Die grüne Fairness-Pauschale

Ein neues Urheberrecht, das denen hilft, die zum Beispiel Musik machen? Und es anderen erleichtert, Musik zu tauschen und herunterzuladen? Hier ist eine Idee, die sich lohnt weiterzudenken.

Die grüne Fairness-Pauschale – Für ein Urheberrecht, das allen hilft

Als das heutige Urheberrecht in seinen Grundzügen erfunden wurde, fuhren die Menschen in Pferdekutschen umher. Was im Zeitalter des gedruckten Buches funktionierte, taugt für das Internet nicht mehr.

Digitale Werke können ohne Verluste immer wieder kopiert und weltweit geteilt werden. Das hat unsere Nutzungsgewohnheiten binnen weniger Jahre massiv verändert – und die Geschäftsmodelle von Plattenfirmen und Verwertungsgesellschaften vor riesige Probleme gestellt.

Wir brauchen darum ein Urheberrecht, das der neuen Realität Rechnung trägt. Und zugleich die Rechte von Künstlerinnen und Künstlern wahrt. Hier zeigen wir, wie es funktionieren könnte.

Unterhalb der Grafik gibt es einen barrierefreien Text über die grüne Fairness-Pauschale.

Infografik: Unser Vorschlag für ein neues Urheberrecht


Teilen und Geld verdienen im Netz.

Unsere Vision

Das Internet hat den Zugang zu Kulturgütern befreit: Sie können von allen getauscht und genutzt werden. Das hilft auch denen, die zum Beispiel Filme und Musik machen. Sie finden neue Fans und verdienen Geld im Netz.

Doch die Realität sieht anders aus: Seit 15 Jahren verdienen die Künstler mit ihren online getauschten Werken nichts. 4,3 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger* wurden schon einmal wegen illegaler Nutzung von Musik oder Filmen im Internet abgemahnt. 2011 betrug der durchschnittliche Mahnbetrag pro Download-Datei 682 Euro*.

Das heutige Urberrecht trennt zwei veraltete Kategorien: öffentlich & privat.

Aber was bedeutet eigentlich öffentlich und privat? Ist das Teilen eines YouTube-Videos mit Deinen Freunden auf Facebook öffentlich oder privat? Ist das Speichern Deiner MP3-Sammlung auf Cloud-Servern der Firma Apple öffentliche oder private Nutzung? Ist das Weitergeben einer MP3-Datei an einen Freund, der sie wiederum an einen Freund weitergibt, eine private oder eine öffentliche Handlung?

Bei der Idee der kommerziellen und nichtkommerziellen Nutzung lohnt sich das Weiterdenken. Kommerzielle Nutzung bedeutet: Wer zum Beispiel Filme oder Musik verkauft oder mit ihnen Geld verdient, muss dafür bezahlen. Nichtkommerzielle Nutzung heißt: Musik oder Filme dürfen genutzt werden, wenn damit kein Geld verdient wird.

Wir wollen,

  • dass Filme und Musik legal heruntergeladen werden können.
  • dass nichtkommerzielles Tauschen und Remixen nicht mehr verfolgt werden.
  • dass Künstler und Verwerter ihre Fans nicht mehr verklagen müssen.

Und wer bezahlt dann die Künstler? Ganz einfach: Wir alle.

Wer einen Breitbandinternetzugang hat, zahlt eine fixe Abgabe, die Dein Internetanbieter für Deinen Anschluss entrichtet. Alle Urheber erhalten Anteile aus der Summe aller Zahlungen.

Die Abgabe nennen wir: Fairness-Pauschale.

Schon heute zahlen wir viele solcher Abgaben, etwa auf DVD-Rohlinge, USB-Sticks und Smartphones. Es gibt also längst Strukturen, die wir aber reformieren und verbessern müssen, um diese Einnahmen gerecht zu verteilen.

Wie viel Geld bekommt dann zum Beispiel eine Band? Je nachdem, wie oft ihre Musik gehört wird.

Wir kann man das messen? Mit TestnutzerInnen, anonymen Download-Statistiken, Verkaufszahlen und Airplay, Marktforschung sowie individueller Bewertung der NutzerInnen.

Stimmt. Jedes einzelne Verfahren kann manipuliert werden. Um eine wirklich gerechte Verteilung der Einnahmen zu ermöglichen und auch den Datenschutz zu gewährleisten, müssen wir sie deshalb intelligent mischen.

Was bedeutet das alles?

Künstlerinnen und Künstler erhalten endlich eine angemessene Vergütung für ihre online getauschten Werke. Sie können weiterhin mit Partnern (Plattenfirmen, Verlagen) zusammenarbeiten. Aber sie müssen es nicht.

Internetnutzerinnen und Internetnutzer können beispielsweise Filme und Musik frei herunterladen, nutzen, tauschen und remixen (nichtkommerziell) – und zahlen dafür die Fairness-Pauschale.

Itunes, Amazon & Co verkaufen zum Beispiel besonders schnelle Zugänge oder andere Zusatzdienste.

Gema & Co sorgen als Verwertungsgesellschaften dafür, dass Künstlerinnen und Künstler für ihre Leistungen bezahlt werden. Sie gehören reformiert und demokratisiert. Die Verteilung der Einnahmen muss gerechter und transparenter erfolgen.

Und die Abmahnerinnen und Abmahner brauchen ein neues Geschäftsmodell.

Wie siehst Du die Idee einer Fairness-Pauschale? Wie viel Geld pro Monat wärst Du bereit, dafür zu zahlen? Diskutiere mit uns auf gruene.de, in den Blogs und auf Facebook und Twitter.

*http://verein-gegen-den-abmahnwahn.de/zentrale/download/statistiken/2011/jahresbilanz_2011.html
http://www.vzbv.de/cps/rde/xbcr/vzbv/Abmahnungen_Fakten-2012-06-21.pdf

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

Kommentare

AngelSlayer
12-11-12 15:24
GEMA und GEZ MÜSSEN einfach reformiert werden, nicht das die nebenher zu der Fairnesspauschale dazulaufen als Mehrkosten, sondern das sie ausführende Organe der Fairnesspauschale sind.
Denn das sollte die eigentliche Aufgabe insbesondere der GEMA sein, faire Verteilung an die Künstler, damit diese ihre Arbeit vergütet bekommen und nicht als Gelddruckmaschine und ausführendes Organ für große Konzerne ala Sony. Platten, wo man selbst entscheiden was man drauf hant, das bleibt an den Künstlern wohl auch hängen, wie ich in einer Dokumentation erfahren durfte. Bei selbst gemischten Cds kann wohl der eine künstler mit dem anderen wohl nicht. Das bei einer Mp3 ber genau das schon passiert will wohl weder in den Kopf der Plattenfirma noch in das Birnchen eben jener Künstler.

Hier ist mehr Offenheitgefragt (auch ich schätze eine gut gemachte CD, DvD/Bluerray in meinem Schrank als Blickfang)
Uwe
10-11-12 13:32
..ein diskussionswürdiger Gedanke... Die Vorteile sind klar und deutlich erkennbar. Ähnliche Pauschalen zahlen wir seid Jahren mit jedem DVD-Player oder Brenner den wir kaufen. Die Schwächen liegen in der unklaren Verteilung der Einnahmen. das müsste präzisiert werden.
@Achim: Fütter die Trolle nicht! ;-)
grünes Blatt
06-11-12 23:04
Hallo,

ich finde die Idee der Kulturflat nicht sinnvoll. Zum einen haben die Einnahmen aus Filmen, Kino, Musik-DVDs durch das Internet nicht abgenommen. Die Branche steht nach wie vor gut da (darüber wären Zahlen im Zeitverlauf interessant).

Zudem gibt es bereits eine Reihe von legalen Flatrates für Filme & Musik, bsp. lovefilm.de bietet eine große Filmauswahl für wenig Geld, für Musik wurden hier ja auch schon einige Portale genannt. Ebenso gibt es die Mediatheken der öffentlich rechtlichen Fernseh- und Radioanstalten.

Eine zusätzliche Abgabe halte ich nicht für sinnvoll. Möglich wäre es eher, dass die öffentlich-rechtlichen mit ihren Geldern zusätzliche Lizenzen für Musik und Filme kaufen und in den Mediatheken online zur Verfügung stellen. Dann kämen die GEZ-Gebühren auch bei den jungen Leuten besser an und man bräuchte nicht eine zusätzliche Abgabe.
Dirk
18-10-12 12:56
Grüner Schwachsinngedanke,
wird nicht ständig von Bürokratieabbau gesprochen. Toll, genau das Gegenteil wird erreicht. Die GEMA verwaltet super, den Mehrerlös bekommt dann sicher nicht der Künstler, sondern die GEMA. Führt man einmal eine Pauschale ein, dann geht`s letztlich so wie der GEZ. Jedes Jahre steigt die Pauschale und nicht der Konsument, sondern jeder (auch wenn er das Angabot nicht nutzt) ist der Dumme weil er zahlt.
Wenn ich die Nutzungsrechte des Künstlers zeitlich begrenze, dann wäre es ja letztlich auch legitim, wenn ich dem Abgeordneten auch nur für eine begrenzte Zeit Pension zahle.

Wenn ich eine Leistung (ganz egal welche) nutze, dann muss man einfach dafür bezahlen. Man sollte lieber Geld für Bildung ausgeben, damit auch der Dümmste versteht, dass nichts umsonst sein kann.
Tina
16-10-12 08:37
Hallo zusammen,

klar, stimmt es, dass einige die Pauschale ausreizen und andere sie vielleicht gar nicht nutzen. Wenn die Fairness-Pauschale sich allerdings in einem Bereich bis maximal 5 Euro im Monat bewegt, findet man dafür sicher bei vielen Verständnis. Zumal es ja nicht nur darum geht, die Möglichkeit zu haben, sich einen Song oder Film herunterzuladen, sondern auch darum, dass wir alle damit die Künstler in unserem Land fördern.

Diese ganze Diskussion ist aber hinfällig, wenn die Fairness-Pauschale eine Höhe erlangt wie die der GEZ. Das sind derzeit um die 54 Euro im Quartal - also um die 18 Euro im Monat. Das ist vielen - mit Recht - viel zu viel Geld.

Also, bevor keine Zahlen auf dem Tisch liegen, wird es mit dem Verständnis bei den Bürgerinnen und Bürgern auch nicht weit sein.

Deshalb: Rechenbeispiele her!
Altmodischer CD-Käufer
12-10-12 22:28
Ich halte von Online Plattformen, wo man die aktuellen Charts, Filme, PC Software und sowas gekrckt bekommt nichts.

Einige Firmen bieten legal siese Dinge an, zum herunterladen, ich bin aber der Meinung, das es sicherrer ist, diese Dinge auf CD oder DVD zu kaufen, denn da kann kein Virus etwas kaputt machen. oder die Daten gehen nicht verloren, wenn der PC abstürzt.
Was ich aber für Sinnvoll halte, ist, dass man die geauften CDs auf auf dem MP3-Player laden kann, damit man unterwegs auch Musik hören kann, von er Lieblingsband natürlich :-)

Einige Künstler veröffentlichen bei Youtube kostenlos die Musikstücke, von daher, bringt auch so eine Pauschalversteuerung so wie ich es nennen möchte nichts.

die GEMA hat vor kurzem die Preise für USB-Sticks und Co. erhöht.

Vielleicht kann auch ein WEg dahin führen, dass Künstler online ihre Songsselbst anbieten, und der Kunde/Fan sich dann die Songs seiner Wahl selbst auf eine CD pressen lassen kann.
Das wäre echt super, wenn das wirklich funktionieren könnte.
Fairness-Pauschale?
11-10-12 15:07
An für sich eine gute Idee. Ich verstehe nur nicht, warum man alles immer komplizierter machen muss. Mit einem Grundeinkommen könnte man unser Bürokratisches System grundsätzlich entwirren. Die digitale Vervielfältigung sollte freigegeben werden. Kopieren ist kein Diebstahl. Sonst würde ich mich täglich selbst beklauen und betrügen ;-)
lars willen
10-10-12 06:16
DIE SPD SAGT
5. Eine allgemeine, pauschale Kulturflatrate ist als Modell, Urhebern eine Vergütung aus der nichtkommerziellen Weitergabe und Vervielfältigung von digitalen, urheberrechtlich geschützten Werken zu gewähren, keine geeignete Lösung.
-unser koalitionspartner sagt also nein-und das zu unseren glück-würden die grünen ihren vorschlag durchbringen würde uns ein shitstorm erwarten der nur mit den zweiten weltkrieg zu vergleichen wäre.wenn eine pauschale von 5euro eingeführt würde,dann würden die telekommunikationsgiganten die 5euro behalten-so siehts aus-denn die TG wollen geld von den künstlern,die TG wollen den künstlern kein geld zahlen
Marcus
09-10-12 20:27
Das Problem bei einer Pauschale besteht darin, dass nicht gerecht abgerechnet wird.
Wenn einer sehr viel runterlädt, zahlt er genausoviel wie einer, der gar nichts runterlädt.
Bin seit einiger Zeit bei simfy und bei spotify. Bei denen zahlt man monatlich zwar auch einen Pauschalbetrag, aber wenn ein Musiktitel viel gestreamt wurde, dann bekommt der Musiker/Band auch entsprechend mehr Geld dafür. Das ist gerecht.

Herunterladen kann man bei beiden Anbietern zwar nichts, braucht man aber auch nicht, weil man ja jederzeit streamen kann. Für Filme kenne ich aber keinen solchen Anbieter.
Die so genannten Tauschbörsen sind eigentlich illegal und gehören deshalb verboten.
Vee
05-10-12 18:08
Also ich finde die Idee gar nicht schlecht, es ist doch auch bei Weitem nicht mehr so, dass sich Musiker/Bands nur durch Plattenverkäufe finanzieren.
Meistens kommt das Geld von Tourneen oder Merchandising, was beides von so einer Fairnesspauschale in keinster Weise berührt wird.
Die wahren Verlierer werden die Plattenfirmen sein, weil da kein Geld mehr in die Kassen kommt.
Ist es nicht besser für einen Künstler, wenn ihm mehr Leute zuhören, weil sie es ganz unverbindlich jeder Zeit tun können?
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