Text: "Der September wird Grün. Unterstütze die grünen Wahlkämpfe", daneben ein schwarzer Kreis mit einem grünen Kreuz drüber.
Ein junger Mann leiht ein Fahrrad an einer Verleihstation aus.
Foto: © Liudmyla Supynska/iStock

Das Teilen und das Geld

Gemeinsam nutzen statt allein besitzen: Die Share Economy trägt zu nachhaltigerem Wirtschaften bei, wirft aber auch kritische Fragen auf.

Das Regal soll sicher verschraubt werden, aber im Haushalt fehlt die Bohrmaschine? Kein Problem, auch ohne freundliche Nachbarn. Immer mehr Vermittlungsplattformen machen es möglich, via Internet oder mobiler App mit völlig Fremden Dinge zu teilen und zu tauschen. Share oder Sharing Economy heißt der globale Trend. KoKonsum oder kollektiver Konsum lautet das deutsche Schlagwort für die Bewegung, die traditionellen Tauschhandel, Verschenken und Verleihen neu erfindet.

Neue Konsummuster

Aus grüner Sicht trägt die Teil- und Tausch-Ökonomie zum ökologischen Umbau der Wirtschaft bei. Es sei wichtig, „die Lust am Teilen neu zu wecken und das individuelle Glück nicht mehr mit dem unbegrenzten Wachstum des Besitzes zu verknüpfen“, sagt die grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Paus. „Share Economy entspringt aus den grünen Werten von Innovation, Nachhaltigkeit, Teilhabe und Kollaboration. Sie kann ein Ausdruck praktischer Wachstumskritik sein, weil Konsummuster hinterfragt und Alternativen aufgezeigt werden.“ Gemeinsam genutzte Autos sind effektiver genutzte Autos. Mitwohngelegenheiten ermöglichen dem einen günstiges Reisen oder Übernachten, der andere erhält einen Zuschuss zu seinen Kosten. Produzierte Dinge bleiben länger im Kreislauf. Ressourcen werden geschont. Weniger Müll und Emissionen belasten die Welt.

Regeln für schwarze Schafe?

Doch soziale und ökologische Motive bewegen nicht jeden, der im Sharing-Bereich unterwegs ist. Neben dem Teilen – kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr – gibt es das rein kommerzielle Vermieten. Dass mit innovativen Geschäftsideen im Internet Geld verdient wird, ist nicht verwerflich. Problematisch wird es, wenn Firmen ihren Erfolg darauf gründen, dass Gesetze umgangen, Mindestlöhne unterlaufen und Steuern nicht gezahlt werden. Besonders in der Kritik stehen immer wieder der Mitfahrdienst Uber und der Wohnungsvermittler Airbnb. „Sie unterscheiden sich nicht von anderen in ihrem Streben nach Gewinnmaximierung und müssen deshalb ebenfalls auf soziale oder wohnungspolitische Standards verpflichtet werden“, fordert Lisa Paus. Trotz solcher Marktmechanismen bleiben der kollektive Konsum und seine Spielarten Repair Economy, Transition Town oder Do it yourself eine wirkungsvolle Graswurzelbewegung, betont der Nachhaltigkeitsexperte Reinhard Loske (vgl. Beitrag im schrägstrich 2/2014). Neben der Politik seien auch die Netzgemeinde, die Ökologiebewegung und die Gewerkschaften gefragt, damit die Bewegung nicht zum Spielball der Internetriesen werde.

Autorin: Andrea Schmitz (schrägstrich)

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