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Eine Frau steht an einem Zaun von einem geräumigen Stall, in dem Schweine auf Stroh liegen.
Foto: © gruene.de (CC BY 3.0)

Simones Sommertour

Simone Peter, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, war auf Biohof-Sommertour quer durch Deutschland. Für gruene.de berichtet sie von ihren Besuchen bei mehr als zwei Dutzend Betrieben und Initiativen in neun Bundesländern rund um die Themen gute Lebensmittel, ökologische Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung.

Die Sommertour 2015 stand ganz im Zeichen guter Lebensmitteln, umweltverträglicher Landwirtschaft und artgerechter Tierhaltung - von Ostfriesland bis zum Bodensee. Auf Betrieben wie dem Obergrashof in Oberbayern, dem Ökoweingut Bäcker im Ahrtal, dem Gärtnerhof Kuschkow in Brandenburg, dem Biolandhof Freese bei Leer oder dem Demeterhof Bentele nahe Friedrichstadt konnte ich mich vor Ort vom Nutzen der ökologischen Landwirtschaft überzeugen: die Herstellung gesunder Lebensmittel ohne Einsatz von Gentechnik, Pestiziden oder Chemiedünger, ein schonender Umgang mit Wasser und Böden, mehr Artenvielfalt auf dem Acker und weniger klimaschädliche Emissionen. Bei diesen Vorzügen ist es kein Wunder, dass die Nachfrage nach Biolebensmitteln stetig steigt, wie mir Fach- und Großhändler wie der BODAN-Biovertrieb auf meiner Tour bestätigten.

Doch weil die heimische Produktion stagniert, müssen immer mehr Bio-Lebensmittel importiert werden – ein Armutszeugnis für die deutsche Agrarpolitik. Die Bäuerinnen und Bauern, mit denen ich sprach, nannten eine Reihe von Gründen, warum nicht mehr Höfe auf Bio umstellen: Hohe Pachtpreise, bürokratische Vorgaben, vor allem aber eine verfehlte Agrarförderung, die industrielle Massenproduktion bevorzugt. Noch wird mit den 55 Mrd. Euro aus den Agrartöpfen der EU vor allem Masse statt Klasse gefördert. Das muss sich ändern. Wir GRÜNE wollen die Förderung konsequent daran ausrichten, was landwirtschaftliche Betriebe für den Natur-, Klima- oder Tierschutz leisten.

Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte für die Allgemeinheit müssen sich stärker auszahlen: Das gilt auch für konventionelle Betriebe, die bestrebt sind, umweltfreundlich und tiergerecht zu wirtschaften. Deshalb habe ich auf meiner Tour bewusst auch solche Betriebe besucht, etwa den kleinen Unterhohnenhof im Schwarzwald, der mit 20 Milchkühen in Steilhanglage köstlichem Bergkäse produziert und so zum Erhalt des reizvollen Landschaftsbilds beiträgt. Oder den Freilandbetrieb Hönighof in Überlingen, der sich durch regionale Vermarktungsstrategien erfolgreich der Abwanderung der Hühnerhaltung in norddeutsche Megaställe und dem Preisdruck der Lebensmittel-Discounter widersetzt.

Faire Preise für hochwertige Lebensmittel aus umweltfreundlicher Produktion – das sollte überall das Ziel sein. Stattdessen tobt derzeit, ob bei Eiern oder der Milch, immer noch ein brutaler Preiskampf um Zehntelcent, zulasten der LandwirtInnen, zulasten des Tierschutzes und zulasten der Natur. Davon wussten etwa die Betreiber des Milchhofs Willi Quink bei Königswinter oder der gläsernen Molkerei im brandenburgischen Münchehofe ein Lied zu singen. Eine nachhaltige Lösung, das wurde in vielen Gesprächen klar, wird sich nur im Zusammenspiel der Politik mit ErzeugerInnen und VerbraucherInnen finden lassen.

Dass die Grenze zwischen diesen beiden Gruppen immer häufiger verschwimmt, zeigen spannende Projekte der solidarischen Landwirtschaft wie der Hanfer Hof im Rhein-Sieg Kreis. Dort baut eine Landwirtschaftsinitiative auf rund 16 Hektar Gemüse an, das auch von den über 100 Mitgliedern mitgepflegt und geerntet wird. In einem Verteilnetzwerk wird die Ernte wöchentlich verteilt und so eine direkte Partnerschaft zwischen Verbraucher und Bauer hergestellt. Und auch die Foodsaver-Initiative Osnabrück sorgt dafür, dass Lebensmittel beim Verbraucher und nicht auf dem Müll landen. Sie sammelt Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden, in Läden und auf Märkten ein und stellt sie in einem öffentlich zugänglichen Kühlschrank den Bürgerinnen und Bürgern zu Verfügung.

Absolut nachahmenswert ist auch das Projekt Essbare Stadt Andernach: Seit 2010 werden mitten in der Stadt am Rhein Obst, Gemüse und Kräuter angebaut - und jeder darf sich bedienen. So werden Parks und Grünanlagen zu öffentlichen Gärten, die das Stadtbild ebenso bereichern wie den Speiseplan der Bürgerinnen und Bürger. Eine tolle Verwirklichung des Nachhaltigkeitsgedankens, wie ich meine!

Nachhaltigkeit, das heißt immer auch, an das Ganze zu denken. Das habe ich auf meiner Sommertour immer wieder erlebt. Denn viele der Projekte und Betriebe, die ich besuchte, setzten auch jenseits von Acker, Beet und Stall Maßstäbe: Sei es durch die Solaranlage auf dem Scheunendach oder klimaschonende Niedrigenergie-Gewächshäuser, durch die patentierte Mehrweg-Eierbox bis zum flüsterleisen Kühlfahrzeug für die Lebensmittel-Auslieferung. Oder durch innovative Ansätze im Sozialen, wie die FlüchtlingsgärtnerInnen in den Weltgärten bei Hannover, die zusammen mit Flüchtlingen einen gemeinsamen Garten anlegen und bewirtschaften.

Quer durch unsere Republik sind mir auf meiner Sommertour unzählige Menschen begegnet, die ihre Umwelt lieben, im Einklang mit der Natur wirtschaften und neue Ideen haben für eine nachhaltige Zukunft. Sie kennengelernt zu haben ist mir Inspiration und Antrieb für meine weitere Arbeit.

Auswahl der Presseberichterstattung zur #hoftour:

Grünen-Chefin auf Hoftour. Ostfriesenzeitung vom 07.07.2015

Grünen-Vorsitzende besucht Foodsharing Osnabrück. NOZ vom 08.07.2015

Foodsharing Osnabrück stellt nächsten Kühlschrank auf. NOZ vom 08.07.2015

Grüne möchten mehr Bio-Produkte. Generalanzeiger vom 08.07.2015

Grünen-Bundeschefin auf Bio-Tour. Lausitzer Rundschau vom 21.07.2015

Simone Peter besucht Obergrashof. Süddeutsche Zeitung vom 26.07.2015

Rote Radler und grüne Geschichten. Augsburger Allgemeine vom 27.07.2015

Überzeugter Bio-Landwirt. Schwäbische Zeitung vom 29.07.2015

Eine Spitzenpolitikerin auf dem Hönighof. Südkurier vom 29.07.2015

Simone Peter besucht Landwirte. Südkurier vom 29.07.2015

Landwirte fordern Verlässlichkeit. Schwarzwälder Bote vom 29.07.2015

Biobauern beklagen „Kriegszeiten“. Augsburger Allgemeine vom 30.07.2015

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