Das Netz wählt grün

Peter Sunde, Betreiber der Internetplattform The Pirate Bay, steht in Schweden vor Gericht. Der Vorwurf: Beihilfe zur massenhaften Urheberrechtverletzung. Jetzt ruft er zur Wahl der Grünen auf. Wir haben mit dem Europakandidaten Jan Philipp Albrecht darüber gesprochen

Jan Philipp Albrecht

Jan Philipp, die Betreiber von The Pirate Bay haben eine neue Wahlkampagne („Vote or die“) gestartet, in der Peter Sunde zur europaweiten Wahl der Grünen aufruft. Wie stehst Du dazu?

Ich freue mich sehr darüber. Peter Sunde steht für eine europaweite Bewegung, die sagt: Freier Austausch von Kultur und Wissen muss möglich sein. Wir Grünen haben die Ideen dafür. Wir Grünen stehen für eine fairen Ausgleich zwischen Internetnutzern und Kreativen, ohne Kriminalisierung und mit einer Vergütung. Wir stehen für eine zeitgemäße Netzpolitik.

Was heißt das?

Was in letzter Zeit in Sachen Internet politisch vor sich geht, ist ein Skandal. Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung und die unverhältnismäßige Kriminalisierung von Filesharern müssen gestoppt werden.

Machst Du Dich mit Deiner Freude nicht zum Sprachrohr von Kriminellen, sollten die Angeklagten im Revisionsurteil für schuldig befunden werden?

Noch hat das Revisionsverfahren nicht begonnen und noch wurde kein abschließendes Urteil gesprochen. Kultur muss geremixt, neu verteilt werden dürfen. Das Bereitstellen einer Plattform ist noch lange kein Verbrechen.

Ein Argument der Netzpiraten: Die Plattform sei nichts weiter als eine spezialisierte Suchmaschine. Sie befürchten: Betreiber könnten haftbar gemacht werden für das, was in ihren Suchergebnissen erscheint.

Es darf nicht sein, dass Suchmaschinenbetreiber haftbar dafür gemacht werden, was hinter den Suchergebnissen steht. Sonst wären sie dazu gezwungen, Zensur zu betreiben und müssten nach eigenem Bemessen entscheiden, was gefiltert wird und was nicht. Der Staat muss gegen die Anbieter von tatsächlich illegalen Angeboten vorgehen. Allem voran brauchen wir einen wirksamen Kampf gegen Kinderpornografie oder auch Rechtsextremismus im Netz. Allein Internetuser zu bevormunden und eine riesige Sperrinfrastruktur aufzubauen, ist jedoch völlig falsch.

Ist Filesharing und die Bereitstellung der technischen Möglichkeiten dafür keine Straftat?

Nach geltendem Recht ist der Austausch von Kopien illegal. Doch ob das politisch richtig ist, möchte ich in Frage stellen. Denn das Recht auf eine Privatkopie ist ein Grundrecht. Das aber als Verbrechen gebrandmarkt wird. Wir müssen alternative Wege beschreiten statt Totschlaginstrumente zu nutzen, wie es viele europäische Regierungen tun. Sie beseitigen Stück für Stück die Freiheit im Internet und der Kultur.

Es gibt eine tiefe Kluft zwischen Kunstschaffenden und Netzusern. Die einen fürchten um ihr Einkommen, die anderen bestehen auf die Freiheit im Netz und den offenen Zugang zu Wissen und Kultur. Sind diese zwei Interessen miteinander vereinbar?

Dafür müssen wir sorgen. Natürlich ist es wichtig, dass es einen Ausgleich gibt zwischen Künstlertum und freier Internetnutzung. Eine Lösung ist die Kulturflatrate (Jeder zahlt einen pauschalen Betrag, der den Kulturschaffenden wieder zugeführt wird. Anm.d.Red). Die Bekämpfung des Filesharing nutzt Künstlerinnen und Künstlern wenig. Bisher gewinnen in erster Linie die Rechteverwerter, die Unterhaltungsindustrie.

Das große Ganze dreht sich nicht um den Schutz der Künstler, sondern um die Macht der Konzerne?

Ganz genau. Normale Nutzerinnen und Nutzer werden kriminalisiert, um die Einnahmen der Medienindustrie zu sichern, auf Kosten der Grundrechte und einer freien Gesellschaft. Unterhaltungsindustrie und Sicherheitspolitiker errichten ein Konstrukt von Gesetzen, die den freien Wissensaustausch begraben wollen. Gerade auf europäischer Ebene gilt es, gegen solche Pläne vorzugehen. Wir wollen nicht wie in Frankreich, dass möglichen Tauschbörsennutzern der Internetzugang mindestens drei Monate lang abgeschaltet werden kann.

Warum ist das Urheberrecht so lebensfern?

Vielen Politikern ist das Internet – ein Teil unserer Realität – fremd. Deshalb braucht Europa neue Politiker, die sich auch im Netz bewegen. Die wissen, dass die Speicherung und Auswertung von IP-Adressen ein enormer Eingriff in die Privatsphäre eines Menschen ist. Das Netz ist Teil unserer Lebenswelt, auch wenn viele Politiker das nicht verstehen. Wir leben dort und werden dort dauerüberwacht. Dagegen kämpfe ich.

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

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Gegen die Überwachungsunion

Netzsperren, Bankdaten und Kulturflatrate: Doppelinterview mit Jan Phillip Albrecht und dem grünen Piraten Christian Engström

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Das Märchen von der Umsonstkultur

Die Kontrolle darüber, wie ein Werk gelesen, gehört oder gesehen wird, kann die Kulturindustrie nicht mehr zurückgewinnen, sagt Tim Renner.

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Liebe Netizens, liebe Generation C64, liebe Digital Natives,

Ihr habt ja in letzter Zeit echt viele Namen bekommen. Manche Leute behaupten, Ihr würdet nicht mehr so gern mehr als 140 Zeichen lesen – aber wir schreiben Euch heute trotzdem.

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Schluss mit Frösche retten und ran an die Computer!

Das Internet hat die politische Sphäre verändert. Julia Seeliger schreibt, warum Politiker trotzdem nicht gezwungen sind, sich digital auszuziehen.

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"Wir wollen echte Profillöschung"

Facebook und Co. – Soziale Netzwerke im Internet bringen uns einen großen Nutzen. Malte Spitz im Gespräch über Gefahren der Datenspeicherung

Kommentare

Volker Vaessen
28-11-12 00:43
Hallo,

ich schliesse mich den Argumenten meiner Vorredner bezügl. Albrecht Interview an.

Ihr werdet langsam für Kreative unwählbar!!! Weil sich offenbar niemand von Euch die Mühe macht, sich schlau zu machen - aber dauernd wird Halbwissen verbreitet.

Ich empfehle zB den Vortrag von Mark Chung bei der Filmakademie. Er ist über das Konzept der Grünen entsetzt:
http://www.deutsche-filmakademie.de/projekte/urheberrecht/vortrag-von-mark-chung.html
Redaktion
08-08-09 21:42
[Beitrag entfernt]
fettnäpfchen
09-07-09 20:00
Plattformbetreiber machen meistens Geld mit Werbung oder?
Argument Server kosten Geld (fragt sich nur wieviel n €?)
womit machen Künstler eigentlich Geld um das Studio, die Softwarelizenz, den Druck oder einfach nur die Miete zu bezahlen

ahh die GreenCard regelt das alles klar
wer bekommt denn eine Green Card für den Honigtopf
wer entscheidet das
und welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein
ich will dann nähmlich eine haben
und wieviel springt dabei raus
gibs dafür dann auch n voting a'la toplist? hä... ?

ich bitte euch euer Konzept noch mal auf Tragfähigkeit zu prüfen, bevor ihr es in der Welt als Patentrezept verbreitet
Andreas
05-07-09 13:50
Schön zu lesen.
Deine Daten gehören Dir.
Also richtig interpretiert gehören also: "Meine Daten mir".
Dann will ich Sie verdammt noch mal auch durch ein funktionierendes Urheberecht geschützt wissen. - Und nicht so ein Luschenprogramm mit Kulturflatrate, bei dem der Verteilungsschlüssel doch eh nur wieder die "Satten" satter.
Und was den Rest anbelangt an Urheberrechte und Patente.
Wenn das alles abgeschaft wird, ist Deutschland als Wirtschaftsland in der Welt nur noch ein Lacher.
Schliesslich sind wir in sowas immer noch weit vorn.
Ich denke diese "Brot und Spiele" Propagandapunkte sollten allerernstens noch einmal überdacht werden. Nur weil Disziplin und Ehrlichkeit heute "Out" sind, muss man Sie nicht gleich als "Wähler-Lockmittel" mit ins Wahlprogramm aufnehmen.
Euer "Atomkraft Nein Danke" Punkt. Der hatte noch was.
Aber langsam wirds affig.
Wie tief seid Ihr eigentlich mittlerweile gesunken?
MACHT UM JEDEN PREIS ?
29-06-09 13:14
..... was kommt denn danach? ab morgen wollen wir die lehrer auch nicht mehr bezahlen? sanach die politiker? dann die handwerker? alles mit flatrate?
ist doch super!!!!!!!
fing alles mit der telefonflatrate an.
bundeskanzler/in 29,90 im monat.
naja mehr sind dies ganzen schrott ideen echt nicht wert.
in einer demokratie schaffende ihrer rechte berauben zu wollen.
der letzte der das getan hat, ... wie hiess der doch gleich.
zahlen wir nicht heute noch für seine ganzen sünden
Jan Richter
26-06-09 12:29
Was seit ihr denn für eine scheinheilige Partei. Sind Musiker, Dichter,und Bücherschreiber etwa keine Bürger die den Schutz der Demokratie verdienen? Was ist mit deren Bürgerrechten? Stehen die nicht auch im Grundgesetz verankert? Oder soll es in Zukunft eine Klientel geben die man bestehlen darf, weil der Gesetzgeber keine Lust hat, sich beim verdorbenen Bürger unbeliebt zu machen, indem er diese Straftaten ahndet? Da kann ich meinem Vorschreiber nur Recht geben. Sähe es nicht in einer Metapher gesprochen so aus: Wenn wir nun alle ab morgen bei Rot über die Ampel fahren, wird es dann legitim? Denn wen will man da noch bestrafen? Alle geht ja wohl schlecht. Dieses Maß lässt sich unendlich weiterspinnen. Kann ich eine oder mehrere Privatkopien von meinem Hausstand machen und verschenken? Schlimmer noch. Will ich das überhaupt, denn bei Ebay werden jede Menge sogenannter "Raubkopien" verkauft.
Nicht von den verhassten Konzernen. - Sondern von den geldgeilen Konsumenten, die die Künstler beklauen. Euer Parteiprogramm kotzt mich an.
Grün bin ich in jedem Fall nicht mehr.
Nicht zu fassen
26-06-09 01:17
Ich glaube ja nicht was ich bei Euch so lese.
Da schlag ich heute morgen die Zeitung auf und lese von Krankheiten, deren Therapie pro Monat 60 000 Euro kostet. Patentrecht und so. Der Pharmalobby wird da niemand ans Bein pissen(tshuldigung für den Ausdruck).
Aber die Musiker, die sollen Euch umsonst vergnügen. 12 EURO für eine CD ist ja viel zu teuer.

Denkt ihr wir leisten keine Enwicklungsarbeit????? Da sitzen wir Tag und Nacht in unseren muffigen Studios. Jahrein, jahraus machen uns den Rücken kaputt und hoffen, dabei einen Titel zu komponieren, der Euer Ohr erfreut, und als Entlohnung - KLICK, - geschnappt und nix gezahlt.
ICH WÜNSCH EUCH EINE ANGENEHME WIRTSCHAFTSKRISE. Für uns ist die schon seit einem Jahrzehnt nicht neu. Einem Schallplattenkonzern konnte ich dafür die Schuld nicht geben. Aber dafür Millionen von egoistischen, selbstsüchtigen Downloadern. Naja!
Und was die Parteien anbelangt. Nie würden die sich wirklich gegen diese kriminelle Entwicklung stellen. Das wäre ja unpopulär. Da lassen sie doch viel lieber die Musiker verrecken.
Aber wie schon gesagt. Das Leben scheint ja doch irgendwie noch fair zu sein.
ANGENEHME WIRTSCHAFTSKRISE !!!!!
Petra Krüler
26-06-09 00:56
Sorry, ich war blind. Blöder Fehler in meinem vorherigen Beitrag. Ich wollte natürlich schreiben, nach geltendem Recht ist der Austausch von Kopien illegal. Das ist richtig. FALSCH dagegen finde ich, dieses in Frage zu stellen. Der Rest siehe unten.

By the way fällt mir zum Schluss noch ein, das magische Wort KULTURFLATRATE liest sich ja wunderbar. Nur was soll ich mir darunter vorstellen ? Soll zukünftig jeder Künstler ein Grundgehalt von 1200 - 1500 EUR bekommen, damit er wenigstens seinen Kühlschrank füllen kann, während andere nach Herzenslust ihrer Download- und Remixlust nachgehen können?

Ohne zynisch wirken zu wollen, wenn jetzt die ganze Gesellschaft anfängt, Supermärkte zu überfallen, könnten wir das nicht anstatt mit einer Strafe nicht auch mit einer Flatrate belegen? Man neigt dazu, zu denken, dass am Beispiel des Urheberrechts etwas, das lt. Gesetz kriminell ist, verharmlost werden soll, nur weil es alle gerne tun.

Was wäre eigentlich, wenn es schon morgen um die Arbeit derer gehen würde, die heute noch das ganze "absaugen" so vehement legalisieren wollen?! Aber das ist dann selbstverständlich etwas völlig anderes.
Petra Krüler
25-06-09 16:31
Leider muss ich mit Schrecken feststellen, dass hier Unwahrheiten publiziert werden, dass die Heide wackelt:
"...nach geltendem Recht ist der Austausch von Kopien illegal...". Das ist falsch. Jeder Mensch hat das Recht auf eine Privatkopie (wenn er das Original besitzt), das ist korrekt. Aber das bedeutet nicht, dass man diese öffentlich ins Netz und damit zum Download freigeben darf, damit tausende von anderen Benutzern sie kostenlos herunterladen dürfen. Das ist Diebstahl am Künstler und ebenfalls ein Grundrechtsverstoß (Art. 14). Und darunter leiden nicht die großen Plattenfirmen, die das Geld für eine Rechtsverfolgung haben, sondern die vielen unabhängigen Labels, die mit ihrem Mut zum Risiko erst zur kulturellen Vielfalt beitragen.

Denkt mal darüber nach! Leider mussten viele der kleinen Plattenfirmen in den letzten Jahren Insolvenz anmelden. Das hat zur Folge, dass sich viele Künstler selbst vermarkten müssen, sprich: sie bieten ihre Musik schon häufig kostenlos zum Download an, damit ihre - oft jahrelange - Arbeit nicht vollkommen ungehört verhallt. Die Majors, über die Ihr Euch beklagt, haben ihr finanzielles Loch längst gestopft: Sie beauftragen die Kanzlei Rasch & Partner, die im großen Stil Filesharer abmahnen und sich dabei eine goldene Nase verdienen, beteiligen sich an Fernsehsendern (DSDS, Popstars und wie sie alle heißen) und sanieren sich durch die Retortenprodukte, die dort entstehen, die ein Jahr gnadenlos vermarktet und danach in ewige Vergessenheit geraten. Die kleineren Labels sterben sang- und klanglos, kleinere Plattengeschäfte gibt es doch kaum noch.

Ich bitte Euch inständig, Euch mal differenzierter mit dieser Thematik zu befassen. Eine Kulturflatrate löst die Probleme nicht mal ansatzweise. Viele Musikportale bieten ja bereits Flatrates an. Werden sie genutzt? Warum für etwas bezahlen, was man umsonst haben kann?

Ich bin eigentlich ein sehr großer Fan von Euch. Aber Eure Vorschläge zur Lösung der Probleme des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung und einer angemessenen Entlohnung der Urheber sind leider vollkommen unzureichend. Und ich glaube doch nicht wirklich, dass Ihr schuld sein wollt am Sterben der Kultur, oder?

Denn es gibt nicht nur Dieter Bohlen & DSDS ;-)
Euer enttäuschter ehemaliger Wähler
19-06-09 14:37
Meine Stimme hab ich euch jedes Mal gegeben. Bis jetzt. Aber die vielen Enthaltungen gestern machen euch als Partei für mich unglaubwürdig. Klar: Fraktionszwang ist undemokratisch, aber die Enthaltungen haben gezeigt, dass Feiglinge in euren Reihen sitzen. Und Feigheit ist noch viel undemokratischer. Ich wähle Piraten.
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