Anmerkungen zum Sperrgesetz

Seit Beginn der Diskussion um Internetsperren im Februar diesen Jahres stehe ich in einem intensiven Austausch zu dem Thema mit zahlreichen Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, wie z.B. dem AK Zensur

Malte Spitz, Mitglied des Bundesvorstands von Bündnis 90/Die Grünen

Von Anfang an war meine Position die, dass der vorgeschlagene Weg der falsche ist. Sowohl die ersten Vorschlägen von Frau von der Leyen, als auch die späteren von der schwarz-roten Bundesregierung und die aktuellen der CDU/CSU und SPD Fraktion sind zurückzuweisen. Die vorgesehene Sperrung würde eine neue Rechtsstruktur einführen, die dem Bundeskriminalamt eine ihm nicht zustehende Rolle zuschreibt. Das ist verfassungsrechtlich bedenklich und widerspricht der Machtaufteilung in unserem gewaltengeteilten Rechtsstaat. Diese angedachte, bedenkliche Rolle des Bundeskriminalamtes hat sich in keinem der Vorschläge geändert. Es hat kleine Verbesserungen gegeben, wenn man sie so nennen will, aber vereinbar mit unserem jetzigen Rechtssystem sind auch die aktuellen Vorschläge nicht.

Mit dem gerade verabschiedeten Gesetz wird der Aufbau einer umfassenden Sperrinfrastruktur legitimiert. Die Grundlagen dieser Sperrinfrastruktur wurden bereits durch die Unterzeichnung der Verträge zwischen dem Bundeskriminalamt mit den ISPs gelegt. Zum damaligen Zeitpunkt sollte das die rechtliche Basis für Sperren sein. Von dieser Idee von Frau von der Leyen wurde zum Glück Abstand genommen. Strafverfolgung auf Basis von Verträgen mit Unternehmen darf es in einem Rechtsstaat wie Deutschland nicht geben!

Mit der Verabschiedung des Gesetzes wird jetzt ein Dammbruch vollzogen. Die Begehrlichkeiten, auch andere Inhalte zukünftig auf diese Sperrlisten zu stellen, sind zahlreich und weitreichend. Ein Spezialgesetz schafft da keine Rechtssicherheit, sondern wenn überhaupt nur eine gefühlte höhere Hürde. Bringen tut das aber herzlich wenig.

Die Diskussion um diese Gesetz macht auch deutlich: Die Debatte um den richtigen Weg im Kampf gegen Kinderpornographie muss weitergehen. Nur, weil ein falsches Gesetz beschlossen wurde, sind das Thema und das Problem nicht vom Tisch. Es muss weiter nach Antworten und Lösungen gesucht und die bereits gefundenen müssen weiter bearbeitet werden. Wie geht man mit Seiten um, die von den Host-Providern nicht gelöscht werden? Wie begegnet man den täglichen Umzügen von Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten? Klar ist, die Aktionen der Bundesregierung helfen nicht, diese Probleme zu lösen. Sie sind in der Sache nicht wirksam und in der Konstruktion verfassungsrechtlich mehr als bedenklich.

Diese Fragen und Probleme stehen nach wie vor im Raum. Das Abstimmungsverhalten hat gezeigt, dass wir Grüne für einen engagierten und vor allem wirksamen Kampf gegen Kinderpornografie im digitalen Raum stehen, und dabei keine rechtswidrigen Placebo-Gesetze akzeptieren. Bei der jetzigen Abstimmung haben sich zwar auch grüne Abgeordnete enthalten, aber niemand hat dem Gesetz zugestimmt. Ich hätte mich klar gegen das Gesetz ausgesprochen. Dass es einige grüne Enthaltungen gab, spiegelt die breite Diskussion in der Gesellschaft wieder. Und die Abstimmung zeigt: Die Pläne der Bundesregierung finden keine grüne Zustimmung. Es gibt aber verschiedene Ideen, was der beste Weg zur Lösung des Problems ist. Das zeigen die 33 Nein und 15 Enthaltungen. In der Fraktion gab es offenbar abweichende Meinungen über den besten Weg. Doch haben wir Grüne auch als einzige Fraktion darauf gedrängt, eine namentliche Abstimmung zu machen. Selbst FDP und Linke waren nicht dafür zu haben, eine solche zu fordern. Wir haben nichts zu verbergen - auch wenn 15 Enthaltungen bei einigen Fragen aufwerfen oder Kritik auslösen. Wir wollten nicht - wie die Linke - zu einem Drittel nicht auftauchen. Das zeigt, wie wir Grüne mit dem Thema umgehen. Wir scheuen uns nicht davor, weiterhin Fragen zu stellen und den besten Weg zu suchen. Die Antwort haben wir noch nicht. Eines ist aber sicher: der Gesetzesvorschlag der Großen Koalition ist es nicht.

Die Diskussionen der letzten Tage und Wochen zeigen (auch bei uns Grünen): Es muss noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden. Wie funktionieren technische Prozesse im Internet? Wie werden unterschiedliche Rechte in welchem Maße gegeneinander abgewogen? Deswegen sollte man diese Diskussion auch im Wahlkampf führen. Man sollte deutlich machen, auch vor Ort, wie es weitergehen soll.

Klar ist, den umfassenden Aufbau einer Sperrinfrastruktur, der eine Sperre von einer gezielten richterlichen Ausnahme zu einem tagtäglichen Prozess ohne jegliche Kontrolle werden lässt, darf es nicht geben. Damit wird ein technisches System installiert und ein rechtliches Verfahren zum Standard erhoben, welches nicht rechtsstaatlich kontrollierbar und damit nicht verantwortbar ist. Das Bundeskriminalamt darf nicht die Instanz sein, die entscheidet, ob eine Seite gesperrt werden soll oder nicht. Dazu bedarf es der vorherigen Entscheidung eines Richters oder eines Gerichtsverfahrens. Zudem soll das alles im Geheimen passieren. Gerade das ist - bei aller Notwendigkeit, den Missbrauch solcher Listen zu verhindern - in einem Rechtsstaat kein akzeptables Mittel zur Prävention von Straftaten.

Löschen statt Sperren

Jetzt muss endlich umgesetzt werden, was in anderen Ländern auch schon funktioniert und praktiziert wird: Die umfangreiche Löschung von Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten. Hier dürfen sich das Bundeskriminalamt und die Bundesregierung nicht verstecken. Weder hinter angeblichen internationalen Standards noch hinter dem Mehraufwand, der dafür betrieben werden muss. Dann muss die Bundesregierung dazu eben eine internationale Diskussion starten, dann muss sie den Stellenplan für diesen Bereich aufstocken. Das ist der politischer Wille, der hier gezeigt werden muss, wenn man glaubhaft Kinderpornographie im Internet bekämpfen möchte.

Was bleibt, nach diesem 18. Juni, ist ein mehr als schlechtes Gesetz - Ein fatales Zeichen der Schwächung unseres Rechtsstaats.

  • Ein fatales Zeichen, wie demokratische Prozesse in unserem Land behindert werden - siehe die Petition mit über 134.000 Unterschriften, die vor Beschlussfassung des Gesetzes nicht einmal angehört wurde.
  • Die Gefahr, dass die umfassende Sperrinfrastruktur missbraucht wird.
  • Und Kinderpornographie ist nach wie vor in gleichem Ausmaß im Internet vorhanden.

All das ist Motivation genug, um die Diskussion jetzt fortzuführen - vor Ort im Wahlkampf oder am 12. September bei der Groß-Demo in Berlin, und auch innerhalb der Grünen. Wir wollen die gute Formulierung aus unserem einstimmig beschlossenen Wahlprogramm durchsetzen. Dort heißt es:

"Die Filterung des Datenverkehrs sowie massenhafte und unbegründete Speicherorgien, wie die Vorratsdatenspeicherung, lehnen wir strikt ab. Den aktuellen Vorschlägen zur Einführung von Internetsperrlisten und den Aufbau einer umfassenden Sperrinfrastruktur erteilen wir eine klare Absage, da sie rechtsstaatlich und technisch unverantwortlich sind."

Zum Blog von Malte Spitz

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/netzsperre_2_225.jpg

Das Netz ist nicht bürgerrechtsfrei

Eine Stellungnahme des Bundesvorstandes zum Beitrag des Bremer Abgeordneten Matthias Güldner

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Privatgelaende_Foto_von_derpunk_CC_BY-NC-SA_20_320x240.jpg

Nichts zu verbergen?

Datenschützer Andreas Krisch und Malte Spitz im Doppelinterview über Internetsperren, Vorratsdatenspeicherung, die Zukunft der Privatsphäre und die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/kamera_225.jpg

Enttäuschung für die Bürgerrechte

Malte Spitz kommentiert die schwarz-gelbe Einigung bei Internetsperren, Onlinedurchsuchung und Vorratsdatenspeicherung.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/NetzsperreStoppSchild_bka_225x130.jpg

Eine überfällige Entscheidung

Die Bundesregierung will das Netzsperrengesetz zurücknehmen. Sie hat eingesehen, dass Netzsperren wirkungslos sind.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/interview-christian-bahls-225.jpg

"Wir werden benutzt"

Internetsperren? Nicht in unserem Namen, sagt Missbrauchsopfer Christian Bahls

Kommentare

dowe
20-06-09 18:20
Sososo. Habt ihr hier mal einen vorgeschickt, der noch sein Hirn benutzt, auf den wissenschaftlichen Dienst des BTs hört und außerdem die Meinung von Experten wie der Gesellschaft für Informatik zu schätzen weiß.

Wenn ich mir allerdings bei Heise die Liste zum Abstimmungsverhalten der Grünen ansehe, dann kann ich mir denken, dass diese Partei in einer Koalition mit der SPD bei allen anderen Fragen der Freiheit genau so hübsch einknicken wird, wie einst beim "Otto Katalog". Statt online die Freiheit zu "verteidigen" sollte hier wohl dringendst parteiintern nachgearbeitet werden. Ihr habt sicherlich Demoerfahrung, könnt vielleicht auch einen Molli theoretisch beschreiben - aber bei DNS und IP steigt der größte Teil der Stricklieseln und -bubis intellektuell aus. Schaut Euch mal um in Eurer Fraktion: Wie viele doppelklicken auf Links herum? Wie viele drucken sich Internetseiten aus, weil sie am Bildschirm nicht lesen können? Wer von Euch ist denn wirklich im Netz angekommen - und nicht nur von der Startbahn-West weg? Von Laien regiert ... Ha! In der Opposition ist auch alles windoof.

Mein Vertrauen in die Farbe grün ist mehr als nur angeknackst. Im Moment könnte ich nur kotzen vor Wut und weiß nur: Ich werde wechseln (zu den Piraten?); Nachdem ich 23 Jahre lang nur grün gewählt habe - Ich schau dann in ein paar Jahren mal wieder bei Euch vorbei.

Bis dahin: Gute Besserung.
MARCEL
20-06-09 17:20
Eigentlich stand meine Wahlentscheidung für den Herbst schon fest: Wie bei der Europawahl waren die Grünen für mich schon länger die einzig wählbare Alternative.

Das Abstimmungsverhalten der Bundestagsfraktion hat mich allerdings derart enttäuscht, dass ich wohl diesmal den etablierten Parteien mein Kreuz verwehren muss.

Bei einem derart unsinnigen Gesetz darf man sich nicht enthalten, sondern muss empört aufschreien. Ob der Gesetzentwurf sich dabei um Kinderpornographie dreht, interessiert mich in erster Linie nicht. Ich würde ebenso an der Urteilskraft eines MdBs zweifeln, der sich bei einem Gesetz mit dem Titel "3x Zähneputzen gegen den Klimawandel" enthielte.
Ein Enttäuschter
20-06-09 15:44
Mit einer Enthaltung dokumentiere ich NICHT, dass ich gegen ein Gesetz bin. Vielmehr signalisiere ich, dass ich grundsätzlich für die vorgeschlagenen Maßnahmen bin.
Die Abstimmung zu diesem Gesetz war für mich ein Lackmustest für das Verhältnis der Abgeordneten zu demokratischen Grundsätzen wir Meinungsfreiheit und Schutz der Privatsphäre. Wer hier - und noch dazu ohne den Druck einer Regierungsverantwortung - nicht klar Stellung bezieht, von dem erwarte ich auch nach der kommenden Wahl nicht, dass er im Interesse der Wähler handelt.
Schade, dass mir damit eine Wahlalternative mehr genommen wurde.
Edelweißpirat
20-06-09 15:31
Enthaltung kann auch Zustimmung bedeuten, hier wurde schon mal die Visitenkarte für für eine Schwarz/Grüne Koalition abgegeben.

Ich brauche GRÜNEN so dringend wie eine dritte Schulter. Verräter Parteien gibt es schon genug.
Rosenstrauch
20-06-09 14:41
Ich kann nur hoffen, dass "technische Fehlinformation" zu solch einer Fehlentscheidung (Enthaltung) geführt hat.
Eine Begründung wie: "Ich wollte damit sagen es muß noch was an internationaler Zusammenarbeit getan werden.", ist definitiv nicht glaubwürdig.
Da ein Wirtschaftsausschuß mit allen Tricks ein verkorkstes Gesetz versuchte auf den Weg zu bringen, dass von vornherein gegen das Medium Internet an sich gerichtet war und keine Stärkung von "polizeilicher Verfolgung der Straftaten" geprägt ist, hätte sowieso dagegen gestimmt werden müssen.
Ich hoffe noch auf eine Entschuldigung der MDB's für ihr naives Fehlverhalten.
Ansonsten ist Grün für mich nicht mehr wählbar, weil auch dort schon "die Terrorangst" und "der böse Bürger" so fest verwurzelt ist, dass Bürgerrechte mit Füßen getreten werden.

Ich bin für ein freies (unzensiertes) Kommunizieren, nicht für das "gaffende Betrachten" vergewaltigter Kinder.
Wenn aber der Preis, "schmutzige Bilder" versus "Einschränkung des Grundgesetzes" zu zahlen ist, wähle ich als aufgeklärter Bürger das Grundgesetz, weil darauf basieren alle Gesetze und es soll uns vor "neuer" staatlicher Willkür schützen (deutsche Vergangenheit).
Michael
20-06-09 14:28
Ich bin seit dieser Abstimmung wahnsinnig enttäuscht. Nicht von der CDU/CSU - diese Partei(en) sind seit Jahren für mich unwählbar. Nicht von der "Verräterpartei" SPD - das war so zu erwarten und die Quittung wird hoffentlich im September erfolgen.
Von den Grünen hingegen bin ich massiv enttäuscht. 15 Enthaltungen bei einer so wichtigen Abstimmung sind nicht zu verzeihen, genausowenig wie die Stellungnahmen der Abgeordneten die sich enthalten haben. Wenn ich ein Gesetz für falsch halte, dann enthalte ich mich nicht sondern stimme dagegen!

Der Verweis auf die Abgeordneten der Linken, die gar nicht erst erschienen sind, ist nicht im Geringsten angebracht. Selbstkritik ist gefragt, nicht mit dem Finger auf andere zeigen (zumal die anwesenden Abgeordneten der Linken geschlossen gegen das Gesetz gestimmt haben!).

Wenn die Grünen wenigstens noch das Gesicht wahren wollen, sollten sie sich (über Fraktionsgrenzen hinaus) baldmöglichst am Gang zum Bundesverfassungsgericht beteiligen und dieses Gesetz mit allen Mitteln bekämpfen!

Nichtsdestotrotz - meine Stimme im September habt ihr verloren. Wenn man bedenkt dass ich vor gar nicht allzulanger Zeit gerade auch wegen der Positionen der Grünen zu Bürgerrechtsthemen noch kurz vor einem Parteibeitritt stand ist das eine traurige Entwicklung.

Schade. Nichtsdestotrotz wünsche ich euch für die Bundestagswahl viel Erfolg - nutzt eure Chance und zeigt dass ihr irgendwann in der Zukunft für junge, technisch versierte Menschen eine Wahlmöglichkeit darstellt. Solange werde ich mich politisch anderweitig orientieren und vor allem engagieren - in diesem konkreten Fall als baldiges Mitglied in der Piratenpartei. Ein Schritt, den ich bei aller vorhandenen Sympathie für die Piraten noch vor einem Monat für nicht möglich gehalten hätte. So ändern sich die Zeiten.

Nichtsdestotrotz ein, sofern irgend möglich, schönes Wochenende wünscht

Michael
Jake
20-06-09 13:07
Mal ein Kommentar eines gruenen Piratens: In meiner ersten Wahl hab ich noch die SPD (Jochen Vogel) gewaehlt; seitdem gruen - seit der EU Wahl Piraten.

Ich hatte schon vorher das Gefuehl, dass die Gruenen hier nicht klar sehen. Wennimmer Gefuehl im Spiel war (Atomkraft macht angst - anstatt warum Atomkraft schlecht fuer's Land und Leute ist; einige Frauenthemen; Kinderpornographie), scheint der Verstand bei einigen Gruenen auszusetzen. Nun halt bei staatlicher Zensur (und ehrlich, wuerdet Ihr nicht gerene ein Stopp! Schild vor ein rechtsextremes Webangebot setzen?).

Also, ahoi zu neuen Ufern mit moderneren und kompetenteren Mitsegleren. Hoffentlich bis bald in einer Koalition.
Dieter.Gieseking
20-06-09 12:15
Diese 15 Grünen haben wie die Bundesregierung die Fakten und die Auswirkungen dieses Gesetzes nicht erkannt. Unter dem Deckmantel der "Kinderpornografie" befürworten sie die Einführung der Intrastruktur von Web-Sperren und Zensurlisten. Das dabei kein einziges Kind vor "sexuellen Missbrauch" geschützt wird wurde total ignoriert. Sie unterliegen wie viele andere Politiker dem Irrglauben, dass dieses Gesetz irgend einen Sinn erfüllt. Die Gedankengänge dieser 15 entbehren jeder Vernunft und sind geleitet von Desinformation. Deshalb: KEINE Erststimmen von Direktmandaten für diese PolitikerInnen in ihren Wahlkreisen bei den Bundestagswahlen!!! Die Partei muss angehalten werden, diese PolitikerInnen nicht auf einen aussichtsvollen Listenplatz zu platzieren, damit diese nicht erneut in den nächsten Bundestag einziehen können. Man kann nur hoffen, dass diese Bundestagsabgeordneten innerhalb der Partei keinen weiteren Einfluss mehr auf die Gesamtpartei nehmen können. Eine innerparteiliche Diskussion mit diesen 15 sollte dringend stattfinden. Die Fraktion und Partei ist gefordert !
Carsten
20-06-09 11:34
Lieber Philip,

was soll denn das heißen? Mal weitergedacht: Es stimmt also zukünftig nur noch der ab, der sich super mit dem Thema auskennt oder was? Das würde bedeuten, daß also zukünftig nur noch ein Bruchteil der Abgeordneten an Abstimmungen teilnimmt, nämlich die Leute, die Bock auf das Thema haben bzw. die sich zufällig dafür interessieren. Und der Rest enthält sich dann, oder was?
AUFWACHEN! Wir sind hier nicht bei "Wünscht Dir was"! Als Abgeordneter habe ich an den Debatten teilzunehmen und mich bitte schön auch entsprechend über das jeweilige Thema zu informieren. Klar, daß man nicht mit Experten mithalten kann. Aber ich erwarte von einem verantwortungsvollen Abgeordneten, daß er sich so gut es eben geht einarbeitet. Das ist sein Job!
Im übrigen gibt es ja wohl auch noch sowas wie Fraktionssitzungen, wo mit Sicherheit über eine so wichtige Abstimmung diskutiert und informiert wird. Da ist es dann eben Aufgabe der mit dem Thema vertrauten Parteimitglieder die anderen aufzuklären und zu informieren. Und zwar so ausführlich, daß die anderen Mitglieder sich in der Lage sehen, eine Abstimmung mit "Ja" oder "Nein" durchzuführen.
Diejenigen, die es bis zum Schluß immer noch nicht kapiert haben, sollen sich meinetwegen enthalten. Aber es will mir doch bitte keiner erzählen, daß ein Drittel der Leute zu blöde sind, zu kapieren, worum es geht!?!
Wenn dem so ist, daß muß in der Tat darüber nachgedacht werden, die entsprechenden Sitzungen anders zu gestalten bzw. von anderen gestalten zu lassen.......

Im übrigen: Bevor ich mich enthalte, weil ich nicht verstehe, worum es geht, stimme ich doch wohl logischerweise eher mit NEIN. Nur so verhindert man, daß ein Gesetz verabschiedet wird, was man nicht kapiert hat! Eine Enthaltung öffnet den Befürwortern Haus und Hof.
Na, vielen Dank auch!
Informatiker aus Berlin
20-06-09 11:28
Lieber Philipp,

das Thema ist von Mitgliedern der Bundesfraktion thematisiert worden, und es handelt sich mitnichten um ein Spezialthema, sondern um ein verfassungswidriges Gesetz zur Zensur ohne richterliche Verfügung/Überprüfung, das seit Wochen Tagesthema in zahlreichen Medien ist.

Wenn ein Bundestagsabgeordneter es nicht schafft, sich über die Tragweite eines Gesetzentwurfs und die Hintergründe der Haltung seiner eigenen Bundespartei zu informieren, sollte er/sie sich vielleicht einen anderen Beruf suchen.

Die Bundestagsfraktion der Grünen ist dabei gescheitert, die Entschließung digitaler Notstandsgesetze geschlossen abzulehnen, obwohl der Ernst der Lage auf Bundesebene frühzeitig erkannt und kommuniziert wurde.

Die Bundestagsfraktion der Grünen schleppt also ca. ein Drittel Personen mit, die einen verfassungswidrigen Gesetzesentwurf auch dann nicht ablehnen, wenn Ihnen alle Einzelheiten, die Unwirksamkeit und Widrigkeit belegen, auf einem Silbertablett serviert werden.

So sehr mir die grüne Artenvielfalt gefällt, aber hier wäre nur demokratisches Grundverständnis und Rückrat gefragt gewesen, keine selbstdarstellerischen Kinderversteher-Touren.

Künstliche Aufregung? Nein, tiefe Enttäuschung nach langjähriger Unterstützung. Wut. Ohnmacht. Ratlosigkeit.

Da haben es sich ein paar merkbefreite Individualisten auf Bundesebene bei Euch eingenistet, die Selbstdarstellung und persönliche Empfindlichkeiten auf Bild-Niveau für wichtiger halten als die Grundprinzipien der Rechtsstaatlichkeit.

Gute Besserung,
aber vorerst ohne mich
Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.