bürger hat ein Recht darauf zu erfahren, welche Daten von ihr oder ihm gespeichert werden. Dies gilt nicht nur für staatliche Stellen, sondern selbstverständlich auch gegenüber Unternehmen. Wir erklären dir hier, wie du von Facebook verlangen kannst, dir deine gespeicherten Daten zur Verfügung zu stellen.

In den letzten Monaten wurde viel diskutiert über das datenhungrige soziale Netzwerk Facebook. Diese Diskussion ist notwendig, denn so bereichernd und positiv Facebook für die Kommunikation ist, so bedenklich ist doch die Datensammelwut dieses Unternehmens.

Hier findest du eine Möglichkeit, Druck auf Facebook auszuüben: Mach von deinem Recht Gebrauch und fordere deine personenbezogenen Daten an! Du wirst dich wundern, was Facebook alles über dich weiß. Neben Daten zu Statutsmeldungen, Verlinkungen und Likebuttons werden auch Chatverläufe und Informationen zu deinen Freundinnen und Freunden gespeichert. Facebook zeichnet so ein erschreckend detailliertes Bild deiner Identität im Netzwerk ab.

Bis zu 1000 Seiten gesammelter Daten

Nach der europäischen Datenschutzrichtlinie hat jeder Mensch das Recht, eine Kopie der Daten zu bekommen, die ein Unternehmen über ihn oder sie speichert. Das gilt natürlich auch für deine Daten bei Facebook. Da das Unternehmen seine Europazentrale in Irland hat, besitzt du automatisch einen Vertrag mit "Facebook Ireland Ltd". Du kannst dich somit auf europäische Datenschutzbestimmungen berufen.

Auch wer nur kurz bei Facebook angemeldet war und die Seite selten nutzt, wird sich über die Menge der Daten wundern. Schnell kommen da etwa 1000 Seiten an Logindaten, Daten zu geposteten Statusmeldungen, Verlinkungen und Likebuttons zusammen, wie ein Beispiel aus Österreich jüngst zeigte. Es handelt sich dabei nicht nur um Daten, die du selbst bei Facebook hinterlegt hast, sondern auch um Daten, die andere Nutzerinnen und Nutzer über dich eingestellt haben. Hierzu zählen die synchronisierten Adressverzeichnisse oder das "taggen" (markieren) von Personen auf Bildern und Orten.

So kommst du an deine Daten: ACHTUNG! Seit 4. November gibt es das Online-Formular bei Facebook nicht mehr. Wir raten dazu, nicht das angebotene "Download Tool" zu benutzen. Wie du an alle von dir gespeicherten Daten kommst, erklären wir dir hier und verweisen auf die stets aktuelle Website Europa vs. Facebook.

Bis zum 4. November bestand noch die Chance, die Daten über ein Online-Formular anzufordern. Damit ist es jetzt vorbei. Das Formular wurde von Facebook entfernt, stattdessen werden die Nutzer auf ein "Download Tool" umgeleitet. Aber Vorsicht, sobald du das Tool nutzt, hast du kein Recht mehr auf Auskunft und wirst mit einem Minimum an Informationen abgespeist. Facebook stellt dir jetzt lediglich eine Kopie deines Profils zur Verfügung. Das sind in etwa 22 Datensätze, Facebook speichert vermutlich aber um die 100 Datensätze von jedem Nutzer. Daten die Facebook im Hintergrund speichert oder generiert, bleiben, sobald du das Download-Tool benutzt, für dich so nach wie vor nicht einsehbar. Wir raten deshalb davon ab das Tool zu benutzen.

Was Facebook genau über dich weiß, kannst du jetzt entweder per E-Mail oder Post erfragen. Willst du eine Anfrage per Mail machen, musst du, falls du bei Facebook ein Pseudonym verwendest, zunächst in deinem Profil deinen richtigen Namen und dein richtiges Geburtsdatum angeben. Benutze dafür das von der Website "Europa vs. Facebook" vorausgefüllte Formular und trage deinen Namen, E-Mail Adressen und Geburtsdatum ein. Facebook wir dir anschließend eine Standard E-Mail mit Informationen zum Datenschutz senden. In der E-Mail befindet sich außerdem ein Verweis auf den Online-Download der Daten. Hier bekommst du aber nur einen Bruchteil der Daten. Du hast trotzdem das Recht auf deine Daten, lass dich dadurch nicht verunsichern.

Willst du Auskunft über deine Daten per Post haben, stelle ebenfalls in deinem Profil Name und Geburtsdatum richtig. Anschließend nimmst du dieses Standardformular, das du dir ausdrucken, ausfüllen und dann an Facebook schicken kannst. Die Adresse findest du ebenfalls unter dem angegebenen Link.

Eigentlich ist Facebook dazu verpflichtet, innerhalb der gesetzlichen Auskunftspflicht von 40 Tagen deine Anfrage zu beantworten. Doch der Ansturm der letzten Wochen hat bewiesen, dass Facebook nicht in der Lage ist, der gesetzlichen Informationsfrist von 40 Tagen nachzukommen. Auch nach den ersten Antwortmails, die dir sagen, dass viele Informationen schon über deinen Account ersichtlich sind, solltest du hartnäckig bleiben und auf die Herausgabe aller Daten bestehen. Zur Not kannst du damit drohen, dich bei der irischen Datenschutzkommission ("Irish Data Protection Comission") zu beschweren oder diese direkt einschalten.

Nicht aussteigen, sondern von innen verändern

Mit deiner Anfrage zeigst du Facebook, dass dir Datenschutz wichtig ist. Hilf mit, diesen Aufruf zu verbreiten und bitte deine Bekannten ebenfalls eine solche Anfrage zu stellen. Spürt das Unternehmen, dass ein Großteil seiner Nutzer eine solchen laxen Umgang mit seinen Daten ablehnt und aktiv und regelmäßig nachfragt, besteht die Chance, dass sich etwas ändert. Datenkraken wie Facebook reagieren nur auf den Druck vieler.

Weitere Informationen findest du auch auf der Homepage Europe vs. Facebook.

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

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Kommentare

Jens Bothe
07-10-11 18:50
Anmelden und stillegen so habs ich gemacht ! Damit keiner mirt meinen Namen scheise Treibt !Fall erledigt !
Ihr Grünen seit doch selber so Facebook geil also was soll das gesülze ??? Unter jeder Pressemiteilung steht das !
Kopfschüttel !
Paradoxon
07-10-11 17:57
Paradox ist das - ich soll facebook erst mal mit meinen Daten füttern, gar eine Kopie meines Ausweises senden, um zu erfahren welche Daten sie über mich schon gesammelt haben?
Das ist doch dusselig - facebook wird sich über die vielen neuen vervollständigten Profile sicher sehr freuen.

Die Grünen - ja, besonders hinter den Ohren.

Statt solcher kontraproduktiven Albernheiten sollten die Parteien endlich mal handfeste Gesetzesentwürfe vorlegen um zukünftig ihre Bürger zur Abwechslung mal wieder zu schützen.
Es gab Zeiten, da musste für jeden Furz eine Erlaubnis eingeholt werden. Heute gilt das nur noch für Schütze Arsch - die fetten Privatunternehmen machen einfach mal, es beschwert sich schon keiner - und wenn doch mal - Knete für die Rechtsanwälte ist im Überfluss vorhanden.

Lachhaft - wenn es nicht so traurig wäre.
Jan Niclas
07-10-11 17:17
Viel interessanter ist es doch was die Datenkrake Google über einen weis. Das ist mit Sicherheit mehr als bei facebook.

Gibts da eigentlich auch ein Formular, das Recht, meine Daten zu wissen existiert ja nicht nur gegen facebook...
Kommentar

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