Header bestehend aus Logo und aktuellem Thema

Hauptinhalte

Unternehmer findet grüne Steuerpolitik mutig

Während das Privatvermögen unter der Merkel-Koalition auf sieben Billionen Euro geklettert ist, erreichte auch die öffentliche Verschuldung neue Höchststände. Eine neue Steuerpolitik ist dringend nötig. Der Unternehmer Josef Rick unterstützt die grünen Pläne und erklärt aus eigener Erfahrung, warum höhere Steuern für Spitzenverdiener gerechtfertigt sind.

Josef Rick spricht auf einem Podium.
Josef Rick ist Dozent und Immobilienverwalter. Foto: © Josef Rick

gruene.de: Herr Rick, können sie etwas zu ihrer Person sagen?

Josef Rick: Meine Frau und ich gehören - durch viel Glück, sicher auch ein wenig eigene Leistung - seit Jahren zu den Einkommensmillionären in Deutschland. Nach meiner akademischen Arbeit, ich bin promovierter Ökonom, war ich bis Ende letzten Jahres knapp 30 Jahre lang für die Boston Consulting Group (BCG) als Unternehmensberater tätig. Parallel bin ich seit 1982 Gesellschafter und seit Beginn 2013 auch Geschäftsführer eines mittelständischen Immobilienunternehmens. Wir fühlen uns gerade als sogenannte Besserverdienende besonders verantwortlich für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft und unseres Staates.

Sie haben beruflich engen Kontakt zu den Spitzenverdienern in Deutschland. Wie hoch fallen die Steuerbescheide in diesem Kreis typischerweise aus?

Wir müssen wie alle besserverdienenden Arbeitnehmer für unser Arbeitseinkommen rund 42 Prozent (plus Zuschläge) Ertragssteuern abführen, allerdings sind auf unsere Kapitalerträge nur etwas mehr als 25 Prozent und auf die Gewinne unseres Unternehmens sogar nur ca. 16 Prozent als Steuern abzuführen. Es ist wirklich ungerecht, wenn große Teile von Millioneneinkommen in Deutschland mit weniger als 35 Prozent zur Finanzierung unseres Staates herangezogen werden.

Was halten sie von den grünen Steuerplänen?

Meine Frau und ich unterstützen die Steuervorschläge der Grünen. Zum einen wird die oben beschriebene Gerechtigkeitslücke klar adressiert. Zum anderen finden wir es sehr mutig, mit Vorschlägen für mehr Steuergerechtigkeit in den Wahlkampf zu ziehen. Das nötigt uns großen Respekt ab. Denn die Grünen setzten sich damit der öffentlichen Kritik und Polemik aus. Reflexartig werden beim Thema Steuererhöhung niedere Instinkte vom politischen Gegner geweckt, um beim Wahlpublikum zu punkten. Durch die grünen Steuervorschläge könnte jedoch auch eine sachliche Neubetrachtung dieses Themas erfolgen. Dankenswerterweise stellen sich ja potenziell Betroffene - wie auch wir es hier versuchen - dieser Diskussion. Denn Aufklärung tut Not.

Sehen sie nicht die Gefahr, dass ein höherer Spitzensteuersatz letztlich die Volkswirtschaft schwächt, auch weil Investitionen zurückgehen?

Nein, dieses Problem besteht überhaupt nicht. Als Ökonom wundere ich mich immer über das Argument, dass höhere Steuern für Bestverdienende die Konjunktur schwächen würden. Das Gegenteil ist der Fall: Vielverdiener haben die geringste Konsumneigung. Hingegen führen zusätzlich mögliche Staatsausgaben 100 Prozent zu zusätzlicher Nachfrage.

Gleichzeitig kann ich - auch aus Kenntnis vieler Unternehmen in Deutschland - sagen, dass bei den derzeitigen Rahmenbedingungen nur ganz selten die Finanzierung der begrenzende Faktor für neue Investitionen ist. Dies liegt an den niedrigen Zinsen und der großenVerfügbarkeit von Fremd- und Eigenkapital gerade in Deutschland. Als Fazit kann man sagen, die grüne Steuerpolitik wird eine konjunkturstützende Wirkung haben.

Sie sind selbst Unternehmer. Ist eine funktionierende staatliche Infrastruktur wichtig für ihr Geschäft?

Eine gut funktionierende Infrastruktur ist für fast alle Unternehmen von essentieller Bedeutung. Deutschland hat definitiv einen Nachholbedarf auf diesem Gebiet. Selbst elementare staatliche Dienstleistungen sind unterfinanziert. Das führt zu Investitionsstaus: Selbst das erklärtermaßen schuldenfreie Düsseldorf schafft es nicht, die derzeit dringend benötigten Wohngebäude in weniger als neun Monaten zu genehmigen. Die Rechtssicherheit ist teilweise gefährdet, da Urteile oder Vollstreckungen viel zu lange brauchen. Die Justiz ist überbelastet und unterbesetzt. Ich könnte die Reihe beliebig fortsetzen.

Deshalb kann es nur heißen, dass wir Besserverdienende in diese Finanzierungsbresche springen müssen. Die Gesellschaft hat uns unser Vermögen und unser Einkommen ermöglicht und viele von uns möchten auch gerne einen adäquaten Anteil davon zurückgeben.