Der Text "Unser Spitzenduo". Dazu die Gesichter von Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt.

Konzentration auf das Wesentliche und vier Punkte zur Umsetzung

Ein Debattenbeitrag von Bernhard Winzek (KV Berlin Mitte)

Es gibt viele Ungerechtigkeiten im Leben. Der Staat sollte wenige wichtige davon mildern helfen oder ganz beseitigen. Insbesondere dort, wo der Zinseszinseffekt die Ungerechtigkeit über die Zeit explodieren lässt. Meine Auswahl:

  1. Gerechte Entlohnung von Arbeit
  2. Gerechte Verteilung von Arbeit
  3. Gerechte Bildungschancen für Kinder
  4. Gerechte Startbedingungen durch Begrenzung von Erbvermögen

Ungerechtigkeiten gibt es nicht nur bei der Verteilung an Vermögen, bei Krankheitskosten und bei der Verteilung von Arbeit. Es gibt so viele Vor- und Nachteile im Leben, dass der Staat überfordert ist, wenn er alle Unterschiede ausgleichen soll. Er kann nicht Glück und Pech, Talente und Unvermögen, Attraktivität und abstoßendes Äußeres ausgleichen. Er muss sich auf wesentliche Punkte konzentrieren. Einzelfallgerechtigkeit bläht dagegen den Verwaltungsapparat ins Unermessliche auf.

Bevor wir auf die wesentlichen Verteilungsfragen konsequente Antworten finden wollen, sollten wir zunächst eine einheitliche Einstellung zu folgendem Grundproblem finden:
Ein sportlicher Mensch und ein dicker Mensch nehmen an einem 1000 m-Lauf teil. Der sportliche schafft es knapp aber ohne große Anstrengung als erster ins Ziel. Der dicke Mensch hat sich verausgabt, schafft es aber trotzdem nur als zweiter. Was soll nun durch den 1. Preis in diesem Rennen belohnt werden? Die Anstrengung des dicken Menschen oder die souveräne Bestleistung des sportlichen Menschen? Hat der sportliche Mensch vor dem Rennen bereits viel dafür getan oder kann der dicke Mensch vielleicht nichts für seine Unsportlichkeit? Welche Prämierung ist hier gerecht? Wenn beide den gleichen Anteil bekommen, rennen sie dann beim zweiten Mal überhaupt noch?

Üblicherweise erfolgt die Belohnung in unserer Gesellschaft über den erzielten Nutzen für andere, unabhängig von der notwendigen Anstrengung. Nicht immer lässt sich Anstrengung bewerten. Wenn wir allerdings den richtigen Kompromiss zwischen der Prämierung des Bemühens und der Belohnung des erzielten Nutzens finden, können wir alle anderen Gerechtigkeitsfragen lösen.

1. Gerechte Entlohnung für geleistete Arbeit

Wer als Angestellter arbeitet, wird auch dafür entlohnt, dass er vergeblich einem Ziel nachgegangen ist. Neue Arbeitsformen wie Crowd-working versuchen dies zu umgehen und nur noch den Sieger im Rennen zu entlohnen. Diese Arbeitsform ist daher im Sinne von Gerechtigkeit abzulehnen.

2. Gerechte Verteilung von Arbeit

Verteilen wir die Arbeit. Gibt es viele Arbeitsuchende zu einer Branche, muss die Arbeitszeit unter 90% der Arbeitsuchenden dieser Branche aufgeteilt werden (Die Prozentzahl ist erst mal ein sinnvoller Richtwert). Es kann also Branchen geben, in denen Facharbeiter einer 60 Stunden-Woche nachgehen dürfen, wenn sie das wollen und es kann Branchen geben, in denen zu viele Bewerber existieren und in denen die Arbeitszeit auf einen Höchstwert reduziert werden muss (z.B. 30-Stunden-Woche). Der Arbeitgeber sucht sich natürlich weiterhin seine Mitarbeiter raus. Es gibt also trotzdem Gründe sich anzustrengen, sonst gehört man zu den übrigen 10%.

3. Gerechte Bildungschancen für Kinder

Wo bei welchen Eltern die Babys das Licht des Lebens erblicken, ist eine Frage von Glück und Pech. Unterschiede in der Zuwendung der Eltern reißen bereits viele Gräben auf und schieben bereits viele Kinder auf das Abstellgleis. Ganztagsschulen mit ausreichender Betreuung und ausreichendem Schulungsangebot können diese Ungerechtigkeit mildern. Die liebevolle Zuwendung vieler Eltern mit Sinn für die Bedeutung von Bildung kann sie nicht ausgleichen, aber sie beseitigt die komplette Chancenlosigkeit, mit der viele Kinder konfrontiert sind. Die oft beschworene erzwungene soziale Durchmischung schafft dagegen oft neue Ungerechtigkeiten, da sie nicht die soziale Durchmischung verfolgt, sondern die Durchmischung nach Bildungsaffinität. Ein gerechtes Schulsystem muss soziale Durchmischung verfolgen OHNE eine Durchmischung zu erzwingen, in der Schüler mit Abneigung zu Bildung und Schüler mit Wunsch nach Bildung gemischt werden.

4. Gerechte Startbedingungen durch die Begrenzung von Erbvermögen

Alle Güter und Vermögenswerte müssen nach dem Tod an den Staat übertragen werden. Keine Vererbung mehr an die Nachkommen oberhalb eines bestimmten Betrages. Der Zinseszinseffekt kann nicht komplett unterbunden werden. Wenn der Zinseszinseffekt aber über Generationen hin wirkt, führt er zur Maximierung der Ungleichheit.

Das ist ein erster Ansatz und Ihr findet bestimmt noch weitere Punkte. Ich bin gespannt auf die Diskussion.

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