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Ein Konsortium deutscher Unternehmen plant den Bau eines Komplexes von Solarkraftwerken in der Sahara. Das Projekt Desertec, das Europa und Nordafrika mit Sonnenstrom versorgen soll, weckt Hoffnungen auf einen rascheren Wandel unserer Energieversorgung. Doch einfach nur Kraftwerke zu bauen, reicht nicht. Die grüne Vize-Fraktionschefin im Bundestag, Bärbel Höhn, über Chancen und Risken des Projekts.

Frau Höhn, es liegt nahe, die Energie der Sonne zu nutzen, um mit ihr unseren Energiebedarf zu decken. Warum ist da eigentlich bisher noch niemand drauf gekommen?
Die Idee Desertec gibt es nicht erst seit gestern. Sie wurde schon lange diskutiert. Dass es jetzt von dem Unternehmenskonsortium vorgestellt wurde, ist nur ein weiterer, wenngleich entscheidender Schritt.
Stehen die Grünen diesem Projekt positiv gegenüber?
Im Grundsatz halten wir das für sinnvoll. Man muss allerdings einige Dinge bedenken. Das Erste ist, dass wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland keinesfalls vernachlässigen dürfen. Desertec hat das Potenzial, unsere Stromversorgung zu 15 Prozent zu decken. Das heißt, dass wir immernoch 85 Prozent unseres Stroms hier erzeugen müssen. Zweitens müssen wir die Bevölkerungen der Staaten mitnehmen, in denen die Solarkraftwerke stehen sollen. Auch sie müssen mit dem in ihren Ländern erzeugten Strom versorgt werden. Und eine wirtschaftliche Perspektive durch das Projekt gewinnen.
Der SPD-Umweltexperte Herrmann Scheer fürchtet, dass das Projekt den Ausbau Erneuerbarer Energien hierzulande schwächen würde. Wie real ist diese Gefahr?
Ich sehe das nicht. Desertec ist eine gute Ergänzung zum Ausbau der Erneuerbaren. Wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen und müssen diese Ressourcen miteinander kombinieren.
Das Konsortium, das jetzt Desertec vorantreibt, besteht unter anderem auch aus den AKW-Betreibern RWE und E.On. Was treibt diese Unternehmen dazu an, ein solches Projekt zu starten? Ein grünes Feigenblatt, um hierzulande die AKWs länger betreiben zu können?
Einer der Hauptinitiatoren ist die Versicherung Münchner Rück, die das Projekt aus wirtschaftlichem Eigeninteresse vorantreibt. Schließlich zahlen sie für Klimafolgenschäden und Umweltkatastrophen. Was die Kraftwerksbetreiber angeht, muss man abwarten. Es ist jedenfalls sinnvoll, dass sie sich im Solar- und Windkraftbereich engagieren. Je mehr Alternativen sie zu Atom- und Kohlestrom aufbauen, desto weniger werden sie versuchen, den Energiewandel zu bremsen. Wir haben kein Problem damit, dass ein Teil der Erneuerbaren Energien von großen Energielieferanten erzeugt wird, während ein weiterer Teil weiterhin dezentral entsteht.
Ein Beispiel für das von den Grünen propagierte Zusammenspiel zwischen Ökonomie und Ökologie?
Nicht das erste. Das von Rot-Grün beschlossene Erneuerbare-Energien-Gesetz hat in diesem Sektor 280.000 Menschen in Lohn und Brot gebracht, während es in der Atomkraft nur 35.000 Jobs gibt. 85 Prozent unserer Windkraftanlagen werden exportiert. Das ist ein riesiges Geschäft, dessen Ergebnis wir noch weiter verbessern können, wenn wir stärker auf Erneuerbare Energien setzen.
Einige der Staaten, in denen die Solarkraftwerke stehen sollen, sind politisch instabil. Schaffen wir uns da ein Risiko für unsere Energieversorgung?
Das Öl und und das Gas, das wir heute importieren, kommt zum großen Teil aus sehr unsicheren Gebieten. Wenn wir 15 Prozent unseres Strom aus der Wüste beziehen und zusätzlich weniger Öl verbrauchen, weil unsere Mobilität elektrischer wird, sind wir deutlich weniger abhängig von unsicheren Staaten als wir es momentan sind.
Wie kann man auch die Staaten, aus denen der Solarstrom käme, zu Nutznießern des Projektes machen?
Energie ist die Triebfeder für industriellen Aufbau. Daher ist das Wichtigste, dass sie in die Lage versetzt werden, ihre Bevölkerungen mit Strom zu versorgen, um dort wirtschaftliches Wachstum zu gewährleisten. Zudem ist die Zusammenarbeit auf dem Energiesektor ein wichtiges politisches Zeichen. Das betrifft gerade die arabischen Staaten, mit denen es ja immer wieder auch Konfliktpotenzial gibt. Wirtschaftliche Zusammenarbeit kann der Grundstein für politische Entspannung sein.
Böte es sich an, solche Solarprojekte auch in anderen Teilen der Erde zu beginnen?
Bei Desertec kommen drei günstige Faktoren zusammen: Intensive Sonneneinstrahlung, eine dünn besiedelte Region, Europa ist nicht weit. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass das Konzept bei einem Erfolg auch in anderen Ländern versucht wird. Zumal da solche Projekte kostengünstiger ausfallen werden, wenn die Photovoltaiktechnik viel billiger werden wird. Die Sonne schreibt schließlich keine Rechnungen.