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Markus Beckedahl betreibt das Blog netzpolitik.org. Auf gruene.de erklärt er, warum sich Urheberrechtsprobleme nicht durch stärkere Kontrolle des Internets lösen lassen

Worum geht es bei dem Streit um Urheberrechte im Internet?
Man versucht, Regeln aus der analogen Zeit in die digitale Welt zu übertragen.
Was ist daran schlimm?
Früher kamen nur Medienunternehmer mit Urheberrechten in Berührung. Privatnutzer hatten immer das Recht auf Privatkopien künstlerischer Werke. Ich konnte bei mir zu Hause Collagen zusammenschnippeln aus den Zeitungsartikeln, die ich gefunden habe.
Wie ist die Situation heute?
Heute haben vor allem junge Menschen einen Allzweck-Computer, mit dem sie ihr eigenes Fernsehstudio, ihr eigenes Radiostudio oder ihre eigene Zeitung in Form eines Blogs machen können. Sie remixen – wie das früher in Form von Collagen geschah - ihre mediale Umwelt.
Das können sie aber doch gerne tun, oder?
Nur solange sie diese Remixe nicht mit anderen teilen wollen. Spätestens da nähern sie sich einer Urheberrechtsverletzung.
Welche Konsequenzen hat das?
Das kann zu Internetsperrungen führen. Man bekäme das Internet weggenommen, wenn man den Konservativen und der Rechtelobby das Feld überlässt. Es kann zu einer Abmahnung kommen und auch letztendlich dazu führen, dass man diese kreativen Inhalte gar nicht mehr mit anderen teilen kann.
Lässt sich das Problem durch eine stärkere Kontrolle des Datenverkehrs aus der Welt schaffen?
Man kann Urheberrechtsverletzungen nicht durch Kontrolle des Datenverkehrs verhindern.
Warum nicht?
Es ist ein Verstoß gegen die Netzneutralität, gegen die Offenheit des Netzes, ein Verstoß gegen die Privatsphäre, gegen die Verbraucherrechte. Ich glaube nicht, dass sich das mit dem Grundgesetz in Einklang bringen lässt. Es löst nicht die Probleme, aber es zerstört unsere digitale Welt. Das Problem muss ganz anders angegangen werden.
Wie denn?
Ich gehöre zu denjenigen, die eine Kulturflatrate befürworten, um diesen ganzen Krieg zu beenden. User zahlen einen monatlichen Pauschalbetrag, der sie zur unbegrenzten Nutzung von kulturellen Gütern im Netz berechtigt. Das ist ein guter Kompromiss zwischen den Interessen der Allgemeinheit und den Interessen der Urheber. Es kann Kompensationen für die Urheber bringen und gleichzeitig verhindern, dass man das Internet überkontrolliert.
Welchen Krieg meinst Du?
Den Krieg, der gegen die junge Generation geführt wird von denjenigen, die alte Geschäftsmodelle schützen und die Kontrolle im Internet behalten wollen.