Mein Kleid hat Zukunft

Auch 2010 startet parallel zur Berlin Fashion Week die thekey.to – eine Messe um grüne Mode und Lebensstil. Im Mittelpunkt: fair gehandelte und ökologische Produkte in schönem Design. Wir haben bereits auf der thekey.to 2009 mit Frans Prins, einem der Initiatoren der Messe, über die neue Nachhaltigkeit in der Modewelt gesprochen.

Frans Prins hat gemeinsam mit anderen die Modemesse thekey.to gegründet.

Frans, woher stammt die Idee, so eine Messe zu organisieren?

Die kam uns erst vor einem Jahr. Vorher haben wir uns immer in lockeren Runden getroffen und kleinere Projekte umgesetzt, zum Beispiel mit der Grassroots Foundation oder dem Netzportal Karmakonsum.

Während der Fashion Week im vorigen Jahr haben wir bemerkt, dass es immer mehr Leute gab, die wirklich etwas tun wollten. Es hatte sich eine Art Community entwickelt.

Welche Botschaft verfolgt ihr?

Die Messe ist vor allem ein Statement. Es kommt eine neue Welle grüner Mode nach Deutschland, die von einer neuen Generation von Jungdesignern und vielen jungen Menschen abseits der Modebranche getragen wird. Sie nehmen sich Umwelt- und soziale Themen vor und verbinden sie mit Unternehmertum.

Wir wollen zeigen, dass wir Ansprüche haben, auch über die Modewelt hinaus: an die Politik, die Konsumenten und die Labels.

 

Auch in der Modeindustrie tut sich was 

 

Entwickelt sich in der Mode eine grüne Bewegung?

Ja. Und ich glaube, auch etablierte Marken werden sich immer öfter in diese Bereiche wagen. Konventionelle Unternehmen wie beispielsweise Nike bemühen sich inzwischen um biologischen Anbau und kaufen einen großen Teil des gesamten Bio-Anbaus von Baumwolle auf. Das kann man befürworten oder auch kritisch betrachten. Worauf es wirklich ankommt: Es tut sich was.

Du hast vorhin die Politik angesprochen. Wünschst Du dir mehr Unterstützung?

Bio ist cool. Wir müssen es schaffen, dass nicht nur Gutverdienende coole grüne Klamotten kaufen, während alle anderen weiter den giftigen Billigkram tragen.

Im Lebensmittelbereich hat es die Biowelle gegeben, bevor sich die EU um Regelungen gekümmert hat. Auch dank des Engagements der Grünen Parteien. So etwas könnte es auch in der Bekleidungsindustrie geben, ohne mich da jetzt politisch positionieren zu wollen.

Hier auf der Messe sitzt die Avantgarde – wir hoffen, dass sich daraus eine Diskussion entwickelt und die Leute sich mit dem Thema beschäftigen. Auch deshalb haben wir Renate Künast gebeten, die Schirmherrschaft für die Messe zu übernehmen.


Es gibt auch grüne Haute Couture

 

Was kann die Politik denn tun?

Einheitliche Standards für Produktion und Arbeitsbedingungen sind ein wichtiger Punkt, um den sich die Politik bemühen sollte. Die Zustände in den Sweatshops in Asien und die Pestizide in den Stoffen dürfen nicht bleiben.

Ein zweiter Punkt: Biosiegel haben im Lebensmittelbereich für Transparenz gesorgt. Doch die bestehenden Zertifikate kosten uns Produzenten viel Geld – und sie sind zu kompliziert geregelt.

Bedeutet es Verzicht, sich ökologisch und fair zu kleiden?

Ja und Nein. Es gibt ja auch die Lohas-Bewegung. Die Leute verdienen gut, kaufen Hybrid-Autos und sie wollen nachhaltig konsumieren.

Ob ihr Verhalten dann tatsächlich als nachhaltig bezeichnet werden kann, ist wieder eine andere Frage. Dass ökologische Mode nur Verzicht ist, sollte aber Geschichte sein. Auf der Messe zeigen wir auch High Fashion. Von Verzicht im Sinne von schlechterem Aussehen kann also nicht gesprochen werden.

Es ist cool, nur grüne Klamotten zu kaufen. Man kauft weniger, aber was man hat, macht zufrieden und man kann sich gut fühlen. Ist das Verzicht? Eigentlich ist das doch ein neuer Luxus!

Also bringt der Verzicht auch einen Gewinn?

Ja, Verzicht im Sinne von: Ich habe ein sehr cooles Fahrrad und spare mir dafür das Geld für ein Auto, das ich für andere schöne Dinge ausgeben kann.

 

Beim Einkauf an die Sweatshops in Bangladesh denken 

 

Also ist die Messe doch eine Art Konsumkritik.

Nicht Konsumkritik im klassischen Sinne. Aber wir brauchen ein anderes Bewusstsein, besonders wir Großstadtleute. Alles das wir kaufen, ist schließlich nicht einfach da.

Klar, wenn ich Hunger habe, kaufe ich mir auch was an der nächsten Ecke – einfach weil die Zeit knapp ist. Aber wir müssen wieder mehr darüber nachdenken, was wir da tun. Man kann sich Billigklamotten kaufen, muss aber daran denken, dass Leute in Bangladesh sie für einen Hungerlohn zusammennähen.

Ich will auch nicht behaupten, dass alles hier auf der Messe zu 100 Prozent giftfrei ist und alles bis auf den letzten Knopf ökologisch und fair produziert wurde. Aber alle hier haben Ansätze, die in die richtige Richtung gehen. Als kleiner Designer ist es sehr schwieig, zu kontrollieren, was aus allen Ecken der Welt kommt. Aber jeder hier ist der Sache ergeben und tut, was er kann. Wir befinden uns in einem Experimentierfeld und wollen eine Diskussion auslösen. Und hoffentlich sind wir das nächste Mal stärker, nicht mehr ganz so viel Rock´n´Roll, dafür mehr Professionalität.

Fashionweek, Bread&Butter: reiht sich thekey.to nahtlos in diese Reihe Berliner Mode-Events ein? Oder ist sie als Gegenveranstaltung gedacht?

Wir haben unsere Messe so platziert, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist nicht unbedingt eine Gegenbewegung, sondern es ergibt einfach Sinn, jetzt hier zu sein. Das ist auch eine Einladung an die anderen Modemessen, sich mehr um grüne Mode zu bemühen.

Ich hoffe, dass am Ende etwas Neues entsteht – das ist mir viel wichtiger als mit anderen in Konkurrenz zu stehen. Natürlich hoffe ich auch auf Erfolg, damit sich grüne Mode auch finanziell lohnt. Wir haben Potenzial, trotz oder gerade wegen der Krise.

Das musst Du erklären.

Es wird jetzt viel von einer neuen grünen Wirtschaft geredet. Hier sind die Ansätze. Und die, die das Geld haben, sollen es richtig investieren. Grüne Mode ist ein Zukunftsthema.

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"Wenn, dann die Grünen"

Ein Gespräch mit Neumitglied Alexandra Herz und dem damaligen Bundesschatzmeister Dietmar Strehl über die Motivation bei den Grünen mitzumischen - heute und vor 30 Jahren.

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Von wegen Öko

Die Messe thekey.to zeigte Mode, die umweltfreundlich und ohne Ausbeutung produziert wird. Schirmherrin war Renate Künast

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30 grüne Jahre (21): Joschka Fischer über die rot-grüne Bundesregierung 1998

Joschka Fischer über Lust und Last des Regierens, Schlafmangel im Dienst und die Haltung als Außenminister. Teil 21 der "Grünen Geschichte(n)".

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Eine Schule für Parteivorsitzende

So sprießt der Nachwuchs. Ein Doppelinterview über das Grüne Trainee-Programm.

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„Wer will, kann viel verändern“

Girls‘ Day Girls befragten Gesine Agena zu ihrem Weg in die Politik und den nächsten Projekten der Grünen Jugend.

Kommentare

Redaktion
13-07-09 12:43
MILCH
13-07-09 12:16
wo bleibt die versprochene diashow? da haben 2 ganz engagierte frauen für diese homepage fotografiert!
Heike Geißler
08-07-09 21:12
Lieber Frans,

vergessen habt Ihr die Versandhändler Hess Natur, Maas und Waschbär ganz bestimmt nicht, was praktisch in Deutschland gar nicht geht, wenn man sich mit Öko-Mode beschäftigt. Nur, warum sind sie bei thekey.to nicht vertreten? Von Waschbär und Hess Natur weiß ich, dass sie ein eigenes Design betreiben. Landauf, landab wird diese Mode von immer mehr Menschen getragen und gehört einfach dazu. Selbst, wenn der Laufsteg noch viel Extravaganteres erforderlich macht. Ich würde mich über Hintergrundinformation zu dieser Frage freuen.
Freundlichen Gruß

Heike Geißler
Stadträtin, Fraktion B´90/Die Grünen
Kommentar

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