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Eine Frau hat ein Mädchen auf dem Schoß und guckt sich mit ihr zusammen ein Buch an. Im Hintergrund spielen drei Kinder.
Beschäftigte in sozialen Berufen leisten viel für unsere Gesellschaft - deshalb wollen wir sie stärken. Foto: © Getty/skynesher

Soziale Berufe: Mehr Wertschätzung – bessere Arbeitsbedingungen

Ob Krankenschwester, Pfleger oder Erzieherin: Die Arbeit der Beschäftigten in sozialen Berufen ist für unsere Gesellschaft von enormer Bedeutung. Sie verdienen mehr Wertschätzung! Wir setzen uns deshalb für mehr Personal, eine bessere Bezahlung, mehr Mitsprache und Aufstiegsmöglichkeiten ein. Katrin Göring-Eckardt legt hierfür ein Maßnahmenpaket vor.

Portraitfoto von Katrin Göring-Eckardt
Katrin Göring-Eckardt bildet zusammen mit Cem Özdemir das grüne Spitzenduo zur Bundestagswahl 2017. Foto: © Harry Weber/gruene.de

Rund eine Million Beschäftigte versorgen jeden Tag pflegebedürftige Menschen in den Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten in Deutschland. Knapp 400.000 beschäftigte Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen sind Vorbilder, Mentorinnen und Spielkameraden. Sie legen damit das Fundament für die Zukunft und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Es sind die Beschäftigten in sozialen Berufen – überwiegend Frauen - deren Arbeit für unsere Gesellschaft von enormer Bedeutung ist. Sie kümmern sich um unsere Kinder, sie pflegen unsere Eltern. Die Menschen, die uns am wichtigsten und die am verletzlichsten sind, geben wir in ihre Hände.

Wir Grüne wollen den sozialen Berufen endlich den Stellenwert geben, den sie verdienen. Für uns heißt das insbesondere mehr Personal, eine bessere Bezahlung, mehr Mitsprache und Aufstiegs-möglichkeiten. Zudem werden wir dafür sorgen, dass sich die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern verringert. Da wir in Zukunft noch deutlich mehr Menschen brauchen, die in Pflege und Erziehung arbeiten, muss die Arbeit in diesen Branchen deutlich attraktiver werden.

Entlastung in der Pflege- und Erziehungsarbeit durch bessere Personalausstattung

Die sehr hohe Arbeitsbelastung in den sozialen Berufen entsteht zumeist dadurch, dass Kolleginnen und Kollegen fehlen, um mit anzupacken oder eine Erzieherin gleichzeitig Windeln wechseln, trösten und vorlesen muss. Wir fordern deshalb grundsätzlich eine Personalausstattung, die den verantwortungsvollen Aufgaben gerecht werden kann.

  • Ausreichend Personal in Pflegeeinrichtungen: Voraussetzung für eine andere Personalausstattung ist ein Instrument, das den tatsächlichen Personalbedarf in Pflegeeinrichtungen und -diensten ermittelt. Auf Bundesebene muss daher zügig ein Personalbemessungsinstrument erarbeitet und verbindlich eingeführt werden.
  • Ein guter Betreuungsschlüssel in allen Kitas, damit Erzieherinnen und Erzieher ausreichend Zeit für die Kinder, für Vor- und Nachbereitung und Elterngespräche haben. Das soll gesetzlich bundesweit sichergestellt werden.

Gute Arbeitsbedingungen durch bessere Bezahlung und mehr Mitsprache

Wir müssen den Maßstab zurechtrücken: Pflege- und Erziehungsarbeit ist verantwortungsvolle Arbeit, die uns mehr wert sein muss. Spitzen-Manager verdienen mit ihren Boni in der Stunde das, was Erzieherinnen in einem ganzen Monat bekommen. Das passt nicht zusammen. Eine bessere Bezahlung in den sozialen Berufen ist dringend erforderlich. Für zu viele Beschäftigte gilt bisher keinerlei Tarifvertrag. Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen in die Pflicht genommen werden, einen konkreten Beitrag zum Abbau der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu leisten. Zudem muss es bessere Möglichkeiten geben, die Arbeitszeiten selbstbestimmt zu gestalten und mit dem Privat- bzw. Familienleben in Einklang zu bringen.

  • Ein allgemein verbindlicher Tarifvertrag Soziales: Um die Arbeitsbedingungen in kommunalen und privaten Einrichtungen sowie bei kirchlichen und weltlichen Wohlfahrtsverbänden flächendeckend zu verbessern, braucht es einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag für soziale Berufe. Nur so kann eine flächendeckende Aufwertung der sozialen Berufe und die Gleichstellung in diesen Branchen wirkungsvoll vorangebracht werden. Wir setzen uns dafür ein, dass es auf diesem zentralen Feld schnellstmöglich zu einer Einigung von Gewerkschaften und Arbeitgebern auf Bundesebene kommt.
  • Bessere Mitgestaltung der Arbeitszeiten: Auslaugender Schichtdienst und unflexible Arbeitszeitregelungen tragen maßgeblich zur Belastung der Beschäftigten bei und schmälern die Attraktivität dieses Berufsfeldes. Wir wollen, dass die Beschäftigten eine gesetzlich garantierte Mitsprache über den Umfang und die Lage ihrer Arbeitszeit erhalten, damit Arbeit gut in ihr Leben passt. Bei der Aufstellung von Schichtplänen sollen die Bedürfnisse der Beschäftigten stärker berücksichtigt werden. Ein Schichttausch muss möglich sein. Die Arbeitgeber müssen diesen Wünschen nachkommen, sofern keine betrieblichen Gründe entgegenstehen.
  • Mehr Mitsprache - Eine Lobby für die Pflege: Im Gesundheitssystem werden zahlreiche Entscheidungen, die den Alltag in den Kliniken prägen, in Gremien getroffen, in denen nur Ärzte und Kassen sitzen. Pflegekräfte kommen dabei kaum zu Wort, obwohl sie die Konsequenzen mittragen müssen und wertvolle Erfahrung einbringen könnten. Sie brauchen gesicherte Mitspracherechte im Pflege- und Gesundheitssystem bei allen Entscheidungen, die sie betreffen. Das ist entscheidend für die Zukunft der Pflege.

Attraktive Ausbildung für die Fachkräfte von morgen

Ausschlaggebend für die Berufswahl junger Menschen sind die Ausbildungsbedingungen und die beruflichen Perspektiven, die sich auch zukünftig für sie eröffnen. Attraktive und zukunftsorientierte Ausbildungen sind deswegen das A und O, um die Fachkräfte von morgen zu gewinnen.

  • Investitionsoffensive für Qualität in Kitas: Für den Ausbau und eine bessere Qualität der Kindertagesbetreuung soll der Bund 3 Milliarden Euro pro Jahr investieren. Damit werden auch die Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher besser. Der Bund muss stärker in die Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern investieren - zum Beispiel für gezielte Fortbildungsprogramme für die Arbeit mit geflüchteten Kindern.
  • Schluss mit dem Schulgeld in allen sozialen Berufen: Die Ausbildung in sozialen Berufen muss kostenfrei sein. Junge Menschen, die einen sozialen Beruf erlernen, sollen nicht auch noch „Lehrgeld“ zahlen müssen. Für Menschen, die sich erst später für eine Umschulung in den Pflegebereich entscheiden, wollen wir die Finanzierung auch des dritten Umschulungsjahres dauerhaft sicherstellen.
  • Reform der Ausbildung - Pflegeberufe aufwerten und Qualität erhalten: Die schwarz-rote Koalition hat durch monatelangen Streit eine sinnvolle Reform der Pflegeberufe unverantwortlich gefährdet. Damit muss Schluss sein. Es muss umgehend eine Reform auf den Weg gebracht werden, die gemeinsame Lernzeiten in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege vorsieht, jeweiliges Fachwissen erhält und die Durchlässigkeit erhöht.
  • Berufsaufstieg im sozialen Bereich erleichtern: Mehr Studiengänge, vor allem auch an Fachhochschulen, sollen dazu führen, dass es überall einen guten Mix aus „gelernten“ und „studierten“ Fachfrauen und –männern gibt.