"Bäuerlich ökologisch"

Es müssen nicht nur die "schwarzen Schafe" verfolgt werden, sondern die gesamte Mischfutterindustrie sollte kontrolliert werden, sagt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL). Außerdem könnten Bauern auf artgerechte Haltung umstellen und Verbraucher beim Einkauf nicht nur auf den Preis achten, so Janßen. Die AbL ist Teil des Demobündnisses, das die große "Wir haben es satt!"-Demo am 22. Januar in Berlin mit organisiert.

Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL).

gruene.de: Was dachten Sie als erstes, als Sie vom Dioxin-Skandal gehört haben?
Georg Janßen: Dieser Dioxin-Skandal überrascht uns überhaupt nicht. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL) hat seit einem Jahrzehnt von mafiösen Strukturen in der Futtermittelindustrie gesprochen. Es ist auch nicht eine Frage der „schwarzen Schafe“, wie das jetzt von vielen Verbänden betitelt wird. Als ob alle nur Opfer wären. Es handelt sich hier um einen systematischen Zweig in der Landwirtschaft, der so nicht weitergehen kann.

Was muss die Politik jetzt tun?
Wir sind der Auffassung, dass wir eben nicht nur „schwarze Schafe“ verfolgen sollten, sondern die gesamte Mischfutterindustrie anschauen müssen. Man muss auch nicht einen Politiker auswechseln, sondern das System krankt. Das System muss auf eine andere Basis gestellt werden. Der Welt-Agrarbericht hat dafür vor zwei Jahren eine Handlungsoffensive gefordert – ein „Weiter so“ ist keine Option. Wir brauchen eine neue Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung, die das Zukunftsmodell „bäuerlich und ökologisch“ praktisch umsetzt. Die EU-Kommission hat hier einen guten Vorschlag gemacht. Sie will eine Obergrenze für Subventionen und die Förderung der Agrarbetriebe an die Anzahl der Arbeitskräfte koppeln. Heute ist es so, dass die Zuschüsse nach der Größe des Betriebs berechnet werden. Das bedeutet, ein 2.000 Hektar großer, durchrationalisierter Agrarbetrieb mit fünf Angestellten bekommt 600.000 Euro, und der ebenfalls 2.000 Hektar große Ökohof Brodowin mit 50 Arbeitskräften erhält die gleiche Förderung. Mit einer Koppelung der Subventionen an die Anzahl der Arbeitskräfte kann diese Wettbewerbsverzerrung abgeschafft werden. Bundesregierung und Bauernverband wollen hingegen, dass es so wie bisher weitergeht. Deswegen ist die Demonstration „Wir haben es satt!“ der Auftakt und danach folgt eine ganzjährige Kampagne „Meine Landwirtschaft“. Denn viele Menschen in dieser Republik sagen: Es sind unsere Steuergelder, und wir haben mitzuentscheiden, für welche Lebensmittelerzeugung dieses Geld ausgegeben wird.

Wie können Bauern und Verbraucher selbst aktiv werden?
Jeder hat Verantwortung zu übernehmen. Die Futtermittelindustrie muss auf allen Ebenen, also auch bei den Vorlieferanten, hinterfragt werden. Die Bauern können auf eine tiergerechte Haltung und Fütterung umstellen. Und nicht zuletzt müssen die Verbraucher hinterfragen, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden. Also nicht: Augen zu, möglichst billig und durch den Bauch...

Was erhoffen Sie sich von der „Wir haben es satt!“-Demonstration?
Diese Demonstration ist eine äußerst spannende Angelegenheit, weil dort verschiedene Bewegungen von kritischen Bauern über Dritte-Welt-Aktivisten, Verbände für eine gentechnikfreie Landwirtschaft bis hin zu Organisationen, die sich gegen Massentierhaltung einsetzen, erstmals zusammengeführt werden und gemeinsam öffentlich ein Signal für eine andere Landwirtschaft setzen. Ein solches breites Bündnis ist unser solides Fundament für eine neue Agrarpolitik. Und manchmal haben wir den lieben Herrgott auf unserer Seite... Wir haben die Demonstration im August 2010 geplant. Jetzt hilft uns quasi die Futtermittelindustrie, dass die Mobilisierung gut laufen wird.

 

Alle Informationen zur "Wir haben es satt!"-Demo

Webseite des Demobündnisses

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"Reagiere Sie auf den Dioxinskandal, Frau Merkel" - Schreib der Kanzlerin eine Protestmail

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Wir haben es satt

Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporten. Demonstration am 19. Januar 2013 in Berlin.

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Starkes Signal gegen Tierfabriken

Im Berliner Regierungsviertel demonstrierten auch hunderte Grüne für eine ökologische Agrarwende und gegen Massentierhaltung.

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Bauernhöfe statt Agrarfabriken

Kommt am 22. Januar zur Demo gegen Massentierhaltung und Gentechnik.

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Du willst etwas verändern?

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Kommentare

pro Atomkraft
20-01-11 03:21
... da ist sie wieder die Panikmache der Grünen. Jedes Thema, mit dem Angst bei der Bevölkerung geschürt werden kann wird genutzt... Das bei Verzehr von Öko-Produkten durch die Freilandhaltung der Tiere und deren Dioxinaufnahme aus der Umwelt insgesamt mehr Dioxin aufgenommen wird als bei herkömmlich erzeugten Produkten wird dabei selbstverständlich verschwiegen - das passt dann nicht ins "Öko-Konzept".

... dann hoffen wir mal, dass das "Zukunftsmodell - bäuerlich ökologisch" nur ein Modell bleibt. Anderenfalls erwartet sowohl den Steuerzahlern über die Subventionen höhere Ausgaben als auch den Verbraucher über die viel zu teuren Bio-Preise mit der gesamten Augen-Wischerei von Öko eine kräftige Preissteigerung. Wettbewerbsverzerrung wird bei Förderung der Arbeitsplätze anstelle der Fläche jedenfalls erst richtig geschaffen als abgeschafft. Damit subventionieren wir dann die Betriebe, bei denen der Fortschritt keinen Einzug gehalten hat und fördern diese uneffiziente Arbeitsweise dann auch noch - je nachdem, wie lange wir uns das leisten können...

... am Besten der AbL schreibt dem Verbraucher auch gleich vor, was er kaufen darf und was nicht... So sieht es also mit der freien Entscheidung des Verbrauchers aus. Jedes Stück Fleisch, jede Flasche Milch und jedes Ei soll also zuvor seinen Lebenslauf abgeben, für den ich mich als Verbraucher auch noch zu interessieren habe. Und selbst das Öko-Produkt des Öko-Bauern hilft mir nur wenig weiter, wenn dieser Bauer Futter zukaufen muss... - wie geschehen bei diesem Dioxin-"Skandal".
Ein kritischer Bürger
19-01-11 23:28
Als ich von den Anpassungen der EU-Zuschüsse im Radio gehört habe dachte ich auch "Gut! ein Schritt in die richtige Richtung". Bin mir aber nicht sicher ob die Begründung nur verwendet wird, um bei den größeren Betrieben kürzen zu können.
Ich würde ja vorschlagen einen Teil der frei werdenden Zuschüsse zu nutzen um alle Landwirte von den Sozialversicherungsbeiträgen zu befreien.
Dies würde den Kostendruck etwas dämpfen, den Großbetrieben wenig helfen, dafür aber den kleinen, regionalen Betrieben sehr viel!!
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