Macht uns die Sonne arm?

Immer wieder hörte man in den vergangenen Wochen die Nachricht, dass Solarunternehmen wegen des zunehmenden globalen Konkurrenzkampfs in wirtschaftliche Probleme geraten. Dennoch will Bundeswirtschaftsminister Rösler gerade jetzt die Solarförderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz kürzen. Im Interview mit gruene.de erklärt der energiepolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Hans-Josef Fell, weshalb die Bundesregierung es mit der Energiewende nicht ernst meint und warum wir China beim Ausbau der Erneuerbaren Energien mit ins Boot holen müssen.

Hans-Josef Fell ist energiepolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion.

gruene.de: Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender von RWE, hat gesagt, der Mini-Jobber finanziere das Solardach des Zahnarztes. Ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz wirklich so ungerecht?
Hans-Josef Fell: Dann müsste Herr Großmann ja auch behaupten, der Arbeitslose finanziere das Dienstwagenprivileg für den Porschefahrer bei RWE. Nein, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist eine enorme Erfolgsgeschichte, gerade in der Fotovoltaik, aber auch bei Windkraft, Biogas und anderen Erneuerbaren Energien. Wir sehen, die Erneuerbaren machen richtig Druck auf die alte, schädliche Stromerzeugung. Dass zum Beispiel Holland einen geplanten Atomreaktor nicht baut, weil die fallenden Strompreise ihn unrentabel machen, liegt vor allem an den Erneuerbaren Energien.

Großmann meint auch, Solarstrom in Deutschland sei so sinnvoll wie Ananaszucht in Alaska.
Natürlich gibt es in den Wüsten von Afrika bessere Strahlungsbedingungen. Doch auch in Deutschland scheint bekanntlich die Sonne. Schon heute ist die Produktion von Solarstrom billiger als der Strom, den Frau Müller und Herr Meyer von RWE oder Vattenfall kaufen. Bereits dieses Jahr wird die Solarvergütung absehbar unter 20 Cent (ohne Mehrwertsteuer) pro Kilowattstunde fallen. Dieser Preis bleibt über 20 Jahre gleich. Wenn man bei Vattenfall Strom einkauft, müssen die Kunden dieses Jahr vermutlich 24 oder 25 Cent (mit Mehrwertsteuer) pro Kilowattstunde zahlen und dieser Preis wird in den nächsten Jahren steigen.

Lass uns noch mal zurückschauen: Was hat uns das EEG denn gebracht?
Mit dem EEG wollten wir die Monopolstellung der alten Stromkonzerne brechen, die den Netzeintritt neuer Akteure immer bekämpft haben. Dafür hat das EEG mit dem gesetzlich verordneten, privilegierten Netzzugang für die Produzenten Erneuerbarer Energien gesorgt. Es hat Wind- und Solarstrom über eine Umlage gefördert, als diese Stromarten noch nicht konkurrenzfähig waren. Und es hat den Produzenten den Absatz garantiert. Das hat zu den notwendigen Investitionen geführt, zu einem beispiellosen Produktivitätsschub, zu Hunderttausenden neuen Arbeitsplätzen und Milliarden Steuereinnahmen. Und das EEG hat den Erneuerbaren Energien einen enormen technologischen Schub gegeben, das ihnen weltweit zum Durchbruch verhilft.

Ist es denn wirklich fair, die Förderung des Stroms aus Erneuerbaren Energien auf die Stromkunden umzulegen?
Es wäre fair, die Kosten auf wirklich alle Stromkunden umzulegen. Aber diese Koalition hat ja aktuell eine ganze Menge Branchen auch von der EEG-Umlage befreit. Dazu gehören zum Beispiel der Braunkohletagebau und die Zementindustrie. Hier werden die größten Klimasünder zu Lasten einfacher Haushaltskunden aus der Verantwortung genommen. Das ist eine unfaire Umverteilungspolitik.

Das heißt, die Regierung treibt die Strompreise in die Höhe?
Nehmen wir die sogenannte „Marktprämie“. Diese soll Erzeuger von Erneuerbaren Energien belohnen, wenn sie ihren Strom zu Hochzeiten, wenn das Netz also voll ist, nicht einspeisen. So wird die Entwicklung der Erneuerbaren Energien gebremst. Richtig wäre zum Beispiel, endlich ausreichend Speicher zu bauen, damit Solarstrom zu jeder Zeit fließen kann. Ohne diese Maßnahmen der Regierung wäre die EEG-Umlage zum Jahreswechsel sogar gesunken - trotz des Booms bei Solaranlagen und Windkraft. Nicht der Zubau der Erneuerbaren Energien führt zu höheren Strompreisen, sondern schwarz-gelbe Lobbypolitik und die Preistreiberei der großen Stromkonzerne. An den jüngsten Strompreiserhöhungen von Vattenfall & Co. spielt die Umlagenerhöhung mit zwei bis vier Prozent nur eine marginale Rolle. Weit über 90 Prozent entfallen auf andere Faktoren.

Trotzdem soll sich die Einspeisevergütung für die bis 2010 gebauten Solaranlagen auf 150 Milliarden Euro summieren. Diese müssen die Stromkunden die nächsten 20 Jahre bezahlen.
Diese Zahl ist reine Propaganda und man kann sie nicht stehen lassen. Es gibt Berechnungen, die auf weit niedrigere Zahlen kommen. Unabhängig davon bekommen die Stromkunden ja auch eine Gegenleistung. Bei den Milliarden handelt es sich ja nicht um reine Subventionen, sondern um den Preis, der für eine Leistung bezahlt wird. Man darf nicht vergessen: Die Steinkohle wurde in den Jahren 1970 bis 2010 mit 288 Milliarden Euro staatlich gefördert, die Atomenergie im gleichen Zeitraum mit 196 Milliarden Euro. Und in dieser Rechnung sind die ökologischen Folgekosten wie etwa die Einlagerung und Sicherung des Atommülls oder die Folgen des Klimawandels aufgrund des CO2-Ausstoßes bei der Steinkohle-Verbrennung noch nicht berücksichtigt. Die Erneuerbaren Energien bekamen zwischen 1970 und 2010 übrigens nur 39 Milliarden Euro Förderung. Wir haben die EEG-Umlage damals ganz bewusst auf die Stromkunden umgelegt und nicht auf die Steuerzahler. Sonst wäre nämlich der öffentliche Haushalt belastet worden, sobald das EEG Wirkung gezeigt hätte. Anschließend hätte der Finanzminister versucht, die Energiewende zu bremsen und einzudämmen. Die Folge wären eine hohe Staatsverschuldung und keine Hilfe für das Klima. So ist das zum Beispiel in Spanien leider passiert. Vor allem aber muss man bedenken, dass es sich um Investitionskosten handelt. Wir werden in den nächsten Jahrzehnten wesentlich mehr an der Ernte verdienen, als die Ausgaben für die Saat gekostet haben.

Es wird auch oft kritisiert, dass der Solarstrom nur drei Prozent am erneuerbaren Strommix ausmacht, aber fast die Hälfte der EEG-Umlage in die Sonnenenergie fließt. Verdienen Solarunternehmen dadurch nicht unverhältnismäßig viel?
Da werden schon mal die Zahlen verwechselt. Der Anteil des Solarstroms am Erneuerbaren Strom beträgt bereits zwischen einem Fünftel und einem Viertel. Der Anteil an der gesamten Stromerzeugung beträgt bereits vier Prozent. Das ist sehr viel, wenn man bedenkt, dass er vor kurzem noch deutlich unter einem Prozent lag. Zudem wird übersehen, dass Solarstrom vor allem dann erzeugt wird, wenn viel Strom benötigt wird, zum Zeitpunkt der Mittagsspitze. Diesen Januar haben die Solaranlagen um die Mittagszeit bereits öfter soviel Strom erzeugt, wie mehrere Atomkraftwerke zusammen genommen. Solarstrom ergänzt sich da übrigens sehr gut zum Windstrom. Die Zeit, dass Solarunternehmen viel Geld verdient haben, ist vorbei. Und diese Zeit war auch nötig, damit sie in die Weiterentwicklung ihres Maschinenparks investieren konnten. Nur so war die Massenproduktion und der Preisverfall möglich, von dem jetzt alle profitieren. Von Renditen, wie jene von RWE und E.ON bei abgeschriebenen Atomkraftwerken, konnten die Solarfirmen aber auch in ihren besten Zeiten nur träumen. Wenn wir den Röslerschen Solarausstieg verhindern, werden wir bald schon Stromerzeugungsanteile von sechs, sieben und acht Prozent Solarstrom haben. Keiner anderen Technologie ist es gelungen, so schnell große Beiträge zur Stromerzeugung zu leisten.

Macht China mit der günstigen Produktion von Solarpanels den deutschen Markt kaputt?
Es ist gut, dass die chinesischen Unternehmen mitmachen. Der globale Klimaschutz braucht Klimaschutztechnologien überall in der Welt. Da die chinesischen Solarunternehmen weiterhin in großem Umfang bei deutschen Maschinenbauern einkaufen, führt dies auch dazu, dass diese ihre Maschinen günstiger produzieren und schneller weiter entwickeln können. Die chinesischen Unternehmen haben die Preise gedrückt. Davon profitieren vor allem die Stromkunden aber auch die Solarunternehmen, die ebenfalls Komponenten verkaufen, darunter die führenden deutschen Wechselrichterhersteller.

Und wir wollen ja auch, dass China nicht nur auf Kohle, Atom und andere Klimakiller setzt...
Genau. Natürlich exportieren die Chinesen auch. Wer will es ihnen verdenken. Dadurch werden die Preise noch weiter gesenkt, und es entstehen immer mehr Märkte in der Welt. In Nordafrika ist die Fotovoltaik heute schon konkurrenzfähig mit neuen Gas- und Kohlekraftwerken. Und gerade jetzt setzt die schwarz-gelbe Bundesregierung die Daumenschrauben an die deutsche Technologieführerschaft an, statt sie richtig zu unterstützen, wie sie es zum Beispiel immer mit der Automobilwirtschaft gemacht hat. Da versagt unsere Bundesregierung völlig.

Was hältst du von Philip Röslers Vorschlag, die Solarförderung auf ein Gigawatt pro Jahr zu beschränken?
Davon halte ich gar nichts, denn damit haben die Spanier ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Dort hat der Finanzminister den Deckel eingeführt, weil die Umlage teilweise aus Steuergeldern bezahlt und so der Haushalt stark belastet wurde. Der Effekt war, dass der Deckel nicht einmal erreicht wurde, und es zum Zusammenbruch des Marktes und der Entlassung von 20.000 Menschen innerhalb weniger Monate kam. Das würde in Deutschland sogar in noch größerem Ausmaß passieren. Wir haben heute etwa 100.000 Beschäftigte in der Solarwirtschaft. Wenn jetzt Rösler mit dem Deckel kommt, haben wir Entlassungen zu befürchten. Da muss man sich auch die Frage stellen, ob das Bezahlen dieser Arbeitslosenkosten dann nicht den Sozialkassen höhere Defizite bringen würde, als die Solarförderung kostet. Was viele noch nicht verstanden haben ist, dass Rösler den Ausbau der Solarenergie ganz stoppen will. Bei 33 Gigawatt soll Schluss sein. 25 Gigawatt haben wir schon. Rösler fordert nichts weniger als den Solarausstieg.

Was treibt denn Rösler in seiner Kampagne gegen die Solarkraft an?
Ich glaube, dass viele Leute in CDU/CSU und FDP, die ja nur mit geballter Faust der Rücknahme der Laufzeitverlängerung zugestimmt haben, jetzt darüber eine Art Retourkutsche fahren. Zudem hofft Rösler über einen scharfen Anti-Öko-Kurs verloren gegangene Stammwähler zurück zu erobern, die immer für Atomenergie und gegen Solarenergie waren. Der FDP-Parteivorsitzende greift nach dem Strohhalm. Er übersieht, dass er mit Insolvenzen von Solarfirmen als Bundeswirtschaftsminister nicht punkten wird. Viele FDP-Mitglieder sind daher erschrocken über seinen Kurs.

Ist denn die Energiewende, die Schwarz-Gelb mit beschlossen hat, in Gefahr, wenn am EEG herum geschraubt wird?
Global sind wir auf einem guten Weg. Die Kosten für Erneuerbare Energien fallen so schnell, dass diese Entwicklung nicht mehr zu stoppen ist. Vor allem auch wegen China. Schwarz-Gelb kann aber die Energiewende in Deutschland ausbremsen. Wenn Schwarz-Gelb die deutsche Solarindustrie kaputt macht, werden die Menschen nur noch chinesische Module für ihre Dächer kaufen, darüber ihren billigen Strom machen und trotzdem noch keinen Atomstrom kaufen. Es ist eigentlich unbegreiflich, dass die Bundesregierung jetzt nicht ernten will, was wir über Jahre hinweg gesät haben, nämlich den wachsenden Weltmarkt mit deutschen Unternehmen zu bedienen.

Fotos: Hans-Josef Fell: gruene.de; Wählerischer Stromzähler: a.fiedler/flickr.com (CC BY-SA 2.0); Wind und Solar: bby/flickr.com (CC BY-NC 2.0).

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Zehn Argumente für Solarstrom

Wir erklären, warum Solarstrom ein wichtiger Baustein für die Energiewende ist.

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Was kostet Strom?

Die Diskussion um den Strompreis ist voll entbrannt. Viele Zahlen schwirren umher. Eine Studie hilft jetzt bei der Versachlichung.

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Warum der Strompreis steigt

Eine Geschichte über unfaire Ausnahmen, die Schwarz-Gelb der Industrie gewährt.

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Keine Wende in Sicht

Schwarz-Gelb verstolpert wichtige Schritte auf dem Weg zur Zukunft mit Erneuerbaren. Die Solarförderung wird gekappt, bei Energiesparen und Energieeffizienz werden Potentiale nicht genutzt.

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"Die Sonne schreibt keine Rechnungen"

Was bringt Desertec? Bärbel Höhn über Chancen und Risiken des Solarprojekts

Kommentare

DL
10-03-12 02:28
Wo finde ich das Video des Bundestagsmittschnitts der Rede von Hans-Josef Fell vom 09.03.12 bzgl. der Solarpolitik der Koalition?
Man ist das altbacken hier!
Hans
29-02-12 17:40
Hans Vogler – Waldeckstraße 17 – 72074 Tübingen 29. März 2012

Sehr geehrte Damen und Herren

Es ist nicht der erste Versuch, das EEG indirekt zu umgehen und auszuhebeln. Auch die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke wurde im Eiltempo durchgepeitscht. Die Abgeordneten von CDU/CSU und FDP hatten gar keine Gelegenheit, sich vor der Abstimmung kundig zu machen, um verantwortungsvoll nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden zu können.
Dass das Gesetz zur Laufzeitverlängerung gestoppt wurde verdanken wir der verheerenden Katastrophe in Japan vor einem Jahr. Das neue Ausstiegsgesetz wird aus Regierungskreisen bis heute in Frage gestellt.
Herr Rösler hat vor kurzem ganz unverfroren seine Meinung kund getan, das Erneuerbare Energien Gesetz abzuschaffen. Es geht bei der geplanten Veränderung des EEG nicht nur um eine Kürzung der Vergütung bei Solaranlagen. Der Hauptgrund dürfte darin zu sehen sein, den Vorrang der Erneuerbaren Energien zu kippen. Dadurch wäre nicht nur die Solarindustrie betroffen, sondern durch Rechtsverordnungen könnte die Regierung am Parlament vorbei fast beliebige Veränderung der Einspeisung Erneuerbarer Energie beschließen. Auf diese Weise wäre das Erneuerbare Energie Gesetz im Sinne der großen Konzerne völlig verstümmelt und wirkungslos. Dass Herr Röttgen als verantwortlicher Minister auf diese plumpe und verantwortungslose Attacke ohne Widerspruch herein fällt, lässt sehr an Kompetenz und Rückgrat des Ministers zweifeln. Ich glaube kaum, dass die Tragweite der vorgesehenen Gesetzesänderung den Abgeordneten, speziell in den Regierungsparteien, bewusst ist. Solch schwerwiegende Beschlüsse ohne Hintergrundwissen nach Parteiendisziplin zu entscheiden ist fahrlässig und wird der Verantwortung des einzelnen Abgeordneten gegenüber der Gesellschaft nicht gerecht.
Da eine große Mehrheit der Bevölkerung sich gegen die Pläne der Regierung aussprechen,
gibt es keine Rechtfertigung für die geplante Änderung des Erneuerbaren Energie Gesetzes.
Die beabsichtigte Änderung des Erneuerbaren Energie Gesetzes und die Kürzung der Solarvergütung ist im Interesse der ganzen Solarindustrie und des betroffenen Installationsgewerbes nicht zu verantworten und steht in keinem Verhältnis zum Nutzen für Staat und Gesellschaft. Die Mehrkosten für die Beibehaltung des EEG nach der Rechtslage vom 1.1.2012 hat durch die stark gesunkene Vergütung für die kommenden Jahre keinen wesentlich negativen Einfluss mehr auf die Stromkosten der privaten Haushalte oder die Wirtschaft. Ganz im Gegenteil profitieren Handwerk und Gewerbe sowie Gemeinden, Länder und Bund durch die Wertschöpfung im Allgemeinen. Auch die Sozialversicherungen spüren die positiven Auswirkungen der neuen Arbeitsplätze bei der Solar- und Windbranche und wären durch die Kürzungen der Vergütung durch Insolvenzen und Arbeitslosigkeit stark betroffen.
Da die großen Konzerne sich bisher beim Ausbau der Erneuerbaren Energie kaum beteiligt haben und mit ganz anderen Gewinnspannen rechnen als Privatleute oder der gewerbliche Mittelstand in der Solarindustrie ist es gegenüber der Allgemeinheit kaum zu verantworten, einseitig den dringend benötigten Umstieg der Stromversorgung auf erneuerbare Energie zu verzögern.
Da Kohle- und Atomstrom unverhältnismäßige Kosten und Risiken für Gegenwart und Zukunft darstellen muss im Sinne der Erneuerbaren den Zukunftsbranchen Solar- und Windenergie Vorrang eingeräumt bleiben.
Ein weiterer Punkt darf bei der Kostendiskussion nicht unerwähnt bleiben:
Kohle und Atom wird seit mehr als 40 Jahren gefördert und subventioniert. Bei der Kohle ist noch über Jahrzehnte mit Externen Kosten in Milliardenhöhe im Umwelt- und Gesundheitswesen zu rechnen. Bei Kohle und Atom summieren sich die Subventionen, steuerlichen Vergünstigungen und externen Kosten im Umwelt- und Gesundheitswesen bisher auf insgesamt mindestens 1000 Milliarden Euro. Mit jedem Jahr steigen diese Kosten in Milliardenhöhe weiter. Die Kosten für die Atommüllentsorgung und Endlagerung kommen erst noch auf uns zu und steigen weiter verbunden mit all den Risiken über Hunderttausende von Jahren.
Bei den Erneuerbaren Energien dauert die Förderung gerade mal 20 Jahre und ist spätestens nach 40 Jahren beendet. In der Summe wird der Umbau auf Erneuerbare Stromversorgung etwa 300 Milliarden kosten – ohne Abhängigkeit, ohne Energieimportkosten und ohne die bekannten Risiken wie bei Kohle und Atom.
Das Zurückdrängen und Beschränken der Solar- und Windindustrie begünstigt nur den Weiterbetrieb von Atom- und Kohlekraftwerken zum Schaden Aller. Selbst aus ökonomischer Sicht gibt es keinen Grund, an veralteten Strukturen fest zu halten. Solar- und Windstrom wird von Jahr zu Jahr preiswerter und Atom- und Kohlestrom als endliche Energien zwangsweise immer teurer.
Die Deutsche Wirtschaft hat bisher durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien profitiert. Dies ist durch gefallene Preise an der Strombörse in Leipzig eindeutig belegbar.
Durch Hunderttausende neu geschaffene Arbeitsplätze werden Steuern und Sozialabgaben generiert, die den Haushalten aller Länder und dem Bund zu gute kommen. Über eine Million von Anlagenbetreibern sind Gewinner der Umstrukturierung im Strombereich.
Da auch eine Absolute Mehrheit bis heute den Ausbau der Erneuerbaren Energien befürwortet und all diese Argumente den verantwortlichen Ministern bekannt sind ist der Tatbestand des Amtsmissbrauchs und des Verstoßes gegen den Amtseid als Minister nach meiner Meinung gegeben. Darum bitte ich alle, die einen schnellstmöglichen Umbau der Stromversorgung auf Erneuerbare Energie befürworten, sich der Initiative des Solarenergie-Förderverein Deutschland mit Rat und Tat zu unterstützen.

24.02.2012, SFV-Team:
Stoffsammlung für Verfassungsbeschwerde wegen Schädigung der Erneuerbaren
Aufruf zur Stoffsammlung für eine Verfassungsbeschwerde
Dieser Beitrag wird ständig aktualisiert
Der Solarenergie-Förderverein Deutschland sieht den gemeinsamen Kampf Tausender kleiner Organisationen und Millionen engagierter Bürger gegen den laufenden Klimawandel durch die gesetzgeberischen Maßnahmen der letzten Jahre und Monate auf das Äußerste gefährdet. Die Gesetzesvorschläge zur Solarkürzung von Wirtschaftsminister Rösler und Umweltminister Röttgen stellen jetzt die messerscharfe Spitze eines gefährlichen Eisberges dar, der das Schiff Energiewende in kurzer Zeit aufreißen und zum Sinken bringen kann. Sie sind deshalb der unmittelbare Anlass für diesen Rundbrief.
Worum geht es?
Wir haben den Eindruck, dass zeitparallel zu dem (lange absehbaren) Scheitern der letzten Internationalen Klimakonferenzen auch die Bundes- und etliche Landesregierungen anscheinend systematisch die nationalen Spielräume und Möglichkeiten zur Verminderung von CO2-Emissionen sabotieren. Ob abgesprochen oder eher zufällig, richten sich immer mehr gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Einsparung von Energie.
Darüber hinaus erschweren und verteuern immer neue Verordnungen und gesetzgeberische Maßnahmen - oft auch neue Gesetzesauslegungen - unnötigerweise die Gewinnung von Energie aus den Erneuerbaren Energien Wind und Sonne.
Mach dem Grundverständnis unseres Staatswesens bleibt es der gewählten Regierung überlassen, mit welchen gesetzgeberischen Maßnahmen sie die Abwehr einer uns allen drohenden Gefahr betreibt. Wenn sie eine solche Abwehr jedoch nur mit Worten betreibt, die im Gegensatz zu ihren gesetzgeberischen Taten stehen, dann hat sie Ihre Pflicht versäumt. Ebenfalls hat sie ihre Pflicht versäumt, wenn kein realitätsfähiger Plan mehr zu erkennen ist, wie denn der CO2-Ausstoß in Deutschland verringert werden soll. Der Höhepunkt der Pflichtverletzung aber ist erreicht, wenn die Regierung eine Abwehr des CO2-Ausstoßes nicht mehr betreibt, sondern sie durch gesetzgeberische Maßnahmen schwächt oder verhindert. Wenn die Regierungsmaßnahmen dann sogar noch erkennbar der Verlängerung der fossilen Energieversorgung dienen, wenn also die finanziellen Interessen der Fossilkraftwerksbetreiber über das Recht der Bürger dieses Landes auf Schutz vor dem drohenden Unheil des Klimawandels gestellt wird, dann bleibt uns nur noch der Gang zu den Verfassungsgerichten.
Was wollen wir tun?
Wir wollen Stoff für eine oder mehrere Verfassungsbeschwerde sammeln und bitten alle Leser um Mithilfe. Es geht um die Sammlung von Gesetzestexten, mit denen Binnenlandwind- und Sonnenenergie gegenüber den fossilen oder atomaren Energien benachteiligt werden.
Wir brauchen: Die Bezeichnung des Gesetzes, einen Link zu dem Gesetzestext, den Wortlaut des beanstandeten Paragraphen, eine kurze Erläuterung, inwiefern die zitierte Bestimmung die Gewinnung von Solar- oder Windenergie benachteiligt, bzw. die Gewinnung von Atom- oder Fossilenergie bevorzugt. Ggf. auch noch eine offizielle Begründung oder Pressemitteilung, aus denen hervorgeht, welchem Zweck die Regelung angeblich dienen soll. Häufig betont ja der zuständige Fachminister die besondere Bedeutung seines Gesetzeswerks für den Klimaschutz. Auch wenn diese Begründungen oft absurd sind, so wollen wir sie doch gerne kennen.
Wir brauchen ferner statistisch abgesicherte Belege dafür, welche Erfolge oder Misserfolge die gesetzlich angeordneten Maßnahmen haben.
Außerdem erbitten wir die Genehmigung zur Veröffentlichung der Überlegungen des Einsenders. Passagen, die nicht veröffentlicht werden sollen, bitte gesondert kennzeichnen.
Ob wir letztlich den Auftrag für eine Verfassungsbeschwerde geben, ob sie überhaupt Aussicht auf Erfolg haben wird, wer die Verfassungsbeschwerde durchführen wird, wissen wir noch nicht.
Das gesammelte Material soll jedenfalls jedem zur Verfügung stehen, der es in seiner Verfassungsbeschwerde verwenden will. Deshalb eröffnen wir dazu eine gesonderte Internetseite, die alle von uns für verwendbar gehaltenen Vorschläge aufnehmen soll.
Wir sind kein Juristenverein, aber unsere Kompetenz liegt darin, dass wir die Auswirkungen gesetzliche Regelungen auf das Wachstum oder die Verminderung des Wachstums bei Wind- und Sonnenenergie recht gut abschätzen, die Berechtigung eines Vorwurfs also beurteilen können.
Wir sind sehr gespannt auf Ihre Einsendungen.
Simone
24-02-12 18:45
Ich kann nicht verstehen, diese Zukunft von Solarenergie wegen eines Politikers wie Herrn Rössler abzuwürgen. Mein Sohn ist 28 und war froh seit 2 Jahren in dieser Branche zu arbeiten. In seiner Firma sind alle jetzt komplett frustriert und haben Angst schon bald aufs Arbeitsamt zu müssen.
andre
24-02-12 11:36
Warum tut keiner was von den Grünen dagegen ???Ruft alle Firmen auf zu demonstriren in Berlin, nicht in kleinen Städten bevor schlimmeres passiet!!!! Ich bin so enttäuscht von der Regierung wähle schon zeit 3 Jahren die Grünen aber nichts passiert. Macht was dagegen. Über all würd Geld rein gepummt wenn es ein Auto Lieferant schlecht geht. Dafür haben wir Geld , oder den Griechen was zu leihen , aber unser Land sinnvolles Geld zu investieren, sieht keiner!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Florian
24-02-12 10:18
Der Herr Röttgen, weiß doch genau, dass die Argumente seines Kollegen Rösler vorgeschoben, d.h. gelogen sind! Ihm geht es darum, den Ausbau einer dezentralen Energieversorgung zu verzögern. Das ist reine Lobby Politik für seine Förderer, die großen Stromkonzerne. Warum trägt er das mit? Wir werden sehr energisch darauf achten, dass er diese Lüge noch sehr lange verfolgen wird!
kohl
Wildo
23-02-12 21:03
Ein auf Falschaussagen und Verdrehungen basierender Bericht, der noch nicht einmal den Schein von Seriosität wahrt. Zumindest bei dehnen die eins uns eins zusammenzählen können und sich nicht von politischen Dogmen verblenden lassen. Es gibt nur eine Richtung „Öko“ da sind Tatsachen nur hinderlich.
Alexander
20-02-12 11:26
Schöner Bericht, relativiert und entkräftet einige harte Argumente gegen Solarenergie.
Aber ein Frage habe ich: wenn Solarstrom ein Fünftel bis ein Viertel vom totalen Ökostrom stellt, wird dann nicht immer noch mit ca. der Hälfte aller Fördergelder relativ viel in Beschlag genommen?
GSD
17-02-12 12:06
Mich persönlich macht die Sonne reich.
Markus
09-02-12 12:29
Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich als ehemaliger FDP Wähler werde meine Stimme bei den nächsten Wahlen den Grünen geben. Wenn Rösler denkt mit diesem Unfug Wähler zurück zu gewinnen, liegt er komplett falsch.
Ludwig
08-02-12 16:26
Weiter so mit der objektiven Berichtetstattung und Aufklärung speziell über Solarenergie und Wirtaschaftminister usw. toll!!
Kommentar

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