Anmerkungen zum Sperrgesetz

Seit Beginn der Diskussion um Internetsperren im Februar diesen Jahres stehe ich in einem intensiven Austausch zu dem Thema mit zahlreichen Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, wie z.B. dem AK Zensur

Malte Spitz, Mitglied des Bundesvorstands von Bündnis 90/Die Grünen

Von Anfang an war meine Position die, dass der vorgeschlagene Weg der falsche ist. Sowohl die ersten Vorschlägen von Frau von der Leyen, als auch die späteren von der schwarz-roten Bundesregierung und die aktuellen der CDU/CSU und SPD Fraktion sind zurückzuweisen. Die vorgesehene Sperrung würde eine neue Rechtsstruktur einführen, die dem Bundeskriminalamt eine ihm nicht zustehende Rolle zuschreibt. Das ist verfassungsrechtlich bedenklich und widerspricht der Machtaufteilung in unserem gewaltengeteilten Rechtsstaat. Diese angedachte, bedenkliche Rolle des Bundeskriminalamtes hat sich in keinem der Vorschläge geändert. Es hat kleine Verbesserungen gegeben, wenn man sie so nennen will, aber vereinbar mit unserem jetzigen Rechtssystem sind auch die aktuellen Vorschläge nicht.

Mit dem gerade verabschiedeten Gesetz wird der Aufbau einer umfassenden Sperrinfrastruktur legitimiert. Die Grundlagen dieser Sperrinfrastruktur wurden bereits durch die Unterzeichnung der Verträge zwischen dem Bundeskriminalamt mit den ISPs gelegt. Zum damaligen Zeitpunkt sollte das die rechtliche Basis für Sperren sein. Von dieser Idee von Frau von der Leyen wurde zum Glück Abstand genommen. Strafverfolgung auf Basis von Verträgen mit Unternehmen darf es in einem Rechtsstaat wie Deutschland nicht geben!

Mit der Verabschiedung des Gesetzes wird jetzt ein Dammbruch vollzogen. Die Begehrlichkeiten, auch andere Inhalte zukünftig auf diese Sperrlisten zu stellen, sind zahlreich und weitreichend. Ein Spezialgesetz schafft da keine Rechtssicherheit, sondern wenn überhaupt nur eine gefühlte höhere Hürde. Bringen tut das aber herzlich wenig.

Die Diskussion um diese Gesetz macht auch deutlich: Die Debatte um den richtigen Weg im Kampf gegen Kinderpornographie muss weitergehen. Nur, weil ein falsches Gesetz beschlossen wurde, sind das Thema und das Problem nicht vom Tisch. Es muss weiter nach Antworten und Lösungen gesucht und die bereits gefundenen müssen weiter bearbeitet werden. Wie geht man mit Seiten um, die von den Host-Providern nicht gelöscht werden? Wie begegnet man den täglichen Umzügen von Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten? Klar ist, die Aktionen der Bundesregierung helfen nicht, diese Probleme zu lösen. Sie sind in der Sache nicht wirksam und in der Konstruktion verfassungsrechtlich mehr als bedenklich.

Diese Fragen und Probleme stehen nach wie vor im Raum. Das Abstimmungsverhalten hat gezeigt, dass wir Grüne für einen engagierten und vor allem wirksamen Kampf gegen Kinderpornografie im digitalen Raum stehen, und dabei keine rechtswidrigen Placebo-Gesetze akzeptieren. Bei der jetzigen Abstimmung haben sich zwar auch grüne Abgeordnete enthalten, aber niemand hat dem Gesetz zugestimmt. Ich hätte mich klar gegen das Gesetz ausgesprochen. Dass es einige grüne Enthaltungen gab, spiegelt die breite Diskussion in der Gesellschaft wieder. Und die Abstimmung zeigt: Die Pläne der Bundesregierung finden keine grüne Zustimmung. Es gibt aber verschiedene Ideen, was der beste Weg zur Lösung des Problems ist. Das zeigen die 33 Nein und 15 Enthaltungen. In der Fraktion gab es offenbar abweichende Meinungen über den besten Weg. Doch haben wir Grüne auch als einzige Fraktion darauf gedrängt, eine namentliche Abstimmung zu machen. Selbst FDP und Linke waren nicht dafür zu haben, eine solche zu fordern. Wir haben nichts zu verbergen - auch wenn 15 Enthaltungen bei einigen Fragen aufwerfen oder Kritik auslösen. Wir wollten nicht - wie die Linke - zu einem Drittel nicht auftauchen. Das zeigt, wie wir Grüne mit dem Thema umgehen. Wir scheuen uns nicht davor, weiterhin Fragen zu stellen und den besten Weg zu suchen. Die Antwort haben wir noch nicht. Eines ist aber sicher: der Gesetzesvorschlag der Großen Koalition ist es nicht.

Die Diskussionen der letzten Tage und Wochen zeigen (auch bei uns Grünen): Es muss noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden. Wie funktionieren technische Prozesse im Internet? Wie werden unterschiedliche Rechte in welchem Maße gegeneinander abgewogen? Deswegen sollte man diese Diskussion auch im Wahlkampf führen. Man sollte deutlich machen, auch vor Ort, wie es weitergehen soll.

Klar ist, den umfassenden Aufbau einer Sperrinfrastruktur, der eine Sperre von einer gezielten richterlichen Ausnahme zu einem tagtäglichen Prozess ohne jegliche Kontrolle werden lässt, darf es nicht geben. Damit wird ein technisches System installiert und ein rechtliches Verfahren zum Standard erhoben, welches nicht rechtsstaatlich kontrollierbar und damit nicht verantwortbar ist. Das Bundeskriminalamt darf nicht die Instanz sein, die entscheidet, ob eine Seite gesperrt werden soll oder nicht. Dazu bedarf es der vorherigen Entscheidung eines Richters oder eines Gerichtsverfahrens. Zudem soll das alles im Geheimen passieren. Gerade das ist - bei aller Notwendigkeit, den Missbrauch solcher Listen zu verhindern - in einem Rechtsstaat kein akzeptables Mittel zur Prävention von Straftaten.

Löschen statt Sperren

Jetzt muss endlich umgesetzt werden, was in anderen Ländern auch schon funktioniert und praktiziert wird: Die umfangreiche Löschung von Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten. Hier dürfen sich das Bundeskriminalamt und die Bundesregierung nicht verstecken. Weder hinter angeblichen internationalen Standards noch hinter dem Mehraufwand, der dafür betrieben werden muss. Dann muss die Bundesregierung dazu eben eine internationale Diskussion starten, dann muss sie den Stellenplan für diesen Bereich aufstocken. Das ist der politischer Wille, der hier gezeigt werden muss, wenn man glaubhaft Kinderpornographie im Internet bekämpfen möchte.

Was bleibt, nach diesem 18. Juni, ist ein mehr als schlechtes Gesetz - Ein fatales Zeichen der Schwächung unseres Rechtsstaats.

  • Ein fatales Zeichen, wie demokratische Prozesse in unserem Land behindert werden - siehe die Petition mit über 134.000 Unterschriften, die vor Beschlussfassung des Gesetzes nicht einmal angehört wurde.
  • Die Gefahr, dass die umfassende Sperrinfrastruktur missbraucht wird.
  • Und Kinderpornographie ist nach wie vor in gleichem Ausmaß im Internet vorhanden.

All das ist Motivation genug, um die Diskussion jetzt fortzuführen - vor Ort im Wahlkampf oder am 12. September bei der Groß-Demo in Berlin, und auch innerhalb der Grünen. Wir wollen die gute Formulierung aus unserem einstimmig beschlossenen Wahlprogramm durchsetzen. Dort heißt es:

"Die Filterung des Datenverkehrs sowie massenhafte und unbegründete Speicherorgien, wie die Vorratsdatenspeicherung, lehnen wir strikt ab. Den aktuellen Vorschlägen zur Einführung von Internetsperrlisten und den Aufbau einer umfassenden Sperrinfrastruktur erteilen wir eine klare Absage, da sie rechtsstaatlich und technisch unverantwortlich sind."

Zum Blog von Malte Spitz

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Das Netz ist nicht bürgerrechtsfrei

Eine Stellungnahme des Bundesvorstandes zum Beitrag des Bremer Abgeordneten Matthias Güldner

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Nichts zu verbergen?

Datenschützer Andreas Krisch und Malte Spitz im Doppelinterview über Internetsperren, Vorratsdatenspeicherung, die Zukunft der Privatsphäre und die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“.

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Enttäuschung für die Bürgerrechte

Malte Spitz kommentiert die schwarz-gelbe Einigung bei Internetsperren, Onlinedurchsuchung und Vorratsdatenspeicherung.

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Eine überfällige Entscheidung

Die Bundesregierung will das Netzsperrengesetz zurücknehmen. Sie hat eingesehen, dass Netzsperren wirkungslos sind.

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"Wir werden benutzt"

Internetsperren? Nicht in unserem Namen, sagt Missbrauchsopfer Christian Bahls

Kommentare

Paul
26-06-09 20:21
Das Abstimmungsverhalten der Grünen zur Internetsperre war für mich total frustrierend. Offensichtlich ist einem Drittel der Bundestagsfraktion nicht klar, welche Folgen diese Initiative hat.
Zu verhindern, dass die damit geschaffene Zensurinfrastruktur auch für andere Zwecke eingesetzt werden wird, hat genausoviel Aussicht auf Erfolg wie der Versuch, Zahnpasta in die Tube zurückzudrücken.

Es ist wirklich zum K....n
Benny
26-06-09 09:41
Domik schrieb:
> So... Ich habe euch (den Grünen) genau eine Woche Zeit
> gelassen, eine deutliche Reaktion zu zeigen. Die Statements
> waren aber auf einer Skala von frech bis enttäuschend!

Die Grünen versuchen diese PR-Panne tot zu schweigen.
Mal gucken ob es ihnen gelingt.

benny
Thomas J.
25-06-09 10:53
Ich kann dem Kommentar von Dominik nur zustimmen.

10 Enthalter haben es nicht mal geschafft auf die berechtigten Fragen ihrer Wähler bei abgeordnetenwatch.de zu antworten. Und dies restlichen Antworten kann man i.d.R. auch vergessen. Marieluise Beck z.B. scheint das Gesetz sogar zu verteidigen:
"Wie ein Kommentar in der taz vom 19. Juni 2009 darlegt, ist dank der massiven Kritik am Gesetzentwurf dieser in entscheidenden Punkten revidiert worden. Ein Missbrauch der Internetsperre für andere Zwecke sei damit kaum möglich."

Ich fass es nicht! Die haben NICHTS kapiert!

Bitte, bitte, lieber Malte (und andere), packt die am Kragen und ZWINGT sie sich ENDLICH wirklich mit der Materie zu beschäftigen. Solche Leute bekommen meine Stimme jedenfalls nicht (mehr)!

Abstimmungsverhalten: GRÜNE / enthalten
Christine Scheel
GRÜNE
Aschaffenburg
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, bisher keine Antwort
Cornelia Behm
GRÜNE
Cottbus - Spree-Neiße
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, bisher keine Antwort

Dr. Harald Terpe
GRÜNE
Rostock
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, 1 Antwort
Dr. Thea Dückert
GRÜNE
Oldenburg - Ammerland
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
2 Fragen, bisher keine Antworten

Ekin Deligöz
GRÜNE
Neu-Ulm
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, bisher keine Antwort
Hans Josef Fell
GRÜNE
Bad Kissingen
hat sich enthalten


Irmingard Schewe-­Gerigk
GRÜNE
Ennepe-Ruhr-Kreis II
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, bisher keine Antwort
Katrin Göring-Eckardt
GRÜNE
Erfurt - Weimar - Weimarer Land II
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
2 Fragen, bisher keine Antworten

Kerstin Müller
GRÜNE
Köln III
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, bisher keine Antwort
Marieluise Beck
GRÜNE
Bremen I
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
2 Fragen, 2 Antworten

Priska Hinz
GRÜNE
Lahn-Dill
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, 1 Antwort
Rainder Steenblock
GRÜNE
Pinneberg
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, bisher keine Antwort

Sylvia Kotting-Uhl
GRÜNE
Karlsruhe-Stadt
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
2 Fragen, 1 Antwort
Thilo Hoppe
GRÜNE
Aurich - Emden
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, bisher keine Antwort

Ulrike Höfken-­Deipenbrock
GRÜNE
Bitburg
hat sich enthalten
Fragen zur Abstimmung:
1 Frage, bisher keine Antwort
Dominik
25-06-09 10:16
So... Ich habe euch (den Grünen) genau eine Woche Zeit gelassen, eine deutliche Reaktion zu zeigen. Die Statements waren aber auf einer Skala von frech bis enttäuschend!

Aus diesem Grund werde ich heute den Mitgliedsantrag für die Piraten losschicken. Ihr habt's echt vergeigt.
Julian Mehnle
24-06-09 13:45
Jetzt noch ein paar Nägel mit Köpfen für all die, die nicht nur ihre Verwandten überzeugen und Blogartikel schreiben wollen: In allen grünen Arbeitskreisen -- insbesondere den Landes- und Bundesarbeitsgemeinschaften Demokratie & Recht -- ist die Mitarbeit auch von Nichtparteimitgliedern ausdrücklich erlaubt und erwünscht. Das gilt auch für Piratenwähler (die dort sicher niemand konvertieren will). Ich freue mich über jeden, der mir hilft, die dort anwesenden Abgeordneten in Bürgerrechts- und Internetfragen zu beraten.

BAG Demokratie & Recht:
Kontakt: Lena Engelhardt <kiruna@gmx.net>
Website: http://lnk.nu/gruene-bag.de/xge
Mailverteiler: mailto:debatte.bag.demokratie-request@gruene.de?subject=subscribe

LAK Demokratie & Recht in Bayern:
Kontakt: Julian Mehnle <julian@mehnle.net>
Mailverteiler: mailto:debatte.lak.demokratie.bayern-request@gruene.de?subject=subscribe
Julian Mehnle
24-06-09 13:07
Eike,

vorab: Ich mache hier keinen Wahlkampf. Ich wünsche den Piraten einen großen Erfolg, und vielleicht wähle ich sie sogar selbst. Das ist aber nicht mein Punkt.

Dass die grüne Partei (nicht Fraktion) sich nach außen so einheitlich gegen das Zensurgesetz dargestellt hat, war mir selbst ein Dorn im Auge, weil ich wusste, dass es nicht die Wahrheit widerspiegelt. Dein Einwand, dass man dann keinen Grund zur Annahme hat, es gebe was zu engagieren, ist allerdings naiv. Das Zensurgesetz war ja nicht das erste bürgerrechtsfeindliche Gesetz, wo grüne MdBs falsch abgestimmt haben (wenn auch die Fehlabstimmungen IMO nicht repräsentativ für die grüne Grundeinstellung sind, sondern eher ein Zeichen für punktuelle Ignoranz).

Genauso naiv -- ich muss es wiederholen -- ist die Annahme, zumal ohne dass man mit den entsprechenden MdBs gesprochen hätte, FDP und Linke seien aus _inhaltlicher_ Überzeugung geschlossen gegen das Gesetz gewesen. Das zeigen formal ähnliche Fälle im Bundestag, sowie die politische Erfahrung, die ich mir selbst anmaße. So sehr man (auch ich!) es bedauern mag: Fakt ist, dass die Rollen von "Regierung" und "Opposition" bei Bundestagsabstimmungen eine erhebliche Rolle spielen. Du kannst das als "billigste Parteipolemik" abtun, aber damit tust du der Sache (der Bürgerrechte) keinen Gefallen.
Pirat
23-06-09 23:11
Wer hier wie Eike das Abstimmungsverhalten der LINKE bejubelt, ignoriert, dass 1/3 der Fraktion nicht an der Abstimmung teilgenommen hat.
Zu vermuten ist, dass diese LINKE-Abgeordneten (wie die 15 "Enthalter" der GRÜNEN) der Einführung von Zensurmaßnahmen durch das BKA eigentlich zustimmen, jedoch im Gegensatz zu den GRÜNEN-"Abweichlern" noch nicht einmal den Mumm haben, ihren Parteigenossen und dem Volk dies auch durch eine Teilnahme an der Abstimmung öffentlich zu dokumentieren.
sky
23-06-09 23:07
@Eike

Du schreibst: "Auf jeden Fall haben die Abgeordneten dieser beiden Parteien im Gegensatz zu den Grünen Flagge gezeigt".

Das stimmt nicht ganz. Lese mal bitte was Herr Terpe von den Grünen im letzten Absatz schreibt: http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_harald_terpe-650-6067--a180.html

Ich kann mich dem anschliesen. Ein fernbleiben bei so einer wichtigen Abstimmung ist noch schlimmer als eine Enthaltung. Ansonsten ändert das aber nichts an der Tatsache dass meiner Meinung nach eine Enthaltung der falsche Weg ist. Denn das "Als Vater von fünf Kindern wollte ich mit meiner Enthaltung darauf hinweisen, dass längst noch nicht alles getan wird, um ein so widerliches Verbechen wie Kinderpornographie im Internet entschieden zu bekämpfen." kann man auch anders ausdrücken in dem man mit nein stimmt und zeigt dass dies das falsche Mittel ist und dann ein Konzept vorlegt (wurde übrigens schon von diversen Organisationen gemacht) wie man Kindesmissbrauch besser bekämpft.
Heaven
23-06-09 21:37
Sehr geehrter Herr Mehnle,

ich habe erstmal seit mehr als 20 Jahren grün bei der Europawahl gewählt, gerade wegen der Kombination aus Ökologie, Bürgerrechte, "modern" und teilweise wirtschaftliche Kompetenz. (;)).

Durch Vorratsdatenspeicherung, "Killerspiel"-Diskussion, Internetzensur und "Schäuble"-Aversion und langen Diskussionen mit "meinem" Bundestagsabgeordneten ("CDU") ernsthaft erwogen, mich politisch zu engagieren und habe mir dementsprechend die Parteiunterlagen der Grünen zukommen lassen.

FDP als Steigbügel und Stimmenvieh für die CDU ist für mich ein No-go.

Das Parteiprogramm habe ich mir sogar durchgelesen vor der Europawahl.

Als nun die Entscheidung bezüglich der Zugangssperren im Bundestag auf dem Programm stand, hätte ich mein Po verwettet, mit meiner "grünen" Entscheidung richtig zu liegen.

Wie die Vorschreiber schon mitgeteilt haben, hat doch gerade die PR Maschinerie der Grünen (Parteitagsbeschluss, Vorstand, Fernsehauftritte, Webseite, Programm, ...) mich darin bestärkt, Ja, die sind für Bürgerrechte, sie haben es kapiert, um was es wirklich geht.

Direkt nach der Abstimmung bin ich fast aus dem Stuhl gefallen, als ich auf heise.de und abgeordnetenwatch die Namen der Abgeordneten und deren Stimmverhalten angeschaut hatte.

Was soll ich dazu sagen...kopfschüttelnd habe ich die Unterlagen zur Seite geräumt und mich vorerst von dem Gedanken des Parteieintritts verabschiedet. Alternative? Piratenpartei? Nein, zu monothematisch (geiles Wort, fast so toll wie Migrationshintergrund).

Daher ist guter Rat teuer... und die "grüne" Schadensbegrenzung mit Podcast, Videocasts, Blogs... well... das Kind ist schon in den Brunnen gefallen.
Eike
23-06-09 19:20
@Julian Mehnle: Aus Deinen Beiträgen spricht wohl ein wenig Frust, dass der frisch begonnene "Grünen-Aufschwung" durch ein Abstimmungsverhalten der selben Partei möglicherweise gerade zum Erliegen kommt.

Ich würde nicht sagen, dass die Grünen das Gesetz mitgetragen haben, aber eben doch, dass ein erheblicher Anteil der grünen Parlamentarier/innen es offenbar nicht schlimm findet, wenn die "Büchse der Pandora" (= Aufbau einer Zensur-Infrastruktur, die sich auch für andere Sachen als KiPo nutzen lässt) geöffnet wird. Meine Meinung zum Abstimmungsverhalten der Parteien:
* Von der CDU hab ich nichts anderes erwartet - aber die wähle ich ja sowieso grundsätzlich nicht.
* Ich hätte immerhin gehofft, dass wenigstens einige SPD-Abgeordnete Vernunft beweisen - aber ich gebe zu, dass ich bei dieser Partei die Hoffnung auf eine vernünftige Politik bereits vor längerer Zeit aufgegeben habe. Die wähle ich auch seit einiger Zeit grundsätzlich nicht mehr.
* Und bis vor einigen Tagen war ich auch der Meinung, dass die Grünen als "Bürgerrechtspartei" der FDP schon längst den Rang abgelaufen haben, und ich auch u.a. deswegen seit knapp 15 Jahren fast ausschließlich (bei Kommunalwahlen gibts manchmal ein paar Stimmen für andere KandidatInnen auf meinem ansonsten grünen Wahlzettel) grün wähle. Daher war für mich eigentlich klar (und offizielle Parteiäußerungen gingen ja auch in die Richtung), dass die Grünen das Gesetz ablehnen werden. Und jetzt das!
* Linke / FDP: Sehr gut - hier sitzen die wahren Bürgerrechtler/innen! Meine Hochachtung, insbesondere auch für die (für mich sonst unwählbare) Linke!

2-3 grüne Enthaltungen wären ein "Schönheitsfehler" gewesen. 1/3 grüne Enthaltungen bedeutet für mich, dass einer nicht-besonders-kleinen Zahl von grünen ParlamentarierInnen offenbar die Bürgerrechte doch nicht so wichtig sind. Ich sags ehrlich: In diesen, für mich durchaus sehr wichtigen Fragen fühle ich mich ab sofort von der FDP und sogar von den Linken (die ich nie wählen würde!) erheblich besser repräsentiert, als von "meiner Partei", den Grünen!

Jetzt kommt von Dir die Kritik: "Warum habt ihr nicht die Grünen auf Kurs gebracht?". Das finde ich nun völlig unangemessen! Natürlich kann man (als Mitglied eher als als Wähler) versuchen, die "voice"-Option wahrzunehmen, um seiner Meinung Ausdruck zu verleihen. Man kann und darf aber eben auch die "exit"-Option nutzen und eben was anderes wählen bzw. aus der Partei austreten, wenn man mit "voice" nicht durchkommt - ein Herr Tauss hat das bei der Konkurrenz vorbildlich vorgemacht! Abgesehen davon: Nach der Außendarstellung der Grünen lehnten diese das Zensur-Gesetz ab - warum soll man denn überhaupt seinen Einfluss geltend machen, wenn man eigentlich davon ausgeht, dass die Politik "seiner" Partei in dieser Frage eindeutig gut ist? Und erst bei der Abstimmung erfährt, dass dem nicht so ist?

Am Schluss kommt in Deinem Beitrag natürlich noch der Rundumschlag auf die Konkurrenz - Linke/FDP waren doch inhaltlich gar nicht überzeugt!. Und woher willst ausgerechnet DU das wissen? Bist Du Hellseher? Hast Du Belege? Nein? Dann ists nichts als billigste Partei-Polemik - mich treiben solche "interessierten Unterstellungen" immer erst recht zur Konkurrenz!
Auf jeden Fall haben die Abgeordneten dieser beiden Parteien im Gegensatz zu den Grünen Flagge gezeigt und meine Meinung im Bundestag vertreten!
Mir tun nur diejenigen Grünen-Abgeordneten leid, die das Gesetz abgelehnt haben und die Misere jetzt mit-ausbaden müssen. Die "Enthalter/innen" haben diesen einen Bärendienst erwiesen, insbesondere nachdem diese jetzt die Suppe mitauslöffeln müssen.

Ehrlich gesagt: Wäre letzten Sonntag Europawahl gewesen, hätte ich spontan FDP gewählt! Alleine aus Spontan-Protest gegen das grüne Abstimmungsverhalten (die anderen Parteien auf der Europa-Wahlliste sind entweder für mich unwählbar [CDU, SPD, Linke] oder chancenlos [galt zu diesem Zeitpunkt auch für die Piraten])!

Da ich mittlerweile Zeit zum Nachdenken hatte, habe ich bereits meine Pläne für die Bundestagswahl:
* Ich werde überprüfen, wo die Enthalter/innen auf der Grünen-Liste stehen. Bei aussichtsreichen Listenplätzen für mehr als 1-2 dieser Leute ==> keine Grünen-Stimme von mir, da ich dann davon ausgehen muss, dass meine Meinung in Bürgerrechtsfragen (die für mich nun mal an erster Stelle stehen, noch vor Ökologie und deutlich vor Sozialpolitik) vertreten wird. Selbiges gilt natürlich erst recht für die Erststimme. Falls die Enthalter/innen keine Chance auf ein Bundestagsmandat haben, werde ich gerne wieder grün wählen.
* Ansonsten kommts darauf an, was die Piraten-Partei inzwischen für ein Profil aufgebaut hat und wie die ihr inhaltliches Vakuum in anderen Fragen füllen. Wenn das halbwegs vernünftig aussieht, dann werde ich erstmals in meinem Leben einer nicht-etablierten Partei meine Stimme geben.
* Ansonsten bleibt wohl nur noch die "am-wenigsten-schlechte" Alternative": FDP. Es würde mir leid tun. Aber ehe ich gar nicht wähle, wähle ich wenigstens eine Partei, die in Sachen Bürgerrechte Flagge zeigt. Mir ist klar, dass ich damit indirekt die CDU mitwähle. Aber ob eine Bürgerrechts-FDP eine Zensur-CDU ausbremst, oder "nicht-ganz-so-Bürgerrechts-Grüne" eine Zensur-SPD ausbremsen, kommt im Endeffekt vermutlich aufs selbe raus...

Es ist übrigens ein ganz neues Gefühl für mich, Wechselwähler zu sein - das kannte ich in meinem Leben bisher nicht... Aber vielleicht ist das auch mal nicht schlecht - man setzt sich dadurch, habe ich zumindest das Gefühl, inhaltlich viel mehr mit diversen Parteien auseinander, als als Stammwähler...
Kommentar

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