Auf gelbem Hintergrund steht zwischen zwei Balken: "Urwahl: Basis ist Boss" und darunter "Bis zum 1.11. Mitglied werden und mitbestimmen!". Daneben vier hoch gehaltene Arme.
Links ein rauchender Kohleschlot, aus dessen Qualm zwei Hände Geldmünzen in Richtung einer Photovoltaikanlage fallen lassen.
Foto: © dpa

Kein Geld für Kohle, Öl und Gas

Auf der Internationalen Grünen Divestment Konferenz am 1. September in Paris diskutieren wir, wie wir die Dekarbonisierung zum Erfolg führen. Dafür zentral ist, dass die Finanzmärkte Klimalösungen, nicht Klimaprobleme fördern. Angelehnt an die Divestment-Bewegung gegen das südafrikanische Apartheid Regime stellt auch diese neue Divestment-Bewegung das Ziel auf, dem klimaschädlichen fossilen Energiesektor die finanziellen Stützen zu entziehen.

LIVESTREAM: An dieser Stelle wird es am Dienstag, 1. September ab 11 Uhr den Livestream der Konferenz geben.

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Die Internationale Divestment-Bewegung setzt sich dafür ein, Investitionen in fossile Energien systematisch herunterzufahren. Damit erzielt die ursprünglich in Amerika beginnende Bewegung, jetzt auch in Europa zunehmend Erfolge. Am 1. September wird eine große Divestment Konferenz in Paris die Gelegenheit bieten, die Erfahrungen und Perspektiven dieser Bewegung mit herausragenden Experten zu diskutieren. Veranstaltet wird diese Konferenz unter dem Titel „Stop Financing Fossil Fuels – Fight Climate Change“ von der Europäischen Grünen Partei, zusammen mit der Grünen Europafraktion und der NGO 350.org. Die Teilnahme ist kostenlos und ein Livestream verfügbar, eine jedoch Anmeldung erwünscht.

Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, Stiftungsvermögen, Gebietskörperschaften, Kirchen, oder andere institutionelle Investoren - sie alle können einen wirksamen Beitrag zur Klimaschutzpolitik leisten. Das Einzige was sie tun müssen, ist sich zu weigern, Geld im Kohle-, Öl- oder Gassektor anzulegen bzw. bestehende Investitionen zurückziehen.

Vorbild: Kampf gegen die Apartheid

Die Divestment-Bewegung, die genau das verlangt, hat als historisches Vorbild die vor rund 40 Jahren organisierte Divestment-Bewegung gegen das rassistische Südafrika, um der Apartheid finanzielle Stützen zu entziehen. Es ist ein politischer Impuls: Wir wollen nicht, dass Finanzmarktakteure durch ihre Investitionen das fördern, was wir aus guten Gründen politisch bekämpfen. Für Divestment gibt es neben den klimapolitischen vor allem auch ökonomische Gründe: Weil nicht alle fossilen Ressourcen, die bekannt sind, gefördert und genutzt werden dürfen, wenn der Klimawandel nicht völlig außer Kontrolle geraten soll, wenn die Erderwärmung auf weniger als durchschnittlich +2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden soll, verwandeln sich Gelder, die in diese Sektoren gesteckt werden, in Anlagen, die sich nicht rentieren können. Voraussetzung ist natürlich,  dass geeignete Gesetze gemacht werden, um den Klimawandel einzudämmen. Aber können Finanzinvestoren sich darauf verlassen, dass das in den nächsten 20, 30, 40 Jahren nicht geschieht? Wohl kaum.

Es kommt Bewegung auf

Im Vorfeld der Pariser Klimakonferenz zeigt sich, das selbst in Ländern, die klimapolitisch fast nur auf der Bremse standen, etwas in Bewegung kommt. Die letzte Enzyklika des Papstes hat Zeichen gesetzt. Dass der G7 Gipfel in Deutschland sich zum Ziel der Dekarbonisierung der Wirtschaft bekannt hat, signalisiert auch den wachsenden Einfluss der Klimakritik. Investoren, die diese Zeichen der Zeit nicht erkennen, riskieren, irgendwann auf wertlos gewordenen fossilen Anlagen sitzen zu bleiben. Diese Logik können wir nutzen, um die Divestment-Bewegung zu stärken.

Immer mehr sprechen sich für Divestment aus: Wissenschaftler wie Professor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, der Erzbischof Desmond Tutu, die Autorin Naomi Klein oder Noam Chomsky, der Weltrat der Kirchen, die Ärzteorganisation British Medical Association und viele mehr. Und das Divestment findet auch schon statt. So hat sich zum Beispiel der Rockefeller Brothers Fund dazu entschlossen. Und der norwegische Staatsfonds, als größter Staatsfonds der Welt, wurde vom dortigen Parlament beauftragt, Kohleinvestitionen abzustoßen.

Dem De-Investment folgt das Re-Investment in Nachhaltigkeit

Natürlich müssen dem Divestment intensive Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zur Seite treten. Und es stellt sich dabei die Frage, wie die Finanzmärkte verändert werden müssen, um das voranzutreiben. Alle diese Fragen werden bei der Konferenz diskutiert werden, zusammen unter anderem mit dem Autor, Aktivist und Mitgründer von 350.org Bill McKibben – vom Magazin Foreign Policy als einer der 100 wichtigsten globalen Denker bezeichnet und mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet - , mit Marjan Minnesma, die mit ihrer NGO Urgenda die niederländisch Regierung vor Gericht zu mehr Einsatz gegen den Klimawandel verpflichtet hat, Marianne Marthinsen, Mitglied des norwegischen Finanzausschusses, der das Divestment des Staatsfonds mit vorbereitete, Mark Campanale, Gründer des Finanz- und UmweltexpertInnen Think Tanks Carbon Tracker, Nick Robins, der für das UN-Umweltprogramm eine Untersuchung zum Design eines nachhaltigen Finanzsystems durchführt, oder Julia Christian, die eine studentische AktivistInnengruppe gründete, mit der sie die Leitung der University of London dazu brachte, das im Öl- ,Kohle-, und Gassektor angelegte Vermögen umzuschichten.

ANMELDUNG ZUR KONFERENZ

Konferenzbroschüre

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