Die grüne Fairness-Pauschale

Ein neues Urheberrecht, das denen hilft, die zum Beispiel Musik machen? Und es anderen erleichtert, Musik zu tauschen und herunterzuladen? Hier ist eine Idee, die sich lohnt weiterzudenken.

Die grüne Fairness-Pauschale – Für ein Urheberrecht, das allen hilft

Als das heutige Urheberrecht in seinen Grundzügen erfunden wurde, fuhren die Menschen in Pferdekutschen umher. Was im Zeitalter des gedruckten Buches funktionierte, taugt für das Internet nicht mehr.

Digitale Werke können ohne Verluste immer wieder kopiert und weltweit geteilt werden. Das hat unsere Nutzungsgewohnheiten binnen weniger Jahre massiv verändert – und die Geschäftsmodelle von Plattenfirmen und Verwertungsgesellschaften vor riesige Probleme gestellt.

Wir brauchen darum ein Urheberrecht, das der neuen Realität Rechnung trägt. Und zugleich die Rechte von Künstlerinnen und Künstlern wahrt. Hier zeigen wir, wie es funktionieren könnte.

Unterhalb der Grafik gibt es einen barrierefreien Text über die grüne Fairness-Pauschale.

Infografik: Unser Vorschlag für ein neues Urheberrecht


Teilen und Geld verdienen im Netz.

Unsere Vision

Das Internet hat den Zugang zu Kulturgütern befreit: Sie können von allen getauscht und genutzt werden. Das hilft auch denen, die zum Beispiel Filme und Musik machen. Sie finden neue Fans und verdienen Geld im Netz.

Doch die Realität sieht anders aus: Seit 15 Jahren verdienen die Künstler mit ihren online getauschten Werken nichts. 4,3 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger* wurden schon einmal wegen illegaler Nutzung von Musik oder Filmen im Internet abgemahnt. 2011 betrug der durchschnittliche Mahnbetrag pro Download-Datei 682 Euro*.

Das heutige Urberrecht trennt zwei veraltete Kategorien: öffentlich & privat.

Aber was bedeutet eigentlich öffentlich und privat? Ist das Teilen eines YouTube-Videos mit Deinen Freunden auf Facebook öffentlich oder privat? Ist das Speichern Deiner MP3-Sammlung auf Cloud-Servern der Firma Apple öffentliche oder private Nutzung? Ist das Weitergeben einer MP3-Datei an einen Freund, der sie wiederum an einen Freund weitergibt, eine private oder eine öffentliche Handlung?

Bei der Idee der kommerziellen und nichtkommerziellen Nutzung lohnt sich das Weiterdenken. Kommerzielle Nutzung bedeutet: Wer zum Beispiel Filme oder Musik verkauft oder mit ihnen Geld verdient, muss dafür bezahlen. Nichtkommerzielle Nutzung heißt: Musik oder Filme dürfen genutzt werden, wenn damit kein Geld verdient wird.

Wir wollen,

  • dass Filme und Musik legal heruntergeladen werden können.
  • dass nichtkommerzielles Tauschen und Remixen nicht mehr verfolgt werden.
  • dass Künstler und Verwerter ihre Fans nicht mehr verklagen müssen.

Und wer bezahlt dann die Künstler? Ganz einfach: Wir alle.

Wer einen Breitbandinternetzugang hat, zahlt eine fixe Abgabe, die Dein Internetanbieter für Deinen Anschluss entrichtet. Alle Urheber erhalten Anteile aus der Summe aller Zahlungen.

Die Abgabe nennen wir: Fairness-Pauschale.

Schon heute zahlen wir viele solcher Abgaben, etwa auf DVD-Rohlinge, USB-Sticks und Smartphones. Es gibt also längst Strukturen, die wir aber reformieren und verbessern müssen, um diese Einnahmen gerecht zu verteilen.

Wie viel Geld bekommt dann zum Beispiel eine Band? Je nachdem, wie oft ihre Musik gehört wird.

Wir kann man das messen? Mit TestnutzerInnen, anonymen Download-Statistiken, Verkaufszahlen und Airplay, Marktforschung sowie individueller Bewertung der NutzerInnen.

Stimmt. Jedes einzelne Verfahren kann manipuliert werden. Um eine wirklich gerechte Verteilung der Einnahmen zu ermöglichen und auch den Datenschutz zu gewährleisten, müssen wir sie deshalb intelligent mischen.

Was bedeutet das alles?

Künstlerinnen und Künstler erhalten endlich eine angemessene Vergütung für ihre online getauschten Werke. Sie können weiterhin mit Partnern (Plattenfirmen, Verlagen) zusammenarbeiten. Aber sie müssen es nicht.

Internetnutzerinnen und Internetnutzer können beispielsweise Filme und Musik frei herunterladen, nutzen, tauschen und remixen (nichtkommerziell) – und zahlen dafür die Fairness-Pauschale.

Itunes, Amazon & Co verkaufen zum Beispiel besonders schnelle Zugänge oder andere Zusatzdienste.

Gema & Co sorgen als Verwertungsgesellschaften dafür, dass Künstlerinnen und Künstler für ihre Leistungen bezahlt werden. Sie gehören reformiert und demokratisiert. Die Verteilung der Einnahmen muss gerechter und transparenter erfolgen.

Und die Abmahnerinnen und Abmahner brauchen ein neues Geschäftsmodell.

Wie siehst Du die Idee einer Fairness-Pauschale? Wie viel Geld pro Monat wärst Du bereit, dafür zu zahlen? Diskutiere mit uns auf gruene.de, in den Blogs und auf Facebook und Twitter.

*http://verein-gegen-den-abmahnwahn.de/zentrale/download/statistiken/2011/jahresbilanz_2011.html
http://www.vzbv.de/cps/rde/xbcr/vzbv/Abmahnungen_Fakten-2012-06-21.pdf

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Kommentare

Achim
22-09-12 15:42
@Mike

Fürchtest du etwa, dass dein Lebenswerk als Musiker durch eine "Kulturflatrate" oder "Fairnessabgabe" seinen Wert verliert?

Ich frage mich immer noch, wo deine Wut herkommt. Irgendwas muss die ja in dir auslösen. Du scheinst jedenfalls sehr viel von dir zu halten, und du scheinst viel drauf zu geben, dass du es 30 Jahre lang als Musiker geschafft hast.

Und jetzt kommen die daher, und behaupten einfach, dass es nicht dein Verdienst war, und wollen auch noch so ne Abgabe einführen, damit jeder in deinen Augen taugenichtige Musiker der es einfach nicht ins Business geschafft hat auch noch was bekommt, obwohl es ihm deiner Meinung nach gar nicht zusteht.

Aber so einfach ist das eben nicht. Die Welt ist nicht so schwarzweiß, es gibt sehr viele unterschiedliche Gründe warum auch gute Musiker nicht von ihrer Musik leben können. Manche finden einfach nicht die richtige Band, manche finden kein Label, weil sie zurückhaltende Persönlichkeiten sind und nicht zu den Leuten der Labels durchkommen, die eh immer überlaufen und teilgenervt sind. Viele Bands waren zu Zeitpunkt ihrer Entdeckung weder musikalisch gereift, noch konnte man sicher von ihnen sagen, dass sie Erfolg haben würden. Aber irgendjemand hat ihnen die Chance gegeben. Da spielt meines Erachtens auch der Zufall eine gewisse Rolle, oder Glück, aus Sicht der Musiker.

Wenn du seit 30 Jahren Musik machst und dir eine Fanbase aufbauen konntest ist das auch wieder was anderes. Vor 30 Jahren sah alles noch anders aus. Heute würdest du vielleicht in der Masse der nicht originellen Bands untergehen, die alle versuchen, den gleichen Teil des immer kleiner werdenden Kuchens abzubekommen. Du würdest selbst wenn du etwas Originelles machen würdest heute weniger wahrgenommen, weil die Masse der Durchschnittsbands dich plattmacht, und weil die Magazine heutzutage einfach das schreiben, was die Labels wünschen. Klar, wenn man voneinander abhängig ist...

Aber es geht nicht darum, einen Status zu schmälern - auch mit einer Abgabe wird es Leute geben, die mehr oder weniger durch Musik verdienen. Und es wird immer noch so sein, dass die Anzahl der Hörer bestimmt, wieviel wer verdient.

Eines unserer Youtube Videos hat ca. 13.000 Aufrufe. Das ist relativ wenig, aber trotzdem muss ich sagen, dass diverse Menschen es angeschaut haben, und ich habe die Arbeit damit gehabt und das Geld dafür gezahlt.

Und DAS ist dann gerecht? Nein.

Gerecht ist, wenn ich sage: Ich stelle das Video für das ich gearbeitet habe und bezahlt habe allen Menschen pauschal zur Verfügung, und dafür zahlen alle Menschen auch pauschal.

Ihr sagt, dass durch eine Pauschale die Kunst entwertet würde - ich sage, dass die Kunst entwertet wird indem man GAR NICHTS dafür bezahlt, so wie bei unserem Youtube Video.

So schaut man es an und denkt sich nix dabei, ist ja nur ein Youtube Video von tausenden, und man bekommt es ja umsonst. Gaaaaanz toll, so wird das ganz bestimmt super aufgewertet.
Achim
20-09-12 13:28
@S242

Zitat: "Wenn du kein Mainstream hören willst, so musst du das auch nicht. Man muss dann nur etwas tiefer graben...."

Genau das ist der Fehler in meinen Augen.

Früher war Vielfalt etwas Gutes, was es überall gab. Heute muss man sehr tief graben, um Vielfalt zu finden, und die meisten Menschen tun dies nicht. In vielen Gesprächen mit Musikkonsumenten höre ich einen gewissen Verdruss heraus, weil sie keine Lust haben, ewig nach ihrer Musik zu suchen, und sie haben keinen Bock auf das Überangebot im Netz, bei dem sie irgendwann genervt aufgeben.

Ich will nicht zu altmodisch rüberkommen hier, aber ein Überangebot schafft nunmal eine gewisse Beliebigkeit, und das schätzen viele Hörer einfach gar nicht - das war früher schon ganz anders.

Ich verstehe eine Plattenfirma insofern als einen Mehrwert, als sie den Hörern die Suche nach "guter" Musik erleichtert, das ist (war) quasi der Service der Labels an die Hörer - und die Hörer haben auch nie mitgekriegt, wieviel Musik es WIRKLICH gibt.

"Gute" Musik, das ist die, die kein bloßes Demo ist, sondern die wie ein ausgereiftes Ding klingt - das hört ein anspruchsvoller Hörer.

So, und der Knackpunkt ist nun der, dass man früher seinen Platten- oder CD Laden hatte, da gabs Mainstream und auch anderes Zeug, aber alles (meistens) in einer guten Qualität.

Heute werden aber viel mehr Sachen auf CD gepresst, die ich als Demo bezeichne, und das senkt natürlich die Erwartung der Hörer an die CD. Es fehlt ein Gütesiegel, wenn man sich nicht mal darauf verlassen kann, dass eine CD einen gewissen Standard hat, weil die kleinen Labels nicht einen Cent für die Produktion bezahlen, und glauben, wenn man nur den "Markt" mit Massenhaft CDs flutet würden die sich schon verkaufen. (Das ist eine Originalaussage eines Labelchefs, also verifiziert.)

Das war vor ein paar Jahren noch undenkbar, da war klar, dass eine Produktion die was taugt auch ihren Preis hat - genau wie ein teureres Auto sich eben besser fährt und ausgereifter ist.

Und nun gibt es viele Musikläden einfach nicht mehr, und im Netz herrscht Chaos. Die anspruchsvollen Musikhörer finden ihre Musik entweder zufällig, oder über Empfehlungen, oder eben gar nicht.

Eine Qualitätsinstanz die die Spreu vom Weizen trennt, so wie es früher die Labels gemacht haben gibt es im Netz im Prinzip nicht. Seiten wie ReverbNation präsentieren z.B. ohne jegliche Qualitätskontrolle sowohl sehr aufwändig gemachte Musik, als auch schlechte Demos. Genau wie bei YouTube oder wo auch immer.

Musik ist letztenendes auch ein "Produkt", das heute viel zu lieblos präsentiert wird, so als ob es völlig egal wäre, wie es gemacht wurde.

Und wer auch immer es so präsentiert tut der Musik damit keinen Gefallen. Wenn ich z.B. einen Blumenladen habe sage ich ja auch nicht zu allen Leuten: "Hey, bringt mir einfach irgendwelche Blumen, ich verkaufe sie für euch!" Was würde dann passieren? Jeder würde irgendwelche Blumen bringen, und genau so würde der Laden aussehen.

Genau so sieht es im Netz aus im Bezug auf Musik. Dass es alles zu hören gibt ist nicht falsch - aber bevor eine Stufe weiter gehen und die Musik verkaufen würde, würde ich sie mir anhören und versuchen, nach meinem Gewissen Gutes und weniger Gutes zu trennen. Und wenn ich darin gut bin werden meine Hörer das auch gut finden. Diesen Anspruch haben die Labels heute verloren. Sie geben sich mit Mainstream-1000malgehört-08/15 Kram zufrieden, der schön billig ist, weil er musikalisch immer gleich funktioniert.
Achim
20-09-12 11:52
@Mike

Du kannst wohl nicht anders, als jemanden persönlich anzugreifen.

Ich habe sehr Vieles geschrieben, was in meinen Augen falsch läuft im Musikbusiness, und lediglich das auf eine andere Art wiedergegeben, was du tatsächlich gemeint hast. Ich gebe zu, dass das durchaus provokant formuliert war, aber manchmal hilft nur, etwas klar auszudrücken, ohne Verpackung drumrum. ;-)

Eine Frage: Habe ICH etwa mit dem arroganten "...vorher kannst du nicht mitreden und ich nehm dich auch nicht ernst, und wie kann man nur so denken wie du" Gerede angefangen? Was erwartest du, wenn du so etwas schreibst? Sorry, aber dass da irgendeine Form von Widerspruch kommt ist ja klar - schon deshalb, weil du viel zu wenig über mich wusstest und weißt, um dir irgendein Urteil zu erlauben.

Offensichtlich hast du nur eine bestimmte Wut, wenn irgendjemand es wagt, deine Meinung in Frage zu stellen, und vielleicht auch überraschende Argumente vorzubringen - genau das ist aber der Sinn dieses Blogs, mal die Sicht von anderen kenenzulernen und NICHT etwa, sie als nicht ernstzunehmend abzutun, nur weil es nicht das ist, was dir reinpasst.

Schreib doch mal, wie du dein Geld als Musiker verdienst, was du machst, dann könnten wir etwaige Unterschiede sehen, was zur Klärung der Situation beiträgt.

Ich habe meine Situation geschildert, und meine Erfahrungen sind eben auch nicht frei erfunden - aber natürlich gibt es auch andere Erfahrungen. Genau das ist das, was hier rein gehört.

Also? Beleidigte Leberwurst? ;-)
Mike
18-09-12 16:14
@Achim: Viel Spaß noch und vielen Dank für die gute Unterhaltung! Ich werde hier jetzt nichts mehr posten. Da ist einfach mal ganz klassisch Hopfen und Malz verloren und am wenigsten werde ich mir hier auch noch von Dir Zügel anlegen lassen und irgendwelche in meinen Mund gelegte Scheisse kommentieren, die ich nie gesagt habe. Achim, geh in die Politik. Du passt dazu. Ich habe hier keine Zeit für derartigen Blödsinn und arbeite lieber weiter im Studio an neuen Veröffentlichungen, an meinen Bookings oder bereite mich auf den nächsten gig vor..wie in den letzten 30 Jahren auch schon: Jeden Tag. Denn das ist es, was ich tu. Und wenn es sicherlich eine individuelle Definition ist, nach meiner waren die sehr erfolgreich. Aber ich werde mir gern noch ab- und zu mal dein wirres und inhaltloses Geposte hier gönnen!! :-))) einfach traumhaft! :-))
Dir ein schönes Leben und bloß weiterhin keinen Erfolg, denn dann könte man dir ja ganz schnell nachsagen, du hättest das nurt der Kohle wegen gemacht.
:-)))
Achim
17-09-12 18:00
@S242

Ich bin seit Jahren freier Musikproduzent und Musiker, und habe schon für etliche Independent Labels gearbeitet und war als Musiker bei welchen unter Vertrag - glaub mir, ich kenne die heutige Musikszene.

Mittlerweile ist die Macht der großen Labels so stark angewachsen, dass die kleinen kaum mehr eine Chance haben. Alle Independent Labels die ich kenne haben Leute entlassen und machen heute weniger als früher, viele Leben von ihrer Substanz. Früher ging in den Medien noch was durch eine außergewöhnliche Produktion, heute werden die Radiosender dafür bezahlt, die Musik der großen Labels zu spielen, was anderes wird nicht gesendet.

Dass die Musiker sich nicht selbst vermarkten wollen ist Quatsch - sie wollen es eben nur nicht so, wie die Labels es wollen.

Dass und wie die Gema eine konsequente Selbstvermarktung verhindert habe ich in einem der vorigen Postings erläutert.

Die meiste Musik die ich produziere wird gar nicht mehr veröffentlicht, weil die Bands schlichtweg keinen Bock mehr haben, Knebelverträge zu unterschreiben, oder nicht bereit sind, für 0 Euro (!!!) die Rechte ihrer Musik an ein Label abzutreten. Mehr können die Labels nämlich den Bands nicht bieten.

Die allermeisten Bands die man so auf den Bühnen spielen sieht sind nicht in der Lage, trotz einigermaßen erfolgreichem Auftreten von ihrer Musik zu leben. Und viele Bands sind nicht einmal mehr in der Lage aufzutreten, weil es immer weniger Clubs gibt, die sich die Gema Gebühren leisten wollen und unbekannte Bands auftreten lassen. "Pay to play" ist die Regel.

Ich weiß das, weil ich sowohl als Veranstalter wie auch als Musiker, wie auch als Livesoundmischer tätig bin, und die Szene sehr gut kenne.

Die meisten Fans fallen aus allen Wolken wenn sie hören, dass diese oder jene Band mit 500plus Zuschauern gar keine Profis sind, sie können sich einfach nicht vorstellen, dass man trotz dieses Erfolges nicht genug verdienen kann damit.

Das ganze Musikbusiness ist verkommen, heute ist wirklich nur noch entscheidend wer wieviel Kohle hinblättert.

Die Musik die ich heute produziere gibt es gar nicht mehr, da sie andere Vorzüge hat als nur "laut" oder "cool" zu sein, und keiner vorgestanzten Schablone entspricht. Man muss sich ein wenig mit ihr beschäftigen, weil sie eigensinniger ist und sich nicht mit dem ersten Ton an jedes Ohr anbiedert - sie verlangt oftmals Aufmerksamkeit, gibt dafür aber Seelentiefe zurück. Aber wer braucht heute schon noch Seele, ist ja viel zu aufwändig.
S242
17-09-12 15:43
@Achim:

Ich glaube du solltest mal dein Bild von der Musiklandschaft korrigieren. In Deutschland gibt es 4 Majorlabels, und 900 Independentlabels. Also 4 "Gro0ße" und 900 kleine. die 900 kleinen machen Oft Musik, die weitab vom Radiomainstream stattfindet. Da blüht eine sehr große homogene Musiklandschaft.

Dass du diese nicht einmal wahrgenommen hast, zeigt, dass du nicht wirklich weisst, wovon du sprichst. Wenn du kein Mainstream hören willst, so musst du das auch nicht. Man muss dann nur etwas tiefer graben.... Ich mache das seit Jahren und komme so an Musik, die sehr hochewertig und spannend ist. Ist aber zugegegbenermassen nicht ganz einfach.

Musiker aus "den Klauen" der Musikindustrie zu führen heisst nur, dass alles, was die vorher gemacht haben, Promotion, Marketing, Finanzierung, Qualitättskontrolle, etc. jetzt selbst zu machen.

Das wollen viele Musiker nicht. Das sollte man akzeptieren.

Und ja, die Musikflatrates entwerten Musik (zumindest so wie sie jetzt funktionieren). Aber das ist auch das ergebnis von zehn Jahren grassierender Musikpiraterie. Die wollen die Grünen ja mit so idiotischen Konzepten wie dieser "Fairness-Pauschale" jetzt auch noch legalisieren.

Das ist definitiv der falsche Weg.

S242
Achim
17-09-12 14:27
@Mike

Zitat:

" Vorher bist du kein Musiker und qualifiziert wirklich mitzureden, sondern einfach nur laut."

Aha. Die "Qualifizierung als Musiker" leitet sich also nicht ab durch ein künstlerisches Schaffen, sondern alleine durch die Geldmenge die man dadurch generiert.

Sorry, aber das ist symptomatisch für diese armselige Gesellschaft, dass sie nie darüber nachdenken will, wie willkürlich die Höhe eines bestimmten Einkommens generiert wird. Nein, es ist immer die Schuld des Einzelnen, wenn er nicht genug verdient um davon leben zu können.

An alle, die diese romantische Vorstellung haben, dass jeder es schaffen kann, wenn er nur gut und fleißig ist: Leute wie Mike outen sich als die Menschen, die sagen: "Was du kannst ist mir völlig egal, für mich zählt nur das was du verdienst und wie du auf mich wirkst."

Und Leute wie Mike merken nicht einmal, wie dreist sie ihre Leistungsverachtende Einstellung zur Schau stellen. Für ihn zählt nicht die Leistung, sondern nur wie konsequent man sich selbst verkauft.

Mike, ich kenne sehr viele Leute, die können nur eines: Sich als Superhelden verkaufen und die eigene "Leistung" aufblasen. Damit kommen sie weiter als viele, die gewissenhaft und gut ihre Arbeit machen und darum kein Riesentheater veranstalten.

Für mich ist das "Sich - Verkaufen" aber keine sinnvolle Leistung, denn sie dient nur dem Einzelnen und verhindert, dass wirklich kompetente Leute deren Job machen.
Achim
17-09-12 13:41
@Mike:

"So wie ich" denken viele Leute. Und nur, weil du eine Allergie auf das Wort "staatlich" zu haben scheinst, ist noch lange nicht alles was vom "Staat" kommt scheiße.

"Der Staat", das sind Menschen, und "die Musikindustrie", das sind andere Menschen. "Die Gema", das sind wieder andere Menschen.

Es gibt weder einen "Staat", noch eine "Industrie", noch eine "Gema" - das sind immer nur Bezeichnungen für Menschen, die zusammen in irgendeiner Weise funktionieren, aber diese Art und Weise muss nicht feststehen, sie ist eben abhängig von den jeweiligen Charakteren und Persönlichkeiten, denen man gewisse Eigenschaften unterstellt.

Also, es geht nicht um Bezeichnungen, sondern um das was passiert. Es ist mir ehrlich gesagt mehr als wurschtegal, wie die Organisation heißt, entscheidend ist immer nur was sie tut.

Und bisher haben die Menschen von der "Industrie" und der "Gema" großenteils nicht das getan, was ich gut finde. Beim den Menschen vom "Staat" ist das nicht immer der Fall gewesen, aber ich erwarte auch von keinem Menschen in irgendeiner Organisation irgendeine Perfektion. Alle sind egoistisch und machen Fehler.

Wer krampfhaft an einem Konzept festhält ist nicht frei, sondern er ist gefangen in einem zwanghaften Bild.

Die Freiheit, auch mal eine staatliche Abgabe für überlegenswert zu halten lasse ich mir jedenfalls nicht nehmen. In Wahrheit willst du, Mike, nämlich gar nicht differenziert nachdenken, weil es dir zu anstrengend ist.

Lieber alles über einen Kamm scheren, das macht auch viel mehr Spaß, da kann man besser druffhauen und seine Wut reinprojezieren.

Ich denke, dass für verschiedene Menschen eben verschiedene Konzepte gelten müssen, das beste Konzept immer das ist, was zu den Menschen passt, egal welches es ist.

Manchmal ist das ein freier Markt, manchmal eine staatliche Abgabe. Darüber gar keine Diskussion zuzulassen nennt man DIKTATUR, und mir fällt gerade kein Mensch ein zu dem DIESES Konzept passen könnte.
Achim
17-09-12 13:05
@Mike:

Mike, ich lebe von Musik. Und ich habe außer irgendwelchem vagen Aussagen in deinen Beiträgen nichts finden können, was mich in irgendeiner Art und Weise konkret widerlegt hätte. Ich bin weder laut, noch habe ich keine Ahnung. Ich mache seit zwanzig Jahren Musik und lebe davon - zumindest zum größten Teil. Was ich anprangere ist ja genau, dass man als Musiker der sich keinem Mainstream unterwirft nur schwer ein Auskommen findet, weil man einfach am kürzeren Hebel sitzt, sowohl gegenüber Labels als auch gegenüber der Gema, die einen Bruchteil dessen an die kleinen Künstler ausschüttet, was sie durch die Konzerte einnimmt, und dann nur nachdem man jedes Konzert schriftlich reklamiert. Mir dann zu sagen, ich solle erst einmal davon leben ist ja schon ganz schön zynisch und dreist.

Ist es für dich eigentlich ein Gedanke, dass ein Künstler sich erst einmal um seine Kunst kümmern sollte, und nicht das Verkaufen der Kunst in seinem Lebensmittelpunkt stehen sollte? (Eigentlich sollte das in jedem Beruf der Fall sein.)

Ich glaube, dein Bild von Musikern ist fernab jeglicher Realität. Es gibt nicht nur die, die auf irgendwelchen Hochzeiten spielen oder die am laufenden Band Superhits schreiben, es gibt eben zum Glück auch die, die ich als Künstler bezeichne, die ihre Musik ernst nehmen und versuchen, eigene Wege zu gehen.

Dafür ist aber die gesamte Musikverkaufs - Infrastruktur viel zu aufwändig und kostspielig, weil sie auf die Masse ausgelegt ist (ca. 15.000 plus), wohingegen viele kleinere Musiker eben nur ein paar wenige Tausend Einheiten verkaufen. Das Internet würde uns eine Möglichkeit geben, dass Künstler selbständig ein Einkommen generieren könnten, wenn sie die teure Infrastruktur der Musikindustrie nicht mitbezahlen würden.

Ich muss dafür keine "Kulturflatrate" einführen. Wenn man dieses Konzept komplett ablehnt, muss man aber auch die Gema komplett davon abhalten, für die Nutzung von Musik irgendeine Pauschale zu verlangen, so wie das heute bei jedem Kneipenkonzert der Fall ist.

Meine Lösung ist die, dass man seitens der Gema Freibeträge einführt, denn wenn es bei der Steuer im unteren Einkommen einen Freibetrag gibt verstehe ich nicht, warum ich als Künstler von der allerersten CD weg immer Gema zahlen soll, obwohl ich da noch lange nicht im Plus bin.

Schon alleine diese Maßnahme würde für eine wesentliche Entbürokratisierung der Musikszene sorgen.

Ein zweiter Teil der Lösung wäre, dass die Gema endlich einmal anerkennt, dass ein kleiner Künstler seine Musik selbst über das Internet verkauft - die konsequente Trennung zwischen Urheber und Verkäufer ist völlig an der Realität vorbei.

Wenn nur diese zwei Punkte umgesetzt würden, wäre ich als Künstler sehr viel freier und ich könnte einfach mich selbst über das Internet vermarkten ohne dass ich Probleme mit der Gema zu befürchten hätte. Momentan werde ich gezwungen, die Infrastruktur der Musikindustrie zu nutzen, weil die Gema es schlicht nicht zulässt, dass ich einfach selber völlig frei und unabhängig meine Musik verkaufe. Meines Wissens ist es bei z.B. Architekten nicht so, dass sie erst einmal eine Gebühr für ihre eigenen Entwürfe zahlen müssen, die sie dann mit 70% Abschlag wieder ausgezahlt bekommen. Und ein Architekt wird auch nicht an der Ausübung seines Berufes gehindert, indem man ihm unterstellt, dass nicht er selbst seinen Entwurf verkauft, sondern immer ein anderer in seinem Auftrag. Für die Gema hingegen ist der Verkäufer immer der, der im Auftrag des Musikers handelt, selbst wenn ich nachweislich Urheber und Verkäufer zugleich bin. Das ist eine wirklich freie Welt, ganz toll.

Eine Kulturflatrate oder Fairnesspauschale wäre gar nicht nötig, wenn die Gema nicht als Musikverhinderer sondern als Musikförderer auftreten würde.
Mike
15-09-12 10:34
@ Achim: Sorry, hatte noch was vergessen: Die Musikflatrates der Musikindustrie, wie du hier eben gebrüllt hast, sind Angebote von PRIVATEN UNTERNEHMEN und KONZERNEN, nicht STAATLICHE oder GESETZLICHE VORGABEN, die VON DER POLITIK ins Leben gerufen wurden!! Wie scheisse Musikflatrates sind, brauchen wir nicht zu debattieren, und garantiert spiegeln sie nicht das Künstlerinteresse wieder sondern eiskalte und abgewichste Profitrechnung von ausschließlich gewinnorientierten Unternehmen.

Mann Alter, dass man so wie Du überhaupt denken kann und dann auch noch sich selbst als Musiker bezeichnet...ich kann's kaum fassen.
Kommentar

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