„Stresstest“ für S 21

Im Streit um die Zukunft des Stuttgarter Bahnhofes hat Schlichter Heiner Geißler heute scharfe Kritik am Konzept Stuttgart 21 geäußert und massive Nachbesserungen gefordert. Geißler forderte die Bahn auf, die angezweifelte Leistungsfähigkeit von S 21 in einem „Stresstest“ unter Beweis zu stellen. Die Grünen begrüßten in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Aktionsbündnis K21 die Schlichtung als „Fortschritt“ und dankten Geißler für seine Arbeit. Bis der geforderte Beweis erbracht sei, mache Weiterbauen keinen Sinn. Aus den geforderten Nachbesserungen ergebe sich daher ein sofortiger Stopp der laufenden Bauarbeiten und auch ein Vergabestopp bei Aufträgen. Die Nachbesserung erhöhen die Kosten des bisher 4,5 Milliarden teuren Projekts um eine weitere halbe Milliarde. Die Schlichtung habe außerdem gezeigt, dass das Konzept eines überirdischen, modernisierten Kopfbahnhofes (K21) die bessere und billigere Alternative sei, heißt es in der Erklärung. Die baden-württembergischen Grünen wollen daher weiterhin einen Volksentscheid nach der Landtagswahl am 27. März 2011 durchführen.

Erklärung im Wortlaut:

"Wir haben es geschafft zu beweisen, dass K 21 im ganzen Land als die bessere Alternative erkennbar wurde. Unser Konzept ist leistungsfähiger, ökologischer und finanzierbar. Vor diesem Hintergrund betrachten wir die Ergebnisse der Schlichtung als einen Fortschritt und danken Heiner Geißler für seine intensiven Bemühungen.

Die Bahn muss die von uns angezweifelte Leistungsfähigkeit des Konzepts Stuttgart 21 nun unter Beweis stellen. Die Baugebiete müssen ökologisch und sozial mit Beteiligung der Bürgerschaft entwickelt werden. Die Frischluftschneise für die Stuttgarter Innenstadt wird nicht bebaut werden.

Wir haben der Bahn das Zugeständnis abgetrotzt, dass der Bahnknoten Stuttgart 21 so wie bisher geplant nicht funktioniert. Die Bahn hat zugesagt, den Nachweis zu erbringen, dass der Bahnknoten Stuttgart 21 einen Fahrplan mit 30 Prozent mehr Zügen in der Spitzenstunde gegenüber heute mit guter Betriebsqualität erlaubt und die erforderlichen Infrastrukturerweiterungen vorzusehen. Die Zusage der Bahn zu diesem Stresstest für Stuttgart 21 und die Zusage, bauliche Ergänzungen vor Inbetriebnahme zu realisieren, haben aus unserer Sicht zwangsläufig eine Fortsetzung der Bauunterbrechung zur Folge. Vor eine Fortsetzung des Baus, muss zunächst der Nachweis der Leistungsfähigkeit erbracht sein, die daraus resultierenden Planänderungen durchgeführt und die Finanzierung der erforderlichen Zusatzmaßnahmen geklärt sein.

Die notwendigen zusätzlichen Infrastrukturmaßnahmen sind nach unserer Einschätzung mit 500 Mio. Euro anzusetzen. Alle Risiken bezüglich Geologie, Mineralwasser und wesentlicher Punkte der Tunnelsicherheit bleiben mit Stuttgart 21 bestehen.

Wir bedauern es sehr, dass die Angst vor einer Bauunterbrechung die Befürworter von S 21 dazu bewegt hat, die grundlegenden Erkenntnisse aus der Schlichtung zu ignorieren.

Wir lehnen es ab, dass die Landesregierung keinen Weg akzeptiert hat, die Bürger in eine neue Entscheidungsfindung einzubeziehen. Wir setzen uns weiter für eine entscheidungsrelevante Bürgerbefragung ein.
Wir bleiben bei unserer Überzeugung, das K 21 das bessere Projekt ist und werden uns auch weiter dafür einsetzen. Diesen Willen werden wir mit einer wie immer friedlichen Großdemo am 11.12. zum Ausdruck bringen."

Gemeinsame Erklärung des Aktionsbündnisses K21 und der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg zum Schlichterspruch

 

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Wie weiter mit Stuttgart 21?

Ein Interview mit Winfried Kretschmann über den Umgang mit dem Schlichterspruch, die Bedeutung des Stresstestes und warum die Grünen weiter für eine Volksbefragung sind.

Dagegen: Stuttgart 21

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Es wird immer teurer als geplant

Toni Hofreiter im Interview über die wahren Kosten von S21 und darüber, wie wir bei Großprojekten zu ehrlichen Kalkulationen kommen.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Stuttgart21_Foto_GrueneRLP_225.jpg

Der Widerstand geht weiter

Bei fast 30 Schwabenstreichen gingen am 1. Oktober bundesweit tausende Menschen auf die Straße, um gegen Stuttgart 21 zu protestieren. Melde Dich jetzt zum bundesweiten Aktionstag am 9. Oktober an!

Dafür: Ausbau der Schiene

Kommentare

Sascha
01-12-10 01:00
@jfk:

Der Schlichterspruch hat S21 faktisch für unhaltbar und unverantwortlich erklärt.

Daher zieht er letztendlich die falsche Konsequenz,

denn ein falsches Milliardengrab, das unter Vorspiegelung falscher Tatsachen beschlossen wurde,

wird nicht dadurch besser, dass es logischerweise das Planungsverfahren für eine kostengünstigere und sinnvolle Alternative

bislang unmöglich gemacht hat.

Das gilt es zu ändern - dafür gehen wir weiterhin mit friedlichem Protest auf die Straße!
Sascha
01-12-10 00:56
@Alex:

Gegen ein Milliardengrab zu sein, das null Nutzen und unverantwortliche Risiken für das Leben in Stuttgart mit sich bringt

und am heutigen Tage nochmals um eine halbe Milliarde Euro teurer geworden ist,

dieses Dagegensein kann man schon fast als demokratische Bürgerpflicht ansehen!

Schließlich sollen Volksvertreter ja laut Grundgesetz dem Gemeinwohl dienen und nicht nur dem Wohl kapitalkräftiger Eliten.

Weiter geht es mit dem massenhaften Bürgerprotest - bis zum gemeinsamen Sieg am 27. März!

Gegen Mauschelei und Volksverdummung!
Robert Heinrich
30-11-10 23:29
@Alex: falsch. Wir sind für die den Ausbau des Schienennetzes im Güterverkehr, für wichtige Zugstrecken, für den Umbau des Stuttgarter Bahnhofs zu einem modernen überirdischen Kopfbahnhof. Siehe auch: http://www.kopfbahnhof-21.de/
Robert Heinrich
30-11-10 23:25
@jfk: Wenn Du behauptest, man müsse einem Schlichterspruch folgen, nur weil die Schlichtung aus Steuergeldern bezahlt ist, dann hast Du - sorry - keine Ahnung von Demokratie! Im übrigen finden wir vieles an dem Schlichterspruch richtig und gut, ich denke das ist aus der Erklärung deutlich hervorgegangen. Geißler hat der Bahn ein Armutszeugnis ausgestellt.
jfk
30-11-10 23:01
Lächerlich wie man eine solche Niederlage versucht als Erfolg zu verkaufen. Lächerlich wie man sich vor der Verantwortung drücken will. Blos keine Versprechen geben.

Erst Schlichtung wollen und dann noch vom Urteil abweichen. Der Schlichter wurde mit Steuergeldern bezahlt, also ist er auch zu respektieren.
Alex
30-11-10 22:09
Die Grünen: dagegen, dagegen, dagegen und immer noch dagegen ....
JJK
30-11-10 21:55
Mit der veränderten Haltung zu durchgeplanten Projekten und einer unmittelbaren Abkehrung vom Schlichterspruch sind Sie für mich unwählbar geworden
Kommentar

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